Vanessa Springora

 4,5 Sterne bei 6 Bewertungen

Lebenslauf von Vanessa Springora

Vanessa Springora wurde am 16. März 1972 geboren und studierte an der Sorbonne Universität Literatur. Seit 2006 arbeitet sie als Lektorin des Verlages Editions Julliard, den sie ab 2021 leiten wird. Ihr autobiographischer Text "Le consentement" (Die Einwilligung) erschien im Januar 2020 im Grasset Verlag und löste ein literarisches Erdbeben aus, weit über Frankreich hinaus.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Vanessa Springora

Cover des Buches Die Einwilligung (ISBN: 9783453361102)

Die Einwilligung

 (5)
Erscheint am 10.01.2022
Cover des Buches Consent (ISBN: 9780063060388)

Consent

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Erschienen am 01.12.2020

Neue Rezensionen zu Vanessa Springora

Cover des Buches Die Einwilligung (ISBN: 9783453361102)Elenchen_hs avatar

Rezension zu "Die Einwilligung" von Vanessa Springora

Erschütternd
Elenchen_hvor einem Monat

Mitte der 80er Jahre in Paris: Die 13-jährige Vanessa Springora lernt auf einem Abendessen der Verlagsbranche den 36 Jahre älteren Autor G. M. kennen. Sie ist geschmeichelt von dessen Aufmerksamkeit, lässt sich von den zahlreichen auf diesen Abend folgenden Liebesbriefen einfangen - und in eine Beziehung führen, in der G. M. sowohl auf sexueller, als auch auf psychologischer Ebene die Macht inne hat. Als sie ihm wenige Jahre und etliche Affären später zu alt wird, kann sich Vanessa nach und nach aus der Beziehung lösen, doch der dadurch angerichtete Schaden wirkt sich auch heute noch auf ihr Leben aus. G. M. veröffentlicht in der Zwischenzeit mehrere Bücher über seine Beziehung mit der Minderjährigen Vanessa, ohne vorher ihr Einverständnis einzuholen.


Durch ihr autobiographisches Buch "Die Einwilligung" setzt Vanessa Springora G. M. nun aber etwas entgegen: ihre eigene Stimme. Sie bricht ihr Schweigen und erzählt die Geschichte ihrer Beziehung, des Machtmissbrauchs seitens G. M. und sein konsequentes Ausnutzen der Schwachen. Und sie berichtet, wie alleine sie gelassen wurde: Ihre Mutter wusste von der Beziehung zwischen der Minderjährigen und dem 50jährigen, tat aber nichts dagegen - vielmehr lud sie G. M. noch zu gemeinsamen "Familienessen" nach Hause ein. Die Polizei erhielt anonyme Briefe über den Missbrauch, ermittelte aber nur halbherzig. Die Gesellschaft wusste sie auch nicht auf ihrer Seite, denn gerade in den 70er und 80er Jahren gab es in Frankreich in der linken Intellektuellenszene eine Bewegung, die sich stark machte für die freie Entfaltung der Sexualität. Sie wurde unter anderem unterstützt von prominenten Autor*innen wie Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre - und forderte in diesem Zusammenhang, das Strafrecht bei Beziehungen zwischen Erwachsenen und Minderjährigen zu lockern, das Einvernehmen zwischen den Beteiligten vorausgesetzt. Das hat mich besonders schockiert, denn ist es Minderjährigen überhaupt möglich, hier ein Einvernehmen zu erteilen? Die Autorin meint: Nein. Und dass sie Jahre später immer noch unter den psychischen Folgen der Beziehung zu leiden hat, spricht wohl Bände.


Der Autor konnte bis zur Veröffentlichung des Buches jedoch in Ruhe und mit Erfolg sein Leben weiterleben - und seine Neigungen weiter ausleben. In seinen Büchern spricht er ganz offen über sein sexuelles Interesse an minderjährigen Jungen und Mädchen. Er hält mit seiner Pädophilie nicht hinter dem Berg, wird 2013 jedoch trotzdem mit einem französischen Literaturpreis ausgezeichnet und darf in zahlreichen Talkshows auftreten. Für mich absolut unfassbar.


Vanessa Springora hat es mit "Die Einwilligung" geschafft, den Menschen die Augen für ihre Geschichte zu öffnen. Sie kommt dabei ohne wüste Anklage aus, legt vielmehr die Fakten dar und schafft es durch ihren nüchternen Schreibstil, dass das Buch noch erschütternder wirkt. In diesen unter 200 Seiten steckt so viel Schockierendes und so viel Zündstoff - ich kann wirklich nur allen, die sich mit diesem Thema auseinander setzen können, raten, das Buch zu lesen. 


