Vera Buck Runa

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Inhaltsangabe zu „Runa“ von Vera Buck

"Man kam nicht her, um zu genesen, sondern um zu sterben."

Paris 1884. In der neurologischen Abteilung der Salpêtrière-Klinik führt Dr. Charcot Experimente mit hysterischen Patientinnen durch. Seine Hypnosevorführungen locken Besucher aus ganz Europa an; wie ein Magier lässt der Nervenarzt die Frauen vor seinem Publikum tanzen. Dann aber wird Runa in die Anstalt eingeliefert, ein kleines Mädchen, das all seinen Behandlungsmethoden trotzt. Jori Hell, ein Schweizer Medizinstudent, wittert seine Chance, an den ersehnten Doktortitel zu gelangen, und schlägt das bis dahin Undenkbare vor. Als erster Mediziner will er den Wahnsinn aus dem Gehirn einer Patientin fortschneiden. Was er nicht ahnt: Runa hat mysteriöse Botschaften in der ganzen Stadt hinterlassen, auf die auch andere längst aufmerksam geworden sind. Und sie kennt Joris dunkelstes Geheimnis …

Über Experimente mit psychisch kranken Menschen und einen Arzt, der eine kleine, sehr gruselige Patientin anfängt zu mögen.

— papaverorosso

Den ekelhaften Textpassagen wegen konnte ich das Buch leider nicht weiterlesen und habe es ziemlich am Anfang abgebrochen.

— AmyJBrown

Ein sehr interessantes Buch mit besonderer Thematik, aber das Ende fand ich doch etwas komisch ehrlich gesagt :/

— alina_kunterbunt

Spannend, an manchen Stellen aber einfach etwas zu lang gezogen.

— ellari

Anfangs etwas langatmig, gegen den Schluss sehr spannend. Gruselige und düstere Atmosphäre. Sehr empfehlenswert.

— AdrienneAva

Ein Krimi, der gekonnt authentische Zeitgeschichte mit einer gehörigen Portion Gruselgeschichte vereint

— FrauSchafski

Spannendes Lesevergnügen - nicht nur für Medizin- und Geschichtsinteressierte!

— Pergamentfalter

Durchwachsen. Teilweise sehr gut geschrieben, fantastische Formulierungen, jedoch viel zu lang und manchmal verwirrend

— Burgkelfe

An manchen Stellen etwas langatmig, aber ansonsten gut geschrieben.

— kleine_welle

Wer das Buch lesen möchte, darf keine Lovestory erwarten, darf keine leichte Unterhaltung erwarten, aber er wird sehr viel lernen.

— angelika51

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  • Das Grauen der Psychiatrie

    Runa

    papaverorosso

    13. October 2017 um 20:24

    Es fällt mir schwer, diesem Buch eine Bewertung zu geben. Wenn es Zwischensterne gäbe, würde ich 3,5 vergeben. Ich runde auf 4, um die Arbeit der Autorin zu honorieren. Ich wollte unbedingt Runa lesen, weil ich Psychologin bin und mich seit Jahren mit dem Thema der geistigen Krankheiten beschäftige. Über die Anfänge der Psychiatrie weiß ich jedoch noch zu wenig. Die Psychiatrie ist, verglichen zu anderen Zweigen, ein Baby der Medizinwissenschaften. Die Theorie der Ärzte, die die Psychiatrie gegründet haben, ähneln in manchen Fällen eher der Alchemie als einer Wissenschaft. Bis vor weniger Jahrzehnten hat man geistig Kranke oft nicht als vollwertige Menschen, sondern viel eher als minderwertige Objekte gesehen, ohne Rechte und ohne Willen. Ich arbeite derzeit in einer Psychiatrie und ältere Mitarbeiterinnen und Patientinnen erzählen mir, dass diese vor 50 Jahren noch ein sehr gruseliger Ort war. Ich bin froh, heute in einem Ort arbeiten zu können, in denen Menschen wie Menschen behandelt werden und auf eine echte Heilung hoffen können. Der Lektüre von Runa verdanke ich sehr interessantes Wissen über einige Ansätze und Theorien von damals. Auch über die Art und Weise, in der man wahrscheinlich mit Patientinnen oft umgegangen ist. Das Buch wirft ein sehr düsteres Licht auf das Thema „Psychiatrie“. Nun, wahrscheinlich weil Psychiatrien damals auch ziemlich gruselige Orten waren. Die Story an sich hat mich am Anfang nicht sehr überzeugt. Vor allem hatte ich das Gefühl, dass Morbides etwas übertrieben dargestellt wird, um den Leser zu schockieren. Mit dem Protagonisten (Jori) konnte ich mich nicht so recht anfreunden. Trotzdem nimmt die Geschichte im Laufe des Buches an Spannung zu, so dass sie mich gegen Mitte richtig gepackt hat. Das Ende fand ich ganz in Ordnung, abgerundet, wenn auch etwas schnell. Verwirrend fand ich die literarischen Andeutungen – Einer der Protagonisten soll plötzlich auch ein Verrückter sein, der die Persönlichkeit einer Person aus einem Buch (von dem ich leider noch nie was gehört habe) übernommen hat? Das war mit etwas zu viel. Alles in allem wird Runa jedoch eine der gruseligsten Proragonistinnen, die ich jemals lieb gewonnen habe.

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    • 4
  • Ganz anders als erwartet

