Vogelweide

von Uwe Timm 
3,9 Sterne bei43 Bewertungen
Vogelweide
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Positiv (28):
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Ein faszinierender, melancholischer Roman um Ehe, Treue, Partnertausch, Begierde und Moral in der für Uwe Timm typischen Puzzlemanier.

Kritisch (6):
A

Nach der guten Kritik habe ich mir das Buch gekauft. Ich muss allerdings sagen, dass ich es mich nicht vom Hocker gehauen hat.

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Inhaltsangabe zu "Vogelweide"

Zwei Paare, die Liebe und die Macht des Begehrens

Ein Mann hat alles verloren, seine Freundin, seine Geliebte, seinen Beruf, seine Wohnung und ist hoch verschuldet. Nun lebt er allein auf einer Insel in der Elbmündung als Vogelwart. Doch Anna kündigt ihren Besuch an – eben jene Anna, die vor sechs Jahren vor ihm nach New York geflohen ist und zuvor sein Leben komplett aus den Angeln gehoben hat. Während Eschenbach sich auf das Wiedersehen mit ihr vorbereitet, besuchen ihn die Geister der Vergangenheit und es entfaltet sich die Geschichte von Eschenbach, Selma, Anna und Ewald. Die Geschichte von zwei Paaren, die glücklich miteinander waren und es nicht bleiben konnten. Uwe Timm erzählt präzise, schön, komisch und klug von den geheimnisvollen Spielregeln des Lebens und von der Kunst des Abschieds.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783423143790
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:336 Seiten
Verlag:dtv Verlagsgesellschaft
Erscheinungsdatum:01.02.2015
Das aktuelle Hörbuch ist am 19.08.2013 bei Random House Audio erschienen.

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    UteSeiberths avatar
    UteSeiberthvor einem Jahr
    Moderne Ehegeschichte zweier Paare

    Uwe Timm erzählt hier die Geschichte zweier befreundeter Paare,die eigentlich glücklich miteinander waren, bevor sie ihre Partner getauscht haben und alles in Brüche ging.Die Geschichte wird hauptsächlich aus Eschenbachs Sicht erzählt,der nach seinem Konkurs der Firma als Vogelwart auf eine kleine Insel in der Elbmündung zieht.Eines Tages kündigt Anna ihren Besuch an  und da kommen alle Erinnerungen an sein früheres Leben wieder hoch und wir erfahren,weshalb die Partner ihre Frauen ausgetauscht haben.Uwe Timm erzählt diese Geschichte recht spannend und manchmal auch komisch und so wird sie eine recht moderne Ehe-und Ehebruchsgeschichte.

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    Barbara62s avatar
    Barbara62vor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ein faszinierender, melancholischer Roman um Ehe, Treue, Partnertausch, Begierde und Moral in der für Uwe Timm typischen Puzzlemanier.
    Wahlverwandtschaften oder Wie konnte es so weit kommen?

    Schauplatz von Uwe Timms neuestem Roman, der es 2013 auf die Longlist zum deutschen Buchpreis schaffte, ist die kleine Sandinsel Scharnhörn in der Elbemündung, die ausschließlich bei Ebbe per Kutsche zu erreichen ist. Dort lebt nur ein Vogelwart, Christian Eschenbach. Bis vor sechs Jahren gehörte er zum gehobenen Berliner Bürgertum, hatte eine florierende Softwarefirma und eine Luxuswohnung am Zoo, eine polnische Dauerfreundin und eine Geliebte, Anna, die Frau seines Freundes Ewald.

    Während Eschenbach auf den überraschend angekündigten Besuch von Anna wartet, die ihn damals zeitgleich mit der Insolvenz seiner Firma verlassen hat, rekapituliert er sein Leben.

    Vogelweide ist ein melancholischer Roman um Ehe, Treue, Partnertausch, Begierde und Moral, gekonnt in der Balance gehalten zwischen altmodisch und aktuell und in der für Uwe Timm charakteristischen Puzzlemanier erzählt, die mich als großen Timm-Fan wieder einmal zugleich gefordert und fasziniert hat.

     

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    Masaihtts avatar
    Masaihttvor 4 Jahren
    Ein feinsinniger, wohltemperierter Roman

    Nr kurz:

    Timm hat bei mir den Bonus des Lieblingsautors, vielleicht fehlt mir dadurch manches Mal die detailliert hinterfragende Kritikfähigkeit: ja, auch dieses Buch von ihm gefällt mir sehr gut: in der Sprache nie pathetisch, immer präzise, mit reichhaltiger Kompetenz komponiert, eher wie gehabt distanziert betrachtend und doch ist es ein Roman, in der mir trotz aller gegenwärtigen Gesellschaftsschau die Feder näher an den durchdringenden, begehrlichen Gefühlen erscheint, sentimentaler im Grundton als in vielen seiner Bücher zuvor. Ich finde mich schnell ein in die Handlung und fühle mich fast heimisch im Rückzug seines Protagonisten auf eine unbewohnte Insel in der Elbmündung, auf der ihm vergangene Menschen erscheinen, vergangene Erschütterungen und die Vögel, die im Jetzt eine reflektierende, meditative Schau des Geschehenen durch ihr bloßes Dasein mitgestalten.

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    jenvo82s avatar
    jenvo82vor 4 Jahren
    Betrachtungen einer Ehe

    Dies ist einmal ein ganz anderes Buch zur Thematik des Ehebruchs. Es geht weder um die große Liebe, noch um die Festlegung der Schuldfrage, nicht einmal um realistische Folgen. Vielmehr steht das Leben an sich im Mittelpunkt, die Willkür bei der Entscheidung, das große Begehren, die stille Abkehr und der Lauf der Zeit. Durch eine gleichermaßen distanzierte wie involvierte Erzählweise gelingt es dem Autor, sowohl seine persönliche Wertung als auch zahlreiche philosophische Ansätze einzuflechten. Vielleicht war es auf der Frage nach dem Warum? Warum geben Menschen eine augenscheinlich intakte Ehe für eine flüchtige Affäre auf? „ Das ist das so Paradox-Schöne am Begehren, es hört auf, kommt es an sein Ziel.“

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    alascas avatar
    alascavor 5 Jahren
    Wohltemperiert

    Wohltemperiert
    Uwe Timms neuer Roman handelt von der Liebe, genauer von der Unzivilisierbarkeit des Begehrens, von der Unerklärbarkeit der Anziehungskraft, und von der Gier, die immer noch mehr will als das, was schon zur Genüge vorhanden ist.

    Christian Eschenbach, erfolgreicher Inhaber einer Softwarefirma, verliebt sich, obwohl in einer harmonischen Beziehung mit der Silberschmiedin Selma, in die Kunstlehrerin Anna, die – nach eigener Einschätzung glücklich – mit dem Architekten Ewald verheiratet ist. Sein Hingezogensein zu Anna führt zunächst zu einer Freundschaft der beiden Paare, bis sich das Begehren als unbezähmbar erweist: Drei Monate lang führen Anna und Eschenbach eine heimliche Liebesbeziehung mit all den Verrücktheiten, dem Leichtsinn und der Egozentrik frisch Verliebter, bis Anna den Betrug nicht mehr aushält, der ihrem Glauben an die Ehe als Ewigkeitsinstitution widerspricht. Sie bricht aus und bringt dadurch das Viererkonstrukt der Paare zum Einsturz.

    Zeitgleich wirken sich eine Reihe von Fehlentscheidungen in Eschenbachs Firma aus und führen zum Bankrott. Jahre später, in der Einsamkeit einer Insel in der Elbmündung als Vogelwart tätig, versucht Eschenbach, sein umfassendes Scheitern zu verarbeiten. Er hat begonnen, die Protokolle von Interviews zu verarbeiten, die er im Auftrag der ziemlich boshaft porträtierten Umfrage-Päpstin Noelle-Neumann geführt hat: Es ging dabei darum, die Parameter des Begehrens zu bestimmen, um damit die Algorithmen für das Partnermatching bei einer leicht erkennbaren Partnerbörse für die gehobene Klientel zu optimieren. Die Geschichten der Interviews beschwören den unberechenbaren Zauber des wortlosen Kennenlernens jenseits der Sprache, das beim Partnerbörsen-Dating gewinnbringend eliminiert wird. Eschenbachs Tochter, die Bankerin Sabrina mit ihrem neuen Freund, dient hierbei als Folie für die neue Generation Internet. Timm reiht sich damit in die Reihen derer ein, die die Seelenlosigkeit des Internets beklagen. Dazu passt der beziehungsreiche Titel des Buches, der auf den mittelalterlichen Minnesänger Walther von der Vogelweide verweist.

    Das Buch hat mich weder begeistert noch enttäuscht; ich fand es ein bisschen blutlos. Stellenweise sprachlich prätentiös, vor allem in der durchweg ungekennzeichneten wörtlichen Rede. Am überzeugendsten, fast kabaretthaft, die Zeichnung des Bildungs- und Wohlstandsbürgertums, das den Konsum kritisiert, während es den Burgunder vom persönlich bekannten Winzer konsumiert. Hübsch ironisch auch Selma, die sich auf die Anfertigung „antiker“ Hopi-Armbänder spezialisiert hat und damit den Nerv spirituell bedürftiger Erfolgsmenschen trifft. Annas Ehegläubigkeit war mir zu altbacken; Noelle-Neumann zu mephistophelisch; weitere Promi-Anspielungen überflüssig; Eschenbach als ungläubiger Theologe, der Software-Millionär wird und in der knappen Freizeit Homer im Original liest, zu konstruiert; und dann wird man auch noch mit Luhmann, Derrida und Luther traktiert …

    Direkt zu Beginn des Romans wird Annas Besuch auf der Insel nach 6 Jahren Kontaktstille angekündigt; kurz vor dem Ende kommt sie an. Dazwischen rollt Eschenbach in Rückblenden seine/ihre Geschichte auf. Ich habe ihrem Treffen mit nicht mehr als mildem Interesse entgegen gesehen. „Vogelweide“ bietet ein wohltemperiertes Leseerlebnis - der ganze Diskurs zum so zentralmenschlichen, lebenserschütternden Thema Begehren blieb für mich jedoch akademisch und erreichte nicht das Gefühl.

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    hproentgens avatar
    hproentgenvor 5 Jahren
    Gut geschrieben, aber wenig Inhalt

    Eschenbach lebt auf einer kleinen Insel in der Nordsee als Vogelwart. Und immer wieder erinnert er sich, an seine Zeit mit Selma, an Elma und Anna, ein befreundetes Paar. Beide gehören zum gehobenen Bildungsbürgertum, ein bißchen Schickeria, ein bißchen auf intelligent machen und viel Geld.

     

    Eschenbach hatte eine Softwarefirma, in der er - laut Timm - überflüssiges wegrationalisierte. Eine Aussage, so sinnfrei, wie ein Arzt, der "Krankheiten heilt". Dann fängt Eschenbach ein Verhältnis mit Anna an und geht pleite. Das Verhältnis, so klärt uns Timm auf, hat mit Begehren zu tun und über Begehren wird im Buch viel geredet - allerdings spüre ich nirgendwo Begehren, höchsten "Begehren light". So flach, wie die Figuren bleiben, sind sie für wirkliches Begehren wohl auch kaum geschaffen.

     

    In einem Nebenplot hat eine alte Leiterin eines Umfrageinstituts (gemeint ist wohl Noelle Neumann) Eschenbach engagiert, um "Begehren" zu untersuchen. Allerdings agiert die Dame (und Eschenbach) so naiv, dass es fast schon unfreiwilliger Humor ist. Was ein derart flacher Strang in dem Roman zu suchen hat, weiß ich nicht.

     

    Positiv ist anzumerken, dass Timm erzählen kann und deshalb bleibt das Buch trotz aller Untiefen lesbar und ich habe es zu Ende gelesen, was ich normalerweise bei solchen Büchern nicht tue. Timm beherrscht das Schreibhandwerk perfekt, schade, dass er das nicht mit einer besser Geschichte, mit lebendigern Figuren kombiniert hat.

     

    Fazit: Gut geschriebenes Fast Food mit etlichen Klischees.

     

     

    Leseprobe: https://www.bic-media.com/dmrs/widget.do?layout=singlepage&buyButton=no&clickTeaser=yes&arrowTeaser=yes&https=yes&showLanguageButton=yes&cid=1593026&widgetSource=https://www.bic-media.com/dmra/content/detail/detail-widget.do?cid=1593025&isbn=9783462045710

    Autorenhomepage: www.uwe-timm.com

     

    Vogelweide, Roman, Uwe Timm, Kiepenheuer & Witsch, 2013

    ISBN-13: 978-3462045710, gebunden, 336 Seiten, Euro 19,99 (Ebook 17,99)

     

     

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    pardens avatar
    pardenvor 5 Jahren
    Vom Begehren...

    VOM BEGEHREN...

    Ein Mann hat alles verloren, seine Freundin, seine Geliebte, seinen Beruf, seine Wohnung, er hat einen Bankrott hinter sich und ist hoch verschuldet. Nun lebt er für eine Weile ganz allein auf einer Insel in der Elbmündung, versieht den Dienst als Vogelwart. Ein geradezu eremitisches Dasein, das durch einen Anruf durcheinandergewirbelt wird.
    Anna kündigt ihren Besuch an – eben jene Anna, die vor sechs Jahren vor ihm nach New York geflohen ist und zuvor sein Leben komplett aus den Angeln gehoben hat. Und während Eschenbach sich auf das Wiedersehen mit ihr vorberei­tet, seinen Alltagsritualen folgt, Vögel zählt und Strandgut sammelt, besuchen ihn die Geister der Ver­gangenheit und es entfaltet sich die Geschichte von Eschenbach, Selma, Anna und Ewald. Es ist die Ge­schichte von zwei Paaren, die glücklich miteinander waren und es nicht bleiben konnten, als Eschenbachs große, verbotene, richtige und falsche Leidenschaft für Anna entbrannte...

    Mit reichlich Respekt begab ich mich an die Lektüre dieses Romans, der in diesem Jahr auf der Liste der für den Deutschen Buchpreis nominierten Bücher stand. Und tatsächlich musste ich mich erst einfinden in die Sprache, den vermeintlich kühlen, fast schon distanzierten Stil, der die Personen nur zögerlich und fast unwillig bei ihrem Namen nennt, am liebsten nur Ihn und Sie und Den Freund erscheinen lässt. Ganz langsam nur entpuppen sich die Figuren, gewährt Uwe Timm einen weiteren Pinselstrich, der die Charaktere allmählich deutlicher skizziert - und ihre Beziehungen zueinander.
    Geschrieben ist das Buch in stetem Wechsel zwischen der einsamen Inselwelt, dem rudimentären Aufsichzurückgeworfensein, und den Erinnerungen, Geistern der Vergangenheit, mit denen Eschenbach sich in seiner selbstgewählten Einsiedelei unterhält.

    So zögerlich wie der Roman Einblicke in die Charaktere zu zeigen bereit ist, so schnell ist doch deutlich, dass einiges im Leben des Christian Eschenbach anders verlaufen sein muss, als er es sich vorgestellt hat. Erfolgreich zunächst, gut situiert, eine Beziehung, die ausreichend Freiräume bietet und doch schön ist, ein Fragender zwar aber doch eigentlich zufrieden - so zeigt sich Eschenbachs Leben, bis er auf Anna trifft:

    "Und Eschenbach stand da und hatte, so wie sie ihn ansah, mit dem ruhigen, auf ihn gerichteten Blick, und wie sie ihm zuhörte, den merkwürdigen Gedanken, nein, es war nur ein Wort: Rettung. Sie könnte dich retten. Wovor? Vor allem. Vor Gleichgültigkeit. Vor Bedeutungslosigkeit. Beliebigkeit."

    Und diese Begegnung, dieses Begehren, unvernünftig, nicht sein dürfend und doch alles überschwemmend, bringt das Leben durcheinander. Nicht nur das Eschenbachs, sondern auch das der anderen, das von Anna, von ihrem Mann Ewald und das von Selma, Eschenbachs Freundin. "Alle litten, litten aneinander, ein eng verschlungenes, tiefes Leid."
    Und einmal in Schieflage geraten, gerät das Leben vollends aus den Fugen, stellt alles in Frage, begräbt Eschenbach unter Trümmern. Auf der Insel mit den Vögeln und den kleinen Ritualen, die ihm Halt geben in der Einsamkeit, kommt er allmählich wieder zu sich. Bis Anna, eben jene Anna, mit der Eschenbach das Begehren lebte, ihren Besuch ankündigt. "Freute er sich auf ihr Kommen? Ja, aber es war eine Freude, die, das war ihr beigegeben, Enttäuschung fürchtete." Was würde ihn nun erwarten?

    Intellektuell, anspruchsvoll, nachdenklich, einladend den Fragen zu folgen, und sprachlich eindringlich und schön - so begegnete mir der Roman. Oder, um es mit den Worten des Klappentextes zu sagen:
    "Der neue, wunderbar choreographierte und vielschichtige Roman Uwe Timms erzählt mit hoher Inten­sität und zugleich fast meditativer Ruhe, präzise, schön, komisch und klug von der Macht des Begehrens, von den geheimnisvollen Spielregeln des Lebens - und von der Kunst des Abschieds."

    Für mich eine wundervolle Leseerfahrung...


    © Parden

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    books-in-my-worlds avatar
    books-in-my-worldvor 5 Jahren
    Ich geb´s auf...

    ..., was ich wirklich selten tue. Bis zur Hälfte habe ich durchgehalten, aber nun ist Schluss.
    Dieses Buch ist auf der Longlist des deutschen Buchpreises. Ich würde wirklich gern wissen warum... Sicher ist die Lektüre anspruchsvoll, keine Frage. Aber alleine die Formatierung des Textes hat mich geschafft... Wörtliche Rede ist nicht als solche erkennbar, Kapitel gibt es auch nicht. Man kann dem Plot dadurch nur sehr schwer folgen. 
    Die Geschichte handelt von 2 befreundeten Paaren, wobei sich der Protagonist Eschbach, ein erfolgreicher Unternehmer (der im Laufe der Geschichte bankrott geht), in die Frau des anderen (Anna) verliebt und mit ihr eine Affäre beginnt. Das Ganze wird rückblendend erzählt. Von seiner aktuellen Situation weiß man, dass er als Vogelwart allein auf einer kleinen Insel in der Nordsee lebt und jene Anna ihn besuchen kommen will. 
    Vielleicht ist dieser Roman einfach zu hoch für mich, aber auf jeden Fall nicht mein Ding. Der Fokus wird auf - für mich - uninteressante Dinge gelegt, z.B. Vogelbeobachtungen. Das was mich interessiert - das Zwischenmenschliche - spielt eher eine nebensächliche Rolle.  Ich kann mich außerdem null mit dieser Generation identifizieren (Mitfünfziger reicher Typ, der einen Oldtimer fährt und eine Künstler-Freundin hat), so dass ich einfach gar nicht richtig in die Geschichte eintauchen konnte. 
    Sprachlich ist der Roman wirklich beeindruckend- in dieser Hinsicht kann ich die Nominierung für den Buchpreis schon verstehen. Aber wie gesagt: die Umsetzung des Plots spricht mich einfach absolut nicht an.

    Ich vergebe 1 von 5 Sternen, da ich es nicht mal geschafft habe, das Buch zu Ende zu lesen.

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    Claris avatar
    Clarivor 5 Jahren
    Von Liebe, Begehren und ihrem Vergehen

    Auf einer einsamen Insel in der Elbmündung lebt für einige Monate der Vogelkundler Eschenbach. Was hat ihn hier her getrieben?Nur seltene Besucher kreuzen zuweilen auf, darunter Freunde und Freundinnen aus seinem vergangenen Berufs -und Gesellschaftsleben in Berlin.In assoziativen Motiven hält der Erzähler Rückschau auf sein Leben, das von zahlreichen Höhen und Tiefen gekennzeichnet war.Da findet man sich bei Galeristen, auf Partys und in Restaurants wieder, wo man zu seinen „besseren“ Zeit ein- und ausging. Er hatte zusammen mit seinem Freund Fred ein gut gehendes Unternehmen, das den Zeitläufen am Ende nicht standhalten konnte und Pleite ging. Es blieb auch nicht aus, dass sich in ihren Kreisen Amouren entwickelten, Ehen zerbrachen und zusammen mit diesen Hoffnungs- und Zukunftsträume zerfielen.Der ehemalige IT Fachmann Eschenbach, das schöne Ehepaar Ewald und Anna und Eschenbachs ehemalige Freundin Selma sind die Protagonisten, deren Geschicke hier abgehandelt werden.In langen und teilweise schwerblütigen Betrachtungen ergeht sich Eschenbach in seinen Erinnerungen. Er ist nun alt, und Leidenschaften und die Liebe sind Geschichte. Doch die Geister der Vergangenheit holen ihn ab und zu mit allen damit verbundenen Gefühlen ein, um dann langsam zu verlöschen.

    Melancholisch und versonnen ist auch der Abschiedsbesuch von Anna auf der einsamen Insel bei Eschenbach. Jugendliches Begehren brachte früher ihre Lebensläufe durcheinander. Heute ist das vorbei, und die beiden können gelöst über ihr vergangenes Leben sinnieren. Man geht den Stimmungen der Natur nach, spürt den Wind und hört das Vogelgezwitscher. Uwe Timm gibt den sich wandelnden Gefühlen mit seiner Stimme einen eigenen Klang zwischen Trauer, Resignation und Versöhnung.

    Uwe Timm ist der Meister der leisen Töne, die er auch in seinem neuen Roman anklingen lässt. Mit Reflexionen ganz eigener Art geht er den Lebensspuren seiner Hauptfiguren nach. Zuweilen wirken die Geschichten verträumt, abgeklärt und schon fast verarbeitet in ihrer jeweiligen Problematik.

    Unnachahmlich fein und sensibel ist die Sprache, mit der er uns am Wandel der Zeiten teilnehmen lässt. Er ist einer der großen deutschen Erzähler, auf dessen neue Romane man neugierig wartet.

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    sarah_elises avatar
    sarah_elisevor 5 Jahren
    Kurzmeinung: Eine tiefgründige, berührende und sehr ungeschönte Gesellschaftsstudie über das heutige Suchen, Finden und vor allem Wahren der Liebe.
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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    sarah_elises avatar
    Am 7. Oktober 2013 wird der Deutsche Buchpreis im Rahmen einer Gala zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse verliehen.

    Die 5 Bücher umfassende Shortlist für den Preis der Stiftung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, der mit 25.000 Euro dotiert ist, wird am 11. September bekannt gegeben. 

    Doch nun zu den 20 Kandidaten auf der Longlist, die in dieser Woche bekannt gegeben wurde, und die alljährliche Frage: Habt ihr einen Favoriten? Und welche der Bücher habt ihr gelesen? Wen vermisst ihr auf der Liste und welche Neuerscheinungen zwischen Oktober 2012 und September 2013 sind auf eurer ganz persönlichen Longlist für den deutschen Buchpreis?

    • Mirko Bonné: Nie mehr Nacht (Schöffling & Co., August 2013)

    • Ralph Dutli: Soutines letzte Fahrt (Wallstein, März 2013) 

    • Thomas Glavinic: Das größere Wunder (Hanser, August 2013) 

    • Norbert Gstrein: Eine Ahnung vom Anfang (Hanser, Mai 2013) 

    • Reinhard Jirgl: Nichts von euch auf Erden (Hanser, Februar 2013) 

    • Daniel Kehlmann: F (Rowohlt, September 2013) 

    • Judith Kuckart: Wünsche (DuMont, März 2013) 

    • Olaf Kühl: Der wahre Sohn (Rowohlt.Berlin, September 2013) 

    • Dagmar Leupold: Unter der Hand (Jung und Jung, Juli 2013) 

    • Jonas Lüscher: Frühling der Barbaren (C. H. Beck, Januar 2013) 

    • Clemens Meyer: Im Stein (S. Fischer, August 2013) 

    • Joachim Meyerhoff: Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war (Kiepenheuer & Witsch, Februar 2013) 

    • Terézia Mora: Das Ungeheuer (Luchterhand, September 2013) 

    • Marion Poschmann: Die Sonnenposition (Suhrkamp, August 2013) 

    • Thomas Stangl: Regeln des Tanzes (Droschl, September 2013) 

    • Jens Steiner: Carambole (Dörlemann, August 2013) 

    • Uwe Timm: Vogelweide (Kiepenheuer & Witsch, August 2013) 

    • Nellja Veremej: Berlin liegt im Osten (Jung und Jung, Februar 2013) 

    • Urs Widmer: Reise an den Rand des Universums (Diogenes, August 2013) 

    • Monika Zeiner: Die Ordnung der Sterne über Como (Blumenbar, März 2013) 

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