"Ich wollte ihn in ein Buchgefängnis sperren, weil er das auch mit mir gemacht hat und mit all den anderen Mädchen und Kindern. Meine Hoffnung ist, dass er meine Worte wahrnimmt, wenn ich ihn auf seinem eigenen Terrain begegne." - Vanessa Springora, "Die Einwilligung"

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Cover des Buches Die Einwilligung (ISBN: 9783896676832)TochterAlices avatar

Rezension zu "Die Einwilligung" von Vanessa Springora

Ganz normal!
TochterAlicevor 4 Monaten

Als ganz normal empfanden das Umfeld der erst 13jährigen V., wie sich Vanessa Springora in ihrem bitteren Tatsachenbericht selbst nennt, ihre Beziehung mit dem fast 30 Jahre älteren G.M., der volle Name ist schnell gegoogelt. Ihre eigene Mutter erlaubte ihr, in den jungen Jahren mit dem Mann zusammenzuleben, obwohl sie sich doch denken konnte, was dort stattfand. Und nicht nur sie, es wurden von den berühmtesten der Berühmten der französischen Kulturszene Petitionen unterschrieben, die derartige Verbindungen befürworteten.

Und G.M. schrieb völlig offen darüber, jahrelang! Und obwohl man inzwischen in Frankreich etwas anders auf die Dinge blickt, ist er bis heute nicht strafrechtlich verurteilt worden. Und in den 70er und 80er Jahren wurde er zu diversen Fernsehshows eingeladen, in denen seine "Neigung" durchaus wohlwollend diskutiert wurde.

Kein Wunder, dass V. ihre Beziehung - man konnte sie durchaus als eine feste bezeichnen - jahrelang selbst als vollkommen normal empfand, ohne sich Gedanken darüber zu machen, welche Rolle sie selbst darin einnahm: definitiv keine gleichberechtigte, zumal G.M. durchaus noch was nebenher am Laufen hatte.

Das er sie ihrer Jugend beraubte, das ist ihr erst Jahre später klar geworden. Wobei das nur eine seiner Untaten war. Sie berichtet fast lakonisch darüber, wenn es auch gelegentlich aus ihr herausbricht. Ich konnte stellenweise kaum weiterlesen, fühlte mich ebenso ohnmächtig wie dankbar, dass meine Eltern das alles gottseidank schon damal ganz anders gesehen haben. Schwere und wichtige Kost - und alles andere als normal!

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Cover des Buches Le consentement (Littérature Française) (French Edition) (ISBN: B082DJV722)miss_mesmerizeds avatar

Rezension zu "Le consentement (Littérature Française) (French Edition)" von Vanessa Springora

Vanessa Springora - Le consentement
miss_mesmerizedvor einem Jahr

« La littérature excuse-t-elle tout ? »

C’est une des multiples questions que Vanessa Springora pose dans son livre « Le consentement » qui a peut-être provoqué le plus grand scandale littéraire de l’année 2020. L’éditrice raconte l’histoire comment elle, à l’âge de seulement quatorze ans, a été séduite par Gabriel Matzneff, un ami de sa mère et auteur reconnu qui a franchement parlé dans ses livres de sa préférence sexuelle pour les très jeunes filles et garçons sans que jamais quelqu’un aurait désapprouvé. C’est l’histoire d’une fille qui se sent aimée, qui comprend que ce qu’elle vit doit se passer à l’ombre comme ce n’est pas tout à fait accepté moralement, mais qui, en même temps, ne se voit pas comme « victime », mais comme une jeune femme qui aime. C’est seulement quand elle se reconnaît dans les récits de l’auteur qu’elle se sent abusée et qu’elle développe le désir de s’emparer de son propre histoire.


Il est vraiment difficile de ne pas avoir entendu parler de l’affaire Matzneff et ce sont les nombreux articles de journaux et reportages radiophoniques qui m’ont intrigués à lire le livre de Vanessa Springora. A mon avis, c’est un document à ne pas rater, non seulement pour soi-même se forger une opinion en ce qui concerne le scandale, mais avant tout, parce qu’elle permet de suivre ses pensées et ses sentiments en temps de son relation avec Matzneff qui ne correspond pas du tout à l’idée d’un abus de mineurs mais qui est beaucoup plus compliquée et pour cette raison intéressante.


Avant tout, « Le consentement » est un document de la pensée des soixante-huitards. La relation d’un quinquagénaire avec une adolescente est inimaginable aujourd’hui, selon l’idée de la liberté totale, il n’y a rien de choquant, au contraire, l’initiation devient presqu’une obligation. Quoique ce soit difficile à accepter, il y a une certaine logique comme dans la vision du monde de la jeune Vanessa pour qui l’intérêt et l’admiration d’un homme aide à devenir vivante. Au moment où elle est ensemble avec l’auteur, c’est seulement savourer le jour, c’est beaucoup plus tard qu’elle va éprouver vraiment les conséquences de cette relation.


Ce qui est étonnant et certainement choquant, c’est que tant d’adultes avaient connaissance de cette liaison singulière mais aucun d’entre eux – même pas ses parents et ses profs ! – la désapprouvait ou prenait des mesures pour protéger la fille. Peut-être que vraiment les temps ont changés – au moins le fait que le scandale est bien existant et ainsi fait preuve de cela – mais c’est peu compréhensible aujourd’hui comment au vu et au su de tout le monde cela se pouvait dérouler. 


A part du contenu totalement captivant, c’est aussi la manière de raconter que j’ai adorée et qui évoquait plutôt un entretien avec une amie qu’un roman.

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