    Runa

    Tintenbluete

    05. August 2017 um 12:44

    „Runa“ ist ein Buch, das lange Zeit auf meiner Wunschliste stand. Der Klappentext verspricht eine dunkle und spannende Geschichte rund um ein kleines Mädchen namens Runa. Schon auf den ersten Seiten begann ich allerdings zu ahnen, dass Runa anders wie man aufgrund des Titels und des Klappentextes meinen könnte, nicht die Protagonistin der Geschichte ist – im Gegenteil: Sie erscheint erst im späteren Verlauf der Geschichte auf der Bildfläche. Im Mittelpunkt von „Runa“ steht der Medizinstudent Jori Hell, der an der Salpêtrière-Klinik seinen Doktor machen möchte, um dann seiner kranken Freundin Pauline helfen zu können. Jori war mir zwar nicht durchgehend sympathisch, trotzdem hat es dir Autorin aber irgendwie geschafft, dass ich mit ihm mitfiebere. Was er alles auf sich nimmt, um Pauline zu helfen, ist beachtenswert, allerdings verliert er dabei oft das Wesentliche aus den Augen und geht zeitweise mit Scheuklappen durch die Welt, was mich ziemlich an ihm gestört hat. Andererseits ist Jori aber auch ein Charakter mit Entwicklungspotenzial, was die Autorin auch definitiv ausnutzt. Die Geschichte wird zwischendurch allerdings immer wieder auch aus anderen Perspektiven erzählt – unter anderem aus der eines ehemaligen Polizisten, der sich mittlerweile selbst zum Verbrecher ernannt hat, oder auch aus der eines Jungen, der den größten Teil seiner Zeit damit verbringt, seine Leidenschaft für die Poesie vor seinem Vater zu verbergen. Der Wechsel der Perspektiven hat mich zu Beginn des Buches ziemlich verwirrt, was dann aber im Laufe der Geschichte deutlich besser wurde, als ich die einzelnen Perspektiven zuordnen konnte. Besonders beeindruckt hat mich an dem Buch, dass die Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht und die Autorin sehr viel Recherchearbeit geleistet hat. So wurden im neunzehnten Jahrhundert in der französischen Salpêtrière-Klinik unter der Leitung von Dr. Charcot tatsächlich Frauen mit Hysterie behandelt. Der Einblick in die Behandlungsmethoden und den Klinikalltag ist dabei so interessant wie erschreckend. Ich hatte vor dem Lesen dieses Buches überhaupt gar kein Hintergrundwissen über die ganze Thematik und empfinde das Buch schon alleine deshalb als eine Bereicherung. Kritisieren muss ich, dass sich die Geschichte für mich ungemein in die Länge gezogen hat. Durch die vielen unterschiedlichen Perspektiven erhält man natürlich einen umfassenden Blick auf das Geschehen, jedoch ist die Geschichte für meinen Geschmack einfach nicht dicht genug erzählt. Zwischendrin kommt es immer wieder zu Längen, die für einen deutlichen Abfall der Spannung sorgen. Einige Seiten weniger hätten der Geschichte in diesem Hinblick sicher nicht geschadet.  Gut gefallen hat mir die Entwicklung der Storyline. Die verschiedenen Sichtweisen sind meiner Meinung nach mit einzelnen Puzzleteilen vergleichbar, die zusammen nach und nach ein Gesamtbild ergeben. Vera Buck ist es gelungen, die einzelnen Perspektiven auf geschickte Art und Weise miteinander zu verknüpfen, sodass alle gemeinsam schließlich zum Höhepunkt der Geschichte führen. Das Ende des Buches war definitiv der spannendste Teil der Geschichte, jedoch auch der unausgereifteste. Während die Autorin im restlichen Teil des Buches nicht vor Längen zurückschreckt, wirkt es so, als wäre für das Ende nicht mehr genug Platz übrig gewesen. Insgesamt bleiben einfach viel zu viele Fragen offen. Besonders über Runas Vergangenheit, aber auch über ihre gegenwärtige Situation hätte ich mir noch viel mehr Informationen gewünscht. Generell bleibt sie im Laufe der Geschichte relativ blass und ungreifbar, was ich sehr schade finde, da der Titel des Buches etwas andere erwarten lässt. Fazit Vera Buck hat mit „Runa“ einen aufwendig recherchierten Roman geschrieben, der dem Leser jede Menge Wissen über die Behandlung von sogenannten „Hysterikerinnen“ hinter den Mauern der französischen Salpêtrière-Klinik im ausgehenden neunzehnten Jahrhundert liefert. Die Geschichte rund um das kleine Mädchen Runa beinhaltet jede Menge Spannung, steht jedoch, anders als der Titel des Buches vermuten lässt, leider nicht im Mittelpunkt des Romans. Meine beiden größten Kritikpunkt beziehen sich auf die Längen innerhalb der Geschichte, die einen wirklichen Spannungsaufbau leider immer wieder verhindert haben, und auf das für mich unbefriedigende Ende. Begeistern konnte mich hingegen, wie geschickt die Autorin die einzelnen Perspektiven miteinander verwoben hat, wodurch die Storyline besonders zum Ende hin sehr interessant wurde.

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  • You see I cannot be forsaken Because I'm not the only one

    Runa

    Keksisbaby

    10. July 2017 um 14:39

    Der berühmte Pathologe und Neurologe Jean-Martin Charcot hält jeden Dienstag eine Vorlesung für Studenten am Hôpital de la Salpêtriére, bei der er hysterische und nervenkranke Frauen publikumswirksam hypnotisiert und vorführt. Eine sehr fortschrittliche Praxis Ende des 19. Jhd. Unter seinen Studenten ist auch der junge Mediziner Jori Hell. Er ist an die renommierte Einrichtung gekommen, um seinen Doktortitel zu erwerben und seiner Freundin daheim zu helfen, die seit Jahren in einem Sanatorium nach dem anderen behandelt wird. Als das völlig verstörte Kind Runa eingeliefert wird, sieht er seine Chance sich Charcot anzubieten. Er will durch eine Operation die Geisteskrankheit des Mädchens beheben. Schon laufen Wetten, ob diese das überhaupt überlebt. Dann kommt es aber anders. Durch Runa wird Jori gewahr mit welcher Verachtung die geisteskranken Frauen in der Salpêtiére behandelt werden und das sie nichts weiter sind als menschliche Versuchskaninchen, um zweifelhafte Versuchsanordnungen zu erproben. Ich kann nicht sagen, dass „Runa“ mir vom Schreibstil missfallen hat, noch dass der Plot zu weit hergeholt war, aber es hat mich fast ein Jahr gekostet dieses Buch zu Ende zu lesen. Der Anfang war vielversprechend wenn auch etwas langatmig. Ab der Hälfte aber verließ mich die Lust. Ich hatte schon immer ein Faible für Medizingeschichte und so war ich fasziniert von dem Setting einer angesehenen Nervenheilanstalt 1884 in Paris. Gibt es einen schauerlicheren Ort als ein solches Sanatorium, und Ärzte die ihrem Forscherdrang nachgeben und meinen durch plumpes Herumstochern im Hirn, Nervenleiden zu heilen? Wohl kaum. Was mich den Faden verlieren ließ war der Erzählperspektivwechsel, vom beobachtenden Erzähler hin zum Ich-Erzähler. Mir ist noch immer nicht klar, wie der Chorknabe in diese ganze Geschichte hineinspielt. Ich hätte es auch nicht gebraucht das ein Polizist der seiner Physiognomie nach ein Verbrecher sein will, einen Mordfall löst, der irgendwie mit der geheimnisvollen Patientin Runa in Verbindung steht. Dieser ganze Nebenhandlungsstrang war für mich überflüssig und ließ mich den Faden verlieren. Ich wäre glücklich gewesen, wenn ich nur Jori hätte folgen können, wie er die unmenschlichen Versuche von Luys aufklärt. Der ganze Übersinnliche, Transzendentale Teil der Handlung war überflüssig. Zumal der Polizist eigentlich eine Romanfigur war, laut Aussagen des Chorknaben. Wäre dies nicht wäre es ein toller historischer Roman gewesen, der sich eines Themas annimmt, das in Vergessenheit geraten ist. So aber quälte ich mich durch neue handelnde Personen, durch verwirrende Handlungsstränge und unglückliche Verkettungen. Erschreckt hat mich, dass damals schon so ein großer Konkurrenzdruck unter den Ärzten herrschte sich einen Namen zu machen durch eine Entdeckung oder Heilerfolge. Heute ist das noch immer so, vielleicht wiederholt sich Geschichte und in 100 Jahren werden Mediziner über unsere grobschlächtigen Versuche Krankheiten zu heilen, die Köpfe schütteln. Ich für meinen Teil fand nur das halbe Buch gut, die andere Hälfte hätte man getrost weglassen können.

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  • Folge Runa in die Abgründe der Pariser Nervenheilanstalt

