Valerie Fritsch Winters Garten

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Inhaltsangabe zu „Winters Garten“ von Valerie Fritsch

Winters Garten, so heißt die idyllische Kolonie jenseits der Stadt, in der alles üppig wächst und gedeiht, in der die Alten abends geigend auf der Veranda sitzen, die Eltern ihre Säuglinge wiegen und die Hofhunde den Kindern das Blut von den aufgeschlagenen Knien lecken. Winters Garten, das ist der Sehnsuchtsort, an den der Vogelzüchter Anton mit seiner Frau Frederike nach Jahren in der Stadt zurückkehrt, als alles in Bewegung gerät und sich wandelt: die Häuser und Straßenzüge verfallen, die wilden Tiere in die Vorgärten und Hinterhöfe eindringen und der Schlaf der Menschen schwer ist von Träumen, in denen das Leben, wie sie es bisher kannten, aufhört zu existieren. In ihrem preisgekrönten Roman erzählt Valerie Fritsch sprachmächtig und in sinnlichen Bildern von einer Welt aus den Fugen. Und von zwei Menschen, die sich unsterblich ineinander verlieben, als die Gegenwart nichts mehr verspricht und die Zukunft womöglich ein Traum bleiben muss.

Wahrheit und Weltuntergangsstimmung werden hier so zart miteinander verwoben, man kann sich der altmodischen Traurigkeit kaum entziehen.

— Poesiesoso

Konnte mich nicht überzeugen..

— elodie_k

Eine Formulierungskünstlerin am Werk, die Geschichte selbst geht vor lauter Wortgewalt leider etwas unter.

— JanG

Sprachlich großes Kino, doch die Geschichte leidet etwas darunter.

— Marina_Nordbreze

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  • Leserunde zu "Game of Thrones - Der Winter naht" von George R.R. Martin

    Game of Thrones - Der Winter naht

    Pippo121

    ** ACHTUNG: Dies ist KEINE Leserunde und es gibt keine Bücher zu gewinnen!  **                 "Game of Thrones" - Lesemarathon                                   (14.10-16.10)   Passend zur aktuellen Werwolf-Runde, startet nun auch ein GoT-LESEMARATHON! Also begrabt nun alle (zumindest) vorübergehend das Kriegsbeil und reist mit uns nach Westeros! Denn dieses Wochenende wollen wir ein weiteres Mal in die Welt von Game of Thrones reisen. Wir befinden uns in einer Zeit, in der der grausame König Joffrey, der erste seines Namens, auf dem Thron sitzt und Freund und Feind durch seine sadistische Art erzittern lässt. Das Land ist gespalten, einige bleiben den Lannisters treu und kämpfen an ihrer Seite, während andere Joffrey nicht als rechtmäßigen Erbe der Krone anerkennen. Neu ernannte Könige scheinen wie Pilze aus der Erde zu sprießen. Kriege erschüttern das Land. In dieser Zeit begeben wir uns auf Wanderschaft. Wir werden anfangen in Essos, wo wir auf Daenerys Targaryen stoßen. Diese empfängt uns sehr gastfreundlich und schenkt uns am Ende eine Kiste mit kleinen Dracheneiern. Ob diese echt sind? Weiter führt uns unser Weg zur roten Priesterin, bei der wir nur kurz verweilen. Samstag treffen wir dann in Königsmund ein und haben eine Audienz beim König. Anschließend werden wir auch den übrigen Lannisters und ihren Gefolgsleuten vorgestellt. Am letzten Tag wandern wir in den kalten Norden, wo uns die Starks herzlich begrüßen und uns Winterfell zeigen. ♦ Das Wochenende wird unter verschiedenen Häusern aufgeteilt.♦ Jeden Tag werden wir passend zu den ausgewählten Häusern alle ein, zwei Stunden Zitate posten und dazu eine Frage an euch stellen♦ Dieses Mal sammeln wir Dracheneier. Ihr bekommt pro 100 gelesene Seiten ein Drachenei geschenkt. Beim Erreichen des gesetzten Ziels schlüpfen die Drachen. Mal schauen, wer am Ende die größte Drachenarmee besitzt ;)   Wichtig: Die gestellten Aufgaben werden so weit wie möglich einen Bezug zu GoT haben, dies muss für die gelesenen Bücher natürlich nicht der Fall sein! Also mach es dir auf dem Sofa bequem und schließ dich unserem Lesemarathon an! Vielleicht entdeckst du ja so auch dein neues Lieblingsbuch! :)   Natürlich sind in dieser Gruppe alle Leser willkommen, nicht nur die Werwölfe oder die Mitglieder der Gruppe "Challenge: Zukunft vs. Vergangenheit"! Wir freuen uns über jeden aktiven Leser und hoffen auf ein entspanntes, gemeinsames Lesen!   *************************************************************** Wann geht es los?   Der Lesemarathon startet am 14.10. gegen 15 Uhr und endet am 16.10. um 24 Uhr.   Sinn und Ziel eines Lesemarathons ist es, sich einfach mal wieder Zeit für ein fesselndes Buch zu nehmen und sich mit netten Leuten auszutauschen. Um die Gespräche anzuregen, werden im Verlauf des Lesemarathons immer wieder Fragen oder Aufgaben eingestreut, die du dann nach Belieben in deine Lesestunden mit einbauen kannst.   Wer möchte, kann sich gleich zu Beginn des Lesemarathons ein Ziel setzen (zum Beispiel gelesene Seiten, oder etwas Kreativeres). Dies ist allerdings kein Muss. Es erlaubt dir lediglich nach dem Lesemarathon dein ganz persönliches Fazit deines Wochenendes zu ziehen. :)   *************************************************************** Du hast eine Idee, eine Anregung oder eine Frage die wir in den Lesemarathon einbauen könnten? Dann schick diese per PN an: - Mitchel06 - Vucha - Knorke oder SchCh121!   Wir freuen uns auf euch! *************************************************************** Teilnehmer: Vucha Snorki Isabellepf Knorke Katha Lrvtcb Mitchel SchCh Stebec Annika, Sternchen

