Das Buch der vergessenen Artisten

von Vera Buck 
4,2 Sterne bei5 Bewertungen
Das Buch der vergessenen Artisten
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KrisTinas avatar

Gutes Buch, das mich aber nicht erreichen konnte....

sursulapitschis avatar

Ein Buch mit Sogwirkung, amüsiert und berührt und steigert sich zu einem nervenzerfetzenden Drama.

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Inhaltsangabe zu "Das Buch der vergessenen Artisten"

Die wundersame Welt des Jahrmarkts, dramatische Zeiten und eine Liebe, die auch die größte Dunkelheit erhellt …
Deutschland, 1902. Mathis ist der dreizehnte Sohn eines Bohnenbauern, sein Leben zwischen Äckern und Feldern scheint vorherbestimmt. Erst als der Jahrmarkt im Dorf Einzug hält, bekommt Mathis eine Ahnung von der großen, weiten Welt jenseits der Hügel, die den Ort umgeben. Eine Welt, in der elektrische Wunder, Kuriositäten und schillernde Showbühnen auf ihn warten und in der auch er einen Platz haben will. Zusammen mit den Schaustellern begibt sich Mathis auf eine außergewöhnliche Reise.
Nach über dreißig Jahren als Röntgenkünstler lebt Mathis mit seiner Partnerin, der Kraftfrau Meta, in einer Wohnwagensiedlung am Rande Berlins. Es sind düstere Zeiten für die Artisten: Auftrittsverbote werden verhängt, Bühnen dichtgemacht. Doch in geheimen Clubs und Künstlertreffs lebt die Vergangenheit weiter. Genau wie in dem Buch, an dem Mathis schreibt – einem Buch, das Geheimnisse birgt und unter keinen Umständen in die falschen Hände geraten darf …

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783809026792
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:752 Seiten
Verlag:Limes
Erscheinungsdatum:10.09.2018

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    KrisTinas avatar
    KrisTinavor einem Tag
    Kurzmeinung: Gutes Buch, das mich aber nicht erreichen konnte....
    Gegen das Vergessen...

    Worum geht's in dem Buch?


    Deutschland, 1902. Mathis ist der dreizehnte Sohn eines Bohnenbauern, sein Leben zwischen Äckern und Feldern scheint vorherbestimmt. Erst als der Jahrmarkt im Dorf Einzug hält, bekommt Mathis eine Ahnung von der großen, weiten Welt jenseits der Hügel, die den Ort umgeben. Eine Welt, in der elektrische Wunder, Kuriositäten und schillernde Showbühnen auf ihn warten. Und so begibt sich Mathis mit den Schaustellern auf eine außergewöhnliche Reise. 

    Nach über dreißig Jahren als Röntgenkünstler lebt Mathis mit seiner Partnerin, der Kraftfrau Meta, in einer Wohnwagensiedlung am Rande Berlins. Es sind düstere Zeiten für die Artisten: Auftrittsverbote werden verhängt, Bühnen dichtgemacht. Doch in geheimen Clubs und Künstlertreffs lebt die Vergangenheit weiter. 
    Genau wie in dem Buch, an dem Mathis schreibt - einem Buch, das Geheimnisse birgt und unter keinen Umständen in die falschen Hände geraten darf...

    Hat mich das Buch begeistert?

    Ich würde sagen, leider nur streckenweise. 

    Auf knapp 750 Seiten, die kapitelweise je zwei Handlungsstränge auf zwei Zeitebenen behandeln, erfahren wir, mit welchen Schwierigkeiten und Vorurteilen das sogenannte Schausteller- und Artistengewerbe damals zu kämpfen hatte. Obwohl das Buch mit einer guten Prise schwarzem Humor und vielen historischen Fakten gespickt ist, hatte es für mich so seine Längen. Sehr witzig fand ich, dass Mathis und Meta in all den Jahren auf diverse bekannte und unbekannte Persönlichkeiten treffen wie z.B. Charlie Chaplin, Agatha Christie aber auch auf Adolf Hitler, der erfolglose Kunststudent aus der Nachbarwohnung. Das erinnerte mich ein wenig an "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand".  

    Die Autorin hat einen guten Schreibstil, einfach und mit nicht allzu langen Sätzen - das gefiel mir wirklich gut. Wenn da nicht teilweise die inhaltlichen Längen gewesen wären.... das hat mir zeitweise das Lesen wirklich erschwert und ich muss gestehen, dass ich gerade zum Ende hin, ab und zu quergelesen habe. 

