Véronique Olmi

 3.7 Sterne bei 221 Bewertungen
Autorin von Meeresrand, In diesem Sommer und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Véronique Olmi

Véronique Olmi wurde 1962 in Nizza geboren und lebt heute mit ihren zwei Kindern in Paris. In Frankreich wurde sie, als eine der bekanntesten Dramatikerinnen des Landes, für ihre Arbeit mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Seit 1990 hat die ausgebildete Schauspielerin zwölf Theaterstücke verfasst, am Anfang stand sie bei deren Aufführung auch selbst auf der Bühne und/oder führte Regie. Ihre Theaterstücke wurden in viele Sprachen übersetzt, einige Stücke liegen auch in deutscher Übersetzung vor (bei Suhrkamp) und wurden und werden in Deutschland, Österreich und der Schweiz aufgeführt

Neue Bücher

Der Mann in der fünften Reihe

 (1)
Erscheint am 11.02.2019 als Taschenbuch bei btb.

Alle Bücher von Véronique Olmi

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In diesem Sommer

In diesem Sommer

 (42)
Erschienen am 09.06.2014
Das Glück, wie es hätte sein können

Das Glück, wie es hätte sein können

 (36)
Erschienen am 14.05.2014
Nummer sechs

Nummer sechs

 (28)
Erschienen am 25.07.2005
Ein Mann eine Frau

Ein Mann eine Frau

 (12)
Erschienen am 08.02.2008
Der Mann in der fünften Reihe

Der Mann in der fünften Reihe

 (7)
Erschienen am 15.02.2017
Die erste Liebe

Die erste Liebe

 (7)
Erschienen am 28.02.2011
Eine so schöne Zukunft

Eine so schöne Zukunft

 (7)
Erschienen am 03.07.2006
Die Promenade

Die Promenade

 (6)
Erschienen am 04.03.2009

Neue Rezensionen zu Véronique Olmi

Neu
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Rezension zu "Der Mann in der fünften Reihe" von Véronique Olmi

Ein trauriges Buch, das man dennoch kaum aus der Hand legen kann
WinfriedStanzickvor 2 Jahren






Auch in ihrem neuen kleinen und minimalistischen Roman hat Veronique Olmi ihre literarische Technik perfektioniert, das Seelenerleben von Menschen in krisenhaften Situationen in kurzen Abschnitten und noch kürzeren Absätzen zu beschreiben.

In „Der Mann in der fünften Reihe“ lässt sie ihre ich-erzählende Hauptperson, die Schauspielerin Nelly Bauchard, 47 Jahre alt und Mutter zweier Jungen mitten in der Nacht  auf einer Bank am Pariser Bahnhof Gare de L`Est über ihr Leben nachdenken, das sie verloren glaubt. Mit für Olmi typischen Stil beginnt das Buch:
„Ich wies nicht, wie lange ich schon auf dieser Bank sitze. Seit Stunden fährt kein Zug mehr ab, kommt keiner mehr an (…) Eisige Stille bis ins Mark meiner Knochen. Hinter mir eine riesige, verschlossene Stadt. Vor mir die leeren Züge wie gestrandete Wale. Und Sie. Vielleicht hören Sie mir zu. Es ist eine Welt, die nichts ehr zu sagen hat. In der ich mich verloren habe.“

Sie legt, wie in einer Beichte, vor dem ihr unbekannten Zuhörter bzw. Leser eine Lebensbeichte ab. Eine wichtige Rolle dabei spielt „der Mann in der fünften  Reihe“, der bei der gestrigen Vorstellung von Pirandellos Stück „Sechs Personen suchen einen Autor“ als einziger nicht zu ihr hinschaute.  Vor Monaten schon hat sie sich von diesem Mann getrennt, und sie fragt sich, was er von ihr will.  Der Mann bleibt namenlos, sie weigert sich, ihn auch nur zu denken. Denn diese Liebe, die da z Ende ging, war kein Spiel, sondern eine Zeit, die das Leben von Nelly Bauchard fast zerstört hat. Und sie fragt sich, während sie darüber nachdenkt:
„Wie nennt man eine Liebe, die weder enden noch neu beginnen, sich weder belügen noch erniedrigen kann?“
Und wenige Seiten danach, verzweifelt: „Warum vereinigen wir uns mit Menschen, die uns lieben und uns irgendwann in Fetzen zurücklassen? Warum geben wir dem anderen, was wir so sorgfältig bewahrt haben?“


„Der Mann  in der fünften Reihe“ ist ein trauriges Buch, das man dennoch kaum aus der Hand legen kann, weil Olmi den Leser mitnimmt in die seelischen Abgründe einer verlorenen Liebe und eines Lebens das verloren scheint.

