Valerie Schönian

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Autor von Halleluja.

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Halleluja

Halleluja

 (4)
Erschienen am 19.03.2018

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Rezension zu "Halleluja" von Valerie Schönian

Halleluja
BirPetvor 7 Monaten

Valerie Schönian, Journalistin, Feministin, Mitte 20, politisch linksorientiert, kirchenfern, lebend in der Urbanität Berlins versucht die katholische Kirche zu verstehen und das im Rahmen eines sehr interessanten Projekts. Sie begleitet für ein Jahr den absolut konservativen 38 Jährigen Priester Franziskus von Boeselager aus dem ländlichen Roxel bei Münster in seinem Leben für jeweils zwei Wochen im Monat und versucht seine Welt durch seine Augen zu betrachten und zu verstehen. 

Der Leser begleitet Valerie bei ihrem Projekt und erlebt das Kirchenjahr hinter den Kulissen und was der Job "Priester" bedeutet, ausser den Messwein alleine zu trinken und Sonn- und Feiertags arbeiten zu müssen. Erlebt Valerie und Franziskus bei Diskussionen um die existentiellen Fragen des Lebens oder entspannten DVD-Abenden, Bekehrungsversuche inklusive natürlich. 

Zunächst fiel mir, wie so oft das Cover des Buches auf, denn dies sehr dezent in den Vatikansfarben, weiß-gelb zu halten finde ich perfekt,
Meine größte Frage war nachdem ich den Klappentext gelesen habe, ob das gut gehen kann? Die Frage, wie dieses Projekt 12 Monate durchzuhalten ist,  in eine fremde Welt alle zwei Wochen abzutauchen? Wird sie Nonne? Legt er seinen Kollar nieder? Oder muss es gar nicht immer schwarz und weiß sein? Das Buch hatte meine Neugierde geweckt und ich wurde quasi wie Eva zum Apfel zum Lesen verführt.

Schönians Schreibstil ist sehr flüssig, so leicht, dass ich über die Worte flog und mich völlig auf den Inhalt konzentrieren konnte. Alles was sie beschreibt, Personen, Umgebung, Räume, Eindrücke, aber auch Gefühle sah ich vor meinem inneren Auge und steckte ehe ich mich versah mit im Gedanken- und Gefühlschaos. 
Ich war völlig gefesselt, begleitete also nicht nur den Versuch den Katholizismus zu verstehen, sondern besuchte lesend Messen, Gemeindemitglieder, den Weltjugendtag, erkundete Rom, stellte mich den großen Fragen des Lebens nach Glaube, Liebe, Hoffnung, Tod, Gleichberechtigung, Gerechtigkeit, Machtmissbrauch, Freiheit, Liberalismus und noch vielem mehr.
Dieses Buch hat für viel Gesprächsstoff gesorgt, denn wenn man zBspl. einfach mal in eine Runde fragt "und, glaubt ihr an Gott?" sind die Blicke sehr interessant und die Antworten auch. Verwirrung ist dabei auf jeden Fall garantiert und gute Gespräche ebenso.

Ein sehr gut geschriebenes Buch, welches sich liest wie ein Roman, jedoch nicht der Fiktion der Autorin entsprungen, sondern dem wahren Leben.
Ich bin zutiefst beeindruckt von Valerie Schönian und Franziskus von Boeselager, vor deren Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Mut, Geduld, Toleranz und Selbstreflexion. 
Eine ganz klare Leseempfehlung, egal ob gläubig oder nicht.

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Rezension zu "Halleluja" von Valerie Schönian