    Runa

    FrauSchafski

    06. March 2017 um 20:11

    Dieses Buch hat mich überaus positiv überrascht und gleichzeitig völlig schockiert. Ich hatte ja keine Ahnung, welche Zustände zum Ende des 19. Jahrhunderts in Nervenheilanstalten herrschten. Die Insassen dienten vornehmlich als lebendige Versuchspersonen. Einige der wichtigsten neurologischen und psychologischen Erkenntnisse beruhen auf barbarischen Experimenten und Praktiken, die den Patienten keine Aussicht auf Heilung, sondern auf ein lebenslanges Martyrium bescherten. Allein diese Erkenntnis machte mich beim Lesen völlig fassungslos. Wir befinden uns also in Paris zum Ende des 19. Jahrhunderts, genau genommen in der Salpêtrière, eine der damals wichtigsten Nervenheilanstalten Europas. Der junge Arzt Juri Hell vergöttert nahezu den dort leitenden Dr. Charcot, der in seinen stadtbekannten Abendvorlesungen an Hysterie erkrankte Frauen vor vollbesetztem Saal vorführt und „behandelt“. Doch dann wird Runa aufgenommen. Ein kleines Mädchen, völlig apathisch und scheinbar wahnsinnig, stellt die ganze Klinik vor ein Rätsel. Und Jori setzt es sich zur Aufgabe, ihr zu helfen, wobei er nach und nach eine erschreckende Wahrheit ans Licht bringt. Vera Buck gelingt in ihrem Krimidebüt eine grauenhafte, aber absolut authentische Schilderung der zeitgeschichtlichen Umstände. Viele Fakten und Personen kann der neugierige Leser problemlos selbst nachrecherchieren, was das Leiden der Patienten und die Vorgehensweise der Ärzte noch schlimmer macht. Erzählt wird aus mehreren Perspektiven, die alle zur Aufdeckung des Geheimnisses um Runa beitragen. Lange weiß der Leser nicht, was es mit dem mysteriösen Ich-Erzähler auf sich hat und wie er in die Geschehnisse passt, sodass er bis zum Ende rätseln wird. Spannend, packend und ebenso erschütternd nimmt die Autorin uns mit in die Abgründe der ärztlichen Praxis. Und mehr als einmal lief mir ein kalter Schauer den Rücken herunter, weil die unheimliche Stimmung des Buches ganz hervorragend umgesetzt ist und völlig in ihren Bann zieht. Fazit: Allein die kleineren Längen sowie die ein oder andere Nebenhandlung vermag den absolut positiven Eindruck etwas schmälern. Alles in Allem hat mich dieses Buch aber völlig gefesselt und noch dazu angeregt, mich näher mit der Thematik zu beschäftigen - wer weiß schon, dass die Bezeichnung Hysterie vom griechischen Wort für Gebärmutter abgeleitet ist. Ein beeindruckendes Debüt!

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  • Rezension zu "Runa"

    Runa

    Pergamentfalter

    11. February 2017 um 10:37

    "Runa" ist eine Reise in das Paris von 1884, mitten hinein in die Medizingeschichte: An der Salpêtrière, einer Klinik für Nervenkranke, experimentiert der Neurologe Dr. Jean-Martin Charcot mit hysterischen Patientinnen. Seine Hypnosevorführungen während seiner regelmäßigen Dienstagabendvorlesung haben derartige Bekanntheit erlangt, dass ihnen Besucher aus ganz Europa beiwohnen. Im Publikum befindet sich auch Johann Richard "Jori" Hell, ein Schweizer Medizinstudent, der von dem "großen Charcot" lernen will und bereits seit einiger Zeit an der Salpêtrière studiert. Sein Ziel ist es, endlich seine Doktorarbeit zu schreiben, um dann nach Zürich zurückkehren und seiner nervenkranken Freundin Pauline helfen zu können. Durch seine Augen erlebte ich als Leserin zunächst den Alltag in der Klinik und erfuhr allerhand über damalige Diagnosen und Behandlungsmethoden, die mir so manches Mal eine ordentliche Gänsehaut bescherten. Als eines Abends in Charcots Vorlesung eine neue Patientin mit Namen "Runa" vorgestellt wird, ist das Aufsehen groß: Weder hat sie auf ihre bisherigen Behandlungsversuche reagiert, noch reagiert sie auf Charcots Hypnose. In der aufkommenden Unruhe beschließt Jori, endlich die Grundlage für seine Doktorarbeit gefunden zu haben: Er will Runa am Gehirn operieren, um ihre Nervenkrankheit zu heilen. Eine einfache Entscheidung, die weitreichende Konsequenzen hat ... Neben Jori lernte ich noch einige andere Charaktere kennen, die ich ein Stück ihres Weges begleitete: Da wäre der ehemalige Poliziste Lecoq, der nun zwar als Verbrecher unterwegs ist, sich aber trotzdem auf die Suche nach einer verschwundenen Frau macht und schließlich versucht, die merkwürdigen Zeichen zu entschlüsseln, die sich in ganz Paris verteilt finden. Oder die Geschwister Frédéric und Isabelle, die eine mysteriöse Kutsche vor einem noch mysteriöseren Schloss mitten in Paris gesehen haben wollen. Oder einen Ich-Erzähler, der liebend gern schreiben statt singen würde und am Ende doch nur wieder Streit mit seinem Vater hat. Die Charaktere sind alle sehr lebendig gestaltet. Ihre Eigenheiten bleiben ihnen die gesamte Handlung über erhalten, dennoch machen sie alle charakterliche Entwicklungen durch, die ich als sehr realistisch empfand. Das Buch ist in sechs Teile geteilt, die noch einmal in einzelne Abschnitte untergliedert sind. Von Abschnitt zu Abschnitt springt die Geschichte zwischen den unterschiedlichen Charakteren und vermittelte mir so ein breites Bild von den Geschehnissen. Vera Buck gelang es dabei sehr gut, die Spannung oben zu halten. Bis zum Ende des Buches habe ich gerätselt, was es mit Runa auf sich haben könnte. Während des Lesens erhielt ist zwar immer wieder kleine Hinweise, aber das große Puzzle löste sich letztendlich erst mit den allerletzten Abschnitten dieser Geschichte. Der Schreibstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen. Er ist flüssig zu lesen. Insbesondere durch die Verwendung einiger französischer Begriffe, deren Bedeutung sich meist nur durch den Kontext klärte, wurde der Handlungsort Paris hervorgehoben. Ein besonderes Plus, das mir sehr gut gefallen hat, ist die historische Nachvollziehbarkeit der Geschichte: Es gab sowohl die Salpêtrière, als auch Charcot mit seinen Vorlesungen und so manch anderen Charakter. Obwohl das Mädchen Runa und auch Jori erfunden sind, fügten sie sich perfekt in diesen historischen Hintergrund, sodass ich am Schluss nicht mehr sagen konnte, was nun Wahrheit und was Fiktion war. Fazit "Runa" ist ein spannendes Lesevergnügen, nicht nur für Medizin- und Geschichtsinteressierte. Zurückversetzt in das Paris von 1884 konnte ich als Leser miterleben, wie an Grundlagen der modernen Medizin gearbeitet und mit Patienten umgegangen wurde. Die Geschichte ist, obgleich erfunden, sehr eindrücklich beschrieben. Ich hatte mehrfach das Gefühl, einfach nur ein Buch zur Medizingeschichte aufschlagen zu müssen, um mehr über den Fall "Runa" zu erfahren. Toll recherchiert, toll ausgearbeitet. Ich bin gespannt auf den zweiten Roman von Vera Buck.

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  • Ein Erstlingswerk, das staunen lässt!

