Valérie Perrin

 4.4 Sterne bei 17 Bewertungen

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Die Dame mit dem blauen Koffer

Die Dame mit dem blauen Koffer

 (17)
Erschienen am 03.04.2017

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Rezension zu "Die Dame mit dem blauen Koffer" von Valérie Perrin

Die Sonntagsblümchen
tinstampvor einem Jahr

"Die Dame mit dem blauen Koffer" ist der Debütroman der französischen Fotografin und Drehbuchautorin Valérie Perrin. Wer schon einige - für mich so typisch französische Romane, wie z. Bsp. die Bücher von Antoine Laurin oder Lorraine Fouchet gelesen hat, der findet auch dieses Flair und den Charme hier wieder.
Trotzdem konnte mich diesmal die Geschichte nicht wirklich packen....

Mit der 21-jährigen Justine lernen wir eine sehr eigenwillige junge Frau kennen. Wie viele ihre Altersgenossen geht sie am Wochenende gerne in den nahegelegenen Club tanzen und ist auch One-Night-Stands nicht abgeneigt. Während der Woche arbeitet sie als Altenpflegerin im Haus Hortensie in der nur 400 Seelengemeinde Milly, wo sie auch wohnt. Sie unterscheidet sich aber vorallem darin von ihren Altersgenossen, dass sie in ihrem Beruf aufgeht und immer ein offenes Ohr für alte Menschen hat. Sie liebt die Geschichten ihres Lebens, die diese bereitwillig Justine erzählen. Besonders ans Herz gewachsen ist ihr die 90jährige Hélène, die in ihren Gedanken noch immer in Südfrankreich am Strand auf ihre große Liebe Lucien wartet.

In Rückblenden erfährt man mehr über diese große Liebe und wie Hélène und Lucien durch den Krieg getrennt wurden. Eine Geschichte, die sich wohl zu Hunderttausenden abgespielt hat, aber trotzdem berührt. Dennoch konnte ich vorallem bei der jungen Hélène diese Gefühle nicht wirklich nachempfinden. Mir fehlten hier weitgehend die Emotionen. Auch die Darstellung der Geschehnisse im Krieg sind nur kurz angerissen. Hier hätte ich mir einfach viel mehr Hintergrundgeschichte gewünscht.

Abwechselnd zu den Rückblenden erfahren wir auch mehr über Justine, die mit ihrem Kousin Jules bei den Großeltern wohnt. Die Väter der Beiden waren Zwillingsbrüder und sind 1996 gemeinsam mit ihren Ehefrauen bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Seitdem kümmern sich die Großeltern um Justine und Jules. Während Justine Stück für Stück die Lebensgeschichte von Hélène für ihren Enkelsohn Roman niederschreibt, beginnt sie sich auch mit ihrer eigenen Lebensgeschichte mehr auseinanderzusetzen. Durch einen Satz des Ortsgendarmes irritiert, der den Unfallhergang ihrer Eltern als ungewöhnlich titulierte, beginnt Justine nachzufragen. Doch sowohl Polizei, als auch ihre Großeltern schweigen. Sie beginnt Nachforschungen anzustellen, dessen Ergebnis überraschend und schockierend sind. Dieser Teil des Buches wartet mit einem erschreckenden Ergebnis auf und gefiel mir wesentlich besser, als der Rest des Buches.

Amüsant fand ich auch die Episoden rund um die sogenannten "Sonntagsblümchen". Dies sind jene Heimbewohner im Haus Hortensie, die nicht einmal am Sonntag Besuch von ihrer Familie bekommen. Der Originaltitel "Les oubliés du dimanche", was ungefähr übersetzt "die Vergessenen des Sonntags" heißt, spielt darauf an. Diese Vergessenen bekommen aber durch einen anonymen Anrufer, der ihren Familien mitteilt, dass sie verstorben sind, wieder Aufmerksamkeit. Eine amüsante Geschichte in der Geschichte. Die Auflösung hingegen war doch etwas plump.

