Vaddey Ratner

 4.8 Sterne bei 9 Bewertungen

Alle Bücher von Vaddey Ratner

Vaddey RatnerIm Schatten des Banyanbaums
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Im Schatten des Banyanbaums
Im Schatten des Banyanbaums
 (7)
Erschienen am 24.02.2014
Vaddey RatnerIm Schatten des Banyanbaums
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Im Schatten des Banyanbaums
Im Schatten des Banyanbaums
 (0)
Erschienen am 09.02.2016
Vaddey RatnerIn the Shadow of the Banyan
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In the Shadow of the Banyan
In the Shadow of the Banyan
 (2)
Erschienen am 06.06.2013

Neue Rezensionen zu Vaddey Ratner

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Gruenentes avatar

Rezension zu "Im Schatten des Banyanbaums" von Vaddey Ratner

Wunderbarer Roman über eine schreckliche Zeit
Gruenentevor 3 Jahren

Die Autorin Vaddy Ratner stammt aus Kambodscha. Sie war mit der Fürstenfamilie verwandt, die Mitte der 1970iger Jahre über das Land herrschte. Bis die roten Khmer die Macht an sich rissen und das Land in das totale Chaos stürzten. Dieses Buch erzählt die Geschichte des Mädchens Raami, Alter Ego der Autorin.

Raami ist ungefähr sieben Jahre alt, ist intelligent, lebt glücklich mit der Familie in einem palastähnlichen Haus in Pnom Phen. Sie ist umgeben von Liebe und steckt deshalb ihr eigenes Handicap aufgrund von Kinderlähmung gut weg.  Ihr Vater entstammt der Fürstenfamilie und ist ein erfolgreicher Dichter. Die Mutter kümmert sich um den großen Haushalt und auch um Raamis kleine Schwester.

Raamis größtes Problem ist die Eifersucht auf ihre kleine, perfekte Schwester die sie trotzdem innig liebt und ihre eigene körperliche Beeinträchtigung, durch die sie stark hinkt. Ansonsten wächst sie glücklich und geliebt auf.


Es herrscht plötzlich Krieg. Die Revolutionäre zwingen alle Bewohner der Hauptstadt diese zu verlassen. Die Familie muss fliehen und alles zurücklassen: das Haus, die Bediensteten, die versuchen sich zu ihren eigenen Familien durchzuschlagen, den schönen Garten, den gesamten Hausrat.

Die Revolutionäre führen ihre Repressalien nicht nur gegen die Menschen aus, die Verbindungen zur Monarchie oder Republik hatten, sondern gegen alle Intellektuelle, Ausländer, jeden, der ein wenig Bildung ergattert hat. Sie bringen das Land auf einen Schlag zurück ins Mittelalter.  Tausende von  Menschen werden zwangsweise und willkürlich umgesiedelt. Wer lesen und schreiben kann wird exekutiert.

Raamis Familie wurde zerrissen, die meisten kamen um. Raami machte sich selbst für den Tod des Vaters und der kleinen Schwester verantwortlich.

Das Buch ist in einer fast poetischen Sprache geschrieben. Aus der Sicht eines Kindes und mit der Stimme einer Erwachsenen wird beschrieben, wie ein Land und seine Bewohner, dem Chaos preisgegeben werden und nur durch ausländisches Eingreifen befreit werden konnten. 

Vor allem der letzte Teil, wo beschrieben wird, wie alle Arbeiter knapp vor dem Hungertot jeden Käfer einfach in den Mund steckten und mechanisch immer weiter arbeiteten, geht schon sehr unter die Haut. Ein wichtiges Kapitel der asiatischen Geschichte, das aus einer ungewohnten Perspektive dem Leser begreiflich gemacht wird.


Ausführlicher hier: http://leckerekekse.de/wordpress/im-schatten-des-banyanbaums/

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M

Rezension zu "Im Schatten des Banyanbaums" von Vaddey Ratner

Wenn die eigene Welt zerbricht
michael_lehmann-papevor 4 Jahren

Wenn die eigene Welt zerbricht

1975 übernahmen die Roten Khmer die Herrschaft in Kambodscha. Wie so oft nach einer „Revolution“ bedeute dies ein drastische Veränderung nicht nur der Herrschaftsverhältnisse, sondern auch des Alltags. Mitsamt dem, was an Aggression und Rache gegenüber dem „verhassten Regime“ sich nun Bahn brach und der „Umerziehung“ eines ganzen Volkes, das in den nächsten Jahren in aller Härte anstand. Einschnitte, welche die Familie der kleinen Raami umfassend betreffen wird.

