Valeria Luiselli

 4.2 Sterne bei 17 Bewertungen
Autor von Die Schwerelosen, Falsche Papiere und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Valeria Luiselli

Sortieren:
Buchformat:
Die Schwerelosen

Die Schwerelosen

 (10)
Erschienen am 06.03.2013
Falsche Papiere

Falsche Papiere

 (5)
Erschienen am 15.01.2014
Die Geschichte meiner Zähne

Die Geschichte meiner Zähne

 (2)
Erschienen am 16.03.2016
Papeles falsos / False Papers

Papeles falsos / False Papers

 (0)
Erschienen am 01.02.2012
De geschiedenis van mijn tanden / druk 1

De geschiedenis van mijn tanden / druk 1

 (0)
Erschienen am 20.03.2015
De gewichtlozen / druk 2

De gewichtlozen / druk 2

 (0)
Erschienen am 12.03.2014
The Story of My Teeth

The Story of My Teeth

 (0)
Erschienen am 02.04.2015
The Story of My Teeth

The Story of My Teeth

 (0)
Erschienen am 08.09.2015

Neue Rezensionen zu Valeria Luiselli

Neu
S

Rezension zu "Die Geschichte meiner Zähne" von Valeria Luiselli

Die Geschichte meiner Zähne, rezensiert von Götz Piesbergen
Splashbooksvor 3 Jahren

Was ist "Die Geschichte meiner Zähne"? Es ist ein weiterer Roman Valeria Luiselli. Und er ist herrlich absurd.

Die Autorin wurde 1983 in Mexiko City geboren und arbeitet als Journalistin, Dozentin und Lektorin. Sie hat unter anderem für die New York Times geschrieben. Ihr Romandebüt "Die Schwerelosen" wurde in viele Sprachen übersetzt und ist mit dem LA Times Art Seidenbaum Award for First Fiction ausgezeichnet worden.

Gustavo Sánchez Sánchez ist ein besonderer Mensch. Nach zwei Gläsern Rum kann er Janis Joplin nachahmen, er kann wie Christopher Kolumbus ein Hühnerei auf den Tisch stellen und er kann im Schwimmbad den toten Mann machen. Außerdem ist er Auktionator. Der weltbeste, seiner Meinung nach.

Dabei hat er einen Traum. Nämlich sein Gebiss zu verbessern. Er will all seine Zähne nach und nach gegen die von Prominenten austauschen. Doch dabei hat er die Rechnung nicht mit seiner Vergangenheit gemacht, die ihn wieder einholt.

Absurd? In der Tat ist "Die Geschichte meiner Zähne" ein Roman, über den man sich köstlich amüsieren kann. Das fängt schon bei der Erzählweise an, in der Gustavo Sánchez äußerst selbstbewusst seine Fertigkeiten aufzählt. Und gleichzeitig den Leser über seine Vergangenheit aufklärt.

Und man weiß nicht, ob man lachen oder die Stirn runzeln soll. Er wirkt ein wenig wie ein Halodri, wie ein Hansdampfinallengassen. Er erzählt viel über sich und über seine Fertigkeiten. Und macht auch gleichzeitig klar, dass er mehr ein Lebensmann ist. Jemand, der nach vielen Jahren seine Ehefrau und seinen Jungen verlässt, weil er meint, sie würden ihn zurückhalten.

Rest lesen unter:
http://splashbooks.de/php/rezensionen/rezension/23585/die_geschichte_meiner_zaehne

Kommentieren0
1
Teilen
JulesBarroiss avatar

Rezension zu "Die Geschichte meiner Zähne" von Valeria Luiselli

Dickens + MP3 + Balsac + JPG
JulesBarroisvor 3 Jahren

Die Geschichte meiner Zähne - Valeria Luiselli (Autorin), Dagmar Ploetz (Übersetzerin), 140 Seiten, Verlag Antje Kunstmann; Auflage: 1 (16. März 2016), 18,95 €, ISBN-13: 978-3956140921

