Mein Gesamteindruck
Leider war „Insomnia“ so gar nicht meins. 😬 Dabei hatte die Ausgangslage eigentlich alles, was mich normalerweise zuverlässig anlockt: Vampirin, Inkubus, Traumreich und ein Nachtclub. Ich war also durchaus bereit, mich verführen zu lassen – nur leider hat es bei mir nicht gefunkt. 😂 Die Idee rund um die Inkuben fand ich tatsächlich spannend, gerade weil sie in der Fantasy deutlich seltener im Mittelpunkt stehen. Auch der Club hatte Atmosphäre und die doppelte Ich-Perspektive hat mir gefallen. Ansonsten blieb bei mir aber vieles erstaunlich blass. Die Geschichte greift für meinen Geschmack sehr tief in die Romance-Trope-Schublade und arbeitet anschließend ziemlich zuverlässig alles ab, was darin liegt. Dazu kamen Figuren, mit denen ich mich schwergetan habe, und eine Erotik, die zwar detailliert, für mich aber eher technisch als sinnlich war. Schade, denn aus dieser ungewöhnlichen Kombination hätte für mich deutlich mehr entstehen können.
⭐️⭐️✨, die ich aus Respekt vor der Leistung der Autorin aufrunde.
Stärken
- interessante Kombination aus Vampirin und Inkubus 🧛♀️
- die Idee rund um das Traumreich
- anschauliche Beschreibung des Clubs „Insomnia“
- gelungene doppelte Ich-Perspektive
- respektvoller und einvernehmlicher Umgang der beiden Hauptfiguren
- einige Eastereggs zu anderen Büchern der Autorin
Schwächen
- für mich sehr vorhersehbare Handlung
- viele bekannte Tropes, die wenig variiert werden
- Love-Interest blieb für mich blass
- Protagonistin war mir durch ihr Verhalten häufig unsympathisch
- Dialoge wirkten stellenweise sehr direkt und wenig natürlich
- Erotik blieb für mich eher technisch als sinnlich
- viel Erklärung rund um die Inkuben, ohne dass deren Besonderheiten emotional spürbar wurden
- für mich verschenktes Potenzial bei Vampiren, Inkuben und Traumreich
- das Schwangerschaftsthema wirkte auf mich eher deplatziert
- Entwicklung der Protagonistin war mir zu stark an die Beziehung gekoppelt
Meine Eindrücke beim Lesen
Mein größtes Problem mit „Insomnia“ war tatsächlich das verschenkte Potenzial. Denn seien wir ehrlich: Eine Vampirin und ein Inkubus? Da hatte ich Erwartungen. 😄 Dazu ein Traumreich und ein Nachtclub namens „Insomnia“ – ich bin interessiert!
Gerade Inkuben finde ich als fantastische Wesen richtig spannend. Vampire kennt man inzwischen in ungefähr allen möglichen Varianten. Inkuben dagegen haben wesentlich mehr Möglichkeiten, etwas Eigenständiges daraus zu machen. Fremdartig, verführerisch, vielleicht ein bisschen gefährlich – und vor allem mit einer ganz eigenen Mythologie.
Leider habe ich beim Lesen irgendwann gedacht: Moment, wo ist eigentlich der Inkubus geblieben?
Denn obwohl viel über seine Fähigkeiten, seine Lebensweise und die Welt der Inkuben erklärt wird, habe ich das Außergewöhnliche daran erstaunlich wenig gefühlt. Ich wusste irgendwann ziemlich genau, was ein Inkubus kann. Ich hatte aber nicht das Gefühl, dass ich gerade einem Wesen begegne, das eben kein Mensch ist.
Stattdessen kam bei mir immer wieder der Eindruck auf, dass hier eine ziemlich klassische Romance-Geschichte stattfindet und man anschließend noch ein paar übernatürliche Accessoires daraufgelegt hat. 🙄
Auch bei den Tropes war ich irgendwann gut beschäftigt mit innerlichem Bingo-Abhaken. Attraktiver Mann? Check. Erfolgreich? Natürlich. Eigener angesagter Club? Aber sicher. Dreistelliges Lebensalter. Aber natürlich. Andere Frauen finden ihn heiß? Selbstverständlich. Er interessiert sich trotzdem ausschließlich für sie? Na klar. Besondere Verbindung? War ja eigentlich nur eine Frage der Zeit.
Das muss überhaupt nichts Schlechtes sein. Romance lebt schließlich von bestimmten Mustern und Erwartungen. Nur brauche ich persönlich dann noch etwas, das mich überrascht oder emotional packt. Und genau das hat mir hier gefehlt.
