Uwe Tellkamp

 3.5 Sterne bei 207 Bewertungen
Autor von Der Turm, Der Eisvogel und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Uwe Tellkamp

Uwe Tellkamp ist am 28. Oktober 1968 in Dresden geboren. Der Arztsohn tritt 1987 in die NVA ein, um seinen Wehrdienst abzuleisten und sich einen Studienplatz für Medizin zu sichern. Er steigt bis zum Dienstrang eines Unteroffiziers auf und wird Panzerkommandant. Als er sich 1989 weigert, gegen Oppositionelle vorzugehen, wird ihm das Kommando und der Studienplatz für Medizin entzogen. Tellkamp wird inhaftiert und in ein Strafbataillon versetzt. Nach der Wende studiert er Medizin in Leipzig, New York und Dresden. Nach dem Ende seines Studiums fängt er als Arzt in einer Unfallchirurgie in München an. 2004 gibt er die medizinische Karriere auf, um sich völlig auf die Schriftstellerei zu konzentrieren. Uwe Tellkamp veröffentlicht seine ersten satirischen Texte noch zu DDR-Zeiten im „Eulenspiegel“. Sein erster Roman „Der Hecht, die Träume und das Portugiesische Café“ wird 2000 veröffentlicht. Das ungewöhnliche an Uwe Tellkamp Arbeitsweise ist, dass er Auszüge noch nicht abgeschlossener Buchvorhaben öffentlich präsentiert. Für die Erzählung „Der Schlaf in den Uhren“, die einen Teil des noch unvollendeten gleichnamigen Romans darstellt, erhält Tellkamp den „Ingeborg-Bachmann-Preis“. Die Geschichte wird später sogar zur Pflichtlektüre der Abiturienten in Niedersachsen für die Jährgänge 2008 und 2009 ernannt. 2005 bringt er die Erzählung „Der Eisvogel“ heraus, die unter den Literaturkritikern für kontroverse Diskussionen sorgt. 2008 wird das Buch „Der Turm. Geschichte aus einem versunkenen Land“ publiziert. Der Roman befasst sich mit der Zeit nach der Wende und stellt nur den Anfang einer Reihe dar. Für das Werk erhält er 2008 den „Deutschen Buchpreis“ und 2009 den „Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung“. Zu Gunsten des Werks „Der Turm“ ließ er die Arbeit an „Der Schlaf in den Uhren“ erstmal ruhen. Fast abgeschlossen ist die Arbeit an „Der Zitronenrabe“. Mit „Nautilus“ plant Tellkamp ferner eine größere Trilogie. Daneben möchte er auch einen lyrischen Band, eine Arbeit über Autoren und Literatur, sowie eine biographische Sammlung veröffentlichen.

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Die Carus-Sachen

Neu erschienen am 10.09.2018 als Hardcover bei Insel Verlag.

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Der Turm

Der Turm

 (166)
Erschienen am 15.03.2010
Der Eisvogel

Der Eisvogel

 (29)
Erschienen am 19.04.2010
Die Schwebebahn

Die Schwebebahn

 (1)
Erschienen am 16.04.2012
Die Sandwirtschaft

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 (1)
Erschienen am 25.01.2009
Die Uhr

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 (0)
Erschienen am 01.08.2010
Die Carus-Sachen

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 (0)
Erschienen am 10.09.2018

Neue Rezensionen zu Uwe Tellkamp

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Rezension zu "Der Turm" von Uwe Tellkamp

Uwe Tellkamp | DER TURM
Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr

INHALT: Der mit knapp 1.000 Seiten doch recht umfangreiche Roman handelt von den letzten Jahren der DDR aus der Sicht mehrerer Charaktere der Dresdner Oberschicht, wohnhaft im noblen Villenviertel Weißer Hirsch, genannt: Der Turm. Eine umfassende Inhaltsangabe ist an dieser Stelle kaum möglich, es passiert einfach zu viel und die Anzahl der auftretenden Personen geht an die Hundert. Nach einigen Kapiteln kristallisieren sich jedoch drei Hauptfiguren heraus.

Da ist zum einen Richard Hoffmann, mit dessen 50. Geburtstag Ende 1982 der Roman beginnt. Richard ist erfolgsverwöhnter Chirurg an einem Dresdner Klinikum und sowohl in der Familie als auch im Kollegenkreis hoch angesehen. Zwei Geheimnisse trüben jedoch den Glanz: Zum einen seine Affäre mit Josta, einer Sekretärin im Klinikum, mit der er sogar schon ein Kind hat und eine Art Doppelleben führt; zum anderen seine Tätigkeit für das Ministerium für Saatssicherheit, die zwar schon dreißig Jahre zurückliegt, ihn aber immer noch erpressbar macht. Und eines Tages stehen wirklich zwei Herren vor der Tür, die von damals wissen, und auch von Josta, und Fragen stellen, wie wichtig es denn für Richard sei, dass alles vor seiner Familie geheim bliebe, und dass seine Kinder eine gute Ausbildung bekämen, und was er im Gegenzug für den Staat tun könne…

Richards Sohn Christian möchte/soll in die Fußstapfen seines Vaters treten und Medizin studieren. Dazu muss er sich vorher durch die Erweiterte Oberschule quälen und sich für mindestens drei Jahre zum Dienst an der Waffe bei der Nationalen Volksarmee verpflichten. Es ist nicht leicht für einen sensiblen Jungen aus gutem Hause bei der Fahne nicht unterzugehen und auch Christian muss viel einstecken. Doch so manche Suppe brockt er sich auch selbst ein: Nach einem vermasselten Übungseinsatz, der mit dem Tod eines Kameraden endet, platzt Christian der Kragen und er beschimpft Staat und System, das alles vor seinen Vorgesetzten, was ihm mehrere Monate Militärgefängnis einbringt. Sein Armeedienst erhöht sich auf fünf Jahre, das Medizinstudium kann er vergessen und dann auch noch die Schande, die er über die Familie bringt…

Meno Rohde (Richards Schwager, Christians Onkel), ist Lektor eines Dresdner Verlagshauses. Er hat die schwierige Aufgabe, die meist systemkritischen Texte seiner Autoren so zu entschärfen, dass sie einerseits nicht der kulturpolitischen Zensur zum Opfer fallen, und dass andererseits Kunst und Ehre der Schriftsteller erhalten bleiben. Ein Balanceakt, dem Meno zwischen all den Künstler- und Politiker-Egos einiges an Fingerspitzengefühl abverlangt, zumal er sich (selbst heimlicher Tagebuch-Poet) der schreibenden Zunft näher verbunden fühlt als dem Staatssystem. Mit Judith Schevola, die als großes Talent und Sprachrohr ihrer jungen Generation gilt, literarisch aber gefährlich weit in der Opposition steht, kommt Meno an die Grenzen seines diplomatischen Geschickes…

Einen wichtigen Teil des Buches nimmt aber auch die Stadt selbst ein: Dresden, neben Leipzig eine der wichtigsten Keimzellen für die Volksbewegungen, die schließlich zum Untergang der DDR führten, die zu diesem Zeitpunkt schon moribund daniederlag. In diesem Roman zeigt sich der Zerfall des Großen auch im Kleinen: Immer mehr geht kaputt, die Wohngebäude der Dresdner Neustadt verfallen, die Stromausfälle häufen sich, Wasserrohrbrüche im tiefsten Winter, alles knackt und platzt und reißt … eine starke Metapher für den desolaten Zustand des Landes, die sich im ersten Satz schon zeigt (siehe oben).

FORM: Uwe Tellkamp, zur Veröffentlichung seines Romans nicht mal 40 Jahre alt, fährt stilistisch einiges an Geschützen auf; nahezu jedes Kapitel ist in anderer Form geschrieben. Es gibt sehr realistische, aber auch traumhaft surreale Szenen; Kapitel, die aus ellenlang verschachtelten Sätzen, und Kapitel, die nur aus ein paar Dialogfetzen bestehen; es gibt wunderbar verträumte Tagebuchnotizen, Briefe an die Eltern und ganze Gespräche in sächsischem Dialekt. Und Tellkamp kann es! Stilistisch, man kann es nicht anders sagen, ist DER TURM ein Meisterstück.