Raus aus der Blase
yellowdogvor 9 Monaten

Ein Buch mit einem sehr interessanten Thema. Ich bin kein Blog-Leser, daher froh, dass dieses Buch jetzt da ist und man das einjährige Zusammentreffen und Auseinandersetzen zwischen einer Journalistin und einem katholischen Priester lesen kann. Anfangs dachte ich Valerie Schönian würde sich dem Thema nur oberflächlich nähern, aber mit der Zeit entfalten sich die Qualitäten eines ordentlichen Journalismus. Sie lässt sich auf die Themen ein, ohne dabei auf ihre eigene Meinung zu verzichten, ist aber auch bereit, sich auf die andere Meinung einzustellen und alles zu überdenken. Kennzeichnend dafür ist z.B. ihr Eindruck vom Zusammenhalt der Menschen auf dem Jugendtag in Polen, als auch sie den Rausch spürt. Das kann man als Leser gut nachvollziehen. Oft gibt es aber auch keine Annäherung. Valerie Schönian lässt es sich nicht nehmen, auch die unbequemen Themen einzubringen, die fatalen Verfehlungen der katholischen Kirche. Sie macht es aber auf eine lockere Art, die es überhaupt erst ermöglicht, weiterzudenken. Der Priester Franziskus ist zwar eher konservativ, aber nicht unsympathisch. Das Thema konservative gegen reformwillige Katholiken ist überhaupt zur Zeit ein großes Thema. Durch dieses Buch kann der reformbefürwortende Leser die „Gegenseite“ auf eine geeignete Weise kennen lernen und aus der eigenen Blase heraustreten. Bewegende Szenen gibt es, wenn Valerie Franziskus von Boeselange auf seiner seelsorgerischen Tätigkeit begleitet. Für interessierte ist dieses Buch nicht gerade langweilig!

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Buchraettins avatar

Rezension zu "Halleluja" von Valerie Schönian

Ein Mann und eine Frau- ein Jahr- eine Journalistin und ein Priester
Buchraettinvor 9 Monaten

Ein Mann und eine Frau- ein Jahr- eine Journalistin und ein Priester- eine Art Experiment- die katholische Kirche zu verstehen.
Das Thema fand ich faszinierend, ebenso die Konstellation der beiden.
Sie 1990 geboren, Journalistin, Feministin, wie im Innenband des Buches steht, spielt Glaube für sie keine Rolle.
Er, Franziskus von Boeselager, er studierte ein duales Studium BWL in Hamburg, den praktischen Teil in Köln und fing hier an Gebetskreisen teilzunehmen. Den Lebenslauf erfährt der Leser im Buch, wie es weiterging.
Ein Jahr schreibt sie einen Blog „ Franziska und der Priester“ und dann dieses Buch.
Ein Jahr lang begleitet die Journalistin ihn, nimmt an Gottesdienst teil stellt ihm Fragen zum Glauben, Gott, der Kirche, Jesus, den Frauen, Sex, Zölibat und dem Missbrauchs Skandal.
Mir gefällt es in Sachbüchern immer sehr, ein Inhaltsverzeichnis zu Beginn zu finden und da dann auch mal gezielt nachlesen zu können, bei Themen, die einen Leser besonders interessieren, so wie in diesem Buch.
Der Stil des Buches ist sehr lebendig, ich fand es wurde schon auf eine sachliche Distanz und Objektivität wert gelegt, aber wie sie auch selbst sagt, es fiel ihr immer wieder schwer, diese einzuhalten.
Sie stellt ihm Fragen und er antwortet. Sie stellt weitere Fragen, die auch den Leser zum Nachdenken anregen. Es wird wie ich finde,  keine Wertung getroffen, das kann jeder Leser für sich selbst entscheiden.
Im Buch werden auch katholische Gottesdienste erklärt, Firmung, Hostie- im Anhang findet sich noch ein Glossar, in dem Begriffe nachgeschaut werden können.
Ich fand es interessant zu lesen. Gerade weil sie eine Frau ist und ihn auch mit Fragen konfrontiert, warum es eine von Männern dominierte Welt ist, warum es das Zölibat gibt, warum diese Vorschriften, warum möchte jemand so leben und sie hinterfragt seine Ansichten auch kritisch.
Sehr gefallen hat mir auch, dass der Priester im Nachwort noch zu Wort kommt. Er stellt hier auch klar, es sind seine Ansichten und er verkörpert nicht die ganze katholische Kirche.
Gelungen war auch der Einband des Buches. Hier finden sich Fotos aus diesem einem Jahr.
Sie beobachtet, beschreibt, hinterfragt – ein Buch, das innformativ ist, aber auch Fragen stellt, die den Leser nachdenken lassen und auffordern sich selbst ein Bild zu machen.
Im Buch kommen immer beide zu Wort, ihre Fragen, seine Antworten, ihre Gedanken.
Ein Sachbuch, wie eine Art  persönliches Experiment, ein Jahr immer wieder Aufeinandertreffen zwischen zwei so verschiedenen Welten- wie eine Art Brücke.

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