Mit Emilia hatte ich leider ebenfalls so meine Schwierigkeiten. Nicht, weil eine Protagonistin sympathisch sein muss. Ganz im Gegenteil – ich mag eigenwillige Figuren durchaus. Aber bei ihr stimmten für mich Selbstbeschreibung und Verhalten immer wieder nicht so richtig überein.
Sie beschreibt sich „eigentlich“ als ruhig und zurückhaltend, reagiert dann aber durchaus provokant. Sie bezeichnet sich „eigentlich“ als nicht eifersüchtig und ist es anschließend doch. Sie sagt am Ende des Romans, dass sie“eigentlich“ nicht so kurze Bekleidung trägt und sitzt gleichzeitig mit etwas sehr kurzem da. Diese „eigentlich“ Stellen hatten wir ein halbes Dutzend mal im Roman.
Natürlich dürfen Menschen widersprüchlich sein. Das macht Figuren sogar interessant. Bei mir wirkte es allerdings nicht wie bewusst gesetzte Ambivalenz, sondern eher so, als würde mir die Figur erklärt, während ich beim Lesen etwas anderes erlebe. Und leider war das Erlebte für mich meist ausschlaggebender. 😅
Dadurch wurde Emilia mir zunehmend unsympathisch, und wenn ich mit der Hauptfigur nicht richtig mitfühle, hat es eine Liebesgeschichte naturgemäß ziemlich schwer.
Seth hat es bei mir ebenfalls nicht geschafft, richtig greifbar zu werden. Dabei mochte ich durchaus, dass er rücksichtsvoll ist und auf Einvernehmlichkeit achtet. Das fand ich angenehm und positiv. Nur fehlte mir bei ihm etwas, das ihn als Inkubus wirklich besonders gemacht hätte.
Ich hätte mir mehr Fremdartigkeit gewünscht. Vielleicht ein bisschen mehr Gefahr. Mehr dieses Gefühl von „Oh, das ist faszinierend – und möglicherweise sollte ich besser nicht vergessen, dass er ein übernatürliches Wesen ist.“
Stattdessen war er für mich stellenweise fast schon erstaunlich normal.
Und damit sind wir bei meinem persönlichen Lieblingsproblem: Diese Geschichte hätte so viel ungewöhnlicher sein können.
Das zeigt sich für mich besonders bei den Dialogen. Manche waren mir einfach zu plump und wirkten eher wie ein Mittel zum Zweck, um Informationen unterzubringen. Ein Beispiel, bei dem ich beim Lesen wirklich kurz innegehalten habe, ist dieser Austausch:
„Was machst du eigentlich, um so durchtrainiert zu sein.?“
„Sport, aber ich habe gut Gene. Die Bewegung ist ein wichtiger Ausgleich für den ganzen Papierkram….“
Da saß ich dann und dachte: Nein, Sport, also. Wie überraschend und detailreich erklärt! Okay. Das war jetzt… ein Gespräch. 😂
Natürlich muss nicht jeder Dialog brillant sein. Aber gerade bei einer romantischen Geschichte, in der die Chemie zwischen zwei Menschen eine so zentrale Rolle spielt, möchte ich die Anziehung auch in den Gesprächen spüren. Hier hatte ich dagegen öfter das Gefühl, dass die Figuren Informationen austauschen, weil der Leser sie eben noch braucht.
Auch die Erotik konnte mich leider nicht überzeugen. Sie ist detailliert beschrieben, aber genau das hat bei mir nicht automatisch für Spannung oder Sinnlichkeit gesorgt. Im Gegenteil: Durch die genaue Beschreibung von Bewegungen und Körperlichkeit wirkte manches auf mich eher technisch.
Besonders bezeichnend fand ich diese Stelle:
„Es fühlt sich großartig an. Ohne Eile erkunden wir einander.“
Und ich war ehrlich gesagt sofort bei: Ernsthaft? Großartig? 🙈
Ich frage mich beim Lesen tatsächlich: Was fühlt sich großartig an? Und wie erkunden sie einander? Wo? Wie genau? Was löst es emotional in ihnen aus?
Für mich entsteht Sinnlichkeit eben nicht dadurch, dass man feststellt, dass etwas „großartig“ ist. Ich möchte es fühlen, nicht gesagt bekommen.