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Rezension zu "Ein Mann ? eine Frau" von Véronique Olmi

Sie erwartete keinen Trost
JulesBarroisvor 2 Jahren

Ein Mann - eine Frau - Véronique Olmi (Autorin), Claudia Steinitz (Übersetzerin),128 Seiten, Klaus Wagenbach Verlag (28. April 2017), 10 €, ISBN-13: 978-3803127785

 

Ein 18. August in Paris, leer und verlassen. Ein Sturm in der Nähe. Wind, Regen. Ein Mann und eine Frau treffen sich, sie scheinen verabredet. Diese Frau ist sehr blass und zu dünn. Er hat blaue Augen, die Haarsträhne über die Stirn. Sie machen einen Spaziergang durch den jardin de luxembourg. Er lädt sie in ein Hotel ein. Sehr schnell öffnet sie sich durch die Sprache des Körpers, jenseits aller Worte, die das Schweigen und das Leid nicht zu erklären brauchen. So wird beiden gegeben, es ist ein Freihandel, sind sie nicht zwei, sind sie zusammen. Die Frau bietet und gibt frei, erhält aber ebenso viel Freude wie Schmerz. Sie lernen das Sanfte und das Schroffe. Diese Linie zwischen Lust und Schmerz ist sehr fein gezeichnet.

Doch diese Frau ist gebrochen, geschwächt und hat eine eindringliche geheime Vergangenheit, eine offene Wunde. Sie scheint ihm zu vertrauen, indem sie ihm ihren Körper anbietet.  Wer oder was hat sie betrogen? Wohin sind ihre weiblichen Formen verschwunden? Wird sie sich ihm anvertrauen können?

Ein starker Mann, eine fragile Frau. Wir erfahren nicht viel über diese beiden Charaktere, genau das, was sie zulassen, Genau das, was wir brauchen. Sie treffen sich, Lust und Liebe. Das ist, was zählt

Véronique Olmi legt einen sehr intimen, sinnlichen Roman vor, voller Emotionen, Liebe und Verletzungen. Und über den Regen, der in der ganzen Geschichte vorhanden ist.

Der Schreibstil ist, wie immer bei Véronique Olmi umwerfend schön, manchmal roh, manchmal sehr grob, aber ohne Vulgarität. Wenn sie sich über eineinhalb Seiten der Farbe Blau seiner Augen zu nähern versucht. (Seite 25/26) Oder, wenn Sie Sätze schreibt wie diesen: „… und sein Blick war neu. Im Blau seiner Augen, direkt über der schwarzen Iris war ein gelber Glanz, wie ein Goldkörnchen. […] Kam dieser Glanz vom Sonnenlicht oder aus seiner eigenen Wahrheit, das Stückchen Sonne im uralten Blau seiner Augen, dieses offenbarte Anderswo, dieser kleine gelbe Punkt, für alle Ewigkeit, eine Überraschung, eine Verrücktheit dieser beiden Lichtspäne, das Unerwartete in seinem Blick.“ (Seite 63/64) Sehr lange Sätze, oft ohne Interpunktion, haben einen tiefen Rhythmus, ändern das Tempo und lassen sich gut lesen und vor allem bringen sie einen näher an die Geschichte und sogar in die Gedanken der Charaktere hinein.

Dieses intime Buch erzählt die Begegnung von zwei verwundeten Wesen, die für einen Nachmittag den Geschmack der Unschuld, der Nachsicht und der Vergebung finden.

Es ist ein Text, der sich ganz vorzüglich zum Vorlesen eignet. Wäre doch mal eine Idee: Lesen Sie diese Geschichte einmal ihrem Partner, ihrer Partnerin vor. Es wird beide nicht unberührt lassen.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Klaus Wagenbach Verlages

https://www.wagenbach.de/buecher/titel/1098-ein-mann-eine-frau.html

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

 

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Rezension zu "Der Mann in der fünften Reihe" von Véronique Olmi

Eine Nacht des Wanderns
JulesBarroisvor 2 Jahren

Der Mann in der fünften Reihe - Véronique Olmi (Autorin), Claudia Steinitz (Übersetzerin), 112 Seiten, Kunstmann, A; Auflage: 1 (15. Februar 2017), 18 €, ISBN-13: 978-3956141676

Das Buch startet auf einer Freilichtbühne. „Ich weiß nicht, wie lange ich schon auf dieser Bank sitze. Seit Stunden fährt kein Zug mehr ab, kommt keiner mehr an. Ein regloser Bahnhof. Eisige Stille bis ins Mark meiner Knochen.“ (Seite 7) So beginnt die Erzählerin ihren vielschichtigen Monolog.  An diesem Abend kehrt sie nicht nach Hause zurück, sondern verbringt die ganze Nacht auf dieser Bank am gare d l'est. Sie ist in einem Vakuum gelandet, aber ihr Gehirn ist in vollem Gange, bereit zur Explosion. Sie beginnt Wer ist diese Frau?

Nelly ist eine 47 Jahre alte Frau, Mutter von zwei Jungen und Theaterschauspielerin, die ihre Tage im Erwartungsstress bis zu ihrem Auftritt, zu ihrer Show-time am Abend verbringt. „Ich bin siebenundvierzig und warte immer noch darauf, dass mein Leben anfängt.“ (Seite 24)

Im Augenblick spielt sie in dem Stück „Sechs Personen suchen einen Autor“ von Luigi Pirandello. Es ist eine Tragödie von Missverständnissen und Schrecken; von der Unfähigkeit, sich auszudrücken und, zu kommunizieren. Und tatsächlich scheinen die Frau und die Schauspielerin zu verschmelzen. Wer leidet hier? Die Rolle oder die Frau selber. Bilder ihres Lebens kommen zu ihr zurück wie Bumerangs. Sie liefert eine Art Beichte ab: über die Atmosphäre in der Umkleidekabine, über die panische Angst vor dem Zuspätkommen, vor dem Vergessen ihres Textes, über die Aufregung auf der Bühne, über ihre Kindheit am Meer, ihre Eltern, ihren Geliebten, über eine Mutter, die nach und nach in die Dunkelheit des Vergessens sinkt; über einen Vater, eine wunderbar tragische Figur in seiner zweiten schüchternen Rolle, wo es vielleicht Einsamkeit oder Versuchung von Selbstmord gab; über ihre Söhne, die nicht wissen, „wie sehr sie schon vor mir wegrennen.“ (Seite 36) Und natürlich über den Mann, den idealen Mann am idealen Platz in der Mitte der fünften Reihe, dem sie sich verweigerte, ohne ihn zu vergessen. „Diesen Mann in der Mitte der fünften Reihe – der ideale Platz. Diesen Mann, dessen Name ich seit sechs Monaten verschweige, dessen Existenz ich verleugne. Seine Anwesenheit, die meine vernichtet.“ (Seite 61)

Es gibt keine Gnade für Nelly. Woher bezieht sie die Kraft, sich vor dem Versinken zu retten? Eine lange Geschichte, ein schöner Monolog einer Frau, die in den Fallen der Leidenschaft gefangen ist. Véronique Olmi variiert ihr Hauptthema: das leidenschaftliche Leben von und für Liebe. Sie zeigt uns die Schwierigkeit der Liebe, die Sehnsucht nach Liebe und die unmögliche Liebe. Und sie beschreibt perfekt die verheerenden Auswirkungen der Leidenschaft, das Glück, das sie bringt, und vor allem die Schmerzen die sie verursacht. Wie kaum eine Zweite versteht es Véronique Olmi auf sehr reife, subtile Weise Emotionen genau und kraftvoll zu destillieren und diese Schlüsselmomente festzuhalten, wenn ein ganzes Leben kippt. „Lieben oder sterben wollen, eigentlich ist es dasselbe: der Wunsch, woanders zu sein.“ (Seite 18)

Die zerbrechliche Nelly Bauchard sucht nach Antworten: „Wie nennt man eine Liebe, die weder enden noch neu beginnen, sich weder belügen noch erniedrigen kann?“ (Seite 100); Warum vereinigen wir uns mit Menschen, die uns lieben und uns irgendwann in Fetzen zurücklassen? Warum geben wir dem anderen, was wir so sorgfältig bewahrt haben?“ (Seite 107)

Véronique Olmi liefert eine fragmentierte Erzählung. Kurzer Absatz auf kurze Absätze, mit viele kleinen Szenen. Ihre Sprache ist wie Musik, einfache Akkorde, die den Ton verzweifelter, weiblicher Charaktere treffen. Ein Text kurz, aber reich, gefühlvoll und subtil, der uns auf zwei Ebenen unterhält. Mich berührt dieser präzise und fast minimalistische Stil. Mir scheint, dass dieses Buch eine ganz ausgezeichnete Vorlage für ein Ein-Personen-Stück am Theater geeignet wäre. Ein herausfordernder Monolog für eine große Schauspielerin, wie zum Beispiel Isabell Huppert.

Véronique Olmi hat uns eine brillante zeitgenössische Variation zum Denken von Tristan in „Tristan und Isolde“ geliefert, der Beweis, dass Leidenschaft ebenso zeitlos ist, wie sie der menschlichen Natur eigen ist: Oder wie Gustave Flaubert sagte „Liebe erblüht im Staunen einer Seele, die nichts erwartet und sie stirbt an der Enttäuschung des Ichs, das alles fordert.“

Mit Véronique Olmis traurigem und berührendem Buch „Der Mann in der fünften Reihe“ wählen Sie eine Lektüre in dessen erzählerischen Spannung Sie sich verlieren, ja ertrinken können. Das Buch wird Sie verführen.

 

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Antje Kunstmann Verlages Verlages

http://www.kunstmann.de/titel-0-0/der_mann_in_der_fuenften_reihe-1145/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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Gespräche aus der Community

Neu
L
Hallo, habt Ihr schon Bücher der Autorin Veronique Olmi gelesen? Ich bin gestern im Buchladen über ein Buch (Die erste Liebe) von ihr gestolpert, das sich ganz interessant angehört hat. Ich habe aber bislang von dieser Autorin noch gar nichts gelesen. Sind ihre Bücher empfehlenswert?
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