Uwe Wittstock

 4,2 Sterne bei 47 Bewertungen
Autor von Februar 33, Februar 33 und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Uwe Wittstock

Uwe Wittstock, 1955 in Leipzig geboren, war von 1980 bis 1989 unter der Ägide von Marcel Reich-Ranicki Literaturredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. 1989 wurde er mit dem Theodor-Wolff-Preis für Journalismus ausgezeichnet. Anschließend war er Lektor im S. Fischer Verlag und Kulturkorrespondent der Welt. 2005 veröffentlichte er eine viel gelobte Marcel-Reich-Ranicki-Biografie, die er 2015 aktualisiert und erweitert neu herausbrachte (beide im Blessing Verlag). Von 2010-2017 war er Literaturredakteur des Nachrichtenmagazins Focus. 2018 erschien seine biographische Studie "Karl Marx beim Barbier: Leben und letzte Reise eines deutschen Revolutionärs".

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Uwe Wittstock

Cover des Buches Februar 33 (ISBN: 9783406776939)

Februar 33

 (25)
Erschienen am 15.02.2022
Cover des Buches Marcel Reich-Ranicki (ISBN: 9783896675439)

Marcel Reich-Ranicki

 (4)
Erschienen am 20.04.2015
Cover des Buches Der Auftrag und andere Revolutionsstücke (ISBN: 9783150084700)

Der Auftrag und andere Revolutionsstücke

 (5)
Erschienen am 01.01.2005
Cover des Buches Karl Marx beim Barbier (ISBN: 9783896676122)

Karl Marx beim Barbier

 (2)
Erschienen am 05.03.2018
Cover des Buches Der Familienplanet (ISBN: 9783453404564)

Der Familienplanet

 (1)
Erschienen am 06.06.2006
Cover des Buches Die Büchersäufer (ISBN: 9783866740051)

Die Büchersäufer

 (1)
Erschienen am 01.03.2007
Cover des Buches Postmoderne in der deutschen Literatur (ISBN: 9783835316027)

Postmoderne in der deutschen Literatur

 (1)
Erschienen am 05.10.2015
Cover des Buches Der Weg nach Surabaya (ISBN: 9783596134335)

Der Weg nach Surabaya

 (0)
Erschienen am 01.01.2004

Neue Rezensionen zu Uwe Wittstock

Cover des Buches Februar 33 (ISBN: 9783406776939)
AlexanderPreusses avatar

Rezension zu "Februar 33" von Uwe Wittstock

Ein Muss für jeden Leser
AlexanderPreussevor einem Monat

Ein ganz wunderbares, großes Buch. Der Leser wird in einen Schicksalsmonat der deutschen Geschichte entführt, der nicht mehr und nicht weniger als die Verheerung eines ganzen Kontinents mit Millionen von Toten einleitet. 

Lange vor diesen Schreckenstaten gibt es Opfer. Wittstock gibt ihnen Raum, am Ende jedes geschilderten Tages informieren kurze Sätze über die im Februar ´33 bei Straßenkämpfen Umgekommenen. 

Im Fokus steht aber der Fallout der Machtübergabe an Adolf Hitler, die unmittelbaren Folgen für die Literaten des Landes. Es sind befremdlich unwirkliche Tage, geprägt von Unsicherheiten, Trugbildern, falschen und richtigen Annahmen. 

Der Nachgeborene weiß, was kommt, und ist erstaunt über die Klarsichtigkeit einiger und die Illusionen vieler. Vor allem aber ist es ein Buch über den Verlust, über den Brain-Drain Deutschlands zu Beginn der Nazi-Diktatur. 

Auf meinem Blog finden Sie eine ausführliche Buchvorstellung.

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Cover des Buches Februar 33 (ISBN: 9783406776939)
Lilliannes avatar

Rezension zu "Februar 33" von Uwe Wittstock

Der Winter der Literatur :: Ein Blick wie unter dem Brennglas
Lilliannevor 2 Monaten

Zum Buch :: Verlagsinformationen 

Es ging rasend schnell. Der Februar 1933 war der Monat, in dem sich auch für die Schriftsteller in Deutschland alles entschied. Uwe Wittstock erzählt die Chronik eines angekündigten und doch nicht für möglich gehaltenen Todes. Von Tag zu Tag verfolgt er, wie das glanzvolle literarische Leben der Weimarer Zeit in wenigen Wochen einem langen Winter wich und sich das Netz für Thomas Mann und Bertolt Brecht, für Else Lasker-Schüler, Alfred Döblin und viele andere immer fester zuzog.

Montag, 30. Januar. Joseph Roth will die Nachrichten, die der Tag bringen wird, nicht mehr in Berlin abwarten. Schon früh morgens fährt er zum Bahnhof und nimmt den Zug nach Paris. Thomas Mann in München derweil kümmert sich die kommenden zehn Tage kaum um Politik, dafür umso mehr um seinen Vortrag über Richard Wagner. Immer ganz dicht an den Menschen, entfaltet Uwe Wittstock ein Mosaik der bedrohlichen Ereignisse unmittelbar nach Hitlers «Machtergreifung», die auch für die Literaten in Deutschland in die Katastrophe führten. Er vergegenwärtigt die Atmosphäre dieser Tage, die von Angst und Selbsttäuschung unter den Schriftstellern, von Passivität bei den einen und Entschlossenheit bei den anderen gezeichnet ist. Wer schmiegt sich den neuen Machthabern an, wer muss um sein Leben fürchten und fliehen? Auf der Grundlage von teils unveröffentlichtem Archivmaterial entsteht ein ungeheuer dichtes Bild einer ungeheuren Zeit.

Zum Autor :: Verlagsinformationen
Uwe Wittstock ist Literaturkritiker und Buchautor. Bis 2018 war er Redakteur des "Focus", für den er heute als Kolumnist schreibt. Zuvor hat er als Literaturredakteur für die FAZ (1980 - 1989), als Lektor bei S. Fischer (1989 - 1999) und als stellvertretender Feuilletonchef und Kulturkorrespondent für die «Welt» (2000 - 2010) gearbeitet. Er wurde mit dem Theodor-Wolff-Preis für Journalismus ausgezeichnet.

Mein Kommentar.

Vom 28. Januar 1933 bis zum 15. März 1933 erfahren wir - wie unter dem Brennglas - Ausschnitte aus dem Schicksal von ausgewählten 33 Personen, die im Anhang [265] in den Lebensabrissen nochmals zusammenfassend vorgestellt werden.

Zitat:
»Für die Zestörung der Demokratie brauchten die Antidemokraten nicht länger als die Dauer eines guten Jahresurlaubs. Wer Ende Januar aus einem Rechtsstaat abreiste, kehrte vier Wochen später in eine Diktatur zurück. [Zitat aus dem Nachwort]«


Wir lesen im täglichen Rückblick manche klugen Entscheidungen, manches Zaudern und die brutale Gewalt, die sich ungehemmt entwickelt. Vieles war mir bekannt, einiges neu. Ich habe den Band mit Interesse gelesen. Vielen Dank für diese Möglichkeit.


Ernst Toller, den ich in der Lesechallenge von lady-liberty für mich neu entdeckt hatte, wird auch in diesem Buch erscheinen. Für mich waren die Informationen zu seiner jungen Frau Christiane Grautoff erhellend [77]. Mein eindrücklichstes Erinnern zu Toller war der Appell an Zuckmeyer, in dem er ihn auffordert, gegen den Krieg zu schreiben. Toller war - wie so viele seiner Schriftstellerkollegen - begeisterte Freiwillige im Ersten Weltkrieg. Doch sein Erleben an der Front hat in geläutert, er wird zum Gegner des NS-Regimes.


Einen anderen Autor, der im Buch aber nicht in den Lebensabrissen erscheint, ist Rudolf G. Binding. Er war einer der Lieblingsschriftsteller meiner Schwiegermutter, daher standen auch einige Bücher auf meinem Regal. Seine Werke waren in der Zeit der Weimarer Republik und in der Zeit des Nationalsozialismus weithin populär und angesehen. Was ich hier in diesem Buch gelesen habe, hat mich dann bestätigt: "Binding ist aus Hessen angereist. Er gehört zu den konservativsten, manche sagen: zu den raektionärsten Autoren in der Akademie. Er schreibt gefühlvolle, klug gebaute Erzählungen, die viel gelesen werden. Aber seine Kriegstagebücher bilden so etwas wie das ideologische Gegenstück zu Remarques Im Westen nichts Neues. ... Binding ist der Typ des Herrenreiters, der gern von hohen Idealen spricht, aber im Grunde einen elitären Dünkel pflegt." [151]


Ziemlich zum Schluss [256] - am 15. März 1933 werden die Geschehnisse rund um den Laubenheimer Platz geschildert, genannt die "Hungerburg" oder der "rote Block". Bei den Hausdurchsuchungen haben die "Hilfspolizei" oder "Schutzpolizei" in eigener Regie Bücher auf dem Laubenheimer Platz verbrannt. Anwohner, Männer, Frauen und Kinder haben wütend auf die Verhafteten eingeschlagen oder angespuckt. Sehr eindrücklich wird der alte Mann mit Gehstock geschildert. Auch hier hat keiner der 'Polizisten' sich eingemischt. Der Mob zerstreut sich erst, als sie in eine Sammelbüchse spenden sollen.


Zitat aus Wikipedia:

»Zeit des Nationalsozialismus. Nach der „Machtergreifung“ durch die NSDAP im Jahr 1933 wurde das Leben für die Bewohner der Künstlerkolonie immer gefährlicher. Erstmals im Februar 1933 führte die SA, die sich als „Hilfspolizei“ oder „Schutzpolizei“  ausgab, überfallartige Hausdurchsuchungen und Verhaftungen durch. Knapp drei Wochen nach dem Reichstagsbrand, in dessen Folge die Nationalsozialisten die Grundrechte der Weimarer Verfassung mit der Reichstagsbrandverordnung außer Kraft setzten, kam es am 15.  März 1933 zu einer großangelegten Durchsuchungs- und Verhaftungsaktion in der Künstlerkolonie.

In den Morgenstunden wurde die Künstlerkolonie von Polizei und SA umstellt und abgeriegelt. Bis 15 Uhr wurden zahlreiche Wohnungen durchsucht. Wo nicht geöffnet wurde, drang die Polizei über Feuerwehrleitern in die Wohnungen ein. 14 Personen, unter ihnen Theodor Balk, Peter Martin Lampel, Günther Ruschin, Manès Sperber, Curt Trepte und Walter Zadek, wurden festgenommen. Eine unbekannte Anzahl ausländischer Staatsangehöriger, die sich nicht ausweisen konnten, wurden zur Personenfeststellung auf das Polizeipräsidium gebracht. Mehrere Lastwagen voller Akten wurden beschlagnahmt, ebenso wie zahlreiche Waffen. Literatur, die die Nationalsozialisten für kommunistisch oder marxistisch hielten, wurde auf den Laubenheimer Platz geschafft und verbrannt.

Zahlreiche Bewohner der Künstlerkolonie wie Ernst Bloch, Ernst Busch, Walter Hasenclever, Alfred Kantorowicz, Arthur Koestler, Susanne und Wolfgang Leonhard, Gustav Regler, Günter Ruschin, Manès Sperber, Steffie Spira, Walter Zadek und Hedda Zinner verließen noch 1933 Deutschland. Andere organisierten – trotz der Gefahren, die die Großrazzia vom 15. März 1933 verdeutlicht hatte – den politischen Widerstand.

So gründete Alexander Graf Stenbock-Fermor in seiner Wohnung im Herbst 1940 zusammen mit Beppo Römer und Willy Sachse die Widerstandsgruppe Revolutionäre Arbeiter und Soldaten (RAS). Weitere Mitglieder der RAS wurden Irene und Hans Meyer-Hanno, Fritz Riedel  und Alja Blomberg. Stenbock-Fermor vermerkte zur Arbeit der RAS in seinen Erinnerungen: "Wir trafen uns abwechselnd bei mir, in der Wohnung von Alja Blomberg am Südwestkorso und oft bei Meyer-Hannos am Laubenheimer Platz 2. Hans Meyer-Hanno und seine Frau  Irene wurden die eifrigsten Mitarbeiter." Helene Jacobs und andere versteckten politisch Verfolgte in ihren Wohnungen. So der Beitrag bei  Wikipedia zur Künstlerkolonie. Der Platz heißt heute  Ludwig-Barney-Platz.«


Da ich in dem Kiez wohne, hat mir dieser Abschnitt auch nochmals gezeigt, dass auch in der bürgerlichen Welt der Mob sich ereiferte.

 «Ein Buch von atemberaubender Anschaulichkeit und Eindringlichkeit.» Ich kann mich der Aussage von Bernhard Schlink anschließen. Ich danke für den Lesegenuss!

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Cover des Buches Februar 33 (ISBN: 9783406776939)
Emilis avatar

Rezension zu "Februar 33" von Uwe Wittstock

Informativ, spannend und sehr zu empfehlen
Emilivor 5 Monaten

Ich hatte sehr große Lust auf dieses Buch.   Was will man als Literaturliebhaber mehr, als einen Einblick in eine schwierige politische Situation zu bekommen anhand der literarischen und gesellschaftlichen Ereignisse und dem Leben von Schriftstellern zu dieser Zeit.

Sehr informativ und zum Glück nicht trocken vermittelt. Lebendig und durchaus spannend erzählt.   Vieles kannte ich noch nicht, besonders die Einblicke in das Privatleben von namhaften Autoren.

Bedeutende Literaten in Deutschland waren im Februar 1933 damit konfrontiert, dass die Nationalsozialisten als stärkste Partei gewählt worden waren und mit Neuwahlen ihren Machtanspruch angingen. Die Angehörigen der Kulturwelt mussten sich damit auseinandersetzen, mit der neuen Regime klarzukommen, sich dafür zu begeistern, zu resignieren, mitzumachen oder das Land zu verlassen.

Eine unglaubliche Vorstellung, sehr deprimierend.  4 Natürlich gilt es auch für die andere Bevölkerung, doch in diesem Buch geht es um die Dokumentation der Reaktionen von Literaten. Man begegnet als Leser den Manns, Helene Weigel, Bertold Brecht, Erich Maria Remarque, Hanns Johst, Erich Kästner und vielen anderen. Sehr zu empfehlen.

Ich habe das Buch als Ebook gelesen, leider, mit einer fehlerhaften Formatierung. Es war anstrengend und störend beim Lesen.

Alles in allem werde ich das Buch mit   4 Sternen bewerten.

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