V. S. Ramachandran Die Frau, die Töne sehen konnte

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Inhaltsangabe zu „Die Frau, die Töne sehen konnte“ von V. S. Ramachandran

LANGE ZEIT waren es vor allem Philosophen und Psychologen, die den Zusammenhang zwischen Geist, Körper und Gehirn diskutierten. In «Die Frau, die Töne sehen konnte» präsentiert der renommierte Neurowissenschaftler Ramachandran die wichtigsten Erkenntnisse seiner langjährigen Forschung auf diesem Gebiet.

ER STELLT Patienten mit außergewöhnlichen und faszinierenden Störungen vor: Synästhetiker wie Esmeralda, die Töne als Farben wahrnimmt, Patrick, der einen Phantomzwilling sieht, welcher seine Bewegungen nachahmt, oder Ali, der felsenfest davon überzeugt ist, dass es ihn nicht gibt.

AUSGEHEND VON den neurologischen Besonderheiten dieser Patienten, zieht Vilayanur S. Ramachandran Rückschlüsse auf die Funktionsweise des Gehirns bei gesunden Menschen. Auf diese Weise sucht er zu ergründen, was es ist, das uns von anderen Lebewesen grundlegend unterscheidet - was uns Menschen so einzigartig macht.

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  • Rezension zu "Die Frau, die Töne sehen konnte" von Vilaynur S. Ramachandran

