Véronique Bizot

 3.9 Sterne bei 8 Bewertungen
Autor von Meine Krönung, Menschenseele und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Véronique Bizot

Menschenseele

Menschenseele

 (2)
Erschienen am 23.05.2016
Eine Zukunft

Eine Zukunft

 (2)
Erschienen am 01.09.2012
Die Heimsucher

Die Heimsucher

 (0)
Erschienen am 29.04.2015
Meine Krönung

Meine Krönung

 (4)
Erschienen am 01.03.2011
Meine Krönung

Meine Krönung

 (0)
Erschienen am 07.03.2011

Neue Rezensionen zu Véronique Bizot

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Rezension zu "Menschenseele" von Véronique Bizot

Der Roman bleibt genauso geheimnisvoll dunkel, wie seine Figuren
WinfriedStanzickvor 2 Jahren



Veroniques kurze Romanen ähneln Novellen. So wie in ihren bisherigen Werken legt sie auch in „Menschenseele“, ihrem neuen, in Frankreich 2014 erschienenen Roman, den inhaltlichen und auch sprachlichen Fokus auf Figuren, die vorsichtig gesprochen eher seltsam sind, nicht hineinpassen in die Welt, sich mit ihrem Leben und Handeln geradezu dagegen sperren. Sie scheinen einfach nicht hineinzupassen.

Da ist der namenslose Ich-Erzähler, der nicht spricht und von seiner Umwelt als geistig behindert angesehen wird. Zusammen mit seinem älteren Bruder lebt er in den französischen Bergen auf einem alten, verfallenen Hof. Sie befinden sich in einer „Haltung unbestimmten Wartens“, wie Bizot das nennt.

Sie haben nur mit zwei anderen Menschen wirklichen Kontakt, dem misanthropischen Theaterautor Adrien Fouks und dem geheimnisvollen Montoya. Der von seinem Bruder total unterschätzte Erzähler nennt Montoya einen Mann, der „eine recht verblüffende Zahl von Sprachen beherrschte, sehr dünne jamaikanische Zigarren rauchte und dass er, auch wenn er zumindest vorerst scheinbar nichts mit der Welt zu tun haben wollte, ihre Regeln offenbar kannte.“

Die vier treffen sich regelmäßig, sprechen über manches, über vieles aber schweigen sie. Auch als sie miteinander nach Turin reisen, bleibt in stiller Rätselhaftigkeit, was mir als Leser schon nach den ersten Seiten als immer lautere Frage aufkam:  was will Veronique Bizot mit ihrem poetisch und literarisch sehr anspruchsvollen Text überhaupt ausdrücken?

Der Roman bleibt genauso geheimnisvoll dunkel, wie seine Figuren.



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Rezension zu "Menschenseele" von Véronique Bizot

Die Kauzigkeit von Individualisten!
Clarivor 3 Jahren

Veronique Bizot ist eine sehr begabte Erzählerin. Schon mit ihrem Roman „Die Krönung“ versetzte sie sich ganz in die Seele eines alten Kauzes.
Nun sind es ihrer mehrere, denen sie die Aufmerksamkeit schenkt.

In einem abgelegenen Landstrich in den französischen Bergen lebt der Theaterschriftsteller
Adrien Fouks, der keine Post beantwortet, seine Bewunderer vergrault und immer nur seine Ruhe haben will. Zu ihm passen zwei namenlose Brüder, von denen der Ältere nach einem Familienunglück, das nur er und sein kleiner Bruder überlebt haben, auf den zurückgebliebenen jüngeren Bruder aufpasst. Ersterer übersetzt Texte ins Italienische. Sie leben ein paar Kilometer entfernt von Fouks auf ihrem Familienhof, der vor Jahren abgebrannt und nicht wieder restauriert worden ist. Zuletzt gibt es noch Montoya, der auf dem Hof eines Malers lebt, den dieser vor einiger Zeit an ihn verkauft hat.

Hier nun also treffen die vier Kauze gelegentlich zusammen. Veronique Bizot versteht es trefflich, mit ungeschminkten Worten die Charaktere rund um die Einsiedelei zu beschreiben. Man fühlt sich unweigerlich als Zuschauer, der den vier Protagonisten über die Schulter schaut. Der jüngere der beiden Brüder fungiert als Icherzähler. Er scheint viel aufgeweckter zu sein, als sein Bruder glaubt. Unter der Anleitung des Theaterschriftstellers liest er in dessen Bibliothek anregende Bücher, die ihm die Augen für die Welt zu öffnen scheinen.

Es gibt keine Rede oder Gegenrede; vielmehr spielen sich die Szenen in der indirekten Erzähl- oder Redeweise ab, was der Geschichte keinen Abbruch tut. Die kauzige Mentalität aller vier Figuren findet beredt Ausdruck in dem, was über sie erzählt wird.