Ereignisse, die fast die Regel sind in so vielen Ereignissen der „Umwälzungen“, von Vietnam über Korea bis eben, in diesem Buch, Kambodscha. Ereignisse, die eine frappierende Ähnlichkeit besitzen mit solchen, wie sie u.a. Akbar Omar in der „Festung der neun Türme“ erzählt..

Beide Grundgeschichten ähneln sich im Übrigen auch in den Voraussetzungen. Die Flucht einer gutsituierten Familie, die Bedrängung durch die Revolutionssoldaten. Auch Raama erlebt beim gedrängten, hastigen Aufbruch nur mit dem, was die Hände tragen können, bereits die erste Erschießung, Beiläufig, wie nebenbei. Ein alter Mann, der nicht pariert, der nicht schnell genug ist, wird am Wegesrand kurzerhand erschossen.

„Ein neuer Tag ist angebrochen, Genossen Brüder und Schwestern.
Tragt die revolutionäre Flagge voller Stoltz. Reckt das Gesicht dem glorreichen Licht der Revolution entgegen.“

So die Propaganda. Die Realität war Massenmord, Gefangennehme, Umerziehung, Lager, ständige Bedrohung des Leben für jene, die die ersten Tage überhaupt überlebten.

Raama in ihrem kindlichen Gemüt baut all diese Ereignisse zunächst über weite Strecken hinweg in fantasiereiche Geschichten hinein.

„Du musst „der Dunkle“ sein“, so begrüßt sie den ersten Soldaten der Khmer. Eine Art des Umgangs mit den Ereignissen, die ihr lange Zeit „über den Tag“ helfen, die aber im Anblick von Tot und Not mehr und mehr im Lauf der Erzählung zerbröseln werden. Wie auch ab einem bestimmten Punkt die Gedichte ihres Vaters, die lange Zeit Trost und Weltdeutung zugleich für Raam beinhalteten, ihre Tragkraft verllieren werden.

Und dennoch geht Raama ihren Weg durch diese Zeit, überlebt. Oft mit Glück, manchmal mit kindlicher Weisheit, oft durch Hilfe von anderen.

In Sprache und Stil ist dieser autobiographische Roman eher einfach gehalten, der Protagonisten in der Form angepasst. Und beschäftigt sich in weiten Teilen mit dem inneren Erleben Raamas und weniger mit jener brachialen Gewalt und Unterdrückung, die massiv im Raum stand in jenen Jahren. Öfter erschließt sich erst in den Geschichten Raamas das Geschehen und eine treffende Reflexion des jungen Mädchens, in der sie immer wieder die Kraft für den nächsten Schritt findet.

Eine empfehlenswerte, atmosphärisch dichte Lektüre, an deren Ende wieder einmal die Unsinnigkeit und der menschliche Preis aller fanatischer Ideologie offen im Raume steht.

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philines avatar

Rezension zu "Im Schatten des Banyanbaums" von Vaddey Ratner

die Geschichte Kambodschas aus einer poetischen Perspektive
philinevor 5 Jahren

Es ist eine Geschichte über das Weitermachen - und die Geschichte Kambodschas. 1975 hat eine kommunistische Gruppe die Macht ergriffen und wollte ihre Utopie realisieren. In den folgenden drei Jahren ist vermutlich ein Drittel der Kambodschaner verhungert, getötet worden oder an Krankheiten gestorben. Die Autorin hat das als Teil einer königlichen Familie miterlebt und dies ist ihr großenteils autobiographischer Roman. Das ist der eine Grund, warum dieses Buch so lesenswert ist. Der andere ist ihre Wahrnehmung der Geschehnisse - von einem aufmerksamen Kind, das sich für die Gedichte ihres geliebten Vaters begeistert, zu einer Jugendlichen, die lernt, immer weiterzumachen und der man bald nichts mehr anhaben kann.

Für Vaddey Ratner ist ihr Buch ein Andenken an ihren Vater und ein "Andenken an all jene, die zum Schweigen gebracht worden sind", um ihnen eine Stimme zu geben.

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