Valerie Jakob Hôtel Atlantique

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Inhaltsangabe zu „Hôtel Atlantique“ von Valerie Jakob

Die französische Biskaya – zum Sterben schön Delphine Gueron ist nach ihrem Abschied von der Pariser Polizei zurückgekehrt in ihre alte Heimat, St. Julien de la mer in der Nähe von Biarritz. Hier trifft sie sich einmal die Woche mit ihrer betagten Freundin Aurélie im noblen Hôtel Atlantique zum Tee. Doch eines Tages erscheint Aurélie nicht. Sie ist umgekommen. Ein Unfall, sagt die Polizei. Aber Delphines sechster Sinn sagt etwas anderes, und sie beginnt zu ermitteln. An nervtötende Vorschriften muss sie sich dabei nicht mehr halten. Unterstützung bekommt sie von dem fünfzehnjährigen Karim, der so dumm war, bei der ehemaligen commissaire einzubrechen. Zur Strafe erledigt der Junge bei ihr lästige Haus- und Gartenarbeiten. Mit der Zeit werden die beiden so etwas wie Freunde. Die Nachforschungen schweißen sie weiter zusammen. Und führen sie bis weit in die deutsch-französische Vergangenheit.

Eine kriminalistische (angehauchte) südfranzösische Geschichte mit bewegenden historischen Hintergrund

— lesemaedel
lesemaedel

Tiefe Freundschaften und ein Stück tragische Zeitgeschichte - bedacht und spannend in einen Krimi gepackt. Empfehlenswert!

— talisha
talisha

Äußerst gelungene Roman-Mélange aus Krimi, geschichtlichem Hintergrund und Gesellschaftskritik

— RosaEmma
RosaEmma

Hôtel Atlantique“ hat mich sehr erschüttert. Atmosphärischer Krimi vor dem Hintergrund der deutsch-französischen Vergangenheit.

— hasirasi2
hasirasi2

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  • "Nennt mich Ismael..."

    Hôtel Atlantique
    lesemaedel

    lesemaedel

    13. August 2017 um 20:11

    Pensionierte Kommissarin ermittelt beim tödlichen Unglück ihrer Freundin. War es tatsächlich ein Unfall, oder steckt der geldgierge Neffe dahinter? Ungewollte Hilfe erhält sie von ihrem "Schützling" und jugendlichen Straftäter Karim. Das klingt nach einem 08/15 Urlaubskrimi, aber nette örtliche Beschreibungen bringen südfrz. Atlantik-Flair der 60er mit. Ausserdem hat die Autorin eine bewegende Geschichte mit historischen Hintergrund - vom Ende des 2,Weltkrieges - eingebaut. Definitiv ein besonderes Geschenk für Frankreich Liebhaber.

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  • Brisantes Thema der französischen Geschichte geschickt verpackt

