V. V. Ganeshananthan

 4,5 Sterne bei 85 Bewertungen

Lebenslauf

V. V. Ganeshananthan ist außerordentliche Professorin für Englisch an der University of Minnesota. Ihr Roman Der brennende Garten wurde von der Kritik gefeiert und 2024 mit dem Women's Prize for Fiction sowie dem Carol Shields Prize ausgezeichnet. Sie co-hostet den Fiction/Non/Fiction-Podcast auf Literary Hub, der sich mit dem Schnittpunkt von Literatur und Nachrichten beschäftigt.

Quelle: Verlag / vlb

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Neue Rezensionen zu V. V. Ganeshananthan

Cover des Buches Der brennende Garten (ISBN: 9783608502787)
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Rezension zu "Der brennende Garten" von V. V. Ganeshananthan

Seitenmusik
Einblick in die Geschichte Sri Lankas anhand einer tamilischen Familie erzählt

„Der brennende Garten“ von V. V. Ganeshananthan (aus dem Englischen übersetzt von Sophie Zeitz, erschienen beim Verlag Tropen) ist ein Roman, an dem die Autorin 18 Jahre (!) gearbeitet hat. Gut Ding braucht Weile und in diesem Fall hat sich diese Geduld definitiv ausgezahlt. Erzählt wird die Geschichte der jungen Tamilin Sashi, die im Bürgerkrieg Sri Lankas erwachsen wird, während ihr Umfeld zerbricht. Zwischen Jaffna und New York, zwischen Medizin, Widerstand und Verlust sucht sie nach einem Weg, Mensch zu bleiben.

Meine Meinung

Ich bin ohne große Erwartungen in dieses Buch gegangen und wollte es zunächst auch gar nicht lesen. Erst die sympathische Vorstellung der Autorin auf der Buch Wien und der sanfte Schubs einer Bookstagram-Freundin haben mich schließlich überzeugt. Zum Glück. Denn Ganeshananthan schreibt mit einer Klarheit, die nicht vereinfacht, sondern Komplexität aushält. Meiner Meinung nach etwas, das man nicht in vielen Büchern findet. Besonders deutlich wird das an der Art, wie sie Begriffe wie „Terrorist“ hinterfragt: „Das Wort Terrorist ist zu einfach für die Geschichte, die wir erlebt haben“ (S. 13). Der Roman zwingt uns damit, genauer hinzusehen auf das vermeintlich Klare: auf Ideologien, auf Schuld und auf die Grauzonen dazwischen.

Auf den ersten Blick nicht explizit feministisch, spielen Frauen dennoch eine entscheidende Rolle im Roman. Mütter, Aktivistinnen, Professorinnen, deren Solidarität eine eigene Kraft entfaltet: „Jetzt erkannte ich, dass meine Mutter eine Wildheit besaß … eine Kraft, die von den Frauen um uns herum exponentiell vervielfacht wurde“ (S. 162). Feminismus wird hier nicht theoretisch, sondern existenziell verhandelt: Wer darf sprechen? Wer widerspricht? Und was kostet das?

Neben all dem findet auch die Liebe ihren Platz, wenn auch leise, zart und tragisch: „Alles war vollkommen, und alles war unerträglich, weil es enden würde“ (S. 303). Und immer wieder kehrt der Roman zu der zentralen Frage zurück, welche Bedeutung Geschichte(n) und die Berichterstattung über Gräueltaten selbst haben können. In diesem Fall auch als Überlebenstechnik, als Halt wie an diesem Zitat deutlich wird: „Die Worte nahmen den Nächten das Grauen“ (S. 261).

Fazit
"Der brennende Garten" ist kein leichtes Buch, aber ein notwendiges. Ein Roman über Krieg, der sich weigert, Menschen auf Rollen zu reduzieren. Für alle, die literarische Tiefe, politische Komplexität und emotionale Wahrhaftigkeit suchen. Von mir gibts eine klare Leseempfehlung.

