Valeria Luiselli Die Schwerelosen

(10)

Lovelybooks Bewertung

  • 12 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 1 Leser
  • 5 Rezensionen
(4)
(5)
(1)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Die Schwerelosen“ von Valeria Luiselli

Eine junge Frau lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in einem Haus in Mexiko City und schreibt an einem Roman. Sie verlässt das Haus nicht, sie kann es aber auch nicht richtig bewohnen. So beginnt sie zu erzählen. Von ihrem Mann, von ihren Kindern, von ihrer Vergangenheit. Wie sie als junge Lektorin in New York verzweifelt versucht hat, den Verleger davon zu überzeugen, das Werk von Gilberto Owen zu publizieren, diesem obskuren mexikanischen Dichter, der in den 20er-Jahren in Harlem lebte und mit Federico Garcia Lorca befreundet war. Seine geisterhafte Gegenwart hat sie verfolgt und verfolgt sie immer noch … Sie erzählt und schreibt, und dabei gerät ihr Leben aus der Bahn, und in ihr Schreiben wächst eine andere Erzählstimme, die von Owen. Nun ist er es, der sein Leben Revue passieren lässt, komisch und melancholisch, auch er wird verfolgt von einer geisterhaften Erscheinung, einer jungen Frau … Das eine Leben erscheint im anderen wie in einem Zerrspiegel, und doch ist es ein Fluss, eine Stimme, die von Liebe und Verlust erzählt und erkundet, wer wir sind. Sprachmächtig und von einer schwebenden Leichtigkeit ist dieses Debüt, klug, witzig und voller literarischer Anspielungen. Wer den Sound von Valeria Luiselli einmal im Ohr hat, wird schwer davon loskommen.

Stöbern in Romane

In einem anderen Licht

Eine ernste Thematik lädt zum Innehalten ein!

Edelstella

Ein Gentleman in Moskau

Ein Einblick in eine große Menschenseele und in die russische Geschichte! Wunderbar!

Edelstella

Die zwölf Leben des Samuel Hawley

Eine wunderbar mäandernde Geschichte über einen Gauner und seine Tochter, der seiner Vergangenheit zu entkommen versucht. Sehr lesenswert.

krimielse

Wer hier schlief

Philipp verlässt sein durchschnittliches Leben für Myriam. Doch es kommt ganz anders. Statt mit ihr aufzusteigen fällt er, und fällt er...

Buchstabenliebhaberin

QualityLand

Verrückt und schwarzhumorig. Mit schrulligen Charakteren und einer leicht bedrückenden Stimmung, die trotzdem skurril-komisch ist.

Mlle-Facette

Britt-Marie war hier

Ein echter Backman

Engelmel

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Ein kleiner, feiner Roman

    Die Schwerelosen
    Annette_

    Annette_

    01. April 2014 um 16:19

    Anfangs habe ich gezögert, das Buch in die Hand zu nehmen. Ich hatte den Klappentext gelesen und dachte: Das wird kompliziert: Eine Frau schreibt einen Roman über einen Mann, Gilbert Owen, der längst tot ist, aber selbst Schriftsteller war. Immer häufiger meint sie, ihn unter den Passagieren in der U-Bahn zu entdecken oder an einer Straßenecke zu begegnen. Und als man sich daran gewöhnt hat, ändert sich die Perspektive ein weiteres Mal. Owen wird zum gleichberechtigten ICH-Erzähler. Am Ende ist die junge Frau Hauptfigur in seiner Geschichte. Zeit, das erfährt man später in diesem kleinen Buch, Zeit ist ein relativer Begriff. Am Anfang des Romans lebt die junge Frau mit Mann und zwei kleinen Kindern in einem großen Haus. Viel Zeit zum Schreiben bleibt ihr nicht. Sie verlässt das Haus nie, aber in Gedanken ist sie häufig abwesend. Dann kehrt sie zurück zu ihrer Zeit als Lektorin in New York, zu ihrem ungebundenen Junggesellinnenleben und zu ihrer ersten Begegnung mit Gilbert Owen. Anfangs ist Gilbert Owen nur ein  mexikanischer Schriftsteller, den die junge Lektorin bei ihren Recherchen entdeckt. Sie möchte unbedingt, dass der Verlag ein Buch von ihm herausbringt, fälscht Manuskripte und verleitet ihren Verleger zu einer Veröffentlichung, der Grund für ihren späteren Rauswurf. Doch der tote Dichter lässt sie nicht mehr los. Sie glaubt, ihm in New York zu begegnen oder ihn in der Subway in einem entgegenfahrenden Wagon zu sehen. Spannend ist der Perspektivwechsel. Owen bekommt konsequenterweise auch im Roman immer mehr Platz. Er wird zum zweiten Ich-Erzähler. Gegen Ende des Buches haben die Realitäten sich so weit verschoben, dass Owen meint, er werde von der jungen Frau im roten Mantel verfolgt und hätte sie in der U-Bahn gesehen. Er beginnt nun damit, einen Roman über sie zu schreiben. “Vorher” und “Nachher” sind ineinander geschoben und bestehen als Parallelwelten, verlinkt durch ähnliche Erfahrungen oder Gegenstände, die den Besitzer wechseln. Zu kopflastig? Ja, ziemlich kopflastig, mit zahlreichen literarischen Anspielungen und Theorien. Aber das fiel gar nicht so ins Gewicht, denn Valerie Luiselli schreibt “schwerelos”, sie plaudert und es macht Freude, ihren Gedanken zu folgen.