    Hôtel Atlantique
    Girdie

    Girdie

    26. June 2017 um 19:22

    Das „Hotel Atlantique“ im gleichnamigen Debütroman von Valerie Jakob steht an der französischen Atlantikküste in St. Julien de la mer, einem fiktiven Ort in der Nähe von Biarritz. Eine entsprechende Karte zur Lokalisierung findet sich auf den Vorsatzblättern. Das Hotel Atlantique liegt wie auf dem Titelbild zu sehen, direkt am Meer und ist der wöchentliche Treffpunkt der Protagonistin Delphine mit ihrer älteren Freundin Aurélie.Delphine Gueron hat lange Jahre als Kommissarin in Paris gearbeitet. Seit sie in Rente gegangen ist, lebt sie wieder in ihrer Heimat St. Julien de la mer. Jeden Dienstagnachmittag trifft sie sich mit der kürzlich verwitweten Aurélie de Montvignon im angesehenen Hotel Atlantique. Aurélie ist seit langer Zeit Dauermieterin einer der Suiten im Hotel. Eines Tages fällt sie kurz vor dem Treffen mit Delphine vom Balkon ihres Zimmers ohne erkennbaren Grund. Delphine glaubt an Fremdeinwirkung, ein Nachweis gestaltet sich schwierig. Der fünfzehnjährige Karim, der erst vor kurzem versucht hat, bei ihr zu Hause einzubrechen und dem sie angeboten hat, sie bei einigen Tätigkeiten zu unterstützen statt ein Anzeige zu erstatten, trägt mit seinem Wissen zu den Nachforschungen bei. Über einen langjährigen Freund der Familie, der Wohnrecht im Haus der Montvignons besitzt, führen die Ermittlungen zu einem dunklen Kapitel der französischen Geschichte.Obwohl der Roman äußerst raffiniert konstruiert ist konnte mich die Erzählung nicht mitreißen. Zwischen den Zeilen liest man die Begeisterung der Autorin für die Gegend an der französischen Küste in der Nähe zur spanischen Grenze. In den Beschreibungen der Landschaft kann man sich verlieren, mir persönlich gefielen die ausschweifenden Beschreibungen der Umgebung nicht so gut, weil ich mehr Romantik erwartet hatte. Die durchaus interessant gestalteten Charaktere blieben für mich auf Distanz, was im Fall von Delphine wohl auch dem höflichen Umgangston mit ihrer Freundin bei dem beide sich Siezen geschuldet ist und im Fall der Figur des Richard, dem alten Freund des Hauses, daran liegt, dass er als fragwürdige Person aufgebaut ist.Der Roman führte mich zu dem mir unbekannten und gerne verschwiegenen Thema der horizontalen Kollaboration in der Vergangenheit der Franzosen. Einen Bogen von den damaligen Ereignissen zur heuten Zeit schafft Valerie Jakob durch den Charakter des Karims, so dass deutlich wird, dass es auch heute noch Vorbehalte gegen Personen gibt, bei denen mindestens ein Elternteil ausländischer Herkunft ist. Mein Lesefluss wurde leider immer wieder durch französische Floskeln und kurze Sätze unterbrochen. Es erfolgt nicht immer eine Übersetzung und so waren meine Grundkenntnisse der Sprache gefordert.„Hotel Atlantique“ fasst in einem unterhaltsamen Roman, der wenige Längen verzeichnet, brisante Themen der französischen Geschichte aus Vergangenheit und Gegenwart auf. Ein Spannungselement ergibt sich aus dem Tod von Aurélie. Die Aufklärung der Umstände gestaltet sich jedoch eher schwierig. Wer sich gerne an die Küste des Atlantiks, umgeben von französischem Lebensstil versetzen lassen möchte und ein in der französischen Öffentlichkeit verschwiegenes Kapitel entdecken will ist bei diesem Buch richtig.

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  • Tod statt Tee im Hôtel Atlantique