Gustavo Sánchez Sánchez, genannt Carretera, ist Protagonist und Ich-Erzähler. Über sich selbst bekennt er: „Ich bin der beste Auktionator der Welt. Das weiß aber keiner, denn ich bin ein zurückhaltender Mensch.“ (Seite 13) Und dann legt er auch gleich los, mit wenig Zurückhaltung führt er uns unterhaltsam und abwechslungsreich durch die Stationen seines Lebens von der Geburt über die Schulzeit, über verschiedene Arbeitsstellen, über seine Heirat mit Flaca bis zur Geburt seines Sohnes, den sie Ratzinger nannten. Richtig, Ratzinger, nach dem späteren Papst Benedikt XVI, dem damaligen Präfekten der Glaubenskongregation. Und atemlos geht es weiter über seine verschiedenen Beschäftigungsverhältnisse, seinen erfolglosen Bemühungen bis hin zu seiner Erweckung, als er dem Ruf des Schicksals folgt: „Die Kunst der Versteigerung. Erfolg garantiert. Yushimito-Technik.“ (Seite 19)

Das ist ganz kurz das erste Buch. Der Rest des Romans – oder in diesem kollektiven Roman-Essay wie Luiselli es genannt hat - ist in sechs Bücher unterteilt, die jeweils eine andere Version der Geschichte des Protagonisten zeigen. Diese Abschnitte werden durch Funktionen gekennzeichnet, durch die sie von der ursprünglichen Geschichte ( "Parabolische", "Hyperbolisches", "Elliptisches", "Allegorisches", "Rundgang" und "Epilog.") abweichen. Bis zum 5. Buch ist Gustavo Sánchez Sánchez der Icherzähler. Für den Rest wechselt die Erzählerrolle zu Roberto Bàlser, genannt Beto, einen Typen den Gustavo zum Schreiben angeheuert hat.

Das tiefe Thema: Jedes Objekt kann versteigert werden, wobei nicht das Objekt an sich einen Wert hat, sondern die Geschichten, die ihm Wert und Sinn gibt. Es ist aber auch eine Reflexion über die Obsession von Objekten und deren Verselbständigung. Die Erfindung von Geschichten ist die menschliche Eigenschaft par excellence, um die Absurdität dieser Welt zu zeigen. „Die Geschichte meiner Zähne“ ist eine Geschichte, wie Kunst zur Ware wird, und eine Aufzeichnung des eigenen Entstehens.

Das ist die Provokation von Luiselli Roman in diesem Buch: dass gewisse Täuschungen in der Tat realer sind als die "eigentliche" Wahrheit. Wenn eine gute Geschichte, den Preis eines Objektes bestimmt, dann wird Fiktion der entscheidende Faktor für der Wert. Mit dieser Beziehung zwischen Fiktion und dem Markt, untergräbt Luiselli eine der grundlegendsten Fragen des kapitalistischen Systems. Vor allem, dass der Mensch selbst immer mehr will. „Sie wollten mehr. Es war augenfällig, sie wollten weiter steigern … In Ermanglung weiterer Lose beschloss ich - ein Geniestreich, der auf den mich erfüllenden Enthusiasmus zurückzuführen war - , nun mich selbst zu versteigern.“ (Seite 75)

Was sollte bei einer Ware den Tauschwert bestimmen? Ist ein Preisschild immer "wahr"? Und wenn der Preis nur die Rolle der Geschichten auf dem Markt bestätigt? Dann wird der Wert der Wahrheit fragwürdig und relativ. Und das gilt besonders für den Markt von Kultur und Kunst: Bei Kunstgegenstände, für die es ja oft keine wirkliche Verwendung gibt, ist der Wert im Preisschild verankert. Und da die Arbeit hinter einem Kunstwerk ständig variabel ist (manchmal auch gar nicht vorhandenen), ist ihr Wert einfach das, was jemand dafür bezahlt. Dies gilt zwar für jeden Marktwert, aber das Preisschild auf der Ware „Kunst“ ist bekanntlich abhängig von den Phantasien, die um es herum gesponnen werden. Ohne diesen Rahmen oder die Kunst-Kultur, könnte das so genannte Stück "Kunst" auch einfach nur ein Stück Müll sein.

