Valerie Fritsch

 3.5 Sterne bei 45 Bewertungen
Autor von Winters Garten, Herzklappen von Johnson & Johnson und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Valerie Fritsch

Valerie Fritsch, 1989 in Graz geboren, wuchs in Graz und Kärnten auf. Nach ihrer Reifeprüfung 2007 absolvierte sie ein Studium an der Akademie für angewandte Photographie und arbeitet seither als Photokünstlerin. Sie ist Mitglied des Grazer Autorenkollektivs plattform. Publikationen in Literaturmagazinen und Anthologien sowie im Rundfunk. 2015 erschien Winters Garten im Suhrkamp Verlag. Sie lebt in Graz und Wien.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Valerie Fritsch

Cover des Buches Winters Garten (ISBN: 9783518466650)

Winters Garten

 (31)
Erschienen am 07.03.2016
Cover des Buches Herzklappen von Johnson & Johnson (ISBN: 9783518429174)

Herzklappen von Johnson & Johnson

 (13)
Erschienen am 17.02.2020
Cover des Buches k ein haus (ISBN: 9783854494027)

k ein haus

 (0)
Erschienen am 01.10.2013
Cover des Buches Herzklappen von Johnson & Johnson: Roman (ISBN: B07Z542FMY)

Herzklappen von Johnson & Johnson: Roman

 (0)
Erschienen am 17.02.2020
Cover des Buches Die VerkörperungEN (ISBN: 9783701179961)

Die VerkörperungEN

 (0)
Erschienen am 25.08.2015

Neue Rezensionen zu Valerie Fritsch

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Rezension zu "Herzklappen von Johnson & Johnson" von Valerie Fritsch

Kongenitale Analgesie: neun Silben für die Abwesenheit von Schmerz
MikkaGvor 12 Tagen

Kann ein Kind ohne Schmerzen, das die Aspekte der Verwundbarkeit auswendig lernt wie Vokabeln, sich zu einem mitfühlenden Wesen entwickeln – und das in einer Familie, die Jahrzehnte der Schuld und des Traumas stumm weiterreicht?⠀

Der Klappentext lässt vermuten, der kleine Emil sei der Protagonist – der Charakter, auf dem für einen Großteil des Buches das Hauptaugenmerk liegt, aber vor allem der Akteur, der die Geschichte aktiv vorantreibt. Tatsächlich wird er jedoch erst zur Hälfte des Buches geboren, und auch danach sieht man die Dinge höchst selten aus seinem Blickwinkel. Der Leser betrachtet ihn vielmehr durch die Augen seiner Mutter Alma von außen, besorgt und fasziniert.⠀

Alma ist schon als Kind hochintelligent, hinterfragt alles, sperrt sich gegen Erwartungen – beobachtet die familiären Strukturen wachen Auges und erahnt die sorgfältig versteckten Abgründe. Sie, die vom Krieg nichts wissen kann, spürt dessen Nachwehen in der emotionalen Kälte des Elternhauses. Die Großmutter fängt erst an, über die schlimme Zeit zu reden, als die Demenz ihr die Hemmungen raubt, der Großvater ist wenig mehr als eine stille Abwesenheit.⠀

“Das Bild der gelben Narzissen in den Händen der alten, nackten Frau, ihre Gänsehaut über der haarlosen Scham, diese asketische Galgenschönheit, die dem Tod vorausging, sollte Alma ihr Leben lang nicht mehr vergessen.”⠀

Später, erfährt der Leser, lernt Alma Friedrich kennen und lieben, was nach einer langen Fernbeziehung zu einem mehr oder weniger glücklichen Miteinanderleben ohne Illusionen und zu Emils Geburt führt – gefolgt von einer Wochenbettdepression und der erschütternden Erkenntnis, dass Emil anders ist.⠀

Es sind Alma und ihre Großeltern, die für einen Großteil des Buches auf der Bühne der Geschehnisse stehen, doch Emil ist durch seine Analgesie Inbegriff und gleichzeitig Kontrapunkt der Thematik. Seine Schmerzlosigkeit unterstreicht vergangenes und gegenwärtiges Leid.⠀

Emil legt die Hand auf die heiße Herdplatte, weil die Brandblasen so lustig blubbern. Er rammt sich einen Stift so heftig in den Arm, dass er steckenbleibt. Sein Kinderzimmer ist geschmückt mit unzähligen Röntgenaufnahmen, eine Galerie gebrochener Knochen und lädierter Organe.⠀

“Es waren intime Porträts, der vollständige Bauplan eines Kindes, ein ganzes gespenstisches Menschengerüst von den Zehenknöchelchen bis zur Schädelkalotte hing an den Zimmerwänden. Immer wieder staunte Alma, das man so leicht zerbrechen und doch so aufrecht stehen konnte.”⠀

Alma kümmert sich aufopfernd um ihn, widmet ihr waches und träumendes Leben seiner Unversehrtheit. Gleichzeitig regt seine Schmerzblindheit sie dazu an, der Familiengeschichte nachzuspüren, dem Schmerz und der Schuld von Generationen.⠀

Denn was eint die Menschen mehr als der Schmerz?⠀

Es ist ein Empfinden, das jeder kennt, das keiner Erklärung bedarf. Emil jedoch, der Schmerzlose, der Unschuldige, wird zum Symbol: fleischgewordene Sühne, das Negativbild seines Urgroßvaters, dessen Kriegstraumata und Kriegsverbrechen niemals beim Namen genannt werden.⠀

Dabei wirkt es fast so, als seien auch ihre Körper Abbilder des jeweils anderen: während Emil nach unzähligen Knochenbrüchen Schrauben und Metallplatten in sich trägt, wurde sein Urgroßvater nur durch die titelgebenden Herzklappen aus Metall am Leben erhalten.⠀

In Alma wächst die Entschlossenheit, bestimmte Orte aus dessen Kriegserleben mit eigenen Augen zu sehen, um mit dem ererbten Leid abschließen zu können – um die schuldbewusste Traurigkeit zu verbannen, die die Familie umgibt wie ein dunkles Miasma.⠀

Der Schreibstil ist großartig. Ruhige, fast schon karge Sätze entfalten sich in bestechend präzisen Beobachtungen, die ein Stück Leben nach dem anderen aus dem Würgegriff der vermeintlichen Normalität befreien. Das ist mal der einsame Alltag eines frühreifen Kindes, mal die persönliche Hölle eines Kriegsgefangenen, mal das stille Leiden einer gebrechlichen Alten.⠀

Dann folgen wiederum traumhafte Passagen mit fast schon lyrischem Timbre. Die Autorin schildert die Geschehnisse einfühlsam und subtil, in wunderschönen Formulierungen und klaren, eindrücklichen Bildern – ohne zu beschönigen oder kleinzureden.⠀

Die Autorin hat ein besonderes Gespür für den Schmerz, den alltäglichen wie den außergewöhnlichen: sie sieht das, was nicht zusammenpasst, was zuwiderläuft, was hätte sein sollen aber nicht ist. Man atmet erstaunt auf, nur um dann bekräftigend zu nicken: ja, so ist das. Auch das, was vom eigenen Leben so weit entfernt ist wie nur irgend möglich, hat den Klang der Wahrheit, den Widerhall des selbst Erlebten.⠀

Fazit⠀

Der Roman erstreckt sich über vier Generationen einer Familie: vom Urgroßvater, über dessen Opfer- und Täterschaft im Krieg nicht gesprochen wird, bis hinunter zum Urenkel, der durch einen Gendefekt keinen Schmerz empfinden kann.⠀

Für mich war “Herzklappen von Johnson & Johnson” ein Roman mit unwiderstehlicher Sogwirkung – alleine schon wegen der großartigen Sprachmelodie, aber die Autorin konnte mich auch inhaltlich voll überzeugen.

Diese Rezension erschien zunächst auf meinem Buchblog:
https://wordpress.mikkaliest.de/rezension-valerie-fritsch-herzklappen-von-johnson-johnson/

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Rezension zu "Herzklappen von Johnson & Johnson" von Valerie Fritsch

Almas Familie
Dominikusvor 13 Tagen


Die Schriftstellerin Valerie Fritsch hat einen beschwingten Schreibstil.

Für den Roman Herzklappen von Johnson & Johnson, fällt es mir schwer eine Rezension zu schreiben. Erstmal gefällt mir der Titel nicht so. Nach dem Klappentext hatte ich etwas anderes erwartet. 

In diesem Roman gibt es für mich nur deprimierende Figuren. In der Familie Almas, der Protagonistin gibt es keine Fröhlichkeit. Gut, ab und zu ist die Großmutter zufrieden, aber nicht wirklich glücklich.

Dann bekommt Alma auch noch ein Kind, das keinen Schmerz empfindet. Emil schafft es aber seine Kindheit zu überleben. Das ist gut nachvollziehbar erzählt.

Der Roman ist trotzdem gut lesbar und interessant.

Das Buch hat einen literarischen Text. 







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Rezension zu "Herzklappen von Johnson & Johnson" von Valerie Fritsch

Valerie Fritsch - Herzklappen von Johnson & Johnson
miss_mesmerizedvor 14 Tagen

Alma wächst in einer Familie des Schweigens auf. Das Leben der Eltern scheint nur hinter verschlossenen Türen vorzukommen, das Zuhause insgesamt erweckte mehr den Anschein einer Kulisse, vor der Leben eher simuliert wurde als dass es tatsächlich stattfindet. Die verrückte Mutter, die mondsüchtig des nächtens aus dem kontrollierten Alltag ausbricht, fasziniert das Mädchen, bringt dies wenigstens ein wenig Bewegung in den ansonsten stillen und nüchternen Alltag. Dieser wird auch von den Großeltern bestimmt, denen die Kriegserfahrung nicht nur in den Knochen steckt, sondern die diese regelrecht auf die Enkelin übertragen, die die Erfahrungen der älteren Generation in Alpträumen nacherlebt. Mit Friedrich erlebt sie schließlich die alles aufzehrende Liebe, Emotionen, die sie zuvor nicht kannte. Die Geburt des gemeinsamen Sohnes Emil jedoch stürzt sie zurück in eine abgeriegelte Welt, deren Grauen vor allem in ihrem Kopf stattfindet. Doch auch mit Emil stimmt etwas nicht, es dauert einige Jahre, bis das Ergebnis der Ärzte feststeht: Emil kann keinen Schmerz empfinden.

