Véronique Bizot Meine Krönung

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Inhaltsangabe zu „Meine Krönung“ von Véronique Bizot

Völlig unerwartet soll ein Forscher im Ruhestand für seine frühere Arbeit eine bedeutende Auszeichnung erhalten. Ihm selbst ist nicht klar, was er da entdeckt haben soll, doch die Nachricht sorgt für Furore: Journalisten suchen ihn heim und stören die behagliche Unordnung im Wohnzimmer und im Innersten des 89-Jährigen. Doch da ist Madame Ambrunaz, seine Haushälterin und ein Bollwerk gegen die Zumutungen der Welt. Sie geleitet den etwas verstockten Wissenschaftler mit sanfter Beharrlichkeit und großartigen Einfällen durch die Tage bis zu seiner Ehrung. Sie kocht ihm Linsen und entführt ihn an die See, während er sich in Gedanken darüber verliert, aus welch merkwürdigen Begegnungen und absurden Anekdoten am Ende das wird, was man sein Leben nennt. Und das hält nun mal bis zum Schluss Überraschungen bereit – auch für einen alten Entdecker. Véronique Bizot hat mehrere Novellen publiziert. Mit Meine Krönung (frz. Mon couronnement) erscheint erstmals ein Buch von ihr auf Deutsch. Für dieses Romandebüt erhielt Bizot 2010 den Grand Prix du Roman der französischen Schriftstellervereinigung und den Autorinnenpreis Prix Lilas.

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  • Rezension zu "Meine Krönung" von Véronique Bizot

    Meine Krönung

    Clari

    23. August 2011 um 17:46

    Die Welt verlassen..........oder ihr doch noch einen Tribut zollen? Der misanthropische Kauz Gilbert Kaplan lebt ruhig, zurückgezogen und wohl versorgt von seiner Haushälterin Madame Ambrunaz in seiner Wohnung in Paris. Er ist schon sehr alt und sein Berufsleben als Wissenschaftler hat er längst hinter sich gelassen. Doch ohne Vorwarnung soll er für sein früheres wissenschaftliches Werk mit einem Preis ausgezeichnet werden. In einem langen Monolog schaut der alte Herr zurück und überdenkt sein Leben. Da gab es, abgesehen von dem frühen Freitod seiner Frau, keine großen Überraschungen. Seine beiden Schwestern waren ihm früh schon aus dem Blickfeld geraten, und sein Sohn begegnet ihm jetzt, kurz vor seiner „Krönung“, wie ein Fremder. In lakonischem, teils drolligem Tonfall, so, als nähme er alles gar nicht so ernst, lässt Véronique Bizot ihren Protagonisten agieren und reagieren. In seinen Selbstgesprächen erfährt man, wie es ihm als Forscher erging; auch hier scheint sich das Unwahrscheinliche mit dem Wahrscheinlichen in einem Ungleichgewicht zu befinden, und Erfolge werden eher als Überraschung wahrgenommen. Dass es bei Gilbert immer sehr unordentlich und chaotisch zugeht, zeigt ein Blick in seine Wohnung, in der es behaglich aber unübersichtlich aussieht. Er lebt schon lange ruhig und für sich allein. Mit dem Mittel der langsamen Rückschau erscheinen die Erlebnisse des Lebens wirklich wie weit entfernt und nicht so richtig wichtig. Wie eine Verfremdung der Gegenwart ist diese in der Rückschau gar nicht mehr so bedeutend und weltbewegend, wie sie zu Zeiten des Erlebens gewesen sein mag. In diesem Sinne spricht Gilbert eher belustigt von seinen so unterschiedlichen Schwestern, von denen sich die altmodische und umständliche Alice zu seiner „Krönung“ angemeldet hat. Eine kurze Weile begleiten wir den alten Herrn auf seinem letzten Lebensabschnitt, der ihm gelegentlich zusetzt und ihn auch mürrisch macht, denn das Alter zeigt ab und zu hässliche Seiten. Dem aber steht Madame Ambrunaz entgegen! Sie ist die gute Seele, die für ihn sorgt mit ihren feinen Linsensüppchen und anderen Überraschungen und auch dafür, dass er sich nicht ganz in sich selbst verliert. Mit feinem Humor, sicherem Instinkt für die Befindlichkeiten des Alters und einem leicht melancholischen Unterton erzählt Véronique Bizot ihre Geschichte von dem alten Herren. Hinreißend kurze Sätze bilden einen Erzählstil, dem man mit Entzücken folgt. Ein wunderschöner, weiser, kluger und humorvoller Debütroman ist der Autorin Véronique Bizot hiermit gelungen, für den sie merhfach ausgezeichnet wurde. Auch die Übersetzung von Tobias Scheffel und Claudia Steinitz ist hervorzuheben. Nicht vergessen sollte man die äußere Aufmachung des kleinen aber feinen Büchleins, die der komisch-melancholischen Stimmung des Inhalts bestens gerecht wird.