„Die Geschichte meiner Zähne“ ist schwer zu kategorisieren: in Zusammenarbeit mit einer Kunstgalerie in der Umgebung von Mexiko-Stadt produziert, ist es vielleicht eher eine Sammlung oder eine Collage als eine stringente Erzählung. Wie eine Kunstausstellung kann ihr Inhalt in mehr als einer Ordnung gesehen werden. Die Gesamtheit muss aufgenommen werden, bevor die Logik seiner Sammlung voll verstanden und geschätzt werden kann. „Die Formel, wenn es sie denn gäbe, könnte in etwa lauten: Dickens + MP3 + Balsac + JPG.“ (Seite 190)

„Die Geschichte meiner Zähne“ ist eine Überraschung vom Anfang bis zum Ende. Als ob wir das Leben anderer Leute lesen: manchmal lächelnd, manchmal mit den Augen anderer, manchmal mit echtem Interesse. Zum einen sind es kontinuierliche, intertextuelle Bezüge durch die Namen von anderen Charaktere und fiktive Erzählung, die die Objekte begleiten. Einige Namen von Charaktere: Cortazar, Ruben Dario, Blau, Ratzinger, Jorge Ibargüengoitia, Plinius, Quintilian oder Ludwig Wittgenstein Sanchez. Zum anderen werden solche Bezüge hergestellt, als er seine Sammlung von Zähnen einiger Prominente verkauft. In der Tat kommen die Zähne von Plato, Augustinus, Franc Petracca, Montaigne, Rousseau, Charles Lamb, Chesterton, Borges und Vila Matas zur Versteigerung. Wir sind daher ständig mit einer ironischen Aneignung dieser philosophischen und literarischen Bezügen konfrontiert.

Diese schwierige Balance zwischen Fiktion und Fiktion in der Fiktion, meistert die Autorin souverän. Insgesamt ist es eine unmögliche Geschichte eines unmöglichen Charakters, mit einer gehörigen Portion schwarzen Humors. „Vater hatte inzwischen keine Zähne mehr. Auch keine Nägel und kein Gesicht: Er wurde vor zwei Jahren verbrannt, und seinem Wunsch gemäß haben meine Mutter und ich seine Asche in die Bucht von Akapulko gestreut.„ (Seite 17)

Valeria Luiselli zeigt eine faszinierende Dimensionen ihres schriftstellerischen Könnens und besonders ihre Fähigkeit, mit subtilem Augenzwinkern Atmosphären voller Rätsel zu schaffen, in denen jede Geste voller Bedeutung ist. Sie kombiniert eindrucksvolle Formulierungsbegabung mit einer kühnen und dreisten Struktur und porträtiert mit Humor, aber auch mit Zärtlichkeit

Hier zeigt sich das Temperament der Autorin, ihren entfesselten Geschmack für Phantasie und Verspieltheit, ihre Freiheit, die, wenn sie nicht in einem runden Roman materialisiert, zu einer Erzählung von schillernden Unvollkommenheit geführt hat. Valeria Luiselli webt in diesem Buch eine Geschichte voller großer Gestaltungskraft mit Humor, Dreistigkeit, Frische und einer Mischung von alltäglichen bis zu bizarren Tönen.

Gut zu lesen gegen mentale Verknöcherung.


Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Antje Kunstmann Verlages

http://www.kunstmann.de/titel-0-0/die_geschichte_meiner_zaehne-1082/

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

Kommentieren0
3
Teilen
dominonas avatar

Rezension zu "Falsche Papiere" von Valeria Luiselli

auf Reisen gehen
dominonavor 3 Jahren

Der Alltag in Poesie, besser gesagt, ein bisschen von Mexiko in komplexen Gedanken, ein wenig Schwermut, Melancholie, sinnieren. Das alles findet sich im Buch – nicht wohl geordnet, aber auch nicht direkt durcheinander. Es regt zum Nachdenken an und schafft eine persönliche Globe-Trotter Atmosphäre.

Kommentieren0
4
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 28 Bibliotheken

auf 6 Wunschlisten

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks