Valerie Fritsch

 3.6 Sterne bei 26 Bewertungen
Autor von Winters Garten, kinder der unschärferelation und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Valerie Fritsch

Winters Garten

Winters Garten

 (25)
Erschienen am 07.03.2016
kinder der unschärferelation

kinder der unschärferelation

 (1)
Erschienen am 02.02.2015
k ein haus

k ein haus

 (0)
Erschienen am 01.10.2013

Neue Rezensionen zu Valerie Fritsch

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MarinaBs avatar

Rezension zu "Winters Garten" von Valerie Fritsch

Literatur, die leuchtet! Ich möchte mehr davon!
MarinaBvor 3 Jahren



Manchmal geht es mir gar nicht um Inhalte. Manchmal brauche ich kaum Handlung, keinen Plot. Aber Sprache brauche ich immer. Das Eintauchen und Versinken in Sprache!

Kann erzählte Sprache gleichzeitig verdichtet und ausschweifend sein? Hier erscheint es mir so. Dank Valerie Fritsch findet sich Poesie also auch außerhalb von Lyrik. Beim Lesen entstehen kraftvolle Bilder, Ideen, Irritationen, ein ganz besonderer Klang.  Wie in einem guten Gedicht...

Winters Garten erzählt auf nur 150 Seiten eine Endzeitvision. Aber darauf kommt es gar nicht an ... Sie erfindet  einen ländlichen Garten, darin aufgehend eine Gemeinschaft ähnlich einer Großfamilie, geprägt von archaischen Strukturen, Ritualen, aber auch großer Geborgenheit. Anton Winter, ein stilles, eigenes Kind erlebt hier eine verzauberte Kindheit, lebt in der Natur, mit den Jahreszeiten, mit Wachstum und (Ab-)Sterben. Alles was er braucht, lernt er hier, meist von den Großeltern begleitet.

Für mich ist dieser erste Teil der beste, auch sprachlich, der umso stärker wirkt, als er eine Sicherheit verspricht, die sich im Verlauf der Geschichte vollkommen auflöst.

" In jeder Kindheit sind die Alten unaussprechlich alt, und jede Kindheit ist stets jemandes spätere Verzweiflung"

Jahrzehnte später, seit dem Tod der geliebten Großmutter, wohnt Anton über den Dächern der Stadt am Meer, den Garten der Kindheit immer im Bewusstsein und doch unendlich fern, einsam, nur in Gegenwart seiner Vögel. Bis er im 43. Lebensjahr auf Frederike trifft, die sofort seine Frau wird. Eine Liebe, die sofort wirkt und gelebt wird, obwohl es heißt, die Welt gehe bald unter. Was geschehen wird weiß keiner, aber dass es passieren wird, ist überall unter den Lebewesen zu spüren und sichtbar. Chaos und Verzweiflung herrscht.

Die Rückkehr in den Garten wird zur Heimkehr, zur letzten Zuflucht. Für kurze Zeit kann wieder die Kindheit gelebt werden in einer kleinen Gemeinschaft:  Anton und Frederike, der wiedergefundene Bruder mit seiner Frau und dem eben in die absterbende Welt geborenen Säugling.  Und doch ist es die Vorbereitung auf den Tod, der Abschied vom Leben ...

Ich habe mich in Valerie Fritschs Sprache verliebt, ich gebe es zu. Alles begann mit ihrer Lesung beim Bachmann-Wettlesen in Klagenfurt. Auch diese Geschichte (Das Bein) für mich ein kleines Wunder der Sprache. 

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wandablues avatar

Rezension zu "Winters Garten" von Valerie Fritsch

Ein Buch wie ein Gedicht
wandabluevor 3 Jahren

Ein Buch wie ein Gedicht.
Valerie Fritsch kann man getrost als sehr junge Schriftstellerin bezeichnen. Ihr Stil ist sanft und intensiv zugleich, sie hat eine Art zu schreiben, die aus der Masse hervorsticht und für ihr Alter verblüffend weise ist. „Sie wunderten sich, wie kurz das Glück war, auf das man so lange gewartet hatte.“

Thematisch ist nichts neu: Die Welt geht unter. Wer jetzt allerdings die typische Dystopie erwartet, geht leer aus, denn Fritschs Umsetzung richtet das Hauptaugenmerk auf die Natur, ihre Fabel ist lyrisch, idyllisch, schön. Es geht nicht um Spannung, sondern um Zustand, es geht nicht um Handlung, sondern um Sein, nicht um Helden wie Bruce Willis, nicht um Action, nur um Anton und Frederike, einen wunderbaren Garten und um die Idylle des Todes.

Und um den rechten Ton dazu!