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    • 571
  • Der Ton macht die Magie

    Winters Garten

    franzzi

    "Man ist immer auch das Kind, das man einst war, dachte Frederike mit einem Blick auf Anton, es wächst ja nur ein großer Mensch darum herum, der dann alt und faltig wird, bis er wieder in sich zusammenfällt." Valerie Fritsch zaubert. Sie schlägt in ihrem Roman "Winters Garten" einen Ton an, der einen umgarnt, umarmt und festhält. Ihre Sprache ist faszinierend, ihre Bilder stark. "Winters Garten" ist stark. Die 26 Jahre alte Österreicherin schreibt stark. Gut. Ich mag sie sehr, die Geschichte vom Ende der Welt, in der die ewigen und viel besungenen Endgegner Liebe und Tod miteinander ringen. In denen die Natur zurückkehrt, oder besser: wieder sichtbar wird. Eine Welt, in der Naturverbundenheit Trumpf ist. Eine Naturverbundenheit, die Anton Winter seit seiner Kindheit kennt. Weil er in einer Gartenkolonie, in einer Riesengroßfamilie alter Schule groß wurde. Fern von der Stadt, die von den Gartenbewohnern stets als Bedrohung hinter den Wäldern wahrgenommen wird, und die nur fährt, wer etwas verkaufen oder Geld verdienen muss. Anton Winter kennt den Tod - und er kennt die Liebe, weil sie dieser freundlichen Riesengroßfamilie innewohnt. Doch irgendwann geht er weg, in die Stadt, wird einsam und Vogelzüchter und versteht die Welt nicht mehr. Genau genommen versteht niemand mehr die Welt. Sie ist aus den Fugen geraten, alte Gesetze zählen nicht mehr. Die Menschen warten auf den Weltuntergang - oder warten eben nicht. Trostlosigkeit breitet sich um die letzten Menschen auf, die die Hoffnung nicht aufgeben wollen, die die Krankenhäuser weiterbetreiben und die ihren Stammbäumen neue Verzweigungen hinzufügen.  In eine von jenen Hoffnungslebenden verliebt sich Anton - und plötzlich scheint wieder alles lebendig zu werden. Die Gegenwart, die Geistergartenkolonievergangenheit - und die Zukunft.  Valerie Fritsch packt ihren Leser und wickelt ihn ein in ihre Poesie, in ihre Aufzählungen, in die sie ganze Leben und Lebensentwürfe zu packen vermag. Es tut weh, das Buch, und es tut gut. Und zwar in einer ziemlich guten Mischung. Nur manchmal hält man inne und denkt: ein bisschen zu konstruiert, dieses Buch, ein bisschen zu konstruiert die Ebene hinter der Geschichte. Aber dann zaubert Fritsch wieder einen dieser Zaubersätze - und die Magie ist zurück. Valerie Fritsch ist erst 26, doch es ist bereits ihre vierte Veröffentlichung, die sie mit "Winters Garten" vorlegt, diesmal im Suhrkamp-Verlag, diesmal frisch preisgekrönt mit zwei Preisen beim Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt - und mit einem der 20 Plätze auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis. Sie hat das alles zurecht. Ihr Buch ist betörend.  Eine andere Geschichte kann man übrigens hier live nachgucken, vom Bachmann-Preis in Klagenfurt. 