    Runa

    angelika51

    15. November 2016 um 06:58

    Zum Inhalt: "Man kam nicht her, um zu genesen, sondern um zu sterben." Paris 1884. In der neurologischen Abteilung der Salpêtrière-Klinik führt Dr. Charcot Experimente mit hysterischen Patientinnen durch. Seine Hypnosevorführungen locken Besucher aus ganz Europa an; wie ein Magier lässt der Nervenarzt die Frauen vor seinem Publikum tanzen. Dann aber wird Runa in die Anstalt eingeliefert, ein kleines Mädchen, das all seinen Behandlungsmethoden trotzt. Jori Hell, ein Schweizer Medizinstudent, wittert seine Chance, an den ersehnten Doktortitel zu gelangen, und schlägt das bis dahin Undenkbare vor. Als erster Mediziner will er den Wahnsinn aus dem Gehirn einer Patientin fortschneiden. Was er nicht ahnt: Runa hat mysteriöse Botschaften in der ganzen Stadt hinterlassen, auf die auch andere längst aufmerksam geworden sind. Und sie kennt Joris dunkelstes Geheimnis … Zur Autorin (von ihrer Internetseite): "Vera Buck, *1986, studierte Journalistik in Hannover und Scriptwriting auf Hawaii. Während des Studiums schrieb sie Texte für Radio, Fernsehen und Zeitschriften, später Kurzgeschichten für Anthologien und Literaturzeitschriften. Nach dem Studium wurde sie für den Master of Arts „Crossways in Cultural Narratives“ ausgewählt und studierte in Frankreich, Spanien und Italien. 2011 erhielt sie von der Studienstiftung des deutschen Volkes ein Stipendium für die Sommerakademie 'Writing Science in Fiction' in St. Johann, Italien und war 2012 Finalistin beim 20.Open Mike in Berlin. 2016 schloss sie den Master 'Transdisziplinarität' an der Zürcher Hochschule der Künste ab, auch hier beschäftigte sie sich mit Verbindungen von Literatur und Wissenschaftsgeschichte. Ihr Debütroman „Runa“ ist am 24.August 2015 im LIMES Verlag erschienen und ist für den Friedrich-Glauser-Preis 2016 nominiert. Vera Buck lebt und schreibt in Zürich." Mein Eindruck von diesem Buch: RUNA ist das Erstlingswerk von Vera Buck. Diese Tatsache, hat mich vom ersten bis zum letzten Satz, staunen lassen. Noch dazu, weil Vera Buck eine noch junge Frau ist, die sich weiterentwickelt. Auf diese Weiterentwicklung bin ich schon jetzt mehr als gespannt und ich freue mich, auf hoffentlich noch viele Bücher von ihr. Die Fähigkeit, wie sie mit Worten umgeht, wie sie (oder Runa) mich gefesselt und in den Bann gezogen hat, ist sehr beeindruckend. Es ist kein Buch, das man zur Unterhaltung liest. Es ist ein Buch, das so manches "Oh" und "Oha" während des Lesens auslöst. Man lernt - oft mit Entsetzen - wie man mit Menschen in Kliniken oder besser gesagt "Aufbewahrungsanstalten" im 19. Jahrhundert in Paris - und wohl auch in anderen Städten - umgegangen ist. Dass sich die "Wissenschaft" hinter Versuchen versteckt hat, die schlicht menschenunwürdig sind. Ich interessiere mich sehr für die medizinische Geschichte und ihre Entwicklung. Vera Buck hat mit diesem Roman und mit ihrer unheimlich guten Recherche, ein grandioses Werk geschaffen. Sie beschönigt nichts. Sie zeigt auf, wie grausam der "Fortschritt" der Wissenschaft war und auch heute wahrscheinlich in irgendeiner Art und Weise auch noch sein kann. Vera Buck ist ein außergewöhnliches Talent. Ich habe eine Hochachtung vor der jungen Frau und vor ihrem Können. Wer das Buch lesen möchte, darf keine Lovestory erwarten, darf keine leichte Unterhaltung erwarten, aber er wird sehr viel lernen. Und wer genau das möchte, dem kann ich das Buch nur wärmstens empfehlen.

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    • 2
  • Von den dunklen Schatten über der Psychiatrie

    Runa

    MartinaFF

    07. October 2016 um 16:03

    Runa ist das Romandebut der jungen deutschen Autorin und Wahlschweizerin Vera Buck. Sie hat es auf Anhieb unter das Dach von Random House geschafft. Das ist  ein beachtlicher Eingangserfolg, und zwar völlig verdient! Buck erweist sich von den ersten Seiten weg als großartige Erzählerin. Ihre Schilderungen sind packend geschrieben, lebendig, atmosphärisch dicht, witzig und stimmig. Gerne folgt man ihr deshalb in die dasvon Paris des späten 19. Jahrunderts. Die historischen Hintergründe sind glänzend recherchiert. Das bemerkenswerte Literaturverzeichnis am Ende des Buches belegen den Fleiß und die Akribie der Autorin.Das Thema ist brisant: sie widmet sich einem dunklen Kapitel aus der Medizingeschichte, das im offiziellen Diskurs gerne verdrängt wird. Es geht um den Umgang mit Geisteskranken und deren Therapierung durch Experimente, die sich aus heutiger Sicht äußerst zweifelhaft ausnehmen. Im Zentrum des Romans steht Jori, ein junger Assistenzarzt an der berühmten Salpêtrière. Er ist klug und talentiert und dennoch ein Zauderer, denn er ist hin und her gerissen zwischen der noch nicht geschriebenen Doktorarbeit und seiner unerfüllten Liebe zu Pauline (der Schwester des nachmal berühmten Nervenarztes Paul Eugène Bleuler). Da tritt mit einem Mal Runa in sein Leben und damit ändert sich alles.Die Titelfigur des Romans ist Buck einfach großartig gelungen. Runa ist noch ein Kind, ein kleines Mädchen, doch es scheinen diabolische Kräfte von ihr auszugehen. Sie wirkt zart und zerbrechlich und ist dennoch brandgefährlich! Sie wird bis zuletzt ein Mysterium bleiben, aber auch das ist ein glücklicher Einfall der Autorin. Eine Auflösung des Rätsels hätte womöglich den Zauber der Figur zerstört.Allerdings gibt es auch einige Schwächen in der Erzählung, die sich über 600 Seiten im mehrere Handlungsstränge zersplittert. Die Schauplatzwechsel geschehen oftmals sehr abrupt und sind nicht immer nachvollziehbar. In der überbordenden Fülle der Ereignisse werden manche Episoden eigentlich nur angerissen - sie sind für sich genommen wunderbare Miniaturen, aber ohne einen wirklich tieferen Bezug zur Haupthandlung. Immerhin, in einem dieser Nebenstränge begegnen wir der äußerst originellen Figur von Kommissar Lecoq. Dieser ist ein raubeiniger Detektiv im selbsternannten Ruhestand, trinkfest und zugleich von einer stupenden Scharfsinnigkeit. Von den verblüffenden Wendungen sei an dieser Stelle nichts weiter verraten.Im letzten Drittel des Romans wird der rote Faden allmählich deutlicher, doch es bleibt nicht frei von Unlogik. Da ist beispielsweise ein Chorleiter, der seinen Knabensopran maßregelt dafür, dass dieser in den Stimmbruch kommt. Es ist schwer zu glauben, dass zwei Kinder, die tagtäglich in den Pariser Straßen unterwegs sind, das markante - auch heute noch im Stadtbild sehr auffällige -  Hauptgebäude der Salpêtrière nicht kennen. Die Tatsache, dass ein Elfjähriger nicht lesen kann, müsste zumindest genauer begründet werden, da ein funktionierendes Elementarschulwesen in dieser Zeit durchaus vorausgesetzt werden darf. (Um so mehr, als der Junge ist der Sohn eines Ladenbesitzers beziehungsweise sein Erbe ist.) Eine Schlüsselszene des Romans beginnt mit einleitenden Bemerkungen, die eine Uhrzeit gegen 11 Uhr nachts nahelegen, die daraus resultierende Episode ereignet sich jedoch kurz nach 18 Uhr abends. Und dann ist da noch der Bösewicht im Hintergrund, denn einen solchen muss es wohl geben. Dieser hier ist aber merkwürdig blass und konturlos, seine Intentionen bleiben schemenhaft - obwohl, gegen Ende hin wird der Plot noch einmal sehr raffiniert. Doch darüber wollen wir nichts vorwegnehmen!Fazit: Ein beachtenswerter Debutroman mit einigen Schwächen, der allerdings auch viele starke und berührende Momente hat! Wir warten gespannt auf den weiteren Weg der Autorin.