    Mehr
  • Die Schwerelosen

    Die Schwerelosen
    *Arienette*

    *Arienette*

    07. August 2013 um 11:19

    "Die Schwerelosen" ist ein ungewöhnlicher, eigenartiger Roman, dessen Inhalt man kaum zusammenfassen kann und in den man sich erst einlesen muss. Der Roman wechselt von der Gegenwart in die Vergangenheit, von der Lüge zu der Wahrheit, von der Fiktion zur Realität. Am Anfang des Romans heißt es: "Romane haben einen langen Atem. Das wollen die Romanschreiber. Keiner weiß genau, was das bedeutet, aber alle sagen: langer Atem. Ich habe ein Baby und ein mittleres Kind. Die lassen mir keine Luft. Alles, was ich schreibe, ist - es geht gar nicht anders - kurzatmig. Wenig Luft." Zitat S. 10 Und so verhält es sich auch im Roman. Die Absätze sind meist kurz, es gibt keinen langen Erzählfluss. Zu Beginn ist die Handlung noch klar: Eine Frau, die mit ihrem Mann und zwei Kindern in Mexico City lebt, schreibt an einem Roman, auch um Raum für sich zu haben. In ihrer Lebenssituation fühlt sie sich nicht ganz wohl, sie fühlt sich eingesperrt. In ihrem Roman erzählt die Frau von ihrer Zeit in New York, wo sie als Lektorin arbeitete. In jener Zeit war sie noch unabhängig, hat mal hier und mal dort geschlafen. Damals versuchte sie ihren Verleger davon zu überzeugen, Werke von Gilberto Owen, einem unbekannten mexikanischen Dichter, zu publizieren. Sie glaubte, Owen in der U-Bahn gesehen zu haben. Um ihr Ziel zu erreichen, bedient sie sich der Lüge. Von nun an kommt eine weitere Erzählstimme, die von Owen, hinzu; die Grenzen verschwimmen und es ist nicht mehr ganz klar, was Fiktion und was Realität ist. Luiselli führt den Leser auf unterschiedliche Spuren, eine Auflösung hat der Roman nicht. "Eine Struktur voller Löcher schaffen, damit man immer zur Buchseite vordringen, sie bewohnen kann. Nie mehr als nötig reinstopfen, nie ausstaffieren, weder möblieren noch dekorieren. Türen und Fenster öffnen. Mauern hochziehen und wieder einreißen." Zitat S. 19 Nach Beenden des Romanes hatte ich gleich das Gefühl, ihn nochmals lesen zu müssen, nicht alles verstanden oder herausgelesen zu haben - und dennoch ein lesenswertes Buch, voll mit skurrilen Ideen, Bildern und mit einr wunderbaren Sprache gelesen zu haben.

