Valentin Groebner

 4,2 Sterne bei 9 Bewertungen
Autor*in von Retroland, Bin ich das? und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Valentin Groebner, geb. 1962, lehrt Geschichte des Mittelalters und der Renaissance an der Universität Luzern (Schweiz).

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Valentin Groebner

Cover des Buches Retroland (ISBN: 9783103973662)

Retroland

(3)
Erschienen am 22.08.2018
Cover des Buches Bin ich das? (ISBN: 9783103970999)

Bin ich das?

(2)
Erschienen am 24.11.2021
Cover des Buches Das Mittelalter hört nicht auf (ISBN: 9783406794162)

Das Mittelalter hört nicht auf

(1)
Erschienen am 03.02.2023
Cover des Buches Gefühlskino (ISBN: 9783103975994)

Gefühlskino

(1)
Erschienen am 27.03.2024
Cover des Buches Ich-Plakate (ISBN: 9783100024039)

Ich-Plakate

(1)
Erschienen am 20.08.2015
Cover des Buches Der Schein der Person (ISBN: 9783406522383)

Der Schein der Person

(0)
Erschienen am 16.09.2004

Neue Rezensionen zu Valentin Groebner

Cover des Buches Gefühlskino (ISBN: 9783103975994)
Hubertus_Feldmanns avatar

Rezension zu "Gefühlskino" von Valentin Groebner

Hubertus_Feldmann
Warum erscheint das Gestrige so verlockend?

Was bedeutet dieses Nachtrauern nach der guten alten Zeit bei gleichzeitiger Tendenz zur Weltuntergangsstimmung? Anhand eigener Erfahrungen wirft der österreichische Historiker Valentin Groebner einen fundierten Blick in die psychischen Fallen, in denen wir uns – ganz unbewusst – (zumindest gelegentlich) irgendwie verfangen.

Dabei macht es uns der Autor nicht immer ganz leicht. Wenn man nicht gerade vom Fach ist, mag man anfänglich leicht zu der Bewertung kommen, dass das intelligente Geschwurbel eher der eigenen Erbauung dient, als dass der Autor mit dem Leser in Kontakt kommen möchte. Ein „Establishing of a yes-set“ (um dies einmal in dieser Richtung zu beschreiben) wird dadurch erschwert. Es verführt eher dazu, darüber hinweglesen zu wollen. Aber dies würde dem Buch insgesamt nicht gerecht. Denn was hier über Nostalgie und Co. ausgearbeitet wurde, ist nicht nur äußerst lesenswert, sondern regt an zum intensiven Nachdenken über seine eigene Bedürftigkeit sowie das (in diesem Zusammenhang) eigene Verhalten.

Dieses weit verbreitete individuelle wie gruppendynamische Sehnsucht und damit verknüpfte Selbstverklärung (Ich habe/wir haben es ja immer schon gewusst …) psychisch-sozialer Brille stimmig erläutert, viele zustimmende Häkchen und Anmerkungen zeugen von teilweise brillanter Analyse. Tiefgründige Erklärungen münden dann oft in zitierfähigen Merksätzen: „Die Menschen schneidern sich ihre eigenen Erinnerungen nach ihren jeweils aktuellen Wünschen und Bedürfnissen, und die wechseln.“ Ohnehin wird man nicht umhinkommen, gelegentlich zurückzublättern, um auch die feinen Nuancen des Geschriebenen aufzunehmen und mit dem eigenen Spiegel zu beleuchten. Ein recht lohnendes Unterfangen.

An dieser Stelle würde es zu weit führen, diesen auf gut 170 Seiten (was, so wenige? Es fühlt sich nach mehr an …) dargestellten Analysen, mit einer Grundierung im eigenen Erleben, im Detail einzugehen. Darunter Sätze, bei denen man etwas länger braucht, um sie zu durchdringen (aus dem Kapitel: „Die anderen sind schuld“): „Jedes Reden über Gefühle stellt diese Empfindungen selbst und ihre angebliche persönliche Unmittelbarkeit so stark in den Vordergrund, dass die impliziten Vorschriften rund um die Gefühle und die Regeln der emotionalen Selbstpositionierung unaussprechlich werden.“ Möglicherweise entstehende Irritation erfahren allerdings recht schnell eine Auflösung. Mit anderen Worten: Hier handelte es sich um eine intellektuelle Herausforderung, die einigen Energieeinsatz erfordert, der allerdings absolut lohnenswert ist.

Cover des Buches Bin ich das? (ISBN: 9783103970999)
B

Rezension zu "Bin ich das?" von Valentin Groebner

belanahermine
Viel Interessantes und Gegenwärtiges

Inhalt

Nach einer Einführung in das Buch ist es in 8 Kapitel unterteilt, die sich mit verschiedenen Aspekten des Ich bzw. Selbst befassen. Dabei geht es insbesondere um die Art der Darstellung des Selbst z. B. durch Äußeres, in Fotos, als Tattoos.

Am Ende des Buches finden sich 18 Anmerkungen und Hinweis zum Weiterlesen.

Subjektive Eindrücke

Es ist alles durchaus interessant zu lesen. Die Text sind gut verständlich geschrieben. Anschauliche Beispiele machen Spaß, am Text zu bleiben.

Grundsätzlich ist das Thema sicherlich erfasst, aber meine Erwartungen waren dann doch ein wenig anders. Ich habe nicht viel zur "kurzen Geschichte" im Sinne von Historie gefunden. Es ging überwiegend um die Jetztzeit, obwohl hin und wieder kleine Rückblenden erfolgten.

Trotzdem kann ich nicht sagen, dass ich enttäuscht von dem Buch wäre, denn ich habe viel Interessantes und Anregendes gelesen und auch wieder ein paar neue Aspekte und Blickwinkel entdeckt.

Fazit

Gut zu lesen, interessant, aber eher gegenwartsorientiert.

Weitere Rezensionen von mir gibt es unter https://belanahermine.wordpress.com/category/rezension/

Cover des Buches Retroland (ISBN: 9783103973662)
Sikals avatar

Rezension zu "Retroland" von Valentin Groebner

Sikal
Waren Sie schon in Retroland?

Der Autor Valentin Groebner, Professor für Geschichte des Mittelalters und der Renaissance schreibt in seinem Buch „Retroland“ vom Geschichtstourismus, von unseren Reisen in die Vergangenheit und der Sehnsucht, geraniengeschmückte Altstädte zu bewundern, die vor Authentizität nur so leuchten. Doch was ist echt an Althergebrachtem? Warum lassen wir uns von der Tourismusindustrie täuschen? Gilt es, das Paradies im Vergangenen zu suchen? Diesen Fragen und mehr geht der Historiker auf den Grund – entstanden ist ein humorvoller Reisebericht aus „Retroland“ und der Erkenntnis, dass die Vergangenheit vergangen ist und man diese nicht zurückgewinnen kann. Es bleibt ein Loch, eine Lücke – auch wenn wir noch so sehr danach suchen…

 

Geschichtstourismus ist keine Erfindung unserer Zeit, sondern wurde bereits vor 500 Jahren von Mönchen entdeckt. Die erste Station der Reiseroute führt ins Piemont, wo wir Sacri Monti mit der Geburtsgrotte Christi und lebensgroßen Heiligenfiguren besichtigen. Natürlich alles Kopien, doch diese Sehenswürdigkeit inmitten italienischer Landschaft vermittelt einen Bezug zu Palästina und lockt Pilger scharenweise an.

 

Weiter entführt uns der Autor in verschlafene Altstädte, mittelalterliche Kathedralen, die teilweise durch Kriege oder den Lauf der Zeit zerstört und demontiert wurden und nun in neuem alten Glanz erstrahlen – mit Hintergrundgeschichten gespickt, die Touristen nur allzu gerne hören wollen.

 

„Geschichte, anders gesagt, wurde im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts etwas, was man neu bauen konnte und eigentlich auch neu bauen musste, wenn sie den technischen, ästhetischen und politischen Ansprüchen der Gegenwart genügen sollte.“

 

Wir besuchen auf unserer Reise durch Retroland u.a. Paris, Luzern, viel gestaltete unberührte Natur und machen einen Abstecher nach Sri Lanka, wo der Autor vom vermeintlichen Paradies erzählt, in dem man über Kärntner Internate oder Wiener Wohnungen spricht. Was ist denn nun das Paradies? Die Reise in ferne Länder oder doch das Vertraute?

 

„Könnte es sein, denke ich, dass Altstädte – zerstörte und wieder aufgebaute wie Warschau und Münster und restaurierte und aufgeschönte wie Luzern und Bologna – eigentlich Weihnachtsmärkte sind, Planeten aus einer ironischen Science-Fiction-Erzählung, und ihren Besuchern ist es im Grunde völlig gleichgültig, aus welcher Zeitzone die von ihnen durchwanderten Straßen stammen, solange sie dort Lebkuchen, Glühwein und in Ostasien produzierte Turnschuhe kaufen können?“

 

Touristen auf der Suche nach Identität, Gedenkfeiern und Jubiläumsfeste als Erinnerung an längst Vergangenes - ein Irrglaube, alles eine Inszenierung. Das Paradies muss wohl jeder für sich selbst finden, es ist in keinem Reiseführer verzeichnet und kann auch nicht von der Tourismusbranche vermittelt werden.

Groebner schreibt mit einer gewissen Selbstironie, teils mit ziemlich verschachtelten Sätzen, analysiert Historisches, vermittelt eigene Erlebnisse und vermischt diese mit seinen Recherchen.

 

Ein lesenswerter Reisebericht nach Retroland, für den ich gerne 4 Sterne vergebe.

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