    Die Handlung an sich konnte mich eher mäßig packen, nicht zuletzt auch, da mir die Personen (und davon gab es viele) einfach zu blass und wenig persönlich beschrieben wurden. Selbst die Beziehung zwischen Mathis und Meta war mir einfach zu wenig emotional. 

    Kurzum: ein eigentlich tolles Thema, das auch wunderbar auf 500 Seiten hätte verpackt werden können. 

    Bewertung: 3 Leserillen 

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    sursulapitschis avatar
    sursulapitschivor 11 Tagen
    Kurzmeinung: Ein Buch mit Sogwirkung, amüsiert und berührt und steigert sich zu einem nervenzerfetzenden Drama.
    Ein neues Lieblingsbuch

    Was wunderbares Buch. Man taucht ein und kann es nicht mehr weglegen. Mir hatte schon „Runa“ sehr gefallen, aber dieses Buch toppt es noch einmal.
    Vera Buck sucht sich Nischen, historische Randbereiche, von denen nicht so oft erzählt wird. Das ist toll, hoch interessant und schafft ungewöhnliche historische Romane.
    Hier geht es um Artisten, Schausteller, Zirkusmenschen, die sonst gelegentlich als Kuriosität in Büchern auftauchen. Hauptfiguren sind sie selten, dabei ist ihr Leben wirklich erzählenswert.

    Mathis und Meta sind ein ungleiches Paar. Mathis ist Durchleuchtungskünstler. Mit einem Röntgenapparat zieht er von Markt zu Markt und lässt die Zuschauer ihr Inneres betrachten, 1904 ist das ein großer Spaß. Er ist glücklich mit diesem Leben, nur seine Gesundheit macht ihm ein wenig zu schaffen. Meta, die Kraftfrau, hat nur eine Schwäche. Ihr Bruder Ernsti ist auf sie angewiesen. Ernsti spricht nicht, hat aber immer wieder heftige Wutausbrüche. Man muss gut auf ihn aufpassen. 


    Ihre Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt, die sich abwechseln. 1902 ist Mathis 15 Jahre alt und 13. Sohn eines Bohnenbauers. Mehr oder weniger durch Zufall landet er im Schaustellergewerbe.
    1935 beginnt er ein Buch zu schreiben. Als mit dem Beginn der Naziherrschaft immer mehr seiner Freunde und Kollegen grundlos verschwinden, schreibt er ihre Geschichten auf. Das Buch der vergessenen Artisten.

    Mit feiner Ironie, bisweilen recht schwarzem Humor, erzählt Vera Buck von Mathis und Meta, aber auch von zahlreichen anderen Berühmtheiten, bekannten und unbekannten. Hansi Elastik, der Hautmensch und Olga, das Kolossalmädchen haben ebenso ihren Auftritt, wie der junge Charlie Chaplin oder Metas seltsamer Nachbar, der Kunststudent mit Namen Hitler.
    Sehr seltsam wirkt für uns heute dieser Zeitgeist, wo besondere Menschen als Kuriositäten ausgestellt wurden, Völker- und Tierschauen gleichermaßen interessant waren, das Geschäft mit der Sensationsgier immer halsbrecherische Vorführungen hervorbrachte, bis das Naziregime einen Trendwechsel einleitete. Weder Kolossalmädchen noch Kraftfrauen entsprachen dem arischen Idealbild, Fremdländisches wurde verbannt und nicht bewundert, fahrendes Volk war plötzlich unerwünscht.

    Die Autorin schafft es mit leichter Hand, historische Fakten mit einer wirklich fesselnden Geschichte zu verbinden. Es amüsiert und berührt und steigert sich zu einem nervenzerfetzenden Drama. Dieses Buch hat Sogwirkung.
    Ich bin wieder einmal sehr begeistert, habe ein neues Lieblingsbuch und freue mich jetzt schon auf das nächste Buch von Vera Buck.

    Kommentare: 1
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    Aleshanees avatar
    Aleshaneevor 14 Tagen
    Kurzmeinung: Sehr lebendig und anschaulich, aber von der Handlung her hatte ich es mir anders vorgestellt - hat mich nicht so packen können
    Sehr gut recherchiert, aber mich konnte es nicht so richtig packen

    Ich muss zugeben, dass ich mit dem Buch nicht so ganz warm geworden bin. Woran das genau lag kann ich gar nicht so genau festmachen, denn die Autorin hat hier die damalige Zeit gerade aus der Sicht der Schausteller und Künstler wirklich sehr gut wiedergegeben. Man entdeckt bekannt Namen und unbekannte, die man sich aber durch Google leicht erklären lassen kann, alle aus der damaligen Zeit und alle in die willkürlichen Handlungen der Justiz und der "Mächtigen" involviert.