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  • Unglaublich gut recherchiert

    Runa

    Wassollichlesen

    01. October 2016 um 10:22

    Die Salpetrière-Klinik war ein Ort des Grauens! Es ist kaum vorstellbar, dass man mit psychisch kranken Menschen so umgegangen ist. Ich musste mich häufig zwingen weiterzulesen, nicht weil das Buch schlecht ist, sondern weil Dinge geschildert werden, schlicht und ergreifend grausam sind."Seit 1823 hieß die Salpetrière offiziell "Hospice de la Vieillesse Femmes", das Altershospiz für Frauen. Doch obwohl es tatsächlich mehr ein Hospiz als ein Krankenhaus war, da man in den meisten Fällen nicht herkam, um zu genesen, sondern um zu sterben, bildete den Großteil der Insassen noch immer die Nervenkranken und Verrückten."Selten habe ich so ein gut recherchiertes Buch wie "Runa" gelesen. Wie ein Geschichtsbuch. Vielleicht fällt es nicht jedem auf, aber da ich aus dem medizinischen Bereich komme, waren mit Protagonisten wie Charcot, Babinski und Tourette keine Unbekannten. Ich muss sagen, das Vera Buck exzellente Arbeit geleistet hat. Vieles ist tatsächlich so geschehen, wie es hier geschrieben steht und deshalb fällt es wirklich schwer, Realität und Fiktion zu trennen.Es lohnt sich fast jeden Namen zu googlen, da es fast alle Personen in Wirklichkeit gab.Die verschiedenen Erzählstränge lassen keine Langeweile aufkommen und trotz einer Länge von 600 Seiten, lässt sich die Geschichte in einem Rutsch lesen. Die interessanten Hauptcharaktere werden sehr genau und mit all ihren Facetten beschrieben.Und jetzt zu Runa. Ich möchte gar nicht viel über sie sagen und verraten, da ihr das Buch ja selber lesen sollt. Aber Vera Buck hat auch bei ihr eindrucksvolle Arbeit geleistet.""Jetzt mach den Mund auf Mädchen!" Die Fischverkäuferin mit dem Trichter griff Runa mit der rechten Hand ins Gesicht und wollte ihren Kiefer öffnen. Doch Runa schnappte nach ihr und verfehlte die Finger nur knapp."FazitNichts für zarte Gemüter, aber für alle anderen ein absoluter Lesetipp!

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  • Ein dunkles Paris, ein kleines Mädchen, medizinische Experimente und ganz viel Spannung

    Runa

    littleredintheshadows

    30. September 2016 um 11:41

    Ich muss sagen, dass mich der Roman von Anfang an gepackt hat. Das Paris in dieser Zeit ist so eindringlich beschrieben, dass man fast das Gefühl hat, man wäre da. Es lohnt sich auch, die beschriebenen Schauplätze und Personen zu googeln. Das lässt einem die Geschichte fast real erscheinen und sorgt für sehr viel Kopfkino. Der medizinische Aspekt ist überaus interessant und vermittelt einen sehr guten Eindruck der Forschungsmethoden und es Kenntnisstandes dieser Zeit. Jedoch ist der Schauplatz und die Beschreibung der Behandlungen von Patientinnen nichts für schwache Nerven und oft beklemmend. Aber das alles sorgt dafür, dass sich das Buch ins Gedächtnis einbrennt. Ich habe selten etwas gelesen, bei dem ich mir so viel vorstellen konnte. Liest man das Buch, ist man völlig abgetaucht in das Geschehen. Die Spannung baut sich bis zum Schluss immer weiter auf. Nachdem man die am Anfang recht wirren Ereignisse und Beschreibungen in einen Zusammenhang gebracht hat, möchte man endlich die Lösung des Rätsels erfahren. Auch wenn am Ende alle Stränge zusammen führen und durchaus Licht ins Dunkel gebracht wird, war ich doch nicht zufrieden. Für mich blieben zu viele Dinge unerklärt oder nur wage beschrieben und ich hätte mir bei der Länge des Buchs doch ein etwas ausführlicheres Ende gewünscht. Trotzdem kann ich das Buch allen empfehlen, die an dieser Zeit und an der Entwicklung der Medizin interessiert sind so wie ich und die auf Spannung stehen - dabei auch nicht vor ein bisschen Beklemmung und Gänsehaut zurückschrecken. Das Buch hat auf beeindruckende Weise meine Phantasie beflügelt.

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  • Sehr beeindruckende Geschichte!

    Runa

    Aleshanee

    29. September 2016 um 08:25

    4.5 SterneÜber das Buch hab ich ja in den letzten Monaten viel gehört. Vor allem positives, aber immer mit dem Vorbehalt, dass es durch das Thema "sehr bedrückend und nichts für schwache Nerven" ist. Die Atmosphäre ist durch die psychatrische Klinik und dem unsensiblen, schamlosen "Vorführen" der Patientinnen vor Publikum natürlich sehr beklemmend, aber ich fand, dass es sich noch in einem erträglichen Rahmen gehalten hat - aber das mag je nach Gemüt anders aufgefasst werden.Da ich schon einiges zu dem Thema gelesen habe und die Erinnerung an die Serie "Penny Dreadful" noch frisch im Gedächtnis habe, hat mich das jetzt nicht so sehr mitgenommen, wie vielleicht manchen anderen Leser. Aber es geht natürlich zu dieser Zeit am Ende des 19. Jahrhunderts im Bereich der neurologischen Medizin schon sehr heftig zu: Isolation, Fixierung, Unterwerfung, Zwangsernährung, Zurschaustellung ... und alles in einer so demütigenden, gleichgültigen und grausamen Art und Weise, die wohl niemanden völlig kalt lässt.Vera Buck erzählt aus mehreren Perspektiven und springt dabei auch zwischen verschiedenen Handlungsssträngen hin und her. Dadurch hat man von dem "Klinikalltag" auch mal Verschnaufpausen und erfährt so nach und nach, wie alles zusammenhängt.Runa, das Mädchen, dass mehr oder weniger der Auslöser für die Ereignisse ist, kommt relativ spät ins Spiel. Im ersten Drittel lernt man zunächst die anderen Personen kennen, allen voran Jori, Johann Richard Hell, den ewigen Assistenten, der endlich seinen Doktortitel machen will. Er hat eine bedrückende Vorgeschichte, die mir seinen Charakter etwas unsympathisch gemacht hat. Er entflieht unliebsamen Situationen und kriegt auch seinen Hintern nicht hoch, um etwas dagegen zu tun. Lieber verkriecht er sich und beruhigt sein Gewissen, indem er irgendetwas tut, was zumindest den Anschein hat, seine Probleme auf die Reihe zu kriegen. Aber es war schön zu beobachten, wie er lernt, das was er vorgesetzt bekommt auch mal zu hinterfragen und endlich aus seinem Schneckenhaus herauszukommen!Ledoq dagegen war mir von Anfang an sympathisch. Nicht unbedingt durch seinen Charakter, aber durch seine Originalität! Er ist ein ehemaliger Ermittler und mittlerweile auf dem kriminalistischen Sektor tätig, entdeckt eine Spur, die ihn nicht mehr loslässt. Sie führt ihn - wenn auch auf Umwegen - zu den mysteriösen Geheimnissen, die hinter dem Mädchen Runa stecken.Außerdem gibt es noch zwei neugierige Kinder, nach Macht und Einfluss strebende Ärzte und einen Jungen, der Gedichte schreibt. Sie alle sind in die Geschehnisse verwickelt und führen mich als Leser langsam aber sicher auf eine Entdeckung zu, die tief in die menschlichen Abgründe blicken lässt. Und alles unter dem Deckmantel der Wissenschaft!Langsam, ja es geht schon etwas behäbig voran, aber das hat mich hier nicht gestört. Es werden ja einige Nebenschauplätze außerhalb der Klinik mit eingeführt und die vielen Einzelschicksale mit großer Rafinesse erzählt, so dass Langeweile gar nicht aufkommen kann.Der teils schon nüchterne, dennoch aber anschauliche Schreibstil zeigt mir als Leser sehr deutlich die beklemmende Atmosphäre, die damals geherrscht hat. Teilweise auf den Straßen, in den Köpfen der Menschen, aber vor allem in der "Salpêtriére", dem neurologischen Zentrum von Paris und laut Dr. Charcot ein "lebendiges, pathologisches Museum". Man mag sich gar nicht vorstellen, wie sehr die Patienten, diese hilflosen kranken Menschen, gelitten haben und durch die grausame Behandlung und Medikation noch tiefer in einen verstörenden Zustand versetzt wurden, aus dem es keinen Ausweg mehr gab. Man kann wirklich von Glück sagen, dass sich das geändert hat!FazitWenn man sich vor Augen führt, wie gut die Autorin hier recherchiert hat und sich an damals lebenden Personen wie Ärzten und Fachmaterial orientiert hat, wirkt die Geschichte noch grauenvoller, auch wenn Vera Buck betont, sie als fiktives "Hirngespinst" zu sehen. Ein trauriger und bedrückender Ausschnitt aus der damaligen Medizin und Menschen, die für Macht und Ansehen jeglichen Respekt, Mitgefühl und Würde vermissen lassen.© AleshaneeWeltenwanderer