Ja, es geht um den Ton. Nur um den Ton, denn Valerie Fritschs Buch ist Musik. Es ist ein Buch zum Vorlesen, die Sätze sind von enormer Darstellungskraft, die Bilder seltsam, schön, manchmal abstrus. Diese Sätze ... man muss sie leise vor sich hin sagen, dann schweigen und warten, einwirken lassen, einsickern, sie enthalten Reflexionen über die Liebe, den Tod, das Sein. Ein schöner Roman.

Sein einziges Manko ist die Konsequenz, mit der die Autorin den einmal eingeschlagenen Weg zu Ende bringt, so viele einzigartige Vergleiche schreibt, dass es einem zu viel wird, zu viel, zu viel. So ist das Buch zwar sehr schmal und hat doch zu viele Seiten... .

"Winters Garten" ist ein seltsamer Roman, dessen Einstieg mir aufgrund seiner Langsamkeit, Handlungsarmut und teilweise sprachlichen Üppigkeit nicht leichtfiel, mich aber nach und nach völlig gefangen nahm. Valerie Fritsch hat mich streckenweise an die Schwärmereien Jean Pauls erinnert, aber dann hat sie doch ganz was anderes aus ihrer Geschichte gemacht, denn trotz der Naturlyrik ist "Winters Garten" ein Roman der Moderne.

Fazit: Ein beachtliches Auftreten einer jungen Autorin. Leseempfehlung besonders für Leute, die auch Gedichte mögen.

Kategorie: gehobene Literatur.
Verlag: Suhrkamp, 2015



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franzzis avatar

Rezension zu "Winters Garten" von Valerie Fritsch

Der Ton macht die Magie
franzzivor 3 Jahren

"Man ist immer auch das Kind, das man einst war, dachte Frederike mit einem Blick auf Anton, es wächst ja nur ein großer Mensch darum herum, der dann alt und faltig wird, bis er wieder in sich zusammenfällt."


Valerie Fritsch zaubert. Sie schlägt in ihrem Roman "Winters Garten" einen Ton an, der einen umgarnt, umarmt und festhält. Ihre Sprache ist faszinierend, ihre Bilder stark. "Winters Garten" ist stark. Die 26 Jahre alte Österreicherin schreibt stark. Gut.

Ich mag sie sehr, die Geschichte vom Ende der Welt, in der die ewigen und viel besungenen Endgegner Liebe und Tod miteinander ringen. In denen die Natur zurückkehrt, oder besser: wieder sichtbar wird. Eine Welt, in der Naturverbundenheit Trumpf ist. Eine Naturverbundenheit, die Anton Winter seit seiner Kindheit kennt. Weil er in einer Gartenkolonie, in einer Riesengroßfamilie alter Schule groß wurde. Fern von der Stadt, die von den Gartenbewohnern stets als Bedrohung hinter den Wäldern wahrgenommen wird, und die nur fährt, wer etwas verkaufen oder Geld verdienen muss.

Anton Winter kennt den Tod - und er kennt die Liebe, weil sie dieser freundlichen Riesengroßfamilie innewohnt. Doch irgendwann geht er weg, in die Stadt, wird einsam und Vogelzüchter und versteht die Welt nicht mehr.

Genau genommen versteht niemand mehr die Welt. Sie ist aus den Fugen geraten, alte Gesetze zählen nicht mehr. Die Menschen warten auf den Weltuntergang - oder warten eben nicht. Trostlosigkeit breitet sich um die letzten Menschen auf, die die Hoffnung nicht aufgeben wollen, die die Krankenhäuser weiterbetreiben und die ihren Stammbäumen neue Verzweigungen hinzufügen. 

In eine von jenen Hoffnungslebenden verliebt sich Anton - und plötzlich scheint wieder alles lebendig zu werden. Die Gegenwart, die Geistergartenkolonievergangenheit - und die Zukunft. 

Valerie Fritsch packt ihren Leser und wickelt ihn ein in ihre Poesie, in ihre Aufzählungen, in die sie ganze Leben und Lebensentwürfe zu packen vermag. Es tut weh, das Buch, und es tut gut. Und zwar in einer ziemlich guten Mischung. Nur manchmal hält man inne und denkt: ein bisschen zu konstruiert, dieses Buch, ein bisschen zu konstruiert die Ebene hinter der Geschichte. Aber dann zaubert Fritsch wieder einen dieser Zaubersätze - und die Magie ist zurück.

Valerie Fritsch ist erst 26, doch es ist bereits ihre vierte Veröffentlichung, die sie mit "Winters Garten" vorlegt, diesmal im Suhrkamp-Verlag, diesmal frisch preisgekrönt mit zwei Preisen beim Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt - und mit einem der 20 Plätze auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis. Sie hat das alles zurecht. Ihr Buch ist betörend. 

Eine andere Geschichte kann man übrigens hier live nachgucken, vom Bachmann-Preis in Klagenfurt. 

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