    Hôtel Atlantique
    talisha

    talisha

    02. June 2017 um 15:37

    Im äussersten Südwesten Frankfreichs, an der Grenze zum spanischen Baskenland, im fiktiven St. Julien de la mer, liegt das Hôtel Atlantique. Hier hat die rüstige 73jährige Aurélie ein Dauer-Appartement gemietet und trifft sich regelmässig mit ihrer Freundin Delphine. Ihr vertraut sie vieles an, einiges davon erweist sich im Nachhinein sehr wichtig - als nämlich Aurélie tot aufgefunden wird und ihr Neffe Damien sich sofort sein Erbe aneignen will. Als auch auf Aurélies Anwesen "Les Balaines" Unbekannte im Garten herumstreifen, wird die frühpensionierte Kommissarin Delphine misstrauisch. Nun macht Aurélies Bitte, nach ihrem Ableben auf dem Anwesen nach dem Rechten zu sehen, Sinn. Zusammen mit dem Teenager Karim, der den zwei Frauen viel zu verdanken hat, kommen Delphine dem Unheil auf die Spur. Dieses Debut von Valerie Jakob gefällt mir sehr gut. Gekonnt mixt sie verschiedene Thematiken und schreibt daraus einen spannenden Ermittlungskrimi. Zum einen geht es um Freundschaften. Verschiedene Varianten davon sind im Buch zu finden. Freundschaft Nr. 1: die schlagfertige, toughe Delphine und die elegante, ältere Aurélie - wie die zwei Frauen sich genau kennen gelernt haben wird erst gegen Ende des Buches erzählt. Freundschaft Nr. 2: Delphine und Karim - er wird von ihr bei einem Einbruch überrascht und selbst für ihre Verhältnisse überraschend bietet sie ihm anstatt einer Anzeige einen vierwöchigen Hilfsdienst bei ihr an. In diesem Monat entsteht eine feine Freundschaft zwischen ihnen. Freundschaft Nr. 3: Karim und Aurélie - weil auch Aurélie in die Hilfsdienst-Aufträge eingebunden wird, fühlt sich Karim mit der Zeit auch mit ihr stark verbunden. Freundschaft Nr. 4: Aurélie und Richard - der ruhige, introvertierte Richard Lebrun, der seine eigenen Räume auf Les Balaines hat und die fast adlig daherkommende Aurélie scheinen so gar nicht zusammen zu passen. Lange scheint Richard dem Leser aus unbekannten Gründen geduldet und geachtet zu sein, aber das fast geschwisterhafte Verhältnis zwischen Aurélie und Richard ist viel tiefgründiger und tragischer, als auf den ersten Seiten noch angenommen. Weitere Freund- und Bekanntschaften - St. Julien ist nicht so gross, man kennt sich - ergeben sich durch Delphines Schulfreundin Cécile. Deren Neffe ist Kommissar Lucien Benazet, der schon bald mit seinem Vorbild Delphine zusammenarbeitet. Irène, eine weitere Freundin von Cécile, ist die Cousine von Bernard, den Delphine bei einem Tanzabend kennenlernt. Sie alle tragen ihren Teil zur Lösung des Falles bei. In "Hôtel Atlantique" geht es aber auch um ein weniger freundliches Thema, ein Stück Zeitgeschichte, über das kaum je geschrieben wurde: Frauen, die sich während dem Krieg in Gegner verliebten, wurden nach Kriegsende aufs Schlimmste beschimpft und ausgestossen. Solch eine tragische Geschichte hat die Autorin bedacht auf die Buchseiten gebracht und sorgfältig umgesetzt. So ist dieser Krimi auch für Nichtkrimifans interessant. Er lebt ausserdem von humorvollen, ironischen und sarkastischen Wortwechseln. Besonders Delphine, Karim und Bernard müssen diesbezüglich erwähnt werden. Es machte richtig Spass, ihre Dialoge zu verfolgen. Die Beschreibung der Charaktere und ihre Handlungen fand ich gelungen, wie beispielsweise die feinsinnige Schilderung von Richard beim Parfumkauf.Auch die Landschaft und die Eigenheiten der Region und ihrer Bevölkerung hat die Autorin anschaulich beschrieben und viele französische Redewendungen eingeflochten. Ich kann mir aber vorstellen, dass einige Leser ein Verständnisproblem damit haben. Für uns Schweizer ist das kein Problem; und zur Beruhigung kann ich sagen, dass die Redewendungen sowie die baskischen Zitate immer übersetzt werden. Aber für sprachlich nicht interessierte Leser könnte der Lesefluss durch die fremdsprachlichen Einschübe beeinträchtigt werden. Mich hat vielmehr gestört, dass alles Französische klein geschrieben wurde. "Quartier" zum Beispiel. Es las sich jedesmal wie ein Rechtschreibfehler, bis ich merkte, dass es System hat. Doch das Wort "Quartier" ist kein französisches Wort (Latein lässt grüssen), also hätte man es, ebenso wie all die französischen Wörter, normal schreiben können. Die Kleinschreibung lenkt ab und ist unnötig. Aber bis auf die Sache mit der Kleinschreibung ist "Hôtel Atlantique" ein gelungener und anschaulich erzählter Kriminalroman. Ein Buch mit Protagonisten, an die man auch nach Abschluss der Lektüre öfters denkt und wissen möchte, wie es ihnen wohl gerade geht. Fazit: Ein tragisches Kapitel der Kriegsgeschichte in einem Kriminalroman aufgearbeitet. Empfehlenswerte und spannende Lektüre mit interessanten Protagonisten.4.5 Punkte. 

