Valerie Bäuerlein

 4,5 Sterne bei 2 Bewertungen
Autor*in von Die Unvollständige.

Lebenslauf

Valerie Bäuerlein, 1979 in Augsburg geboren, studierte Fotografie und Bildende Kunst in Leipzig und Filmregie in Berlin. Sie arbeitete als Filmkritikerin sowie Projektionistin und drehte einen Dokumentarfilm in Japan. »Die Unvollständige« ist ihr erster Roman.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Valerie Bäuerlein

Cover des Buches Die Unvollständige (ISBN: 9783910372139)

Die Unvollständige

(2)
Erschienen am 21.08.2023

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Cover des Buches Die Unvollständige (ISBN: 9783910372139)
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Rezension zu "Die Unvollständige" von Valerie Bäuerlein

ins_lebenlesen
Sprachlich schön, philosophisch, Leben und Tod und alles dazwischen

„Die Unvollständige“. Es hätte auch „Die Unvollständigen“ heißen können, denn im Mittelpunkt stehen ZWEI Frauen. Da ist Tala, die Schauspielerin, mit deren vermutlichem Suizid die Geschichte mit wenigen nüchternen Worten beginnt. Und da ist die Ich-Erzählerin, die die Todesnachricht aus ihrer Wohnung und in unruhigen, mäandernden Bewegungen durch die Straßen von Berlin treibt. Sie versucht, dem Ort der Nachricht so weit wie möglich zu entfliehen und gleichzeitig ihrer Bedeutung so nah wie möglich zu kommen.

Valerie Bäuerlein lässt in ihrem Debüt die beiden Frauen auf mehreren Zeitebenen auf Spurensuche gehen. Die namenlose Erzählerin, eine Regisseurin, die mit Tala eigentlich einen Film drehen wollte, streift stattdessen nun durch Berlins Straßen und versucht Bruchstücke zusammenzusetzen. Von der Tala ihrer Erinnerungen, der Tala die in Briefen von ihrer letzten abenteuerlichen Reise zu den entlegensten Orten Asiens berichtet. Auch Tala schien eine Suchende gewesen zu sein. Als Tochter einer iranischen Mutter und eines griechischen Gastarbeiters wurden ihr Entwurzelung und Entfremdung in die Wiege gelegt.

„War es vielleicht so, […] dass Tala versucht hatte, in der Geschichte ihrer Eltern ihre eigene Identität zu finden, während ich zugleich mich von meiner endlich abzutrennen versuchte, und gab es wohl so etwas wie ein kollektives Gedächtnis, dem wir angehörten, waren Orte und Geschichte und Menschen untrennbar miteinander verstrickt, oder waren es nur wir selbst, die nach einer Auflösung, einer Erklärung suchten, während alles naturgemäß Chaos war, ohne tieferliegende Struktur oder Ordnung, ohne Sinn?“ (S.26)

Die „Unvollständige“ setzt sich klug und differenziert mit der Suche nach der inneren Vollständigkeit und nach Erklärungen für die Unmöglichkeiten unserer Zeit auseinander. Kann es Vollständigkeit geben? Oder stellt man am Ende doch immer nur wieder fest, dass man bestenfalls auf Fragmente trifft, die sich zusammensetzen lassen und sich sofort wieder auflösen und verlieren? 

Der Ton des Textes, die Gedanken der durch die Stadt tigernden Erzählerin wirken nüchtern, kühl, distanziert. Sie wechseln sich mit Talas Briefen ab, so dass wir der Beziehung und den Protagonistinnen langsam auf die Spur kommen. Die Autorin schafft in jeglicher Hinsicht ständig Gegensätze – Ordnung und Chaos, Identifikation und Abtrennung, Traum und Wirklichkeit, Erinnerung und Interpretation. Manchmal dachte ich an Paul Auster und an etwas avantgardistisches. Es sind 150 Seiten, die man nicht einfach so weg liest. Ich habe mir auf fast jeder Seite etwas angestrichen, das mich aufhorchen ließ, sprachliche Schönheit in mir erzeugte oder an etwas rührte, das ich nicht sofort benennen konnte. Valerie Bäuerlein ist eine vielseitige Künstlerin, die Fotografie, Bildende Kunst und Filmregie studierte und u.a. als Filmkritikerin und Dokumentarfilmerin arbeitete. Ihre vielseitigen künstlerischen Perspektiven drücken sich auch in diesem Buch aus. Es hat mich ins Denken und Reflektieren gebracht und wird sich noch lange in mir bewegen.

Cover des Buches Die Unvollständige (ISBN: 9783910372139)
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Rezension zu "Die Unvollständige" von Valerie Bäuerlein

culejule
Eine verborgene Geschichte

4,5 von 5 Sterne

Die namenlose Ich-Erzählerin und junge Regisseurin ist vom Selbstmord von Tala erschüttert. Mit ihr wollte sie ihren ersten Film drehen. Um zu verstehen, streift sie durch Berlin und ist auf der Suche über die Beweggründe. Tala ist die Tochter einer Iranerin und eines griechischen Gastarbeiters und nahm sich nach ihrer Asienreise das Leben.

Das Buch beinhaltet zwei abwechslungsreiche Erzählebenen, die vor allem durch eine detaillierte Sprache geprägt sind. Zum einen erleben wir Schritt für Schritt die Gedankengänge und Streifzüge der Ich-Erzählerin durch Berlin, zum anderen die Berichte Talas von ihrer Asienreise. Immer im Fokus stehen dabei folgende Fragen: Warum haben sich beide gefunden und was letztendlich verbunden? Was war der Grund für den plötzlichen Selbstmord?

Es geht um Bewegung, Erinnerungen, Entfremdung und die Vergangenheit. Die zum Teil sehr langen Sätze haben wunderbar gepasst. 

Ein starkes Debüt, das leise und stark daherkommt und von mir eine Leseempfehlung erzählt.

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