 

Valerie Fritsch wurde für ihren Roman mit einer Nominierung auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2020 honoriert. Es ist die Geschichte vierer Generationen, die durch Alma verbunden und im Schmerz vereint sind. Die Großeltern, die die schmerzlichen Kriegserfahrungen nicht überwinden konnten und versuchten, durch eigenes Schweigen die Stimmen und Bilder im Kopf mundtot zu machen. Die Eltern, die nur hinter Türen reden, aber nicht mit dem Kind. Alma selbst, für die Schweigen und Schmerz identisch werden und die beides überwinden möchte bis zu Emil, der laut, geradezu vorlaut ist und durch das fehlende Schmerzempfinden das gegenteilige Extrem darstellt.

 

Die grausamen Kriegserlebnisse haben den Großvater gebrochen, so sehr, dass sein Herz es nicht mehr ertragen konnte und nur noch von metallenen Klappen der Firma Johnson&Johnson am Laufen gehalten wird. So wie er innerlich beschädigt wurde, trägt sein Urenkel permanent äußerliche Bandagen als Zeichen der unzähligen Verletzungen, die dem Körper schaden, von ihm aber nicht wahrgenommen werden. Immer wieder spiegelt die Autorin die Figuren an den zentralen Elementen Schmerz und körperlicher Verletzung. Und gerade in den Sprachbildern wird der Roman herausragend, so schreibt sie etwa Alma

 

„wünschte sich eine Ersatzpsyche, die die Welt besser ertrug, eine Identitätsprothese, die ihr einen sicheren Schritt durch die Tage ermöglichte.“

 

Die unterschiedlichen Traumata schreiben sich in die Körper ein, bleiben dort als sichtbare Wunden, die sich nicht einfach kosmetisch übertünchen lassen.

 

Ein bildgewaltiger Roman, der dicht auf wenigen Seiten doch unheimlich viel und dies noch dazu sehr intensiv transportiert. Kein Roman, der mich emotional völlig mitgerissen hätte, sondern eher einer der Sorte, die durch Konstruktion und Sprache am Ende nachwirken und einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

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Gespräche aus der Community

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Cover des Buches kinder der unschärferelation

Liebe Leserinnen und Leser!

Wir laden euch ein, an unserer Leserunde zum Gedichtband „kinder der unschärferelation“ (2. Auflage) von Valerie und Gudrun Fritsch teilzunehmen! In diesem Band, dessen 2. Auflage mit neuen, bisher unveröffentlichten Gedichten ergänzt wurde, präsentieren die Autorinnen eine sehr persönliche Sammlung, in ihrer kennzeichnenden und harmonierenden Sprachgewandtheit.

Liebe Leserinnen und Leser!

Wir laden euch ein, an unserer Leserunde zum Gedichtband „kinder der unschärferelation“ (2. Auflage) von Valerie und Gudrun Fritsch teilzunehmen! 

Dieser Band zeigt einmal mehr die Sprachgewandtheit von Tochter und Mutter Fritsch. Ergänzt mit neuen, bisher unveröffentlichten Gedichten erzählt der Band vom Geben und vom Nehmen, vom Leben und wie es klingt, wenn alle Facetten der Sprache ausgekostet werden.

Von Gedicht zu Gedicht bezeugen Gudrun und Valerie Fritsch eine Sprachevolution, die sich über Generation erstreckt, den Werde- und Fortgang der Muttersprache beschreibt, aus der irgendwann doch zwei ganz eigene Töne hervorgehen. Wohin wachsen die Worte, mit denen man aufwächst?

Die Themen der Gedichte sind persönlich und vielfältig: Mohn, Nostalgie, Orchestergräben, Schützengräben, Dinosaurier, Außerirdische, Schwarzpulver, Sternenstaub. Es geht um die Kunst des Verschwindens und den Wahnsinn des Abschieds, stets eingehüllt in die stilistische Feinfühligkeit der beiden Autorinnen.

 

Pressestimmen:

 „Ein sprachgewandtes und fabelhaftes Familienprojekt von Tochter und Mutter, das sehr viel zu bieten hat. Entdeckungen, Gedankenfolgen, Gefühlswerte, Empfindungen, Phantasien und Wirklichkeiten. […] Mehr braucht es nicht, das ist alles zu spüren, das ist einfach Poesie pur.“ - Rudolf Kraus, Bücherschau


Bewerbt euch jetzt für diese Leserunde und gewinnt mit etwas Glück eines von 5 Leseexemplaren! Beantwortet die Frage „Was bedeutet Poesie für dich? " bis 06.04.2020 und schon seid ihr im Lostopf.

Viel Erfolg wünscht euer Leykam Buchverlag

16 BeiträgeVerlosung beendet

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