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  • Die Sünden der Väter

    Hôtel Atlantique
    RosaEmma

    RosaEmma

    07. May 2017 um 15:44

    Valerie Jakobs Debütroman Hôtel Atlantique ist eine Klasse für sich. Die facettenreiche Geschichte lässt sich in kein Schema pressen, denn sie beinhaltet krimieske, geschichtliche und soziale Aspekte, die die Autorin geschickt miteinander verwoben hat. Obwohl man aufgrund des Klappentextes einen sommerleichten Krimi vermuten könnte, der an der französischen Atlantikküste spielt, hat das Buch einiges mehr zu bieten: Die gehaltvolle Story handelt zwar primär von einem mysteriösen Todesfall, thematisiert aber ebenso ein düsteres Kapitel der deutsch-französischen Vergangenheit auf sehr bewegende Weise und befasst sich darüber hinaus mit der derzeitigen brisanten gesellschaftspolitischen Situation Frankreichs. Diese außergewöhnliche Kombination hält, was sie verspricht und lanciert zugleich eine ganz besondere Protagonistin, die hoffentlich mit ihrem jungen pfiffigen Adlatus noch viele weitere Fälle lösen wird. Auf frischer Tat Die französische Ex-Kommissarin Delphine Gueron zieht nach ihrer Pensionierung von Paris zurück in ihren Heimatort, das idyllische St. Julien de la mer nahe des exklusiven Biarritz. Sie genießt die Ruhe und das Meer und ist froh, den Trubel der französischen Großstadt hinter sich gelassen zu haben. Sie beschließt, ihren Garten aufzuhübschen, doch noch bevor sie damit beginnen kann, erwischt sie des Nachts einen Einbrecher auf frischer Tat, der ihren Schuppen durchforstet: Der 15-jährige Karim Amandier ist mehr als schockiert, als er eine Waffe auf sich gerichtet sieht – und dies auch noch von einer älteren Dame, die in keiner Weise verängstigt, sondern entschlossen ist, sie auch zu benutzen. Delphine tut der zitternde Junge leid, und sie bietet ihm einen Deal an: Wenn er sich bereit erklärt, ihr für eine gewisse Zeit bei der Haus- und Gartenarbeit zu helfen, wird sie von einer Anzeige absehen. Karim stimmt widerwillig zu, aber er hat auch keine andere Wahl. Der Kleinkriminelle algerischer Abstammung hatte schon mehrfach Ärger mit der Polizei, was seine alleinerziehende Mutter schier zur Verzweiflung treibt. Ein mysteriöser Todesfall Nach dieser unerwarteten Aufregung kehrt wieder Ruhe in Delphines beschaulichen Alltag ein. Sie freut sich ganz besonders auf ihre allwöchentlichen Treffen mit ihrer besten Freundin Aurélie de Montvignon im mondänen Belle Époque Hôtel Atlantique. Beim gemeinsamen Tee und köstlichen Petits Fours tauschen sich die vermögende Witwe Aurélie, die in einem märchenhaften, über der Steilküste thronenden Anwesen residiert, und Single Delphine über alles und jeden aus. Als Aurélie eines Nachmittags nicht, wie üblich, zur vereinbarten Uhrzeit erscheint, ist Delphine sofort beunruhigt, denn ihre Freundin, die sich für ihr gemeinsames Treffen stets ein Zimmer im Hotel anmietet, ist gewöhnlich überpünktlich. Als sie draußen einen Menschenauflauf sieht, weiß sie, dass etwas Furchtbares passiert ist. Nach einem Sturz vom Balkon ihrer Suite liegt Aurélie tot im Innenhof des Hotels. Man vermutet einen tragischen Unfall oder gar Suizid, doch Delphine will von alledem nichts hören: Aurélie war weder gebrechlich noch selbstmordgefährdet, somit machen beide Theorien in ihren Augen keinen Sinn. Auf eigene Faust Der mit dem Fall beauftragte Kommissar Lucien Benazet, den Delphine bereits seit langem kennt, vertraut dem Instinkt der Ex-Kommissarin, doch ihm sind die Hände gebunden, denn die Obduktion ergibt nichts, woraus man schließen könnte, dass Aurélie