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  • Rezension zu "Meine Krönung" von Véronique Bizot

    Meine Krönung

    michael_lehmann-pape

    11. July 2011 um 10:44

    Erinnerungslücken eines Griesgrams „Ich werde mich an den Gedanken gewöhnen müssen, auszugehen. Die Leute, die neulich hier waren, haben darauf bestanden, nachdem sie feststellten, dass ich mich noch auf den Beinen halte“. Diese Störung des alltäglichen Einerleis und des Versunkenseins in die Gesellschaft freifließender Gedanken ist Gilbert Kaplan, 89 Jahre alt, ehemals forschender Wissenschaftler, gar nicht recht. Einer, der sich gerade noch erinnern kann, dass er öfter am Meer war, als er noch Auto fuhr. Warum genau aber weiß er nicht mehr, „vermutlich, um Schiffe zu sehen“. Ihn soll das Leben nun doch noch einmal einholen. Ihn, der das Leben, auch sein Leben, nicht sonderlich mochte. Und nun soll er geehrt werden. Irgendetwas weltbewegendes muss er damals forschend gefunden haben, etwas, das vielen Menschen geholfen hat, viele gerettet hat. Doch erinnern an diese wissenschaftliche Großtat kann er sich nicht. Angestoßen aber durch „diese Leute“, die bei ihm waren, ihn zu einem Empfang mit Preisverleihung gebeten haben, fangen seine Erinnerungen an zu fließen. An eine umkämpfte Liebe. An seine Frau, die irgendwann Selbstmord begann. An seine Schwestern Louise und Alice. In gleicher Weise sucht er innerlich nach Strategien, um dieser Störung seines alltäglich dahinplätschernden Lebens in der Rue Saint-Lazare in Paris. Vielleicht könnte er ja einfach vorher sterben? Aber sterben ist gar nicht so einfach, auch das stellt er fest. Vorbei zumindest ist es mit dem ruhigen Fluss der Tage abseits von der vor den Fenstern dahin fließenden Welt. Und was das anrichtet, wenn die Welt noch einmal einbricht in ein eigentlich äußerlich schon abgeschlossenes Leben, wenn die alten Zahnräder im Kopf noch einmal knirschend zum Leben erwachen und sich dabei an viel unliebsames auch erinnern, das ist das Thema dieses kleinen, aber feinen Buches von Véronique Bizot. Da, wo andere sich freuen würden über eine späte Ehrung, da will jener Gilbert Kaplan nur entweichen. Doch außer seiner Wohnung gibt es ja keinen Ort und auch das innere Entweichen wird erschwert durch das wieder ins Bewusstsein tretende, gelebte Leben. Gut, dass seine Haushälterin, Madame Ambrunaz (seine kongeniale Ergänzung im Buch, jene Figur, die das Leben ganz praktisch angeht und für die ein Teller Linsen die meisten aller anstehenden Probleme zumindest erträglicher macht, wenn nicht gar löst) auf seiner Seite steht und alle Räder in Bewegung setzt, „ihren“ alten Forscher vor der Welt zu schützen. Und vor seinem eigenen dahin driften. Sogar eine Reise organisiert sie noch, ein großes Unterfangen nach Jahren in der Wohnung. Ein wunderschön geschriebenes Buch über das Verlorene und das Wiedergefundene im Leben, ein Buch mit zwei großen Überraschungen zum Ende (was Madame Ambrunaz als letzten Dienst erweist und wie Kaplan zu guter Letzt mit der Preisverleihung Umgang pflegt). Indem Véronique Bizot die gesamte Geschichte nur im Kopf ihrer Hauptfigur sich abspielen lässt und zudem all ihre Beschreibungen beständig knapp und kurz hält (und damit die stark eingerosteten Gedankengänge des Forschers auch sprachlich wunderbar zum Ausdruck bringt), erzeugt das Buch eine ganz eigene Atmosphäre zwischen Verlust, Lebensunlust und Erinnerung und Wiederentdecken, die durchzogen ist von einem feinen Humor. Dieser findet sich immer und immer wieder vor allem im Umgang der burschikosen Haushälterin mit dem knorrigen Wissenschaftler. Das Buch ist sprachlich, stilistisches und im gewählten Thema der Spannung zwischen Lebenslust, ja, Lebensfeindlichkeit und wieder in Gang kommenden Lebens eine echter Lesegenuss.

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