Gerade im Traumreich hätte man daraus etwas wirklich Besonderes machen können. Das Setting schreit für mich geradezu nach Atmosphäre, ungewöhnlichen Sinneseindrücken und einer Erotik, die sich von einer normalen Szene unterscheidet. Stattdessen blieb bei mir vieles erstaunlich nüchtern. 🙈
Richtig gut vorstellen konnte ich mir dagegen den Club. Das „Insomnia“ hatte für mich tatsächlich Atmosphäre. Dort hatte ich ein klares Bild im Kopf und mochte das Setting. Auch die wechselnden Ich-Perspektiven haben für mich gut funktioniert und waren eine der Sachen, die ich wirklich gerne gelesen habe.
Dann kommt mit Seba noch eine Gegenspielerin dazu, die etwas mehr Bewegung in die Handlung bringt. Das war grundsätzlich angenehm, konnte mein grundlegendes Problem mit der Geschichte aber nicht mehr ganz lösen.
Etwas ratlos hat mich außerdem das Schwangerschaftsthema zurückgelassen. Emilia macht mehrfach deutlich, dass sie in dieser Hinsicht eigentlich andere Prioritäten hat. Das macht inhaltlich und in ihrem Charakter Sinn. Aber dann kann man den Trope doch weglassen. Ich mag es nicht, wenn Frauen darauf reduziert werden.
Am Ende bekam ich auch noch bei Emilias Entwicklung Probleme (die Unterwäsche-Szene). Dass ein anderer Mensch einem Mut machen und dabei helfen kann, über sich hinauszuwachsen, finde ich völlig nachvollziehbar. Mir war es hier nur etwas zu stark daran gekoppelt, dass Seth derjenige ist, durch den sie diese Entwicklung überhaupt erst vollzieht.
Ich mag es lieber, wenn eine Figur sich selbst entwickelt und eine Beziehung diese Entwicklung begleitet – nicht wenn die Beziehung das Fundament dafür ist. Ich frage mich dann immer, was von der Person ohne die Beziehung noch bleibt.
Und so blieb bei mir am Ende vor allem ein großes „Schade.“
Denn ich möchte ausdrücklich sagen: Ich sehe, was an „Insomnia“ funktionieren kann. Die Geschichte hat eine klare romantische Ausrichtung, die fantastischen Elemente sind vorhanden, die Beziehung der beiden Hauptfiguren ist grundsätzlich respektvoll gestaltet und die Idee mit den Inkuben ist interessant.
Nur hat es mich persönlich nicht erreicht.
Für mich fühlte es sich irgendwann weniger nach einer magischen Fantasy-Romanze mit Vampirin und Inkubus an und mehr nach einer ziemlich normalen Büro-Romanze – nur dass beide besondere Ernährungsgewohnheiten haben.
Das ist natürlich eine sehr persönliche Wahrnehmung und keine objektive Bewertung der Geschichte. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Leser*innen, die klassische Romance-Tropes, eine eher geradlinige Liebesgeschichte und einen starken Fokus auf Beziehung mögen, hier sehr viel mehr Freude haben werden.
Bei mir hat dagegen vor allem die Frage zurückgelassen, was aus dieser wirklich interessanten Ausgangsidee hätte werden können, wenn sie noch stärker in Richtung Fantasy, Atmosphäre und Charakterentwicklung gegangen wäre.
Und genau deshalb fällt mein Urteil trotz aller Kritik respektvoll aus: Es war einfach nicht meine Geschichte. ❤️
Fazit & Empfehlung
„Insomnia“ hatte für mich eine richtig interessante Ausgangsidee, konnte das darin steckende Potenzial aber leider nicht ausschöpfen. Besonders die Kombination aus Vampirin, Inkubus und Traumwelt hätte für mich etwas deutlich Eigenständigeres und atmosphärisch Besonderes ergeben können.
Stattdessen waren mir Handlung und Romance zu vorhersehbar, die Figuren zu wenig greifbar und die Erotik trotz vieler Details zu wenig sinnlich. Gleichzeitig gab es durchaus Dinge, die mir gefallen haben – allen voran das Setting des Clubs und die Idee rund um die Inkuben.
Mit 2,5 ⭐️ bleibt deshalb vor allem ein: Schade, das hätte mich richtig kriegen können.
Empfehlen würde ich das Buch Menschen, die romantische Fantasy mit klassischen Romance-Tropes, einer geradlinigen Liebesgeschichte und einem starken Fokus auf das Paar-Tropes mögen. Wer dagegen vor allem wegen der fantastischen Wesen kommt und sich eine düstere, ungewöhnliche Welt mit viel Atmosphäre, komplexeren Figuren und einer etwas außergewöhnlicheren Geschichte erhofft, könnte – wie ich – am Ende etwas mehr erwartet haben. 🧛♀️🌙✨


