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    • 3
  • Schuster, bleib bei deinen Leisten

    Runa

    Wortmagie

    20. September 2016 um 10:56

    Die Karriere des jungen Schweizer Arztes Jori Hell steckt fest. Seit Jahren lebt er in Paris, studiert an der berühmten Klinik Salpêtrière unter dem großen Neurologen Dr. Jean-Martin Charcot und kümmert sich um Patient_innen – doch die Doktorarbeit, für die er einst nach Paris zog, ist noch nicht geschrieben. Schlimmer noch, Dr. Charcot kennt nicht einmal seinen Namen, obwohl Jori regelmäßig die berüchtigten Dienstagsvorlesungen besucht, in denen Hysterikerinnen zu Unterrichtszwecken publikumswirksam hypnotisiert und vorgeführt werden. Erst als eines Dienstagabends ein junges Mädchen präsentiert wird, ändert sich Joris ziellose Routine schlagartig. Runa passt in keines der bekannten Krankheitsschemata, nicht einmal Dr. Charcot weiß, was dem Mädchen fehlt. Nur, dass sie verrückt ist, darin sind sich alle einig. Wäre sie gesund, würde sie sich kaum wie ein wildes Tier gebärden. Jori sieht seine Chance gekommen, sich zu profilieren und endlich seinen Doktortitel zu ergattern. Spontan schlägt er eine Hirnoperation vor, die Runas Verhalten korrigieren soll. Überraschenderweise erteilt ihm Dr. Charcot die Erlaubnis dazu und bietet sich sogar als Doktorvater an. Ein Rückzieher ist nun nicht mehr möglich. Jori hat keine andere Wahl, als seinen überhasteten Worten Taten folgen zu lassen. Je intensiver er sich mit Runa befasst, desto tiefer werden die Einblicke in den erniedrigenden Alltag der Patient_innen in der Salpêtrière. Er lernt die Schattenseiten einer Klinik kennen, die sich damit brüstet, weltweit als fortschrittlich zu gelten und muss sich fragen, ob seine Zukunft tatsächlich dort liegt. Doch seine Selbstzweifel sind nicht Joris einziges Problem. Runa ist der Schlüssel zu einem dunklen Geheimnis seiner Vergangenheit, das ihn nun heimsucht… Was ist das nur mit fiktiven Romanen, die sich auf historische Fakten stützen? Wieso sind diese oft hervorragend recherchiert und überzeugen in der Darstellung der zeitgemäßen Umstände, erzählen jedoch eine Geschichte, die mangelhaft und unglaubwürdig wirkt? „Runa“ von Vera Buck ist eine vorbildliche, realistische Schilderung der Verhältnisse in psychiatrischen Einrichtungen Ende des 19. Jahrhunderts (1884) und den damals üblichen Behandlungsmethoden, erreichte mich auf der fiktiven Ebene allerdings überhaupt nicht. Jeder eindrucksvoll ausgearbeitete Fakt wird durch die misslungene Geschichte geschmälert. Das ist einfach schade und enttäuschte mich herb, denn die ersten 80 Seiten des Buches versprachen Großes. Buck konfrontiert ihre Leser_innen zu Beginn mit Joris Alltag in der Salpêtrière und lässt sie an seiner Seite einer Dienstagsvorlesung beiwohnen. Was dort ablief, ist keine Übertreibung, diese Veranstaltungen sind geschichtlich dokumentiert. Dr. Charcot präsentierte seinen Studenten dort tatsächlich relevante Fälle. Ich war zutiefst abgestoßen von der Zurschaustellung und Demütigung kranker Frauen in einem vollen Vorlesungssaal. Mit Unterricht hatte das für mich nicht das Geringste zu tun, vielmehr sah ich darin Charcots persönliche Bühne zur Selbstdarstellung. Es ist nicht zu glauben, dass das Publikum gierig mit morbider Faszination die öffentliche Erniedrigung Schutzbefohlener verfolgte. Männer, die einen Eid zu helfen leisteten, ergötzten sich an der Hilflosigkeit ihrer Patientinnen. Es war widerwärtig und doch zogen mich Bucks Beschreibungen in ihren Bann. Der Konkurrenzdruck, der damals in der Medizin und der Wissenschaft allgemein herrschte, war deutlich zu spüren. Ärzte lagen im Wettstreit miteinander, als erste neue Methoden auszuprobieren und mit dem nächsten großen Durchbruch in die Geschichte einzugehen. Es ist vorstellbar, dass das Wohl der Patient_innen zu dieser Zeit nicht immer im Vordergrund stand. Diese Lektion muss auch Jori lernen. Seine Begegnung mit Runa verändert ihn und lässt ihn begreifen, dass einige seiner Kollegen bereit sind, für ein bisschen Ruhm über Leichen zu gehen. Hätte sich Vera Buck auf diesen Erzählstrang beschränkt und nicht versucht, ihrer Geschichte eine Aura von Mystik zu verleihen, hätte das Buch sicherlich eine bessere Bewertung von mir erhalten. Aber nein, sie musste ja unbedingt eine Mordermittlung ins Spiel bringen. Meiner Ansicht nach war dies eine unglückliche Entscheidung, weil sie dadurch unnötigerweise gezwungen war, weitere Erzählperspektiven zu involvieren, die das Handlungskonstrukt zerfasert und holprig wirken ließen. Jegliche Handlungsstränge abseits von Jori erschienen mir überflüssig und wertlos für die Geschichte, sodass ich mich beim Lesen dieser Abschnitte immer wieder fragte, warum Buck mir all das erzählte. Ich zweifelte an ihrer Autorität als Autorin und hatte Schwierigkeiten, ihren hin und wieder sprunghaften Gedankengängen zu folgen, sowie die Übersicht über die Chronologie zu behalten. Wie oft habe ich schon von Bescheidenheit gepredigt und betont, wie wichtig es ist, sich nicht mehr aufzubürden, als man händeln kann – ich wünschte, Vera Buck hätte sich diesen Ratschlag zu Herzen genommen. „Runa“ schießt meiner Meinung nach weit übers Ziel hinaus. Wenn es Vera Buck darum ging, einen realistischen Blick auf die Geschichte der Psychiatrie zu werfen, hätte sie es auch genau dabei belassen sollen. Ihre Versuche, eine geheimnisvolle Mordermittlung und verschiedene Erzählperspektiven zu integrieren, halte ich für gründlich misslungen; sie werfen einen Schatten auf die meisterhaft recherchierten Fakten des Buches, der hätte vermieden werden können. Sie wollte zu viel und riss daher alles, was sie erst gewissenhaft aufgebaut hatte, mit dem Hintern wieder ein. Vielleicht darf man von einem Debütroman keine Wunder erwarten, doch alle Großzügigkeit ändert leider nichts daran, was ich während der Lektüre empfand. Ich kann es nicht oft genug sagen: Schuster, bleib bei deinen Leisten.