    Über die Jahrmärkte und Kuriositätenschauen hört man ja doch immer wieder mal etwas, über die Darstellung mysteriöser Schaubudenzauber, über das Präsentieren von körperlichen Behinderungen oder Anomalien, die zu dieser Zeit eine gewisse Sensationslust ausgelöst haben. Aber so richtig bekannt scheint nicht zu sein, wie es gerade diesen Menschen damals erging und die Idee, auch diese Seite ins Licht zu rücken, finde ich wirklich toll!
    Oftmals vergisst man dabei ja die menschliche Seite, denn jede der Personen hat genauso viele Hoffnungen und Sehnsüchte in sich getragen wie alle anderen. Sie haben ihr möglichstes aus ihrem Leben gemacht und doch wurden sie meist als "zweitrangig" angesehen.
    Die Autorin erwähnt im Nachwort, dass nicht alle Personen real waren und auch die Zeiten ihrer Erlebnisse teilweise an die Handlung angepasst worden ist. Im großen und ganzen wirkt es aber sehr gut recherchiert und man konnte sehr genau nachempfinden, welche schwerwiegenden Folgen diese Menschen zum tragen hatten. Über geschichtliche Hintergründe kann man hier jedenfalls noch einiges dazulernen, worüber man in sonstigen Büchern und Rückblicken kaum hört.

    Es gibt ja zwei Handlungsstränge, die abwechselnd erzählt werden aus der Sicht von Mathis: zum einen wie er als Kind zum Jahrmarkt kam und zum anderen, wie er später mit seiner Gefährtin Meta am Rande Berlins gewohnt hat. Er ist es auch, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, ein Buch gegen das Vergessen zu schreiben, denn das Verschwinden seiner Kollegen und Freunde hinterlässt bei ihm nicht nur Lücken, sondern ein Gefühl der Hilflosigkeit und Ohnmacht. Um diesem entgegen zu wirken versucht er deshalb, ihre Geschichten für die Nachwelt festzuhalten.

    ides hatte seinen gewissen Reiz und Momente, die mir gut gefallen haben und die ich sehr unterhaltsam fand, aber oft auch etwas zähe Längen, über die ich lieber hinweg geblättert hätte. Mathis mochte ich eigentlich schon, auch wenn er mich gerade als Erwachsener durch seine Zurückhaltung oft etwas genervt hat und mit seiner Partnerin Meta konnte ich überhaupt nicht warm werden. Das lag nicht daran, dass sie unsympathisch waren oder nicht gut dargestellt wurden, ich hab einfach keinen Draht zu ihnen gefunden.
    Auch die anderen Figuren waren mir allesamt fremd bzw. blieben immer etwas auf Abstand, wodurch ich mich nicht so gut einfühlen konnte, wie es die Handlung eigentlich vorgesehen hatte.

    Vom Schreibstil her war es angenehm zu lesen und hatte teilweise auch wirklich schöne Passagen und Metaphern, die etwas bewegt haben - leider wurde das für mich durch die Handlung immer wieder ausgebremst, weil sie mich nicht so recht packen konnte. Das ernste Thema wird immer wieder durch eine kleine Prise Humor gewürzt, die erst recht verdeutlichen, wie hart der Überlebenskampf tatsächlich war.
    Ich kann das Buch wirklich schwer einschätzen, wie es anderen gefallen würde - ob ich es weiterempfehlen kann für Fans, die gerne mehr aus dieser Zeit erfahren - für mich war es eher ein gemischtes Vergnügen. Um sich einen Einblick zu verschaffen ist es aber auf jeden Fall lesenswert, denn gerade über die Artisten und Künstler aus dieser Zeit ist viel zu wenig bekannt und hält damit die Erinnerung aufrecht.

    © Aleshanee
    Weltenwanderer

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    hasirasi2s avatar
    hasirasi2vor 19 Tagen
    Kurzmeinung: Sehr berührend, fesselnd, erschütternd und aufwühlend. Die Autorin zeigt die kurrile, bunte Welt der Artisten und ihr Verschwinden im 3.
    Gegen das Vergessen

    In einer Wohnwagensiedlung am Rand von Berlin leben 1935 die Kraftfrau Meta und ihr Partner, der Röntgenkünstler Mathis, inmitten anderer ehemaliger Artisten. Fast alle haben inzwischen Auftrittsverbot. Meta und Mathis kennen sich seit über 30 Jahren und haben immer wieder versucht, den Sprung über den großen Teich nach Amerika zu schaffen, doch jedes Mal ist etwas dazwischen gekommen. Auch jetzt geht die Angst um, denn seit ihnen Blut für „Untersuchungen zu Züchtungskreisen von Zigeunermischlingen und anderen asozialen Psychopathen“ abgenommen wurde, verschwinden immer mehr Bewohner. Mathis ist der Einzige, der auf seine ganz eigene Art rebelliert, indem er die Geschichten aller Artisten aufschreibt, die er noch befragen kann. „Aber wir können doch nicht einfach nur dasitzen und wegsehen.“ (S. 54) Doch Meta hat Angst, dass ihnen dieses Buch irgendwann zum Verhängnis wird, da auch ihre eigenen Geheimnisse darin stehen.

     

    Vera Buck hat in ihrem Buch ein Thema gewählt, dass mir bis dato relativ unbekannt war. Zwar wusste ich, dass die Nationalsozialisten versucht haben, sich aller „minderwertiger“ Menschen zu entledigen, aber mir war nicht klar, dass auch Artisten und Schausteller in diese Sparte fielen, egal welcher Abstammung sie waren.

     

    In einer zweiten Zeitebene erzählt sie Mathis Werdegang und die Geschichten seiner Weggefährten. Er ist der dreizehnte Sohn eines Bohnenbauern, hat ein durch Kinderlähmung verkrüppeltes Bein und war zu Hause und in seinem Dorf der Prügelknabe. Er hat keine Träume, bis er auf dem Jahrmarkt einen Röntgenapparat und dessen Besitzer entdeckt: „Es war, als öffnete der Apparat ein Fenster, durch das er in ein zweites Universum blicken konnte. Eines, in dem nichts verschlossen blieb, keine Tür und kein Körper.“ (S. 68) Erst als „Röntgen-Assistent“ blüht er auf, fühlt sich endlich als ganzer Mensch und nicht mehr als Krüppel. Dass die Röntgenstrahlen fatale Nebenwirkungen haben, wird ihm erst spät klar.

    Meta war ein Waisenkind, die sich schon früh ihr Haut erwehren und um ihren geistig behinderten Bruder Ernsti kümmern musste. Dabei hat sie unglaubliche Kräfte entwickelt. Wenn sie nicht gerade trainiert oder auftritt, dreht sich ihr Leben fast ausschließlich Ernsti. Dessen Bedürfnisse stehen immer an erster Stelle, ihre oder Mathis an zweiter.

     

    Die Autorin lässt einerseits eine sehr skurrile, bunte Welt lebendig werden, in der Röntgenapparate der Unterhaltung dienen, sich Artisten mit Kanonenkugeln beschießen lassen und Menschen fremder Kulturen oder Kleinwüchsige wie Vieh ausgestellt werden. Aber sie zeigt auch, dass die Künstler zusammenhalten, erst Recht, nachdem die Nazis an die Macht kommen. Vera Buck beschönigt nichts. Sie erzählt was passiert, wenn die Menschen doch aufgegriffen werden, in Lager verbracht, zwangssterilisiert oder mit Medikamenten ruhig gestellt. Schonungslos beschreibt sie die Gewaltorgien bei den Festnahmen und Verhören, die Machtdemonstrationen der Überlegenen.

     

    Das Buch hat mich sehr berührt, gefesselt, erschüttert und aufgewühlt. Ich habe die 750 Seiten innerhalb von nur zwei Tagen gelesen. Es ist wichtig, dass immer wieder darauf hingewiesen wird, was damals alles passiert ist, denn: „Ohne Geschichte gibt es keine Zukunft. ... Wenn wir die Vergangenheit vergessen, sind wir gezwungen, sie zu wiederholen. Und dann ist alles umsonst passiert.“ (S. 185)

    Kommentare: 3
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    jaylinns avatar
    jaylinnvor einem Monat
    Kurzmeinung: Das Buch hat mich sehr berührt und gleichzeitig mein geschichtliches Wissen erweitert. Ich kann es sehr empfehlen.
    Leseempfehlung

    Allgemeines:

    Vera Buck hat bereits mit ihrem ersten Roman Runa große Anerkennung gefunden und legt nun ihr zweites Werk vor, das sich mit einem bisher wenig beachteten, aber gerade deshalb umso wichtigeren Thema beschäftigt, der politischen Verfolgung  von Schaustellern, Artisten und Varieteekünstlern im Dritten Reich.

    Das Buch der vergessenen Artisten ist am 10.09.2018 im Limes Verlag erschienen und umfasst 752 Seiten.

    Inhalt:

    „Deutschland, 1902. Mathis ist der dreizehnte Sohn eines Bohnenbauern, sein Leben zwischen Äckern und Feldern scheint vorherbestimmt. Erst als der Jahrmarkt im Dorf Einzug hält, bekommt Mathis eine Ahnung von der großen, weiten Welt jenseits der Hügel, die den Ort umgeben. Eine Welt, in der elektrische Wunder, Kuriositäten und schillernde Showbühnen auf ihn warten und in der auch er einen Platz haben will. Zusammen mit den Schaustellern begibt sich Mathis auf eine außergewöhnliche Reise.

    Nach über dreißig Jahren als Röntgenkünstler lebt Mathis mit seiner Partnerin, der Kraftfrau Meta, in einer Wohnwagensiedlung am Rande Berlins. Es sind düstere Zeiten für die Artisten: Auftrittsverbote werden verhängt, Bühnen dichtgemacht. Doch in geheimen Clubs und Künstlertreffs lebt die Vergangenheit weiter. Genau wie in dem Buch, an dem Mathis schreibt – einem Buch, das Geheimnisse birgt und unter keinen Umständen in die falschen Hände geraten darf …“ (Quelle: Verlagsgruppe Random House)

    Meine Meinung:

    Vera Bucks Das Buch der vergessen Artisten ist etwas ganz Besonderes. Schon das Cover ist ein echter Hingucker, der Umfang des Buches ist beeindruckend. Die Thematik ist schwere Kost, geht es doch um Menschen, die im Dritten Reich, verfolgt, gedemütigt, misshandelt und weggesperrt wurden. Buck nimmt sich einer Seite der Gesellschaft an, die es auch in der heutigen Zeit noch schwer hat, sie stellt die Artisten und Schausteller und deren Schicksale in der Zeit von 1902 bis 1939 in den Fokus ihrer Geschichte. Es handelt sich hier sozusagen um eine Geschichte in der Geschichte, denn die Hauptfigur Mathis Bohnsack setzt alles daran, um dieses Buch der vergessenen Artisten zu schreiben. Er, der selber zu einer Gruppe von Schaustellern gehört, sucht nach Menschen, die ein Auftrittsverbot haben, weil ihre Texte, ihre politische Einstellung, ihre Herkunft, nicht systemkonform sind. Und davon gibt es im erstarkenden Hitlerdeutschland genug. Er will sie befragen, um ihr Schicksal aufzuschreiben und sie so unvergessen zu machen.

    Buck schafft es, in diesem Buch trotz der harten Thematik, den Humor nicht zu kurz kommen zu lassen. Ihre Figuren verfügen über einen gesunden Menschenverstand und eine gehörige Portion Lebenstüchtigkeit und Selbstironie. Diese Mischung macht das Buch so lesenswert.

    Das Buch der vergessenen Artisten nimmt zwei Zeitebenen in den Blick: Die Zeit um 1900, Mathis‘ Kindheit, und die Zeit um 1930, sein weiteres Leben in der Zeit der Sanktionen und Verfolgung.

    Was zwischen diesen Abschnitten seines Lebens geschieht, erfährt man nach und nach und kann sich so ein eigenes Bild von diesem Leben machen.

    Mathis‘ große Liebe Meta spielt ebenfalls eine wichtige Rolle in diesem Buch. Sie ist in vielerlei Hinsicht sein Gegenspieler. Er handelt fast immer überlegt und denkt über mögliche Konsequenzen seines Handelns nach, sie ist sehr impulsiv, hat einen ausgeprägten Spürsinn für Gerechtigkeit und handelt oft so, dass sie sich und andere durchaus in Gefahr bringt. Außerdem hat sie eine besondere Achillesferse: ihren geistig behinderten Bruder, der bei ihr und Mathis in der Schaustellerkolonie in Berlin lebt. Menschen wie er werden besonders verfolgt, daher muss und will sie ihn schützen, was immer schwieriger wird. Dann gibt es noch einen Künstler, der von Meta begeistert ist und sie unbedingt als Statue verewigen will. Seine Figur ist ambivalent angelegt: Man weiß nicht, wie weit seine Sympathie mit der Ideologie der Rassisten konform geht, ein weiterer Baustein des Romans, der die Spannung erhält.

    Bucks Buch wird zunehmend düster und geht so konform mit der politischen Situation im Deutschen Reich.

    Fazit:

    Das Buch hat mich sehr berührt und gleichzeitig mein geschichtliches Wissen erweitert. Ich kann es sehr empfehlen.

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