Gewalt angetan wurde. Aber Delphine, die noch immer unter Schock steht, will sich damit nicht zufriedengeben und beschließt, auf eigene Faust zu ermitteln. Bei ihren Recherchen ist ihr Karim, der ihr mittlerweile sehr ans Herz gewachsen ist, eine große Hilfe. Der Halbwüchsige, der über eine exzellente Beobachtungsgabe verfügt, liefert einen wichtigen Hinweis, dessen Tragweite er sich zunächst gar nicht bewusst ist. Doch auch hier führt die Spur – so scheint es zunächst – ins Nichts. Delphine ermittelt schließlich im nahen Umfeld von Aurélie und stößt hier gleich auf mehrere Personen, die ihr undurchsichtig erscheinen: Der mysteriöse, äußerst schweigsame Richard Lebrun, ein enger Freund der Famile, der in Aurélies Villa wohnt und dessen enge Verbindung zu ihr aus seiner tragisch-dunklen Vergangenheit nach Ende des 2. Weltkriegs resultiert, sowie Damien de Montvignon, Aurélies verhasster Neffe, ein abgezockter Banker, der mit seiner luxusverwöhnten Frau Antoinette nach Aurélies Tod auf eine große Erbschaft hofft. Sie alle geraten ins Visier von Delphines Ermittlungen, die auch dank Karim immer ein Stück weiter vorangehen. Sie ahnt jedoch nicht im geringsten, in welcher Gefahr sie – und Karim – schweben, denn der wahre Täter, der glaubt, das perfekte Verbrechen begangen zu haben, will um jeden Preis verhindern, dass Delphine ihn entlarvt und schreckt dabei vor nichts zurück, um sein tödliches Geheimnis zu bewahren… Facettenreicher Roman mit ungewöhnlichem Ermittlerduo Mit Hôtel Atlantique ist Valerie Jakob ein absolut überzeugendes literarisches Erstlingswerk gelungen, das Lust auf mehr macht. Der mysteriöse Kriminalfall, mit dessen Auflösung man am Ende in keiner Weise rechnet, ist klug erdacht und wird gekonnt in geschichtliche und gesellschaftspolitische Szenarien eingebettet. Insbesondere der geschichtliche Teil, der in die deutsch-französische Vergangenheit zurückführt und Fakten und Wahrheiten offenbart, die mir in diesem grausamen Ausmaß nicht bekannt waren, hat mich sehr schockiert und bewegt. Die Autorin hat äußerst detailliert recherchiert, wie man ihrer anschließenden Danksagung entnehmen kann. Das hier von Jakob aufgeführte, 2004 im Piper Verlag erschienene Buch Kinder der Schande werde ich demnächst vor diesem Hintergrund lesen. Darüber hinaus hat Jakob mit der eigenwilligen Ex-Kommissarin Delphine Gueron und dem aufgeweckten Karim ein eigentümliches, aber sehr bemerkenswertes Ermittlerduo erschaffen, das in keiner Weise klischeehaft ist. Ihre Kommissarin ist – zum Glück – keine Powerfrau im Laura Croft Stil, sondern gehört zur alten Garde ihrer Profession – jedoch keinesfalls zum alten Eisen. Sie muss sich nichts mehr beweisen, keine strikten Polizei-Regeln befolgen und kann sich bei ihren persönlichen Recherchen ganz auf ihren Instinkt verlassen, der sie nur selten trügt. Mit der Figur des kleinkriminellen Franko-Algeriers Karim und seinem spannungsgeladenen Umfeld rückt sie ein sozialpolitisches Pulverfass Frankreichs in den Vordergrund, das nicht zu unterschätzen ist. Karims Probleme, als Sohn eines Algeriers nicht auf die schiefe Bahn zu geraten und seinen Platz in der französischen Gesellschaft zu finden, zeigen deutlich, wie brisant dieses Thema gerade auch angesichts der derzeitigen Lage in unserem Nachbarland ist. Alles in allem ist der Roman eine äußerst beachtenswerte, spannende und berührende Mélange aus Krimi, geschichtlichem Hintergrund und Gesellschaftskritik – all dies vor der traumhaften Kulisse der französischen Atlantikküste, die ein ganz besonderes Flair hat. Daher mein Fazit: Sehr lesens- und empfehlenswert!

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    Hôtel Atlantique
    hasirasi2

    hasirasi2

    02. May 2017 um 20:35

    Delphine Gueron war bis zu ihrer Pensionierung bei der Pariser Polizei. Jetzt lebt sie wieder in ihrem Heimatort, in der Nähe von Biarritz. Als sie eines Tages den 15jährigen Karim beim Einbruch in ihren Schuppen überrascht, handelt sie Wiedergutmachung aus – als „Strafarbeit“ soll er ihr im Garten und Haushalt helfen. Karim hat es so schon schwer genug. Sein Vater, ein Algerier, hat sich vor Jahren abgesetzt. Wegen ihm wird Karim ständig von seinen Mitschülern drangsaliert. Durch Delphine lernt er auch die betagte Aurélie de Montvignon kennen. Delphine und Aurélie kennen sich schon ewig. Sie treffen sich jeden Dienstag im Hôtel Atlantique zum Tee. Die beiden Frauen wollen Karim neben der Gartenarbeit auch eine ordentliche Bildung angedeihen lassen. Sie führen ihn in Museen, lassen ihn Weltliteratur lesen, werden Freunde. Eines Diensttags erscheint Aurélie allerdings nicht pünktlich zum Tee. Sie ist vom Balkon gestürzt. Ein Unfall – vielleicht ein Schwächeanfall – meint die Polizei. Doch Delphine sieht es anders, denn ihre Freundin hat sie kurz zuvor gebeten, im Falle ihres Ablebens regelmäßig nach ihrem Anwesen zu sehen und sie war nicht krank ... Auch Richard Lebrun, eine Art jüngerer Zieh-Bruder von Aurélie, scheint nicht an einen natürlichen Tod zu glauben. Aber er ist ein sehr introvertierter Mensch und will sich nicht gegen die Einschätzung der Polizei wehren. Außerdem scheint er etwas zu wissen, was er unbedingt verheimlichen möchte – warum?!   „Hôtel Atlantique“ hat mich sehr erschüttert. Was als beschaulicher Roman über die Freundschaft zweier älterer Damen mit viel französischem Flair beginnt, wird zu einem Krimi vor dem Hintergrund der deutsch-französischen Vergangenheit. Neben den Ermittlungen zu Aurélies Tod geht es um die Schicksale der Kinder, die französische Frauen im 2. WK von Nazis bekamen bzw. in der heutigen Zeit von algerischen Einwanderern. Obwohl so viele Jahre zwischen diesen Schicksalen liegen, verbindet sie das „Ausgestoßensein“, die Verachtung der Nachbarn, Mitschüler oder Einheimischen. Valerie Jakob setzt sich damit auseinander, wie die Kinder diese Erfahrungen (später) verarbeiten. Kommen sie überhaupt je darüber hinweg? Letztendlich können sie als Produkte der Liebe ja am wenigsten für ihre Situation. „Es ist echt eine Tragödie. Auf allen Seiten nur Opfer.“ (S. 473)   Delphine ist eine sehr taffe Frau. Sie und Aurélie verband eine lebenslange Freundschaft, deshalb kann sie sich mit dem angeblichen Unfall nicht abfinden. Ihre gute Menschenkenntnis bringt sie dazu, Karim nach seinem Einbruchsversuch nicht anzuzeigen, sonst landet er nur endgültig auf der schiefen Bahn. Sie setzt es sich zur Aufgabe, wenigstens diesen einen Jugendlichen vor seinem scheinbar vorgezeichneten Leben als Kleinkriminellem zu retten. Karim lebt schon lange hier, aber er ist immer noch der Fremde. Er wird von seinen Mitschülern regelmäßig verhöhnt und verprügelt . Wenn er seine Ruhe haben will, flüchtet er sich an seinen geheimen Platz, eine Höhle in der Steilküste „Es war, wie auf einem anderen Planeten zu sein, weit weg von allen Problemen und Blödmännern ...“ (S. 89)   Das Buch ist trotz der sich eher gemächlich entwickelnden Krimihandlung sehr spannend. Bei der Aufklärung des Mordes kommen viele weitere dramatische Geheimnisse und Verdächtige ans Licht. In tollen Bildern beschreibt die Autorin die örtlichen Gegebenheiten und setzt dabei auch die Personen anschaulich in Szene.   Ein bewegendes Buch mit echtem Gänsehautfaktor! Wer kriminell-dramatische Geschichten mag, wird von „Hôtel Atlantique“ begeistert sein.

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