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    • 2
  • Sehr gut recherchiert

    Runa

    Knorke

    09. August 2016 um 12:29

     Auf Runa habe ich mich ziemlich gefreut. Ich mag die Thematik, auch wenn es natürlich teilweise auch schockierend ist, was sie früher für richtig hielten und so wusste ich, dass ich das Buch unbedingt lesen wollte.Nach dem Lesen kann ich nun sagen, dass das Buch mich thematisch wirklich sehr angesprochen hat, jedoch hat es mich trotzdem nicht völlig überzeugen können.Das Buch wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, bei denen man eigentlich bei fast allen lange  keine Ahnung hat, warum ihre Perspektive beleuchtet wird. Jori, aus dessen sich der größte Teil der Geschichte erzählt wird, ist ein einfacher Student an der Salpêtrière. Er ist, wie eigentlich alle anderen auch, total begeistert von Charcot und seinen Vorführungen und Auffassungen. Gleichzeitig sucht er nach einer Chance, seinen Doktortitel zu machen, um so jemanden helfen zu können, der ihm sehr am Herzen liegt. Diese Chance bietet sich als Runa schließlich auftaucht, ein apathisches Mädchen, das auf keine Behandlungsmethode anspringt.Neben Jori gibt es auch noch einen Ich-Erzähler, der für mich bis kurz vor Schluss am wenigstens in die Geschichte gepasst hat, einen kleinen Jungen, einen mysteriösen Mann und einen ehemaligen Ermittler, der neben Jori die meiste Erzählzeit bekommt und versucht einen sehr seltsamen Fall zu lösen. Mit ihm und seiner Art hatte ich zu Beginn meine Schwierigkeiten, aber bald schon fand ich seine Kapitel auch sehr interessant. Insgesamt wurden alle Handlungsstränge immer interessanter, je mehr sich abzeichnete, wie diese zusammenhängen.Alle Figuren wirkten sehr gut gezeichnet und besonders gut hat mir gefallen, dass die Autorin nicht nur fiktiven, sondern auch historischen Figuren Leben eingehaucht hat. So findet man im Buch (neben Charcot) zum Beispiel Paul und Pauline Bleuler, Georges Gilles de la Tourette oder Joseph Babinski und nach dem Lesen meint man diese Figuren auch alle zu kennen.Wie man schon an den historischen Figuren sieht, hat die Autorin für ihren Roman gut recherchiert. Nicht nur bei den Figuren, sondern auch die Klinik und die Stadt sowie die medizinischen Behandlungen wurden von ihr so authentisch wie möglich zu beschreiben. So schaffte sie es zum einen, ein wirklich gutes Bild der damaligen Zeit zu zeichnen, jedoch setzt hier auch meine Kritik an. Mich haben die medizinischen Beschreibungen, Fachbegriffe und dazu noch die ganzen französischen Ausdrücke teilweise überfordert und nicht alles habe ich verstanden. Teilweise habe ich dann gegoogelt, teilweise habe ich beschlossen, es ist mir egal.Dazu kommt, dass die ersten 300 Seiten des Buches quasi nur eine Einführung sind. Man lernt eben sehr ausführlich die damaligen Methoden kennen, die Figuren, die Stadt und auch Joris Beweggründe. Gleichzeitig passiert auch einiges, was man mit dem aktuellen Wissensstand nicht verstehen kann. Erst danach beginnt die Geschichte richtig und erst danach wird die Geschichte auch immer spannender, bis man die letzten hundert Seiten eigentlich das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann, weil sich alle Ungereimtheiten auflösen und gleichzeitig die Situation sich immer mehr zuspitzt.Nach dem Lesen bleibt bei mir eigentlich nur noch der Wunsch, die Geschichte noch mal zu lesen, um sie so vollständig zu verstehen^^FazitDas Buch ist ein guter historischer Roman, der einen Blick auf den düsteren Teil der medizinischen Geschichte wirft. Sowohl die Thematik als auch die Figuren konnten mich völlig überzeugen. Inhaltlich war die erste Hälfte des Buches eher anstrengend, da viel Zeit für die Einführung benutzt wird, viele Fragen aufgeworfen werden und Szenen auftauchen, die man einfach (noch) nicht verstehen kann. Erst die zweite Hälfte des Buches bietet Auflösungen und der stetig ansteigenden Spannungsbogen sorgt dafür, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann.

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    • 3
  • Leserunde zu "Disney Prinzessinnen" von Disney Prinzessin

    Disney Prinzessinnen

    katha_strophe

    +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ACHTUNG: Dies ist keine Leserunde und man kann hier KEINE Bücher gewinnen! +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ 👑 Lesemarathon im Prinzessinnen-Style 👑 Passend zum Thema unseres Werwolf-Spiels wollen wir auch diesmal einen Lesemarathon veranstalten, an diesem Wochenende mit den Disney-Prinzessinnen als Ehrengäste. Das ganze findet sozusagen in Kooperation mit unserer Lesechallenge „Zukunft vs. Vergangenheit“ statt, aber ihr seid alle herzlich eingeladen, einfach so mitzulesen! Wir freuen uns über jeden. :) - auch über Leser, die erst später einsteigen.+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++Was, wie, wann?Sinn eines Lesemarathons ist es, sich mal wieder Zeit zu nehmen, möglichst viel zu lesen – und man kann hier mit anderen plaudern! Um den Austausch anzuregen, werden immer wieder Fragen in den Raum geworfen, die beantwortet und diskutiert werden können. Wie viel ihr lest oder schreibt, ist euch selbst überlassen. Jeder Teilnehmer kann (muss aber nicht) sich zu Beginn des Marathons ein Ziel setzen (klassischerweise Seitenzahlen, aber man kann da auch kreativ sein). Am Ende kann man so ein Fazit ziehen, ob das Ziel erreicht wurde. Ab Freitag Abend (ggf. auch schon nachmittags) werden immer wieder Fragen (oder Aufgaben gestellt), die man beantworten (bzw. bearbeiten) kann. Der Lesemarathon endet am Sonntag (17.07.) um 24 Uhr. +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++Falls euch gute Fragen einfallen, könnt ihr sie mir gerne schicken :) mein „Konzept“ ist gerade noch in Planung!+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++Teilnehmer (+ Ziel): LadySamira091062 (ein Buch beenden) rainbowly  AnnikaLeu (300 - 400 Seiten) Knorke (8 Diamanten) booklisa (aktuelles Buch beenden) SchCh121 (50 Kapitel) histeriker (aktuelles Buch beenden) Watseka (300 Seiten) MissSnorkfraeulein (4 Diamanten) Mitchel06 Vucha (500 Seiten) _Buchliebhaberin_ (aktuelles Buch beenden) Tatsu (330 Seiten) stebec (aktuelles Buch beenden) kirara  Bluuubii (430 Seiten), BlueSunset (Vorankommen) katha_strophe (5 Diamanten)

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    • 305
  • [REZENSION] Runa | Vera Buck