    Mehr
  • Schwerelose Gespenster

    Die Schwerelosen
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    21. July 2013 um 17:13

    Bei diesem -in Stil und Diktion- außergewöhnlichen Roman handelt es sich um eine Doppelbiografie. Es geht zum einen um das Leben einer jungen Lektorin in Mexico/New York und zum anderen um den mexikanischen Dichter Gilberto Owen, dessen Biografie sie schreibt. Nach anfänglichen Schilderungen ihres eigenen Lebens, nimmt das von Gilberto Owen immer Raum ein und beide Leben vermischen sich, so dass sie gleichsam schwerelos ineinander verschwimmen. Besonders interessant finde ich das Auftreten diverser illustren Gespenster, wie zum Beispiel Homer&Langley Collyer (siehe E.L.Doctorows "Homer und Langley"), die Schriftstellerin Nella Larsen, Federico Garcia Lorca, F.Scott Fitzgerald und viele mehr. Intelligent konstruierter Roman, jedoch keine einfache Lektüre.

    Mehr
  • Frau mit Geist

    Die Schwerelosen
    Juana

    Juana

    24. June 2013 um 14:21

    Valeria Luisellis Roman „Die Schwerelosen“ bietet ungewöhnlichen Kunstgenuss: In schwereloser, luftiger Sprache, durchdrungen von ungewöhnlichen Gedanken und Wortschöpfungen erzählt die junge Mexikanerin Luiselli die Geschichte einer Frau, die beim Schreiben eines Romans zwischen ihrem gegenwärtigen Leben Mexiko City und ihrer Zeit als junge Lektorin in New York pendelt. Ihre Kinder lassen ihr kaum Luft zum Atmen, weswegen alles, was sie schreibt kurzatmig ist. Damals in New York beeindruckte sie das Werk eines obskuren mexikanischen Dichters so sehr, dass sein Geist sie immer noch verfolgt. Die Grenzen zwischen Literatur und Wirklichkeit verschwimmen zunehmend. Ein fesselnder, inspirierender und doch leichter Roman. Beste Sommerlektüre.

    Mehr
  • Rezension zu "Die Schwerelosen" von Valeria Luiselli

    Die Schwerelosen
    cosima73

    cosima73

    13. March 2013 um 16:34

    Eine junge Frau, die mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in einem Haus in Mexico City lebt, schreibt über ihr Leben in einer anderen Zeit, als sie noch in New York lebte. Sie schreibt über ihre Liebschaften und andere schräge Gestalt, über ihr Leben zwischen Wahrheit und Lüge, weit ab von Konventionen. Es ist ein Leben, das sie selber in die Hand nimmt, das ihr aber trotzdem ab und an zu entgleiten droht. Es ist ein Leben voller Gespenster und Besessenheiten, die ab und an zur Last werden, aber doch so viel Lust beinhalten, dass sie das Leben weiter lebt. Vielleicht auch, weil sie nicht anders kann. Zwischen den Schreibphasen lebt sie ihr Leben heute in Mexico City, mit ihrem Mann, mit ihren Kindern. Sie sitzt eingesperrt in einem Haus, welches kein Zuhause bietet. Das einzig Lebendige scheinen die Fragen und Worterfindungen ihres Sohnes zu sein. Während ihres Schreibens wächst das Misstrauen in der jetzigen Welt, Fiktion nimmt immer mehr Raum ein in der Wirklichkeit, bis niemand – vermutlich nicht mal sie selber – mehr weiss, wo die Grenze liegt. "Die Schwerelosen" ist ein Buch voller Brüche. Die Brüche sind innerhalb der Personen, zwischen den Personen, zwischen den Zeiten und im Erzählstrang. Es sind Brüche, die es schwer machen, sich zurechtzufinden. Man hangelt sich von Häppchen zu Häppchen, sammelt Informationen, um sie wieder zu verwerfen, versucht, sich zurechtzufinden und verliert sich wieder. Valeria Luiselli schreibt in einer klaren Sprache, spinnt phantastische Geschichten, in denen man sich ständig fragt, was wahr und was falsch ist, in denen man sich mitten im Ernsten einem Witz gegenüber sieht. Wenn das Buch eines nicht ist, dann ist das langweilig, trotzdem fällt es nicht immer leicht, dran zu bleiben. Fazit: Literarisch, wild, poetisch, chaotisch, orientierungslos, mit Witz, Charme, ohne roten Faden. Verwirrend – es ist schwer, ein wirkliches Fazit zu ziehen, selber lesen und entscheiden kann ich dazu nur sagen.

    Mehr