Rezension zu "Herbstgesummse: oder Tot sein ist noch lange kein Grund, nutzlos rumzuliegen" von Uwe Wedemeyer
annlu„Ich hätte da eine Aufgabe für dich, Benno. Einen verrückten Job, einen, der dir sicherlich viel Spaß machen könnte, einen... etwas illegalen Job.“
Vincent Bartholdi vereint sie alle mit seinem außergewöhnlichen Jobangebot: Benno Tornedde, schon über sechzig, zur Zeit arbeitslos und bald HarzIV-Empfänger; Lea Aust, die Frau, mit der es die Männer nicht immer nur gut gemeint haben und die sich durchs Leben schlägt; der Ex-Knacki und nun Leichenbestattergehilfe Rudi; der Chefarzt Proffessor Doktor Kurt Martin, der keinen rechten Sinn mehr im Leben sieht, seit er von seinem Lebensgefährten verlassen wurde und Maria von Hückenbeck, die sich reich geheiratet hat nur um dann selbst einem Heiratsschwindler zu erliegen. Zusammen schlagen sie sich durch, um Vincents Idee auszuführen und lernen dabei das Leben wieder zu lieben.
Der Beginn der Geschichte führt erst einmal alle Charaktere ein, sodass es zu den unterschiedlichsten Handlungssträngen kommt, die aber schon so einige Berührungspunkte haben. Jede der Personen wird mit einem Hintergrund versehen. Gerade diese fand ich sehr spannend, sind die fünf Hauptcharaktere ja nicht mehr die Jüngsten und haben schon so einiges erlebt in ihrem bisherigen Leben. Vieles davon hat sie geprägt und macht ihren jetzigen Charakter aus, sodass ich es angenehm fand, die Lebensgeschichten bereits zu Beginn kennenzulernen.
Trotz ihres Alters nicht bereit, aufs Abstellgleis verfrachtet zu werden, wagen es die Fünf, Vincent Bartholdis nicht ganz legalen Vorschlag umzusetzen. Dabei kommt eine Menge (auch schwarzer) Humor mit in die Geschichte, was es für mich angenehm zu lesen machte. Zwar muss ich gestehen, dass ich nicht immer alles lustig fand, was wohl als solches gedacht war. Die Geschichte als Ganze fand ich aber recht witzig. Besonders als der Plan schon am Laufen war, konnte ich mich dem schwarzen Humor nicht mehr entziehen.
Allerdings kommen auch so manche ernste Themen vor. So sind Altersarmut, Gebrechlichkeit und Krankheit und Einsamkeit einige der angesprochenen Themen. Aber auch Gesellschaftskritik wird geübt, wenn angesprochen wird, dass Alte nicht mehr als vollwertig angesehen werden oder gar nicht mehr wahrgenommen werden. Zum einen abgeschoben, in anderen Fällen aber aus finanzieller Sicht wertvoll, da Familien in Zeiten der hohen Arbeitslosigkeit auf die Pension der Alten angewiesen sind.
Fazit: Am interessantesten fand ich das Zusammenspiel der unterschiedlichsten Charaktere und die Persönlichkeiten, die sich aus den jeweiligen Lebensschicksalen entwickelt haben. Auch der Humor hat es mir angetan.


