Der Freund und der Fremde

von Uwe Timm 
3,6 Sterne bei29 Bewertungen
Der Freund und der Fremde
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Inhaltsangabe zu "Der Freund und der Fremde"

Benno Ohnesorg, geboren 1940 und erschossen am 2. Juni 1967 auf der Anti-Schah- Demonstration in Berlin, war Anfang der Sechzigerjahre am Braunschweig-Kolleg ein Freund Timms. Ein eigenwilliger, stiller junger Mann, der malt, selbst Gedichte schreibt und zum ersten Leser Uwe Timms wird. Nach den ›Römischen Aufzeichnungen‹ und ›Am Beispiel meines Bruders‹ das dritte autobiografische Buch von Uwe Timm.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783423253307
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:240 Seiten
Verlag:dtv
Erscheinungsdatum:01.07.2012
Das aktuelle Hörbuch ist am 06.09.2005 bei Random House Audio erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    WinfriedStanzickvor 6 Jahren
    Rezension zu "Der Freund und der Fremde" von Uwe Timm

    Wie schon in seinem wundervollen Buch „ Am Beispiel meines Bruders“, spannt Uwe Timm auch in seiner neuen Erzählung den literarischen Rahmen von sich selbst, seiner eigenen Lebensgeschichte zu der Geschichte einer anderen, ihm nahestehenden Person, und verwebt sie beide zu einem einzigartigen Stück der Gegenwartsliteratur.
    Die nahestehende Person ist in diesem Buch sein Freund Benno Ohnesorg, der durch die tödlichen Schüsse des Berliner Polizisten Kurras während einer Demonstration gegen den Besuch des persischen Schah am 2. Juni 1967 ums Leben kam, und dessen Tod seither untrennbar mit der Radikalisierung der Studentenbewegung verbunden ist und es auch für immer bleiben wird.
    Uwe Timm beschreibt die gemeinsamen Jahre in einem Braunschweiger Kolleg, die enge Freundschaft, die gemeinsamen literarischen Interessen und Schreibversuche. Er lässt dabei einen Teil der deutschen Geschichte vorbeiziehen und verknüpft es, viel stärker noch als in „Am Beispiel meines Bruders“ mit einer ehrlichen Autobiographie. Der Leser erfährt vom Schicksal des Kürschnerlehrlings Timm, der nach dem frühen Tod des Vaters dessen verschuldete Firma saniert, danach aber seinem Traum folgt, ein Schriftsteller zu werden.

    Er liest von seinem Studienjahr in Paris, der Begegnung mit dem Existentialismus, der auch für sein politisches Leben prägend wird, und von Jahren der langsamen Radikalisierung .
    Uwe Timm hat für diese Erzählung, die er nach eigenen Angaben nach zahlreichen vergeblichen Versuchen erst jetzt schreiben konnte, weil er erst jetzt wagte, sie mit seiner eigenen Biographie zu verbinden, viele Menschen aufgesucht und gesprochen, die mit dem damaligen Geschehen zu tun hatten. Sogar vor der Wohnung von Kurras stand er, zog aber unverrichteter Dinge wieder ab.
    Dort, wo Timm Geschichte reflektiert, bleibt er immer der Dichter, mit einer wundervollen Sprache, von der man gerne noch mehr lesen würde.
    Nur angedeutet wird von ihm allerdings seine eigene Rolle in der Studentenbewegung; er erwähnt, dass auch er sich zeitweise in Splittergruppen und – ideologien verlor.
    Vielleicht lesen wird in seinem nächsten Buch etwas von diesem Teil seiner Biographie. Vielleicht aber wird auch Joschka Fischer schneller sein. Der aber ist kein Dichter.
    Ein absolut empfehlenswertes Buch.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 7 Jahren
    Rezension zu "Der Freund und der Fremde" von Uwe Timm

    Benno Ohnesorg, 1967 auf der Anti-Schah-Demonstration in Berlin erschossen, war Uwe Timms Freund und Gefährte, als beide Anfang der sechziger Jahre das Abitur nachholten. Uwe Timm erzählt von dieser gewaltsam beendeten Freundschaft, von den Erfahrungen einer Generation und vom Aufbruch eines Schriftstellers.

    FAZIT: Uwe Timm erzählt hier, in diesem Buch, nicht nur die Geschichte Benno Ohnesorgs oder ihrer Freundschaft, sondern auch einen großen Teil seiner eigenen Geschichte. Wie auch in "Die Entdeckung der Currywurst" versucht er einen Teil seiner Vergangenheit niederzuschreiben und damit selbst mit seiner Vergangenheit abzuschließen, um sie zu bewältigen und über sie hinwegzukommen. Mit seinem nüchternen Erzählstil verfolgt er jedoch in diesem Buch seine berühmte "Montagetechnik", in welcher er Briefe, Gedichte, Erzählungen von Zeitzeugen, eigene Erfahrungen und Zitate berühmter Persönlichkeiten zu einem ganzen und äußerst persönlichen Buch zusammenbindet. Er gibt lange verborgene Einblicke in das Leben und Wirken eines der "Idole" der 68er-Bewegung, um deutlich zu machen, dass Benno Ohnesorg eigentlich gar nicht so war, wie er immer dargestellt wurde. Dies gelingt Timm auch mal wieder unglaublich gut. Für all jene geeignet, die sich mit der Zeit um 68, Benno Ohnesorgs Tod und einem kleinen Teil der eigenen Biographie von Uwe Timm auseinandersetzen möchten, oder sich schon vorher dafür interessierten.

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    Martin291181s avatar
    Martin291181vor 9 Jahren
    Rezension zu "Der Freund und der Fremde" von Uwe Timm

    Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Ein enttäuschendes Buch von Uwe Timm, unverständlich geschrieben. Anstatt mit Namen zu arbeiten nennt er Ohnesorg dauernd den "Freund" - trotz allem wird man das Gefühl nicht los, dass Timm Ohnesorg nicht wirklich gekannt hat. 2 Sterne für die Philosophie in dem Buch, den Rest sollte man nur lesen, wenn man Kopfschmerzen bekommen möchte.

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    Kaivaivor 10 Jahren
    Rezension zu "Der Freund und der Fremde" von Uwe Timm

    "Nicht sein Leben und Schreiben sollte ihn bekannt machen, sondern sein Tod. So einfach, so banal läßt es sich sagen. Ein Tod ohne Ankündigung. Ein Tod ohne Krankheit. Ein Tod als Zufall. Ein Tod als Opfer. Nicht einmal bewußt in Kauf genommen, wenn man davon absieht, daß er bewußt auf diese Demonstration gegangen war. Ein dummer Tod. Aber jeder Tod ist dumm, es gibt nur einige Abschattungen, die das Dumme mit etwas mehr Bedeutung, mit Wertung aufladen, eine dieser Wertungen ist der Opfertod, ein Tod, der andere vor dem Tod bewahrt. Das Empörende an seinem Tod ist das Zufällige. Das Absurde." Uwe Timm war der Freund von Benno Ohnesorg, der am Freitag den 2.Juni 1967 vom Polizisten Karl-Heinz Kurras erschossen wurde. Als dies geschah, war ihre Freundschaft schon erkaltet, weil es Timm wegzog von ihrem gemeinsamen Studienort Braunschweig, zuerst nach München und dann nach Paris. In Paris wollte er in Philosophie promovieren und schrieb dafür an seiner Arbeit über "Das Problem der Absurdität bei Camus". Im Radio hörte er vom Tod seines früheren Freundes. Der Freund, der ein Fremder geworden war. Aber wie der Fremde bei Camus, hatte er nicht einen Menschen erschossen - er war von einem Menschen erschossen worden.
    Uwe Timm schreibt wie ein Fluß, der ins Meer will. Die Mündung ist nah und der Fluß mäandert. Er verästelt sich hier und dort und da und hier führt er sich wieder zusammen. Um sich gleich wieder zu zerreißen. Alles strebt zum Meer. Zur großen See(le). So zu schreiben, so unlinear, ist sicher nicht jedermanns Sache und ich denk mir, das viele es anstrengend finden. Ich find es wunderbar. Genauso arbeitet ja das Gehirn - die Synapsen mäandern, wenn man sie läßt und nicht in Kanäle zwingt. Dies Buch muß man auch lassen, dann ist es klar und schön.

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