Ikarien

von Uwe Timm 
3,8 Sterne bei10 Bewertungen
Ikarien
Bestellen bei:

Neue Kurzmeinungen

Positiv (6):
Matzbachs avatar

Erneut ein beeindruckender Roman von Uwe Timm

Kritisch (1):
leserattebremens avatar

Von Uwe Timm hatte ich mehr erwartet, sonst bin ich ein großer Fan.

Alle 10 Bewertungen lesen

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "Ikarien"

Der neue große Roman von Uwe Timm - 'ein wuchtiges Nachkriegsepos' Der Spiegel
Deutschland Ende April 1945: Michael Hansen, 25, kehrt als amerikanischer Offizier in das Land seiner Geburt zurück und übernimmt einen Auftrag des Geheimdienstes. Er soll herausfinden, welche Rolle ein bedeutender Wissenschaftler im Nazireich gespielt hat.Während regional noch der Krieg tobt, bricht Hansen von Frankfurt nach Bayern auf und bezieht Quartier am Ammersee. In einem Münchner Antiquariat findet er einen frühen Weggefährten des Eugenikers Professor Ploetz, den Dissidenten Wagner. Von ihm lässt er sich die Geschichte einer Freundschaft erzählen, die Ende des 19. Jahrhunderts in Breslau begann und die beiden Studenten über Zürich bis nach Amerika führte – und mitten hinein in die Auseinandersetzung um die beste gesellschaftliche Ordnung: Hier ein Sozialismus nachMarx, dort das utopische Projekt der Gemeinde Ikarien, die vom französischen Revolutionär Étienne Cabet in Amerika gegründet wurde.Hansen kommt durch die Lebensbeichte Wagners dem faustischen Pakt auf die Spur, den der Rassenhygieniker Ploetz mit den Nazis einging, und dem ganz anderen Schicksal, das den Antiquar wegen seiner widerständigen Haltung ereilte. Seine Reise durch das materiell und moralisch zerstörte Land lässt Hansen Zeuge eines Aufbruchs werden, der die deutsche Geschichte prägen sollte. Zugleich wird sie zu einer éducation sentimentale – auch in der Liebe werden ihm einige Lektionen erteilt.Eine gleichermaßen erschreckende wie berührende Geschichte von der Suche nach Alternativen zum Bestehenden und nach einem anderen Leben.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783462050486
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:512 Seiten
Verlag:Kiepenheuer & Witsch
Erscheinungsdatum:07.09.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 11.09.2017 bei Random House Audio erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

Neu
3,8 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne3
  • 4 Sterne3
  • 3 Sterne3
  • 2 Sterne1
  • 1 Stern0
  • Sortieren:
    H
    Habichtvor 15 Tagen
    Kurzmeinung: Timms Thema in diesem Roman ist die Eugenik, die Lehre von der Erbgesundheit.
    Recherchen im zerstörten Deutschland

    Timms Thema in diesem Roman ist die Eugenik, die Lehre von der Erbgesundheit.
    Im Mittelpunkt dieser Geschichte steht Alfred Ploetz (1860-1940) der Anfang des 20. Jahrhunderts die „Deutsche Gesellschaft für Rassenhygiene“ ins Leben rief. Auf der Spur dieses „Menschen Züchters“ begibt sich 1945 im Auftrag seiner Nachrichtengruppe der US-Soldat mit deutschen Wurzeln Michael Hansen. Dabei stößt er auf einen alten Mitarbeiters Plötz mit dem Namen Wagner. Mit dessen Hilfe erfährt der eloquente Ermittler zunehmend Details zum Wirken und Treiben des Alfred Ploetz, der z.B. als junger Mann in Amerika eine freie Lebensgemeinschaft mit dem Namen "Ikarien" besuchte, die sich an den Roman „Voyage en Icarie " des französischen Schriftstellers Etienne Cabet orientierte. Aber auch Hansen selbst treibt sich mit einem konfiszierten Sportwagen im Alpenvorland und dem zerstörten München herum und nähert sich dabei nicht nur Alfred Ploetz, sondern auch dem weiblichen Geschlecht des ehemaligen Feindes an. Seine Schilderungen über das zerstörte Deutschland, er besuchte bei seinen Recherchen auch Hamburg, sind sehr detailliert und zeigen deutlich, was der Größenwahn der Nazis, von dem sich die Mehrheit der Zeitgenossen zunächst beeindruckt zeigte, im wahrsten Sinne des Wortes an Trümmern zurückließ. Allerdings wirkt Uwe Timms manirierter Duktus im Vergleich zu seiner ebenfalls in der Nachkriegszeit spielende Novelle „Die Entdeckung der Currywurst“ für mich zu aufgesetzt!

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    UteSeiberths avatar
    UteSeiberthvor 9 Monaten
    Wichtiges Nachkriegsepos

    Uwe Timm hat mit diesem Roman gezeigt wie blind man im 3.Reich gewesen ist um eine scheinbar vollkommene Gesellschaft zu erschaffen.Michael Hansen kehrt als amerikanischer Offizier nach Deutschland zurück um zu klären,was in Deutschland durch die Eugenik (Rassenhygiene) angerichtet worden ist.Ein Weggefährte des Eugenikers Alfred Ploetz erzählt von seinen Erlebnissen mit Ploetz
    und der Eugenik. Es ist ein wichtiger Roman geworden und eine Zeitreise in die Geschichte der Stunde Null.Dieser Roman hat mich sehr beeindruckt.

    Kommentieren0
    6
    Teilen
    Matzbachs avatar
    Matzbachvor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Erneut ein beeindruckender Roman von Uwe Timm
    Wehe, wenn sie losgelassen

    Zufall oder nicht? Meine erste Rezension im ausgehenden Jahr betraf Vespers Roman "Frohburg", der sich thematisch in großen Teilen mit der Nachkriegsgeschichte auseinander setzt. Ebendieses Thema ist auch das des Romans "Ikarien" von Uwe Timm und somit auch meiner letzten Rezension für 2017.

    Lieutenant Michael Hansen, der 1932 seinem bereits in die USA ausgewanderten Vater folgte, kommt gegen Kriegsende 1945 in sein Geburtsland zurück. Er soll im Auftrag des US-Geheimdienstes herausfinden, welche Rolle der Eugeniker Alfred Ploetz im Dritten Reich gespielt hat und wie es dazu kommen konnte, dass dieser ursprünglich eher auf dem linken Flügel beheimate gebürtige Breslauer sich für die Nationalsozialisten einspannen ließ. Dazu führt Hansen mehrere Gespräche mit einem langjährigen Weggefährten Ploetz', dem Naziopfer Wagner. Dabei wird deutlich, wie der ursprüngliche gemeinsame Wunsch der beiden, die Gesellschaft zu verbessern, bei Ploetz schon früh immer mehr zu Zuchtprogrammen und Überlegungen zur Sterilisation bzw. zur Ausmerzung der nicht ins Idealbild Passenden führte (Überlegungen, die übrigens auch in den USA und in den skandinavischen Staaten nicht unpopulär waren). Das Dritte Reich öffnete den kühl und ausschließlich rational denkenden Wissenschaftlern wie Ploetz Tür und Tor, die nun ungehemmt ihre zynischen Versuchsreihen durchführen konnten.

    Daneben beschreibt der Roman auch die Eindrücke, die der junge Lieutenant in seinem Geburtsland bekommt. Noch kurz in die letzten Endkämpfe verwickelt, gerät er in eine Art Niemandsland, in der die alte Ordnung zwar zusammengebrochen ist, eine neue aber noch längst nicht durchgesetzt ist. Alles schein möglich und für den jungen Offizier bietet sich die Chance, mit requirierter Villa und Nobelauto das Münchener Umland zu erkunden und sich dabei sogar in eine deutsche Kriegerwitwe zu verlieben. Andererseits wird ihm aber klar, wie eng das Schicksal des Sieger und des Besiegten beieinander liegen können. Wäre er nicht mit dem Rest seiner Familie dem Vater gefolgt, wäre er als Wehrmachtssoldat eingezogen worden, wie zahlreiche seiner Altersgenossen und Jugendfreunde.


    Zugegebenermaßen bin ich bei Uwe Timm, der zu meinen Lieblingsautoren zählt, vielleicht nicht ganz objektiv, aber mich hat der Roman vollends überzeugt.



    Kommentieren0
    57
    Teilen
    leserattebremens avatar
    leserattebremenvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Von Uwe Timm hatte ich mehr erwartet, sonst bin ich ein großer Fan.
    Zäh und schwerfällig

    Michael Hansen ist der Sohn deutscher Auswanderer in den USA. Im Jahr 1945, kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, wird er als Soldat nach Deutschland geschickt. Er soll mehr über einen Nazi-Arzt und das durchgeführt Eugenik-Programm der Nationalsozialisten herausfinden. Doch die Rückkehr nach Deutschland beschäftigt ihn und er bleibt unsicher angesichts der alten Heimat.
    Uwe Timm konnte mich mit seinem Werk bisher immer begeistern, egal ob kurz und unterhaltsam wie in „Die Entdeckung der Currywurst“ oder umfassend und gesellschaftskritisch wie in „Morenga“, stets hatte er den richtigen Tonfall und eine gute Geschichte zu erzählen. Das fehlte mir leider bei „Ikarien“ an vielen Stellen. Die Idee fand ich sehr spannend und Michael Hansen ist eine kontroverse Figur, die die Geschichte stellenweise gut voranbringt. Doch in den Gesprächen mit dem alten Antiquar, der von seiner Zeit mit dem Eugeniker berichtet, gab es meiner Meinung nach viel zu viele Längen, die nichts zu der Geschichte beigetragen haben und zu sehr abschweiften. Auch die eigentliche Absicht Hansens, nämlich wirklich Informationen zu sammeln und etwas herauszufinden, gerät in den Gesprächen für mich zu sehr ins Abseits.
    Für mich fehlte Uwe Timms Roman „Ikarien“ ein roter Faden, der die im Ansatz großartige Geschichte vorangebracht und strukturiert hätte. So bin ich etwas ratlos zurückgeblieben mit einer Hauptfigur, die mich nicht erreichen konnte und einem Plot, den ich zu zäh und schwerfällig fand. Da wäre deutlich mehr drin gewesen. 

