Valentin Moritz

 4,8 Sterne bei 4 Bewertungen
Autor von Kein Held und Bahía Salvador.

Lebenslauf von Valentin Moritz

Valentin Moritz, geboren 1987 und aufgewachsen in Südbaden, studierte Literaturwissenschaft an der FU Berlin. Er veröffentlichte Prosa in Zeitschriften, Anthologien und kleinen Einzelpublikationen, zuletzt "Bahía Salvador" (Sukultur). 2015 Literaturpreis Prenzlauer Berg und Einladung zur Autorenwerkstatt des Literarischen Colloquiums Berlin, 2018 zum Klagenfurter Literaturkurs. Er lebt in Berlin. "Kein Held" ist sein erstes Buch.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Valentin Moritz

Cover des Buches Kein Held (ISBN: 9783981808988)

Kein Held

 (4)
Erschienen am 29.05.2020
Cover des Buches Bahía Salvador (ISBN: 9783955660895)

Bahía Salvador

 (0)
Erschienen am 01.12.2018

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Cover des Buches Kein Held (ISBN: 9783981808988)heinokos avatar

Rezension zu "Kein Held" von Valentin Moritz

Familiäre Wurzeln und Vielfalt des offenen Geistes
heinokovor 4 Monaten

„Kein Held“ berichtet von einem, der vielleicht doch ein Held war. Der Großvater Josef Mutter - ein Held im Hinnehmen von Gegebenheiten, ein Held im Ertragen von Unabänderlichem, ein Held im Alltäglichen, ein Held mit Haltung. Und für mich gibt es im Buch noch einen Helden, nämlich den Enkel Valentin Moritz – ein Held im genauen Hinhören und Hinschauen, ein Held im Bewahren von Erinnerungen, ein sensibler Held. Das Vorwort von Stéphane Hessel: „Die schlimmste aller Haltungen ist die Gleichgültigkeit“ ist ideal gewählt für ein Buch, das den Leser nicht eine einzige Seite lang gleichgültig lässt. 

 

Dass das Buch den Leser erst einmal verwirrt, mag beabsichtigt sein. Denn es beginnt mit einem zu Herzen gehenden Abschnitt aus dem Ende des Lebens des Großvaters, um dann auf dessen früheste Erinnerungen umzuschwenken und Kindheitserinnerungen des Enkels darunterzumischen. Es war schwierig für mich, bereits zu Beginn des Buches dem Großvater in seinen intimsten Zeiten des Sterbens nahe zu sein, um dann erst nach und nach von seinem Leben zu erfahren.   Also erst vom Sterben, dann vom Leben zu lesen, vom Abschied zum Beginn zu springen. 

 

Da ist der Enkel schon seit Jahren der räumlichen und geistigen Enge seines südbadischen Heimatdorfes ins pulsierende Berlin entflohen, lebt sein ganz eigenes suchendes Leben und wird völlig überraschend mit der Vergangenheit konfrontiert, als sein Großvater ihn bittet, ihm bei der Niederschrift seiner Lebensgeschichte zu helfen. Und so schliddert er hinein in das bäuerliche, entbehrungsreiche Leben des Josef Mutter, in dem Arbeit den Tag bestimmt. Ein Leben, das durch die Erfahrungen vom Krieg, vom Afrikafeldzug  bis hin zur Gefangenschaft in Algerien und in den USA zu einer offen-geraden Haltung führte. Sehr authentisch werden diese Erinnerungen wiedergegeben, ganz geradeaus und direkt. Und dazwischen erzählt einer, der sein Leben zwei Generationen später zu stemmen versucht, nachdenklich, sensibel. Dass die Erinnerungen hin und her springen von Großvater zum Enkel und umgekehrt, teilweise sich fast übereinander zu legen scheinen, gewährt dem Leser einen ganz besonderen Blick auf das, was Familie ist, was Wurzeln sind, und wie unterschiedlich das Mitgegebene interpretiert werden kann im eigenen Lebensentwurf. Valentin Moritz erzählt mit verhaltenem Humor, mit leichtem Schmunzeln, manchmal in grober Umgangssprache, immer aber feinfühlig und mit Respekt. Kurzum: Lesenswert!

 

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Cover des Buches Kein Held (ISBN: 9783981808988)Buecherschmauss avatar

Rezension zu "Kein Held" von Valentin Moritz

Der gottverreckte Krieg
Buecherschmausvor 6 Monaten

Der Badische Landwirtschafts-Verlag veröffentlicht neben der Bauern-Zeitung und dem jährlichen Bauern-Kalender nur eine Handvoll Bücher mit regionalem Bezug, ist mir also (nicht verwunderlich) bisher völlig unbekannt geblieben. Im Frühjahr 2020 erschien ein Roman, der zwar auch im Badischen verortet ist, aber doch weit über das rein Regionale hinausweist und eine schöne, liebevolle Generationengeschichte erzählt: Kein Held von Valentin Moritz.

Der 1987 im südbadischen Niederdrossenbach geborene Autor lebt schon seit langem in Berlin. In jungen Jahren galt es, so bald wie möglich raus aus dem Dorf zu kommen, raus aus der ländlichen Enge. Er studierte in Berlin Literaturwissenschaften und lebt seitdem dort. Der Kontakt zu seiner badischen Heimat riss dadurch aber nicht ab. Regelmäßig traf sich dort die Großfamilie rund um dem Großvater Josef Mutter, dessen neun Kinder, fast vierzig Enkel und mittlerweile auch Urenkel. Großmutter Erna starb bereits 1989, mitten in ihrem Bauerngarten. Auf dem Fest zu seinem 90. Geburtstag sprach Josef seinen schreibenden Enkel an. Er hätte da einige Geschichten, die noch erzählt werden müssten, nicht vergessen werden dürften. Und Valentin kenne sich da doch aus.

Das war der Ursprung des vorliegenden Buchs. In vielen Gesprächen mit dem 1922 geborenen Großvater erzählt dieser von seiner dörflichen Kindheit, von den Veränderungen auf dem elterlichen Hof, von der Zeit unter nationalsozialistischer Herrschaft, wie der Vater ihm verbot, sich dem Jungvolk anzuschließen. 1941 wird er zur Wehrmacht eingezogen, übersteht den Krieg vergleichsweise unbeschadet in Frankreich und Tunesien. Bis zu seiner Gefangennahme hat er laut eigener Aussage das große Glück, nie auf jemanden direkt geschossen zu haben. Er sei „Kein Held“ gewesen, erzählt er Valentin Moritz. Die Gefangenschaft verbringt er bis 1946 in den USA. Auch dort hat er das Glück, anständig behandelt zu werden. Dennoch prägt der „gottverreckte Krieg“ seine Haltung.

Nach seiner Rückkehr gründet er mit Erna eine Familie, führt den Hof und einen Holzhandel. Trotz vieler Arbeit, wenig Geld und später einer Krebserkrankung lebt man recht gut und zufrieden, bis Erna stirbt. Der Hof wird von Tochter Johanna zum Reiterhof umgestaltet, Josef bleibt noch länger im Holzhandel aktiv. Und engagiert sich auch zivilgesellschaftlich, kämpft gegen die Abschiebung seines aus dem Kosovo stammenden Mitarbeiters Miftar und für die Umbenennung der Hindenburgschule in Bad Säckingen, denn der „hat die Demokratie von Anfang an zur Sau gemacht.“ Bewundert hat er den französischen Diplomat und Essayist Stéphane Frédéric Hessel und dessen 2010 veröffentlichtes „Empört euch.“ Valentin Moritz wählt deswegen auch ein Zitat von Hessel als Motto für Kein Held:

„Die schlimmste aller Haltungen ist die Gleichgültigkeit.“

Die Aufzeichnungen der Gespräche mit seinem Großvater gibt Moritz in wörtlicher Rede wieder, ganz unmittelbar. Über der Niederschrift kommt er aber ins Nachsinnen über seine eigene Kindheit und Jugend in Niederdrossenbach, eine Feld- und Wiesenkindheit in den irgendwie sorgenfreien 1990er Jahren, wie sie heute im städtischen Raum kaum mehr möglich wäre. Es folgen die rebellischen Jahre, das Schopfheimer Jugendzentrum „Irrlicht“, seine Band. Den Anfang im Buch macht aber die berührende letzte Begegnung mit seinem Großvater 2016, der da bereits im Sterben liegt, zunehmend austrocknet, weil er nichts mehr trinkt. Der aber phasenweise durchaus noch einmal zu alter energischer Entschlossenheit zurückfinden kann.

So ist Kein Held nicht nur zu einem liebevollen Porträt eines widerständigen, eigenwilligen, geliebten Menschen geworden, sondern auch ein Erinnerungsbuch des Autors, ein Nachdenken über Herkunft, Heimat, familiäre Bindungen. Autofiktion, die weit über die südbadische Region hinausweist.

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Cover des Buches Kein Held (ISBN: 9783981808988)M

Rezension zu "Kein Held" von Valentin Moritz

Wahre Lebensgeschichte
milka_schachtelvor 8 Monaten

Mir hat das Buch „Kein Held“ von Valentin Moritz sehr gut gefallen.Der Titel und das Cover passen super zum Inhalt.Der Autor hat auf bitten seines Großvaters dessen Lebensgeschichte geschrieben. Die Erfahrungen seiner eigenen Generation hat er geschickt eingefügt. Der Roman ist tiefgründig, ergreifend und manchmal auch Lustig.Als Leser wird man sowohl in die Vergangenheit, als auch in das Hier und Jetzt versetzt.Ich konnte mich richtig in die Zeit des Großvaters hineinversetzen und das Lesen hat mir großen Spaß gemacht.Die Erfahrungen der verschiedenen Generationen haben keine Langeweile aufkommen lassen.Da ich selber aus Südbaden komme und es mich nach NRW verschlagen hat, kann ich nachvollziehen, wie es sich für Herrn Moritz anfühlt,  wenn er von der „einen“ Welt in die „andere „ reist.  Es gibt nämlich nicht nur Unterschiede beim Leben der Generationen sondern auch regionale.

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