Insgesamt aber bleibt die Geschichte ein wenig rätselhaft. Das eintönige Leben der vier Männer, eine Reise nach Turin und gelegentlich Begegnungen miteinander reichen am Ende nicht aus, das anhaltende Interesse des Lesers zu gewinnen. Poetisch gekonnt, inhaltlich durchaus anerkennenswert, ist man zuletzt etwas überfordert, zu erfassen, was die Autorin uns mit ihrer Geschichte sagen will. Kauzigkeit als Lebenzweck? Glücklosigkeit als Lebensziel?
Die Charaktere wirken versponnen in ihr jeweiliges Geschick. Nur der jüngere der beiden Brüder ist neugierig auf die Welt und staunt über so manche Ereignisse und Erfahrungen in seinem fortschreitenden Leben. Er wird als einziger übrigbleiben, um das Erbe der Verstorbenen und des kranken Theaterschriftstellers zu verwalten.

Im Gegensatz zu der Novelle „Die Krönung“ fehlt dieser Geschichte ein wenig der Humor und die Selbstironie.
Dennoch ist die literarische Qualität in Wort und Schrift unbestreitbar. Es wird ein Buch für die Liebhaber kauzigen Lebensglücks sein!

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Rezension zu "Meine Krönung" von Véronique Bizot

Rezension zu "Meine Krönung" von Véronique Bizot
Clarivor 7 Jahren

Die Welt verlassen..........oder ihr doch noch einen Tribut zollen?

Der misanthropische Kauz Gilbert Kaplan lebt ruhig, zurückgezogen und wohl versorgt von seiner Haushälterin Madame Ambrunaz in seiner Wohnung in Paris. Er ist schon sehr alt und sein Berufsleben als Wissenschaftler hat er längst hinter sich gelassen. Doch ohne Vorwarnung soll er für sein früheres wissenschaftliches Werk mit einem Preis ausgezeichnet werden.

In einem langen Monolog schaut der alte Herr zurück und überdenkt sein Leben. Da gab es, abgesehen von dem frühen Freitod seiner Frau, keine großen Überraschungen. Seine beiden Schwestern waren ihm früh schon aus dem Blickfeld geraten, und sein Sohn begegnet ihm jetzt, kurz vor seiner „Krönung“, wie ein Fremder.

In lakonischem, teils drolligem Tonfall, so, als nähme er alles gar nicht so ernst, lässt Véronique Bizot ihren Protagonisten agieren und reagieren.

In seinen Selbstgesprächen erfährt man,
wie es ihm als Forscher erging; auch hier scheint sich das Unwahrscheinliche mit dem Wahrscheinlichen in einem Ungleichgewicht zu befinden, und Erfolge werden eher als Überraschung wahrgenommen. Dass es bei Gilbert immer sehr unordentlich und chaotisch zugeht, zeigt ein Blick in seine Wohnung, in der es behaglich aber unübersichtlich aussieht. Er lebt schon lange ruhig und für sich allein.

Mit dem Mittel der langsamen Rückschau erscheinen die Erlebnisse des Lebens wirklich wie weit entfernt und nicht so richtig wichtig. Wie eine Verfremdung der Gegenwart ist diese in der Rückschau gar nicht mehr so bedeutend und weltbewegend, wie sie zu Zeiten des Erlebens gewesen sein mag.
In diesem Sinne spricht Gilbert eher belustigt von seinen so unterschiedlichen Schwestern, von denen sich die altmodische und umständliche Alice zu seiner „Krönung“ angemeldet hat.

Eine kurze Weile begleiten wir den alten Herrn auf seinem letzten Lebensabschnitt, der ihm gelegentlich zusetzt und ihn auch mürrisch macht, denn das Alter zeigt ab und zu hässliche Seiten. Dem aber steht Madame Ambrunaz entgegen! Sie ist die gute Seele, die für ihn sorgt mit ihren feinen Linsensüppchen und anderen Überraschungen und auch dafür, dass er sich nicht ganz in sich selbst verliert.

Mit feinem Humor, sicherem Instinkt für die Befindlichkeiten des Alters und einem leicht melancholischen Unterton erzählt Véronique Bizot ihre Geschichte von dem alten Herren. Hinreißend kurze Sätze bilden einen Erzählstil, dem man mit Entzücken folgt.

Ein wunderschöner, weiser, kluger und humorvoller Debütroman ist der Autorin Véronique Bizot hiermit gelungen, für den sie merhfach ausgezeichnet wurde.
Auch die Übersetzung von Tobias Scheffel und Claudia Steinitz ist hervorzuheben.
Nicht vergessen sollte man die äußere Aufmachung des kleinen aber feinen Büchleins, die der komisch-melancholischen Stimmung des Inhalts bestens gerecht wird.

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