    Kommentieren0
    8
    Teilen
    Claris avatar
    Clarivor einem Jahr
    Zwischen den Zeiten

    Zu Beginn der Lektüre fragt man sich, ob man wirklich noch einmal mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und seinen Gräueln konfrontiert werden will.

    Doch nach den ersten Zeilen lässt einen die Geschichte nicht mehr los.
    Worum geht es?
    Michael Hansen geht als deutschsprachiger Offizier nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nach Frankreich und von dort nach Bayern. Seine Eltern sind durch Zufall schon vor dem Krieg aus Deutschland nach Amerika geraten, wo sie dann geblieben sind.

    Uwe Timm hat die großartige Gabe, Sachliches mit Poetischem zu verbinden. Während der junge Offizier von einem Auftrag zum nächsten eilt, bemerkt er den nahenden Frühling und kann die Farben und Stimmungen in Worte fassen. Ihm begegnen die ersten Nazis und Menschen, die keine Parteimitglieder waren.

    Unwillkürlich kommen beim Leser Erinnerungen hoch an die ersten Eindrücke vom Einmarsch der Alliierten und von den armseligen, verhungerten Gestalten, die durch die Straßen der zerstörten Städte schlichen.

    Die sauber gekleideten Soldaten und die abgemagerte und gedrückte Bevölkerung bilden einen krassen Gegensatz.

    Hansen bekommt einen besonderen Auftrag: er soll etwas über die Rassehygieniker herausfinden, deren Ideologie der reinrassigen Bevölkerung zu den unmenschlichen Versuchen an Menschen und Behinderten im Nazireich geführt hatten.

    In München findet er einen Antiquar, den Dissidenten Wagner, der den Eugeniker Alfred Ploetz kannte.
    Im weiteren Verlauf berichtet er Hansen, der ihn im Auftrag des CIC verhörte, von einer ideologisch verbrämten Gemeinde zu Ende des 19. Jahrhunderts in Amerika.

    Aufbauend auf sozialistischen und kommunistischen Gedankengut und den Ideen des französischen Revolutionärs Étienne Cabet, hatten sich die Auswanderer eine utopische Gemeinde mit Namen Ikarien vorgestellt und in die Praxis umzusetzen versucht.

    Das Experiment scheitert, doch A. Ploetz wird zum Verfechter einer reinen Rasseidee.

    Nun beginnt eine lange Abhandlung über die Verhöre und zugleich des Lebens der amerikanischen Soldaten in Deutschland.

    Uwe Timm nimmt sich Zeit, in seinen Perspektiven zwischen Verhören und Leben in Deutschland zu wechseln.

    Auf diese Weise entsteht ein atmosphärisches Bild dieser „Zwischenzeit“. Zwischen dem Kriegsende bis zur Normalisierung des Lebens und Gründung der BRD lagen einige Jahre, in denen Fraternisierung verboten und schließlich übersehen wurde. Jeder sah am Ende, wie er am besten durchkam.

    Das Buch ist umfassend und beleuchtet die Zustände der Euthanasie, über die schon während des Krieges und erst recht danach die unmäßigsten Behandlungspraktiken und Menschenversuche bekannt wurden.

    Die Ausführung der Tötung der von oben bestimmten Kategorie von „unwertem Leben“ hat nach dem Krieg zu einem Aufschrei der Empörung und der Tabuisierung jedweder Euthanasiegedanken in Deutschland und in der Welt geführt.

    Sich mit dem barbarischen Tun noch einmal zu konfrontieren ist aufschlussreich aber auch quälend. Die guten poetischen Einschübe beispielsweise über einen Vogelkundler unter den Amerikanern und kleine Liebeleien und Bootsfahrten auf dem Starnberger See entspannen die Erzählung und bieten den Rahmen der Menschlichkeit, die es schließlich überall und immer auch gab.

    Die schwere Kost ist nicht für jeden erträglich. Uwe Timm ist ein Könner unter den Autoren, und wer ihn kennt, wird auch diesen Roman begrüßen.

    Kommentieren0
    4
    Teilen
    spiridons avatar
    spiridonvor 2 Monaten
    C
    Charlynevor 3 Monaten
    LesenLebens avatar
    LesenLebenvor 5 Monaten
    L
    lectorvor 10 Monaten
    Mad_Scientists avatar
    Mad_Scientistvor 10 Monaten

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu

    Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks