Uwe Timm

 3,7 Sterne bei 980 Bewertungen

Lebenslauf

Uwe Timm ist am 30. März 1940 in Hamburg geboren, wo er auch den größten Teil seiner Kindheit und Jugend verbrachte. Nach dem Tod seines Vaters übernahm er die hoch verschuldete Kürschnerei seines Vaters. Nach der Entschuldung holte er das Abitur zusammen mit Benno Ohnesorg nach und veröffentlichte seine ersten Gedichte. Anschließend ging er nach München, um an der Ludwig-Maximilian-Universität Philosophie und Germanistik zu studieren und 1971 zu promovieren. Insbesondere im neuen Jahrtausend wurde Uwe Timm immer wieder ausgezeichnet, u.a. mit dem »Großen Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste«, dem »Schubart-Literaturpreis« und dem »Heinrich-Böll-Preis«. Als Nachkriegskind bearbeitet er besonders in seinen aktuelleren Werken die historische Sicht auf den Nationalsozialismus sowie die Ideen der 68er. Der größte Teil seiner Werke sind im Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienen. Timm lebt mit seiner Familie als freier Schriftsteller in München und Berlin und hält regelmäßig Poetik-Vorlesungen an verschiedenen deutschen und internationalen Universitäten.

Alle Bücher von Uwe Timm

Cover des Buches Die Entdeckung der Currywurst (ISBN: 9783423219082)

Die Entdeckung der Currywurst

(297)
Erschienen am 01.10.2014
Cover des Buches Am Beispiel meines Bruders (ISBN: 9783462007862)

Am Beispiel meines Bruders

(115)
Erschienen am 24.04.2024
Cover des Buches Rennschwein Rudi Rüssel (ISBN: 9783446245181)

Rennschwein Rudi Rüssel

(82)
Erschienen am 17.03.2014
Cover des Buches Rot (ISBN: 9783462308808)

Rot

(63)
Erschienen am 05.03.2015
Cover des Buches Vogelweide (ISBN: 9783423143790)

Vogelweide

(51)
Erschienen am 01.02.2015
Cover des Buches Halbschatten (ISBN: 9783462308822)

Halbschatten

(44)
Erschienen am 05.03.2015
Cover des Buches Johannisnacht (ISBN: 9783462308785)

Johannisnacht

(39)
Erschienen am 05.03.2015
Cover des Buches Morenga (ISBN: 9783423147613)

Morenga

(37)
Erschienen am 21.02.2020

Neue Rezensionen zu Uwe Timm

Cover des Buches Alle meine Geister (ISBN: 9783462005493)
Hubertus_Feldmanns avatar

Rezension zu "Alle meine Geister" von Uwe Timm

Hubertus_Feldmann
Beeindruckend

Die hier niedergelegte Autobiografie umfasst im Wesentlichen die Lehrjahre des Kürschnerlehrlings Uwe Timm. Das klingt im Abstand zur heutigen Zeit nicht besonders berauschend. Aber wer den Autor bereits kennen sollte, weiß, dass hier nicht nur über eine durchaus turbulente Lebenszeit berichtet wird, sondern dass man so einiges an Zusatzinformation mitbekommt. Nach dem Lesen wird man den (vermutlich bereits ausgestorbenen) Beruf des Kürschners mit anderen, vielleicht sogar mit glänzenden Augen sehen. Man wird quasi nebenbei zum Experten dieses Berufes, zumindest was die Aufgabenfülle betrifft.

Die Zeit (50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts) ist nicht gerade einfach, die Herausforderungen vielfältig, aber das Eingebettetsein in ein passables Umfeld ermöglicht einen Weg, den man als fast geradlinig bezeichnen könnte. Lebensentwurf/-planung bis hin zum erfolgreichen Autor sind zumindest in dieser Lebensphase mit so vielen Gedanken und Gefühlen verwoben, dass sie auch beim Rezipienten analoge Erfahrungen wecken. Man ist geneigt, dem Beispiel zu folgen, um daraus ein paar eigene Sätze vor dem Verschwinden zu bewahren. Außerdem wird man mit einer Fülle von Literaturhinweisen (teilweise mit Auszügen) so versorgt, dass man geneigt ist, sich dem einen oder anderen Werk erneut zu nähern oder überhaupt für sich zu entdecken.  

Diese „Sucht nach Worten“, diese „Lesesucht“ bekommt hier eine geeignete Plattform, und wer je ähnliches verspürt hat, fühlt sich hier aufgehoben, verstanden – endlich mal … 

Cover des Buches Am Beispiel meines Bruders (ISBN: 9783462007862)
walli007s avatar

Rezension zu "Am Beispiel meines Bruders" von Uwe Timm

walli007
Eine Annäherung

Erst als seine Nachforschungen niemanden mehr wehtun können, beginnt der Autor mit der Annäherung an seinen sechzehn Jahre älteren Bruder. Karl Heinz wurde 1924 geboren und starb 1943 im Lazarett nach einer schweren Kriegsverwundung. Er hatte sich freiwillig zum Militär gemeldet, war zur Ausbildung in Frankreich und wurde dann an die Ostfront in der Ukraine versetzt. Nach seinem Tod bekommt die Familie sein Tagebuch und seine Briefe sind erhalten. Doch was hat er wirklich über den Krieg und seinen Einsatz gedacht, was hat er gefühlt. Das wenige, was bekannt ist lässt keine eindeutigen Schlüsse zu. 


An den Bruder kann er sich kaum erinnern, zu klein war Uwe Timm als der Ältere in den Krieg zog. Zunächst wohl sogar mit Vorfreude und Enthusiasmus. Doch Jahre später versucht der Autor mehr zu ergründen. Zwar nimmt er das Leben seines Bruders zum Anlass und zum Ansatzpunkt. Doch er versucht auch das Verhalten seiner Eltern und der vielen Verwandten und Bekannten, ja, aller Deutschen im dritten Reich, im zweiten Weltkrieg und auch danach zu deuten, zu ergründen. Der Vater haderte mit dem verlorenen Krieg, der Sohn gefallen, aber keine Gedanke an die Juden, kein Gedanke, dass man vermutlich selbst Schuld war an dem Leid, das die Familie zweifellos erfahren hat. 


Vielleicht ist es an der Zeit, dass Personen, die einigermaßen mit Vernunft gesegnet sind, anfangen, die Vergangenheit ihrer Eltern und Großeltern zu hinterfragen. Eine Diktatur kann nicht entstehen, kann keinen Krieg vom Zaun brechen, wenn nicht eine erhebliche Anzahl von Menschen mitmacht. Über die Schuld der Vorväter sollte man wenigstens Bescheid wissen. Und es sollte das Möglichste getan werden, um eine Wiederholung zu verhindern. Zwar kommen einem beim derzeitigen Zustand der Welt, auch ehemals vernünftiger Nationen, Zweifel auf, ob überhaupt noch etwas verhindert werden kann. Aber einen Versuch ist es wert. Dem Schriftsteller Uwe Timm ist vor vor längerer Zeit aufgefallen, dass diese Aufarbeitung für ihn notwendig ist. Damit geht er, an dem man sich ein Beispiel nehmen kann, voran und fördert einiges zutage, was vielleicht auch für einige Leser interessant sein kann. Viele werden in der eigenen Familie ähnliche Lebensverläufe haben wie den des Bruders und des Vaters. Es hilft, wenn auch aus Ähnlichkeiten Erkenntnisse ableiten kann. Ein beindruckendes und nachdenklich stimmendes Buch, von dem eine ältere Ausgabe gelesen wurde. 


4,5 Sterne

Cover des Buches Der Mann auf dem Hochrad (ISBN: 9783462008685)
Nosimis avatar

Rezension zu "Der Mann auf dem Hochrad" von Uwe Timm

Nosimi
Das Scheitern einer großen Idee

In einem kleinen fränkischen Städtchen Ende des 19. Jahrhunderts begeistert sich ein Tierpräparator für das Hochrad und träumt davon, eine neue Art der Fortbewegung in der Stadt zu etablieren. Franz Schröder, der schon durch seine Art Tiere zu präparieren einen unkonventionellen Geist und eine künstlerische Ader zeigt, erregt mit dem Hochrad Aufsehen im beschaulichen Coburg. Trotz Anfangsschwierigkeiten das Fahren zu erlernen, alleine schon durch den schwierigen Aufstieg und die Balance und trotz gefährlicher Stürze, die Franz einen Teil seiner Finger kosten, fährt er bald schon vor den Augen der neugierigen Coburger mit dem Hochrad durch die Stadt. Seinen Bestrebungen, das Hochradfahren als neue Fortbewegungsart zu etablieren, schließen sich bald Gleichgesinnte wie der Lehrer Gützkow an. Doch trotz Begeisterung, erheblichen persönlichen und finanziellen Einsatz, sowie einem akribisch vorbereiteten Rennen wird sich das elegante Rad nicht durchsetzen.
Dabei wird die Einführung des Hochrads begleitet von politischen Entwicklungen der auslaufenden Monarchie: Industrialisierung und Arbeiterbewegung, Gründung von Vereinen und der Sozialdemokratischen Partei wird ebenso thematisiert wie die schrittweise bürgerliche Emanziapation aus der Herrschaftshörigkeit.
Mit Anna, die selbst das Hochrad besteigt und als Frau in Hosen durch die Stadt fährt, weht ein vorsichtiger erster Wind der Emanzipation durch das Spießbürgertum. Und doch muss sich Schröder schließlich geschlagen geben, das Hochrad wird sich trotz Eleganz nicht durchsetzen. Das Niederrad, auch „Savety“ genannt, ist günstiger, leichter zu erlernen und bei Stürzen weniger gefährlich.
Uwe Timm erzählt die Geschichte seines Verwandten spannend, kurzweilig und episodenhaft. In einem eingängigen, gefälligen Stil, mit gelegentlich humoristischem Unterton folgt man der Geschichte von Franz und Anna Schröder gerne. Der „Onkel Franz“, Freigeist und Künstler, der mit seinen künstlerischen lebensnahen Präparaten zwar die Auftraggeber begeistert und es mit einem Gorilla sogar ins Museum schafft, der auch nach dem eindeutigen Scheitern des Hochrades am Siegeszug des Niederrads weiter an seiner Idee festhält und sogar Verbesserungen der Schwachstellen entwickelt, ist ein liebenswerter, wenn auch tragischer Charakter. Fortschrittsgläubig und motiviert, bleibt er seiner Idee auch dann noch treu, als die politischen Entwicklungen zeigen, dass mit einem Niederrad ein relevanter Beitrag zur Arbeiterbewegung geleistet wird und das Hochrad von der Bildfläche verschwindet. Doch mit Hilfe seiner duldsamen und patenten Frau Anna gelingt es Schröder, auch Rückschläge und Niederlagen zu ertragen.
Dieser Roman ist nicht nur Uwe Timms Hommage an Onkel Franz, es ist ein kurzweiliges, interessantes Stückchen Zeitgeschichte. Eine Erzählung über den unaufhaltsamen technischen Fortschritt, mit dem wir uns auch in der heutigen Zeit stets auseinandersetzen müssen. Und eine Geschichte über einen Menschen, dessen Leben trotz Scheitern seiner großen Idee erzählenswert ist.

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Zusätzliche Informationen

Uwe Timm wurde am 29. März 1940 in Hamburg (Deutschland) geboren.

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