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    • 3
  • Literatur, die leuchtet! Ich möchte mehr davon!

    Winters Garten

    MarinaB

    Manchmal geht es mir gar nicht um Inhalte. Manchmal brauche ich kaum Handlung, keinen Plot. Aber Sprache brauche ich immer. Das Eintauchen und Versinken in Sprache! Kann erzählte Sprache gleichzeitig verdichtet und ausschweifend sein? Hier erscheint es mir so. Dank Valerie Fritsch findet sich Poesie also auch außerhalb von Lyrik. Beim Lesen entstehen kraftvolle Bilder, Ideen, Irritationen, ein ganz besonderer Klang.  Wie in einem guten Gedicht... Winters Garten erzählt auf nur 150 Seiten eine Endzeitvision. Aber darauf kommt es gar nicht an ... Sie erfindet  einen ländlichen Garten, darin aufgehend eine Gemeinschaft ähnlich einer Großfamilie, geprägt von archaischen Strukturen, Ritualen, aber auch großer Geborgenheit. Anton Winter, ein stilles, eigenes Kind erlebt hier eine verzauberte Kindheit, lebt in der Natur, mit den Jahreszeiten, mit Wachstum und (Ab-)Sterben. Alles was er braucht, lernt er hier, meist von den Großeltern begleitet. Für mich ist dieser erste Teil der beste, auch sprachlich, der umso stärker wirkt, als er eine Sicherheit verspricht, die sich im Verlauf der Geschichte vollkommen auflöst. " In jeder Kindheit sind die Alten unaussprechlich alt, und jede Kindheit ist stets jemandes spätere Verzweiflung" Jahrzehnte später, seit dem Tod der geliebten Großmutter, wohnt Anton über den Dächern der Stadt am Meer, den Garten der Kindheit immer im Bewusstsein und doch unendlich fern, einsam, nur in Gegenwart seiner Vögel. Bis er im 43. Lebensjahr auf Frederike trifft, die sofort seine Frau wird. Eine Liebe, die sofort wirkt und gelebt wird, obwohl es heißt, die Welt gehe bald unter. Was geschehen wird weiß keiner, aber dass es passieren wird, ist überall unter den Lebewesen zu spüren und sichtbar. Chaos und Verzweiflung herrscht. Die Rückkehr in den Garten wird zur Heimkehr, zur letzten Zuflucht. Für kurze Zeit kann wieder die Kindheit gelebt werden in einer kleinen Gemeinschaft:  Anton und Frederike, der wiedergefundene Bruder mit seiner Frau und dem eben in die absterbende Welt geborenen Säugling.  Und doch ist es die Vorbereitung auf den Tod, der Abschied vom Leben ... Ich habe mich in Valerie Fritschs Sprache verliebt, ich gebe es zu. Alles begann mit ihrer Lesung beim Bachmann-Wettlesen in Klagenfurt. Auch diese Geschichte (Das Bein) für mich ein kleines Wunder der Sprache. 

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    • 2
  • Ein Buch wie ein Gedicht

    Winters Garten

    wandablue

    Ein Buch wie ein Gedicht. Valerie Fritsch kann man getrost als sehr junge Schriftstellerin bezeichnen. Ihr Stil ist sanft und intensiv zugleich, sie hat eine Art zu schreiben, die aus der Masse hervorsticht und für ihr Alter verblüffend weise ist. „Sie wunderten sich, wie kurz das Glück war, auf das man so lange gewartet hatte.“ Thematisch ist nichts neu: Die Welt geht unter. Wer jetzt allerdings die typische Dystopie erwartet, geht leer aus, denn Fritschs Umsetzung richtet das Hauptaugenmerk auf die Natur, ihre Fabel ist lyrisch, idyllisch, schön. Es geht nicht um Spannung, sondern um Zustand, es geht nicht um Handlung, sondern um Sein, nicht um Helden wie Bruce Willis, nicht um Action, nur um Anton und Frederike, einen wunderbaren Garten und um die Idylle des Todes. Und um den rechten Ton dazu! Ja, es geht um den Ton. Nur um den Ton, denn Valerie Fritschs Buch ist Musik. Es ist ein Buch zum Vorlesen, die Sätze sind von enormer Darstellungskraft, die Bilder seltsam, schön, manchmal abstrus. Diese Sätze ... man muss sie leise vor sich hin sagen, dann schweigen und warten, einwirken lassen, einsickern, sie enthalten Reflexionen über die Liebe, den Tod, das Sein. Ein schöner Roman. Sein einziges Manko ist die Konsequenz, mit der die Autorin den einmal eingeschlagenen Weg zu Ende bringt, so viele einzigartige Vergleiche schreibt, dass es einem zu viel wird, zu viel, zu viel. So ist das Buch zwar sehr schmal und hat doch zu viele Seiten... . "Winters Garten" ist ein seltsamer Roman, dessen Einstieg mir aufgrund seiner Langsamkeit, Handlungsarmut und teilweise sprachlichen Üppigkeit nicht leichtfiel, mich aber nach und nach völlig gefangen nahm. Valerie Fritsch hat mich streckenweise an die Schwärmereien Jean Pauls erinnert, aber dann hat sie doch ganz was anderes aus ihrer Geschichte gemacht, denn trotz der Naturlyrik ist "Winters Garten" ein Roman der Moderne. Fazit: Ein beachtliches Auftreten einer jungen Autorin. Leseempfehlung besonders für Leute, die auch Gedichte mögen. Kategorie: gehobene Literatur. Verlag: Suhrkamp, 2015

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    • 5

    sursulapitschi

    14. October 2015 um 07:15
  • „Immer noch war das Leben ein Warten“

    Winters Garten

    Ginevra

    Anton Winter lebt auf dem Land, in einer Gartenkolonie vor den Toren einer großen Hafenstadt. Die Bewohner der Kolonie bilden eine familiäre Gemeinschaft, in der sich alle kennen und gegenseitig unterstützen, während in der Stadt „die Menschen trost- und ratlos geworden waren“. In der Idylle der Gartenkolonie ist Freiraum zum Wachsen, und Anton entwickelt sich zu einem ganz besonderen Menschen: „Er wurde ein eigenbrötlerisches Kind ohne Vorsicht, was die anderen dächten, ein unerbittlicher Einzelgänger, der ein genaues Auge auf die Welt, die ihn umgab, hatte“. Anton beobachtet voller Ehrfurcht die Natur, den Wechsel der Jahreszeiten, das Wachsen und Gedeihen von Mensch, Tier und Vegetation – aber auch das Vergängliche: „Er war fasziniert von den Toten… denen seine Mutter mit Fingerspitzen über die Augen strich, bevor man sie im Garten begrub“. An seine Kindheit im Paradies erinnert sich der inzwischen 42-jährige Anton, der als Vogelzüchter in der Stadt lebt. Es ist eine Zeit, in der die Menschen in großer Furcht vor dem drohenden Weltuntergang leben; das Klima wird immer menschenfeindlicher, der Himmel bedrohlicher, es kommt zu Nahrungsengpässen und Massensuiziden von Menschen, die das Ende nicht miterleben möchten.  Anton gehört zu den wenigen, die weiterleben und sich in einem verlassenen Krankenhaus um andere kümmern. Dort verliebt er sich zum ersten Mal – in Frederike, eine ehemalige Soldatin. Beide beschließen, gemeinsam mit ein paar Freunden und einem Baby zurück in die Gartenkolonie zu ziehen – und die Hoffnung nicht aufzugeben… Valerie Fritsch ist eine junge österreichische Autorin, die 1989 in Graz geboren wurde. Zunächst absolvierte sie ein Studium für angewandte Photographie und arbeitet in Graz und Wien als Photokünstlerin und Autorin. 2011 erschien ihr Debütroman „Die Verkörperungen“. Winters Garten ist Valerie Fritschs erster Roman im Suhrkamp Verlag und gewann den Ingeborg-Bachmann-Preis 2015. Außerdem landete er auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2015. Beim Lesen war ich größtenteils – wie viele begeisterte Kritiker – gebannt von der lyrischen Sprache und den oft drastischen Bildern, die Valerie Fritsch zu einem beeindruckenden Werk verknüpft. Der Kontrast zwischen der paradiesischen Gartenkolonie und der Endzeitvision könnte kaum größer sein, man fühlt sich fast als Zeitzeuge der Vertreibung des Menschen aus dem Paradies, unmittelbar vor Ausbruch der Sintflut. Am Hafen werden Massenexekutionen durchgeführt, während Fischschuppen in der Dämmerung funkeln… oder die Organe im Leib einer Schwangeren, die „ein kleines Sonnensystem“ bilden.  Sehr gut gefielen mir auch ein paar humorvolle Stellen, als z.B. im Krankenhaus plötzlich bunte Socken regnet (S. 57 im Ebook), oder das OP-Besteck gleich neben dem Sauerkraut ausgekocht wird. Trotz aller Sprachgewandtheit habe ich einen kleinen Kritikpunkt: im Buch wird nicht genauer erklärt, warum die Welt untergeht, ob die Klimakatastrophe dahintersteckt, eine Naturkatastrophe oder ein Meteoriteneinschlag. Das mag für das Stimmungsbild unerheblich sein, hätte mich aber doch sehr interessiert!  Aber auch ohne wissenschaftliche Erläuterungen hat der Roman eine starke Wirkung – hoffentlich bringt er viele Menschen dazu, umzudenken und die Natur mehr zu respektieren. Interessant fand ich auch die anklingende gesellschaftliche Utopie, wie sich die Rollen ändern, wenn sich die gesellschaftlichen Strukturen auflösen: Männer übernehmen gerne die Mutterrolle, Kinder lernen begeistert, mit Gewehren umzugehen.  Letztendlich bleibt der Mensch Mensch, und Geburten geben ihm immer wieder neue Hoffnung – auch wenn es eigentlich keine mehr geben dürfte… Fazit: ein wirklich außergewöhnlicher, wort- und bildstarker Roman, der tiefe Gefühle auslöst und zum Nachdenken bringt.

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    • 2
  • Und ein Funken Hoffnung bleibt bis zum Schluss

    Winters Garten

    19angelika63

    Klappentext Winters Garten, so heißt die idyllische Kolonie jenseits der Stadt, in der alles üppig wächst und gedeiht, die Pflanzen wie die Tiere, in der die Alten abends Geige spielend auf der Veranda sitzen, die Eltern ihre Säuglinge wiegen und die Hofhunde den Kindern das Blut von den aufgeschlagenen Knien lecken. Winters Garten, das ist der Sehnsuchtsort, an den der Vogelzüchter Anton mit seiner Frau Fredericke nach Jahren in der Stadt zurückkehrt, als alles in Bewegung gerät und sich wandelt: die Häuser und Straßenzüge verfallen, die wilden Tiere in die Vorgärten und Hinterhöfen eindringen und der Schlaf der Menschen schwer ist von Träumen, in denen das Leben, wie sie es bisher kannten, aufhört zu existieren. „Man wartet viel, wenn man Kind ist, und: man erwartet viel. Als Kind besitzt man diese unsagbare Zeit, sich die Welt anzusehen. Man geht tastend durch die Welt und weckt die Gegenstände. Nie wieder weiß man so viel, und nie wieder verspricht man sich so viel von ihr. Nie wieder schaut man so uneitel auf all das, was anwesend ist um einen. Die Augäpfel sind Erdkugeln, auf denen eine Schwerkraft wirkt, die alle Bilder aus dem Äther zu ihnen herabzieht. Nie wieder sieht man in Kleinigkeiten so sehr Grund zu großen Hoffnungen.“ (Seite 20) Der Roman setzt in Anton Winters Kindheit ein. Sein Leben in Winterschen Garten, der gleichzeitig eine Kolonie ist. Dort tummeln sich Menschen aller Art. Alte und Junge gleichermaßen. Das Ganze hat für mich etwas von einer Hippiekommune. Für Anton ist es das Paradies. Als Anton alt genug ist, bringt ihm sein Vater das Geigen bauen bei. Als seine Großmutter, die er sehr liebt, stirbt, verschwindet Anton aus der Kolonie. „Noch heute liebte er so wie damals die Minuten nach dem Erwachen, in denen man ins Narrenkastel schaute und sich die Welt um einen herum erst langsam wieder herstellte, während der Körper noch eine Mumie, eine stille Hülle vom Schlaf war, in der sich nur die Augen bewegten. Diese Leere vor oder hinter der Welt, in die man hineinschaute. Auch wenn er heute gar nicht mehr weit schauen musste für diese Leere.“ (Seite 43) Jetzt lebt Anton in der Stadt. Diese ist nur 1 Stunde Fahrt von der Kolonie entfernt. Hier arbeitet er als Vogelzüchter und jetzt erfahre ich auch das erste Mal, dass die Welt untergehen wird. Warum und wieso wird nicht näher beschrieben. Allerdings ist das Leben in der Stadt unerträglich. Regelmäßig gibt es Massenselbstmordpartys, die Stadt zerfällt immer mehr und das Leben weicht langsam aus allem und jedem heraus. „Immer noch war das Leben ein Warten. (…)Jeder war abgenabelt, von der Zukunft, die er sich ausgemalt hatte, von all ihren Verheißungen und Herausforderungen.“ (Seite 47) Eines Tages treffen Anton und Fredericke aufeinander, und sie verlieben sich ineinander. Für Anton ist es die erste Liebe. Und obwohl das Leben ja bald vorbei ist, versuchen die beiden ihre Liebe zu leben. Kurz vor der endgültigen Apokalypse gehen sie zurück in den Winterschen Garten. „Sie hat ihn so vermisst. (…) All die kleinen Gesten, die die beiden miteinander verbanden, haben ihr so sehr gefehlt, und sie hat gewusst, dass niemand Neues kommen wird, um sie zu ersetzen. Ich glaube es war nicht nur der Verlust, es war auch der Liebeskummer, den man noch im Alter spürt, wenn man sich nicht erinnern kann, wann einem jemand das letzte Mal die Hand gehalten hat.“ (Seite 116) Ich bin immer noch sehr aufgewühlt, denn dieses Buch hat mich echt umgehauen. Obwohl durch die Thematik eine durchgehende Weltuntergangsstimmung herrscht, gelingt es der Autorin Valeri Fritsch mit ihrer bildhaften und poetischen Sprache eine Sehnsucht in mir zu wecken, welche mit jeder Seite mehr wird. Eine Sehnsucht nach dem Leben, dem Lieben und den Kleinigkeiten in meinem Leben. Ich spüre die Hoffnung und die Erwartungen der Protagonisten, dass es doch irgendwie weiter geht … nach der Apokalypse. „Alles, was war, teilt sich die Welt mit all jenem, was sein würde.“ (Seite 16) Ich habe noch lange über dieses Buch nachgedacht und möchte an dieser Stelle einmal eine sehr gewagte Interpretation meinerseits dazu geben. Nach dem Ende des Buches war für mich irgendwie klar, dass es sich bei Winters Garten um das Paradies handeln muss. Anton und all Bewohner dieses Gartens sind dort glücklich. Als Anton dann in die Stadt geht, in meinen Augen die Vertreibung aus dem Paradies, fühlt er sich allein und einsam. Erst nachdem er mit Fredericke wieder zurück geht, wird er wieder glücklich. Und selbst nach dem Ende der Welt befindet er sich im Paradies … „Es herrschte eine Ruhe, in der man sich den Atem verhalten mochte, jene Stille, wie sie in den atemlosen Sekunden am Ende eines Theaterstücks eintrat, in denen alles schon vorbei war und man noch nicht wusste, ob es gut oder schlecht gewesen war, bevor der schwarze Vorhang fiel und das Publikum sich für Gnade oder Empörung entschied.“ (Seite 143/144) Für mich ist dieses Buch definitiv eines meiner Highlights in 2015. Chapeau Valerie Fritsch!!!

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    • 7
  • Harter Tobak

    Winters Garten

    bookscout

    14. April 2015 um 07:46

    "Winters Garten" hat mich zwiegespalten zurückgelassen: Auf der einen Seite ist das Buch wunderschön geschrieben, zart österreichisch gefärbt und sehr melancholisch, mit einem scharfen Auge für die kleinen Wunder der Natur und einem aufmerksamen Ohr für die feinen Zwischentöne menschlicher Beziehungen. In krassem Gegensatz dazu steht die Endzeitstimmung der Geschichte, die nagende Angst ausgehungerter und verzweifelter Menschen vor dem bevorstehenden Weltuntergang, die Frage, ob Liebe und Wärme so kurz vor dem sicheren Tod überhaupt noch Platz haben. Anton Winter, aufgewachsen in einer naturverbundenen Gartenkolonie fernab der Stadt, verlässt den Ort seiner Kindheit nach dem Tod seines Vaters, um in der Stadt Vögel zu züchten. Bei einem seiner seltenen Spaziergänge an den Hafen – meist verlässt er seine Wohnung erst gar nicht, sondern beobachtet die Menschen mit dem Feldstecher, so ihn die Sehnsucht nach Gesellschaft packt – trifft er die zerbrechliche Frederike, die ihn ohne große Worte nach Hause begleitet. So erfährt Anton, zum unmöglichsten aller Zeitpunkte, wenige Wochen vor dem angekündigten Weltuntergang, zum ersten Mal in seinem Leben schüchterne Liebe, mit der er zunächst kaum umzugehen weiß. Frederike, eine ehemalige Marineoffizierin, die im Gegensatz zu zahllosen ihrer Kollegen nicht den Freitod gewählt hat, arbeitet als Freiwillige in einem Gebärhaus, sie unterstützt Frauen in ihrer Hoffnung auf einen Irrtum, auf ein besseres Leben für die neugeborenen und so schutzlosen Wesen. Als Anton in eben diesem Gebärhaus durch Zufall seinen Bruder Leander wiedertrifft, machen sie sich gemeinsam auf, ein letztes Mal den wundersamen Garten ihrer Kindheit zu besuchen, zurück zu den Erinnerungen, den Freuden und den Lieben, die sie dort begraben mussten. "Winters Garten" ist keine Geschichte der großen Handlungen, so wird beispielsweise nicht erläutert, warum und wie die Welt untergehen soll. Der Fokus liegt vielmehr zwischen den Zeilen, auf den kleinen Details, den Reminiszenzen und Stimmungen. In der Bewertung schwanke ich zwischen drei und vier Sternen, da das Buch objektiv gesehen sehr berührend, direkt und fein geschrieben ist, ich jedoch persönlich mit dem Endzeitthema meine Schwierigkeiten hatte. Fazit: "Winters Garten" ist sicher nicht für jedermann und jederfrau, wem das Sujet aber liegt, der wird seine Freude haben :)

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