Cover des Buches Der brennende Garten (ISBN: 9783608502787)
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Rezension zu "Der brennende Garten" von V. V. Ganeshananthan

SimoneF
Eindrucksvoll und bewegend

V.V. Ganeshananthan schreibt in „Der brennende Garten“ über den jahrzehntelangen Bürgerkrieg in Sri Lanka. Aus der Sicht von Sashi, einer jungen Frau einer privilegierten Kaste, erlebt man als Leser:in die 1980er Jahre in Jaffna. Sashi ist zu Beginn 16 Jahre alt und lebt zusammen mit ihren Eltern und drei älteren sowie einem jüngeren Bruder. Die Familie ist wohlhabend, gebildet und eher progressiv, das Familienleben ist harmonisch. Die Kinder bereiten sich auf die Universität vor, schätzen Musik und Literatur und möchten Ärzte bzw. Ärztin oder Ingenieur werden. Als der Bürgerkrieg ausbricht, verändert das Sashis Leben radikal, und sie ist plötzlich mitten im Geschehen. Zwei ihrer Brüder schließen sich der LTTE an, und der Nachbarsjunge, in den Sashi verliebt ist, nimmt eine ranghohe Stellung bei den Tamil Tigers ein. Auch wenn Sashi Gewalt verabscheut und mit vielem bei den Tamil Tigers nicht einverstanden ist, findet sie sich doch immer wieder zwischen den Fronten wider.

Eindrucksvoll schildert Ganeshananthan, wie aus normalen jungen Menschen Mitglieder einer Terrormiliz werden. Die wechselseitigen Kriegsverbrechen von Singhalesen, verschiedenen tamilischen Rebellengruppen, den Regierungstruppen Sri Lankas und den indischen Friedenstruppen vertiefen die Gräben und verschärfen das Leid der Zivilbevölkerung. Junge Männer werden von den Rebellen zwangsrekrutiert, wahllose Hinrichtungen sind an der Tagesordnung und Frauen sind sexueller Gewalt ausgesetzt.

Die Autorin erzählt eindringlich und berührend aus der Ich-Perspektive, wobei sie immer wieder den Leser bzw. die Leserin mit „Ich will, dass Du verstehst (…)“ bzw. „Du musst verstehen (…)“ direkt anspricht. Auch wenn ich grundsätzlich nachvollziehen kann, warum sie dies tut, wirkt es aufgrund der Häufigkeit aufgesetzt und von oben herab. Das hat mich beim Lesen leider etwas gestört.

Da immer wieder tamilische Begriffe fallen, wäre ein Glossar wünschenswert gewesen. Auch ein einordnendes Nachwort, bei dem die Autorin darauf eingeht, welche Figuren oder Ereignisse real sind oder fiktiv, hätte ich sehr hilfreich gefunden. Ganeshananthan erwähnt im Nachwort, dass sie ein kompliziertes Verhältnis zu Erklärungen hat. Das ist schade, denn sie hätte zB klarer darstellen können, dass Rajani Thiranagama als reales Vorbild für die Figur Anjali Premachandran diente.

Ungeachtet dieser kleinen Kritikpunkte ist „Der brennende Garten“ ein sehr lesenswertes und bewegendes Buch, das einen jahrzehntelangen Konflikt, der hier im Westen eher am Rande wahrgenommen wurde, in den Mittelpunkt rückt.

Cover des Buches Der brennende Garten (ISBN: 9783608502787)
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Rezension zu "Der brennende Garten" von V. V. Ganeshananthan

ninzi-jh
Berührender Einblick in die Geschichte Sri Lankas

Die Geschichte von Sashi hat mich sehr berührt. 

Als junges Mädchen muss sie miterleben, wie sie und andere Tamilen immer wieder große Ungerechtigkeit erfahren, die von staatlicher Seite geduldet oder sogar gefördert wird. Nach dem »schwarzen Juli«, bei dem sie auch ihren ältesten Bruder verliert, radikalisieren sich viele junge Männer in ihrem Umfeld und lassen sich und in bewaffnete Konflikte hineinziehen. Sashi jedoch geht mit Mut und moralischer Integrität ihren ganz eigenen Weg.

Der Roman hat mir sehr gut gefallen, weil er die Gefühle und Beweggründe der handelnden Personen nachvollziehbar darstellt, berührend von Verlust, Ohnmacht und Angst berichtet, aber auch zeigt, wie man mit Mut und Menschlichkeit etwas bewirken kann - im Kleinen wie auch im Großen.

Der Schreibstil ist sehr besonders, da einen die Erzählerin als Leser immer wieder direkt anspricht, was in mir gefühlsmäßig eine noch größere Nähe zur Hauptfigur geschaffen hat.

Wirklich ein gelungener Roman und ein lesenswerter Ausflug in die Geschichte Sri Lankas.

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