»Iebrischns, Meesder«, Helmut Hoppe wandte sich an Herrn Honich, »is’ Ihr Schbanfärgelschn gans grose Glasse, gönnt misch direkt dran fäddfressn gönnt isch misch.« (Seite 616)

FAZIT: Trotz einiger Längen, die bei so einem Brocken kaum zu vermeiden sind (NVA- und Bundeswehr-Anekdoten wirken bei mir seit jeher stark einschläfernd), hat mir der Roman sehr gut gefallen. Ich kann mich gut daran erinnern, wie euphorisch DER TURM sowohl bei den Kritikern als auch bei den Lesern aufgenommen wurde, und um den riesigen Medienrummel zur Vergabe des Deutsches Buchpreis 2008 konnte man kaum einen Bogen machen. Die Vergleiche mit Thomas Manns DIE BUDDENBROOKS kamen mir damals etwas vorschnell und hochgegriffen vor, jetzt aber kann ich sie ruhigen Gewissens unterschreiben. DER TURM ist, da bin ich mir sicher, ein Buch das bleiben wird. Von mir gibt es glatte fünf Sterne.

*** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

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Anne1984s avatar

Rezension zu "Der Turm" von Uwe Tellkamp

Der Turm
Anne1984vor 3 Jahren

Der Turm beschreibt die Gesichte der Familie Hoffmann während der DDR.
Man begleitet die Einzelschicksale der gesamten Familie zwischen Doppelleben, inhaftierungen und politischer Vorgaben.
Spannend undurchsichtig und teilweise auch sehr nachdenklich werden einem die Strukturen während der DDR eindrucksvoll verdeutlicht.

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T

Rezension zu "Der Turm" von Uwe Tellkamp

Eine Kürzung um mindestens die Hälfte hätte dem Buch nicht geschadet
Tammy1982vor 3 Jahren

In "Der Turm" erzählt Uwe Tellkamp über die Familie des Arztes Richard Hoffmann die letzten Jahre der DDR bis zum Mauerfall in Dresden. Über kleine Alltagsgeschichten, aber auch vor allem über das Leben von dem einen Sohn Christian, der mit dem Wehrdienst nicht zurecht kommt, wird das Leben in der DDR und auch gerade die Zuspitzung kurz vor Ende dargestellt.

Dies alles wäre sehr interessant und hätte ich gerne gelesen. Leider neigt Uwe Tellkamp dazu sich in Schachtelsätzen zu verlieren und seitenweise über irgendwelche Nebensächlichkeiten abzuschweifen. Wenn ich nicht selber Angehörige hätte, die mir vom Leben in der DDR erzählen können, hätte ich vieles gar nicht verstanden bzw. einige der üblen Dinge, die dort passiert sind, schlicht überlesen. Die Sprache ist sehr anstrengend und oft hatte ich das Bedürfnis die Seiten einfach zu überfliegen, was ich dann aber doch nicht getan habe, da oft in einem kleinen Nebensatz oder einem kleinen Wort sich die wichtigsten Dinge versteckt haben.

Die gesamten handelnden Personen sind mir so auch nie wirklich nahe gekommen und Gefühle habe ich vergeblich gesucht. Die Personen handeln irgendwie, ergehen sich teilweise in verwirrenden Tagebucheinträgen, die ich oft gar nicht verstanden habe und die für mich im Gesamtkontext keinen Sinn ergeben haben. Daher war mir auch ihr Schicksal teilweise wirklich egal und nur immer kurz konnte ich Gefühle aufblitzen sehen oder dachte jetzt wird es emotionaler, um umso mehr auf den nächsten Seiten durch ellenlange Abschweifungen enttäuscht zu werden.

Eine Kürzung des Buches um locker die Hälfte wenn nicht noch mehr, hätte meiner Meinung nach dem Stoff sehr gut getan und das Buch zu etwas werden lassen, was wirklich die furchtbaren DDR-Zustände jedem klarmacht. Uwe Tellkamp kann das, das konnte ich sehen, aber noch mehr liebt er es wohl sich in der deutschen Sprache zu verlieren und dabei die Kernaussagen zu vergessen.

Schade, dass dieses Buch aus meiner Sicht guten Stoff so verschachtelt darstellt, dass ein Laie damit nichts anfangen kann und so ein Stück deutsche Geschichte nicht in Erinnerung bleibt, sondern man nur entnervt das Buch am Ende zur Seite legt.

Alles in allem ist dieses Buch für mich eine absolute Enttäuschung und ich vergebe noch 2 Sterne für das Festhalten wichtiger Geschichte und das teilweise Durchblitzen von doch gutem erzählerischen Können.

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Uwe Tellkamp wurde am 28. Oktober 1968 in Dresden (Deutschland) geboren.

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