    Die Frau, die Töne sehen konnte

    HeikeG

    27. January 2013 um 19:58

    Sind wir bloß Schimpansen mit einem Software-Upgrade? oder: Woher weiß ich, dass dein Rot nicht mein Blau ist? . "Wie ich sehr wohl weiß, mein lieber Watson", stellt Sherlock Holmes fest, "teilen Sie meine Liebe zu allem, was seltsam ist und außerhalb der Konventionen und langweiligen Routine des Alltags liegt." Bestes Alltagsbeispiel ist die universelle Grußgeste des Menschen: unser Lächeln. Nun werden Sie sich fragen, was an unserem Lächeln seltsam, unkonventionell und langweilig sei. Vorab nur soviel: Seien sie gewappnet, lächelnde Menschen entblößen in Wahrheit ihre Eckzähne halb und offenbaren auf diese Weise ihre wilden Ursprünge. Doch dazu später... . Mit "The tell-tale brain" ("Das verräterische Gehirn") legte der "Marco Polo der Gegenwart" (Aussage von Richard Dawkins), Neurowissenschaftler V. S. Ramachandran im Jahr 2011 sein zweites vielbeachtetes Werk über die schwer fassbaren Verbindungen zwischen Gehirn, Geist und Körper vor. Nun ist es auch auf Deutsch mit dem etwas publikationswirksameren Namen "Die Frau, die Töne sehen konnte" erschienen. In gewissem Sinn stellt es die Fortsetzung bzw. Aktualisierung seines populärwissenschaftlichen Erstlings "Die blinde Frau, die sehen kann" dar. Denn die Neurowissenschaft hat sich in den letzten fünfzehn Jahren mit einem nahezu rasanten Tempo weiterentwickelt. Und Ramachandran, Spross einer indischen Diplomaten- und Gelehrtenfamilie, gilt vielen als der innovativste Bewusstseinsforscher unserer Zeit. Das Spektrum seiner Forschungen an der University of California in San Diego ist denkbar breit: Es reicht von optischen Täuschungen über die Repräsentation des Körpers im Gehirn bis hin zu Verleugnungssyndromen bei Hirnverletzten. Aber auch in der Therapie hat er sich verdient gemacht. Bekannt wurde er vor allem durch seine Experimente über Verhaltensneurologie, die äußerst simpel und einfach aufgebaut waren, aber trotzdem die Vorstellungen und Konzepte vom Gehirn nachhaltig beeinflusst haben. . Das vorliegende Buch, das Ramachandran selbst als konzentriertes Ergebnis eines großen Teils seines Lebenswerks bezeichnet, ist beredtes Zeugnis davon. Fragen werden in den Raum gestellt: Wie nehmen wir die Welt wahr? Was hat es mit der sogenannten Geist-Körper-Verbindung auf sich? Wodurch wird unsere sexuelle Identität bestimmt? Was ist Bewusstsein? Was läuft falsch bei Autismus? oder Wie lassen sich all diese rätselhaften Fähigkeiten erklären, die zutiefst menschlich sind: Kunst, Sprache, Metaphorik, Kreativität, Ich-Bewusstsein und religiöse Empfindungen? Strang um Strang versucht der Autor in neun Kapiteln die rätselhaften Fähigkeiten unseres "Schicksalsorgans", als das es der wegweisende Neurochirurg Wilder Penfield bezeichnete, Woody Allen hingegen nicht ganz so feierlich als das "zweitliebste Organ des Menschen", zu entflechten. Dabei kann er mit seinen eigenen Forschungsarbeiten über die verschiedenen Aspekte unserer geistigen Innenwelt aus dem Vollen schöpfen. Fallgeschichten aus seiner persönlichen Praxis dienen dabei zum besseren Verständnis. Trotz des zum Teil für Laien schwer fassbaren Sujets, gelingt es Ramachandran durch seinen lockeren Plauderton und gelegentlich eingestreute kleine Spitzen gegen seine eigene Zunft oder die der Politiker, aufzulockern. Größtenteils gelingt ihm die schwierige Gratwanderung zwischen Vereinfachung und Genauigkeit formidabel, auch wenn vor allem in den letzten Kapiteln der Nichtfachmann wegen des höchst anspruchsvollen Inhalts und Begriffen wie "Apotemnophilie", "sensomotorische Kortexariele", "superiore und inferiore parietale Lobuli", "inhibitorische Schaltkreise" oder "ventro-medialer präfrontaler Lappen" nicht mehr in vollem Umfang mithalten kann. . Auch wenn das Buch mit einer Fülle vieler verschiedener Aspekte aufwartet, ziehen sich durch den gesamten Text dennoch zwei rote Fäden. Das ist zum einen die Feststellung, dass "Menschen wirklich einzigartige und besondere Geschöpfe sind, nicht 'nur' eine andere Primatenart" und zum anderen eine durchgängige evolutionäre Perspektive. Denn, so Ramachandran, "das Gehirn können wir nur verstehen, wenn wir uns vor Augen halten, wie es sich im Zuge der Evolution entwickelt hat." Und damit kämen wir dann auch zur eingangs erwähnten universellen Grußgeste des Menschen zurück. Warum lächeln wir eigentlich dabei? Hier die Theorie des Autors: "Wenn sich ein Affe einem Artgenossen nähert, ist die übliche Annahme, dass dort ein potentiell gefährlicher Fremder kommt, daher signalisiert er seine Bereitschaft zum Kampf, indem er eine Grimasse macht, die seine Eckzähne hervortreten lässt. Im Zuge der Evolution wurde das zu einer ritualisierten Drohgebärde, eine aggressive Mimik, die den Eindringling vor einer potenziellen Vergeltung warnte. Doch wenn der näherkommende Affe als Freund erkannt wird, bricht sein Artgenosse die Drohgebärde (gebleckte Eckzähne) vorzeitig ab, und diese halbfertige Grimasse (mit halb verborgenen Eckzähnen) wird zu einem Ausdruck der Beschwichtigung und Freundlichkeit." . Fazit: "Die Frau, die Töne sehen konnte" erweist sich als schwierige, aber höchst anregende Führung durch eine für die meisten unbekannte Disziplin. Auch wenn der Code des menschlichen Gehirns noch lange nicht geknackt ist und V. C. Ramachandran mitunter auch vor gewagten Spekulationen nicht zurückscheut, so ist es dennoch erstaunlich welch atemberaubenden Fortschritt die Neurowissenschaft mittlerweile genommen hat. Doch wie schrieb schon der Biologe Peter Medawar: "Jede gesicherte wissenschaftliche Erkenntnis erwächst aus einer Idee von dem, was wahr sein könnte". Eines wird nach der Lektüre jedoch unmissverständlich klar und sollte auch beruhigen, nämlich dass das Gehirn oft viel klüger agiert, als es seinem Besitzer tatsächlich bewusst wird.

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