Im Jahr 1714 steht Addie kurz davor, einen Mann zu heiraten, den sie nicht liebt und mit dem sie erst Recht nicht ihr restliches Leben verbingen will. Ohnehin fühlt sich ihr Leben für sie nach einem Käfig an. In ihrer Verzweiflung bittet sie die Götter um Hilfe, doch sie tut es nach Einbruch der Dunkelheit. Und so antwortet nicht der Gott, auf den sie gehofft hat, sondern Luc. Er macht ihr ein Angebot: Absolute Freiheit zu tun, was sie möchte, ewige Zeit, ein Leben ohne von den Grenzen andere eingeschränkt zu werden. Addie nimmt an. Doch der Pakt ist zu ungenau und so zahlt sie einen hohen Preis für die Abmachung: Ab sofort wird sich niemand mehr an sie erinnern können.
Die Idee des Buches hat mich sofort fasziniert. Ein Leben, bei dem du für andere langfristig keine Rolle spielst? Bei dem du wahrgenommen wirst aber dennoch immer unsichtbar bleibst? Wie grausam muss das sein, wie einsam?
Und genau diese Einsamkeit zieht sich für mich auch durch die gesamte Geschichte. Addie reist durch Jahrhunderte und Länder und führt dabei ein unglaublich bescheidenes, fast schon langweilig normales Leben. Sie probiert nichts verrücktes, genießt einfach nur die Zeit. Tut die Dinge, die sie schon immer mal machen wollte. Überlebt.
Die vielen Ortswechsel, Zeitsprünge und unterschiedlichen Leben von Addie machen zu Beginn noch Spaß, holen mich irgendwann aber nicht mehr richtig ab. Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, eher durch eine Sammlung von Momenten zu wandern als durch eine klassische Handlung. Der Spannungsbogen ist insgesamt sehr flach. Das Buch irgendwie leise. Langsam. Über lange Strecken passiert nicht genug, um wirklich mitgerissen zu werden. Es zieht sich sehr. Addie selbst blieb für mich auch lange ein Rätsel. Sie ist ein Widerspruch: stark, emanzipiert, mutig und gleichzeitig verloren und naiv. Addie wird als so unsichtbar, so gewöhnlich, so einsam beschrieben, dass sie für mich stellenweiße genau so unsichtbar blieb. Einfach nicht greifbar.
Ich mochte Luc mehr als Addie. Der Dämon war für mich facettenreicher, tiefgründiger. Greifbarer. Eine Person mit Ecken und Kanten. Die Beziehung zwischen den beiden hat mir daher auch sehr gut gefallen. Die beiden können sich nicht leiden, haben aber eine seltsame Form von Zweckgemeinschaft. Von gegenseitigem Verstehen. Sie wissen, was sie aneinander haben. Trotz allem.
Und dann kommt Henry. Plötzlich verändert sich alles. Ab diesem Punkt wurde das Buch für mich greifbarer. Die Beziehung zwischen Addie und Henry bringt eine neue Intensität in die Geschichte. Ihre gemeinsamen Tage sind unbeschwert und unglaublich kindlich, verspielt. Wie die erste Verliebtheit in Kindheitstagen. Was vorher zäh und schwer war, wirkt jetzt leicht. Ab hier wirkt das Buch fast eher wie ein Young Adult Liebesroman. Typische Teenie-Geschichte. Der Bruch passt sehr gut. Das Tempo des Buches wird angezogen und jetzt ist es richtig spannend, bis zu einem wirklich herzzerreißendem Ende.
Was mir das ganze Buch über sehr gut gefallen hat ist der Schreibstil von V. E. Schwab. Sie schreibt unglaublich poetisch. Ruhig. Viel findet zwischen den Worten, in den Pausen, in den Lücken statt. Viel muss interpretiert werden. Ihre Worte fühlen sich schwer und melancholisch an aber auch leicht. Manchmal fühlt man Weltschmerz, manchmal pure Freude. Sie pflanzt viele Gedanken und Bilder über die Bedeutung von Zeit und wie wertvoll Erinnerungen sind. Das mochte ich sehr.
Trotzdem konnte mich das Buch nicht vollständig mitreißen, mich nicht verschlucken. Es ist zu ruhig zu schwer.
Mehr Meinung zum Buch gibt es hier: https://buchtrunken.de/das-unsichtbare-leben-der-addie-larue-v-e-schwab/





