Charaktere:
Justine ist eine sehr eigenwillige junge Frau. Die Autorin hat sie wunderbar gezeichnet und dennoch wurde ich nicht richtig warm mit ihr. Meine Tochter ist ebenfalls Einundzwanzig und sicherlich sind Menschen verschieden, aber bei Justine hatte ich wirklich nie das Gefühl, dass sie das Alter hat, das ihr die Autorin gegeben hat. Meistens kam sie mir älter vor und dann wieder absolut unreif. Ich konnte viele ihrer Handlungen nicht wirklich verstehen und nachvollziehen, wie ihre Beziehung zu "Ich-weiß-seinen-Namen-nicht. Wenn man monatelang mit jemanden ins Bett geht, kann ich mir nicht vorstellen, dass man den Namen desjenigen nicht kennt oder nie nachfragt. Aber vielleicht soll dies auch ein besonders gelungene Idee der Autorin sein, die ich anscheinend nicht verstanden habe...
Auch bei Hélène konnte ich mich nicht wiederfinden. Das ist zwar auch nicht Sinn und Zweck eines Buches, aber ich konnte diese großen Gefühle, die beschrieben wurden, einfach nicht nachvollziehen. Ich fand keine wirkliche Bindung zu den beiden Hauptprotagonistinnen, was ich sehr schade finde.

Schreibstil:
Valérie Perrins Schreibsil ist keineswegs poetisch, sondern eher geradlinig mit kurzen und schnörkellosen Sätzen. Mir fehlte es vorallem an den Emotionen, die zwar beschrieben wurden, die ich aber nicht richtig fühlen konnte. Mit der Zeit findet man aber immer mehr in die Geschichte rund um Justine und Hélène hinein.
Der Romans ist teilweise im Präsens und in der Ich-Form (Justines Part), als auch in der Vergangenheit (Hélènes Part) geschrieben. Letzterer hebt sich auch durch kursive Schrift vom Gegenwartsstrang ab.

Fazit:
Eine etwas andere Geschichte, die Potenzial hat, die mich allerdings emotional nicht erreichen konnte. Mir fehlte die Atmosphäre, sowie einfach das Gefühl in die Geschichte abzutauchen. Trotzdem hat die Geschichte auch Charme. Am Besten ihr macht euch einen eigenen Eindruck und liest die Geschichte von Justine und Hélène selbst....

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ConnyKathsBookss avatar

Rezension zu "Die Dame mit dem blauen Koffer" von Valérie Perrin

Konnte mich nicht so berühren wie erhofft
ConnyKathsBooksvor einem Jahr

"Es gibt auf der Erde genauso viele Vögel wie Menschen. Und Liebe ist, wenn mehrere Menschen sich denselben teilen." (S. 316)

Seit 3 Jahren arbeitet die 21jährige Justine nun schon als Pflegehelferin im Haus Hortensie in dem kleinen französischen Dorf Milly. Besonders eine der Bewohnerinnen hat sie dabei tief ins Herz geschlossen, die hochbetagte Hélène, die vom Personal nur die "Dame vom Strand" genannt wird. Denn Hélène verbringt den ganzen Tag gedanklich am Strand unterm Sonnenschirm, mit ihrem Mann Lucien und Tochter Rose, die gerade schwimmen gegangen sind. Dahinter steckt eine bewegende Liebesgeschichte, welche 1933 ihren Lauf nahm und die Justine nun für die Nachwelt festhalten will. Dabei kommt sie auch ihren eigenen Familiengeheimnissen auf die Spur.

"Die Dame mit dem blauen Koffer" stammt aus der Feder von Valérie Perrin. Eine große Liebe und Geheimnisse auf zwei Zeitebenen verbunden mit französischem Flair - das klang vielversprechend. Doch richtig überzeugt hat mich das Debüt der französischen Autorin leider nicht.

Die lebenslustige und schlagfertige und Justine fand ich auf alle Fälle sympathisch. Mit bewundernswerter Hingabe kümmert sie sich um die Heimbewohner und lauscht ihren faszinierenden Geschichten, besonders denen der sogenannten "Sonntagsblümchen", die nicht mal am Sonntag Besuch von ihren Angehörigen bekommen. "Les oubliés du dimanche" - wie auch der originale französische Buchtitel heißt.

Auch Hélène aus Zimmer 19 hat Justine schon viel über sich erzählt, über ihre Kindheit und Jugend in den 1920er Jahren, ihre Schwierigkeiten beim Lesen, ihre Zeit als Wirtin im Dorfcafé Chez Louis und natürlich ihre Liebe zu Lucien Perrin, die durch die Kriegswirren vor eine harte Zerreißprobe gestellt wird. Mit Hilfe von Rückblenden erfahren wir langsam mehr, auch was es mit dem blauen Koffer auf sich hat. Eine nette Geschichte, die mich jedoch bedeutend weniger berührt hat als erhofft, was vielleicht auch am distanzierten Schreibstil im Präsens lag. Ich konnte die Liebe zwischen Lucien und Hélène einfach nicht spüren, besonders von ihrer Seite aus nicht.

In der Gegenwart, erzählt im Präteritum, versucht Justine derweil mehr über ihre eigene Vergangenheit zu erfahren. Der tödliche Autounfall ihrer Eltern sowie von Onkel und Tante vor vielen Jahren gibt dabei immer noch Rätsel auf. Was ist am 6. Oktober 1996 wirklich passiert? Was verbergen ihre Großeltern, bei denen sie und ihr Cousin Jules aufgewachsen sind? Und dann ist da auch noch ein anonymer Anrufer, der das Haus Hortensie in Atem hält und die Verwandten fälschlicherweise vom Ableben der Bewohner unterrichtet. Beides ist recht spannend gemacht und überrascht in der Auflösung. Betreffs Justines möglicher Romanze hatte ich mir aber mehr versprochen. Es gibt zwei Kandidaten, die jedoch sehr blass bleiben. Einen davon redet sie durchweg mit "Ich -weiß-seinen-Namen-nicht" an, weil sie seinen Namen nicht kennt. Das hat mich schon leicht genervt und wirkt auch unglaubwürdig, da sich beide doch sehr häufig treffen.

Die verschiedenen Zeitformen und Perspektiven sind zwar manchmal etwas gewöhnungsbedürftig, dennoch liest sich das Ganze recht angenehm. Zudem sorgen Justines Erlebnisse ab und an für einen Schmunzler. Eine schöne Idee ist auch der märchenhafte-mystische Touch durch eine besondere Möwe, welche die Protagonisten hier durch ihr Leben begleitet. Ob diese wirklich existiert? Das muss jeder am Ende selbst für sich entscheiden.

Insgesamt kann ich daher "Die Dame mit dem blauen Koffer" eingeschränkt empfehlen. Eine durchaus unterhaltsame und charmante Lektüre, bei der ich mir aber mehr Gefühle gewünscht hätte. Daher nur gute 3 Sterne von mir.

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Lesegenusss avatar

Rezension zu "Die Dame mit dem blauen Koffer" von Valérie Perrin

Wow - was für ein großartiger Debütroman
Lesegenussvor einem Jahr

Die Handlung spielt in dem kleinen Dorf Milly mit gut 400 Einwohnern und dem Seniorenheim Haus Hortensie. Dort arbeitet die junge Justine Neige als Pflegehelferin. In ihr Herz geschlossen hat sie die 90-jährige Helene. Im Haus nennt man sie nur "Die Dame vom Strand. Seit Helene hier lebt, hat ein tierischer Mitbewohner ebenso Einzug gehalten. Eine Möwe wohnt seitdem auf dem Dach. Im Laufe der Geschichte wird die Rolle der Möwe erklärt.
Helenes Geschichte beginnt 1924 und wird in wechselnden Kapiteln mit Justines erzählt. Justine und ihr Cousin Jules sind bei den Großeltern im Ort aufgewachsen. Ihre Eltern, die beiden Söhne der Großeltern, und die Ehefrauen, waren 1996 bei einem gemeinsamen Autounfall ums Leben gekommen.
Die erste Frage, die man sich stellt, wenn man ein so wunderbares Buch gelesen hat, wie schreibe ich hierzu eine Lesemeinung, so dass bei anderen die Neugier auf das Buch von Valérie Perrin wächst und sie es ebenso lieben werden wie ich!?
Was mich an diesem Buch so fasziniert hat ist, wie die Autorin die Lebensgeschichte um Héléne erzählt und Justines sehr gut einbindet. Inspiriert durch die Geschichte ihrer eigenen Großeltern hat die Autorin die Grundidee hervorragend umgesetzt. Héléne ist ein sehr komplexer Charakter, doch sie drängt keine anderen Figuren des Romans in den Hintergrund. Aber eine Charaktere, die man so schnell nicht vergißt. Ich möchte einfach nicht zu viel aus der Handlung verraten, die mit viel Gefühl erzählt wird. Man taucht in die Geschichte ein, wird "aufgesogen" und mag das Bucht nicht aus der Hand legen. Wechselnde Passagen, die emotional sind, dann wiederum ruhige, aber auch gefühlsbetont, verzaubern.

"Die Dame mit dem blauen Koffer" ist sehr, sehr lesenswert, mitreißend und gefühlvoll, und sehr authentisch herüberkommt. Mich hat es absolut in seinen Bann gezogen. Es ist eines dieser Bücher, wo man genau weiß, sie bleiben noch lange in deiner Erinnerung.
Ein wahrlich beeindruckendes Buch, dass niemals langatmig wird und eine Bereicherung für jedes Buchregal!
Meine Kauf- und Leseempfehlung. Geht und entdeckt diesen Schatz!♥

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