    Runa

    Lisasbuechereck

    24. June 2016 um 12:28

    Verlag: Limes | Erschienen: 24.08.2015 | Seiten: 608 | Preis: Hardcover 19,99€, eBook 15,99 Inhalt: "Man kam nicht her, um zu genesen, sondern um zu sterben." Paris 1884. In der neurologischen Abteilung der Salpêtrière-Klinik führt Dr. Charcot Experimente mit hysterischen Patientinnen durch. Seine Hypnosevorführungen locken Besucher aus ganz Europa an; wie ein Magier lässt der Nervenarzt die Frauen vor seinem Publikum tanzen. Dann aber wird Runa in die Anstalt eingeliefert, ein kleines Mädchen, das all seinen Behandlungsmethoden trotzt. Jori Hell, ein Schweizer Medizinstudent, wittert seine Chance, an den ersehnten Doktortitel zu gelangen, und schlägt das bis dahin Undenkbare vor. Als erster Mediziner will er den Wahnsinn aus dem Gehirn einer Patientin fort schneiden. Was er nicht ahnt: Runa hat mysteriöse Botschaften in der ganzen Stadt hinterlassen, auf die auch andere längst aufmerksam geworden sind. Und sie kennt Joris dunkelstes Geheimnis … Meinung: Dieses Buch hat mich echt zum Schlucken gebracht. Ich habe ziemlich lange gebraucht um in die Story rein zu kommen, da wir drei Handlungsstränge haben und das etwas verwirrend war. Was ja ziemlich gut zu der Geschichte Passt xD Die Geschichte verläuft wie gesagt in drei Handlungssträngen, was mich halt etwas genervt hat. Im Nachhinein ist mir klar geworden das es für die Geschichte wichtig war, so viele Perspektiven rein zu bringen. Die Geschichte ist zum Teil Realität und Fiktion. Was es einem schon manchmal etwas schwerer macht. Ebenso die ganzen Fachbegriffe. Ich glaube ich musste noch nie soviel bei einem Buch Googlen wie bei diesem. Trotzdem war es sehr Interessant so was mal zu Lesen. Wir behandeln hier eine Thematik die nicht ganz ohne ist, damals war alle ja noch ganz anders und viel härter. Dieses Buch ist auf jeden fall nichts für schwache nerven. Was damals in einer Nervenklinik so mit den Frauen gemacht wurde ist echt nicht ohne. Ich musste das Buch des Öfteren erst mal weg legen und durchatmen. Daher habe ich auch sehr lange gebraucht das Buch komplett zu lesen. Zudem kommt, dass der Schreibstil wirklich sehr anspruchsvoll ist. Es ist kein Buch was man mal eben so weg liest. Man muss sich auf das Buch und die Geschichte wirklich konzentrieren und einlassen. Das war jedenfalls meine Erfahrung. Die Charaktere waren sehr gut ausgearbeitet muss ich sagen. Jori war Student durch und durch. Er war von dem Thema und vor allem von dem berühmten Dr. Jean Martin Carcot wie besessen. Er hing förmlich an seinen Lippen. Was aber allen so ging. Dennoch ist Jori anders. Auch wenn er Runa die Krankheit weg schneiden will, ist er einer der Wenigen die so was wie Mitleid empfinden. Er hinterfragt so manche Methoden, ob das alles wirklich so richtig ist. Jori handelt eigentlich nur aus Persönlichen gründen so, im Kern ist er ein guter Kerl. Er hat mir ziemlich gut gefallen, da er für mich am Menschlichsten rüber kam. Runa ist da ein ganz anderes Thema. Runa war wirklich hart muss ich sagen. So wie sie beschrieben wurde, hätte sie super als Horror Kind in ein Stephen King Buch gepasst. Da lief es mir ab und an echt kalt den Rücken runter. Dennoch dachte ich da muss mehr sein. Was man aber leider nicht so erfährt. Denn Runa kam ziemlich kurz. Es ging hauptsächlich um Jori und seine Geschichte, was ich etwas schade fand. Denn das Buch heißt Runa also sollte es auch um sie gehen. Naja egal. Wir haben dann noch einen neurotischen Ermittler, der von sich selber sagt er ist ein Verbrecher. Einen Haufen verrückter Ärzte, die sich selber alle für Götter halten und Leute bei denen ich nicht recht weiß wie ich sie einordnen soll. Rundum ein ziemlich Chaotisches Buch, was man aber gelesen haben sollte. Zum Cover kann ich eigentlich nur sagen, dass es mir solala gefällt. Es ist sehr schlicht gehalten und sagt nicht wirklich was aus über das Buch. Das finde ich aber völlig in Ordnung. Es Passt gut und fertig ist. Bewertung: Es war eine echt Nervenaufreibende Geschichte die gut gelungen ist, trotzdem konnte es mich nicht so wirklich von sich Überzeugen. Von daher gute 3 Sterne für dieses Buch. An dieser stelle möchte ich mich bei der Verlagsgruppe Random House und ihrem Bloggerportal für dieses Rezi Exemplar bedanken.

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  • Die Geschichte der Medizin im 19. Jahrhundert

    Runa

    Miia

    23. June 2016 um 16:14

    Inhalt:  Paris 1884. In der neurologischen Abteilung der Salpêtrière-Klinik führt Dr. Charcot Experimente mit hysterischen Patientinnen durch. Seine Hypnosevorführungen locken Besucher aus ganz Europa an; wie ein Magier lässt der Nervenarzt die Frauen vor seinem Publikum tanzen. Dann aber wird Runa in die Anstalt eingeliefert, ein kleines Mädchen, das all seinen Behandlungsmethoden trotzt. Jori Hell, ein Schweizer Medizinstudent, wittert seine Chance, an den ersehnten Doktortitel zu gelangen, und schlägt das bis dahin Undenkbare vor. Als erster Mediziner will er den Wahnsinn aus dem Gehirn einer Patientin fortschneiden. Was er nicht ahnt: Runa hat mysteriöse Botschaften in der ganzen Stadt hinterlassen, auf die auch andere längst aufmerksam geworden sind. Und sie kennt Joris dunkelstes Geheimnis … Meine Meinung:  Allein das Cover des Buches macht Lust auf diese Geschichte. Wir erleben die Geschichte der Medizin im 19. Jahrhundert. Die Salpetriere-Klinik in Paris behandelt hysterische Patienten und führt auch Experimente an diesen durch. Jori ist Student in dieser Klinik und bewundert dort den Chef Dr. Charcot, der eben diese Experimente an Patientinnen durchführt. Als Runa als Patientin eingeliefert wird, wittert Jori seine Chance für seine Publikation und seine Zukunft, doch es kommt vieles anders als er plant. Ich finde, dass man für diese Geschichte Lust auf Medizin und Forschung haben muss. Wenn man eh interessiert an Forschung ist, oder so wie ich, mal in der Forschung gearbeitet hat, dann könnte diese Geschichte durchaus spannend für einen sein. Ich fand einfach interessant zu lesen, wie diese Ärzte dort alles tun, um die ersten zu sein, die über eine bestimmte Krankheit oder OP schreiben. Gleichzeitig fand ich die Fakten über die Medizin sehr spannend. Viele Charaktere in der Geschichte hat es wirklich gegeben und ich habe mich nebenbei ein bisschen über diese informiert. Das war einfach interessant und man lernt sehr viel. Es ist spannend zu erfahren, wie Geisteskrankheiten damals behandelt wurden und welche Gedanken sich dazu gemacht wurden. Allerdings habe ich auch sehr viele Kritikpunkte. Die Geschichte ist zwar irgendwie nett und es gibt extrem gruselige Szenen, die mir echt eine Gänsehaut bereitet haben, aber irgendwie fehlt das kleine I-Tüpfelchen. Runa, als Person, bringt einen Horror-Faktor in die Geschichte, weil sie das typische Horrorfilm-Mädchen ist. Doch meiner Meinung nach wurde einfach zu wenig aus ihr gemacht und am Ende ist sie regelrecht unwichtig für die Story. Dieses Buch plätschert daher auf 600 Seiten stellenweise nur vor sich hin und viele Szenen wiederholen sich meiner Meinung nach zu oft. Eine Kürzung hätte dem Buch also erstmal ganz gut getan. Aber leider hätte auch das nicht ausgereicht, denn ich finde, dass der Autorin am Schluss eine zündende Idee fehlte. Die Geschichte plätschert nämlich nur langsam aus. So einen richtigen Knall am Ende gibt es einfach nicht und das führt dazu, dass das Ende extrem unbefriedigend und auch nichtssagend ist. Es gibt irgendwie keine gute Abschlussszene, die einem nochmal die Wichtigkeit der Thematik des Buches näher bringt. Irgendwie läuft alles einfach nur aus und das ist ziemlich schade und macht die Geschichte zum Ende hin etwas kaputt, obwohl man vorher wirklich potenziell gute Szenen erlebt hat.  Fazit:  Ein historischer Roman, der mit interessanten Fakten aus der Wissenschaft, Forschung und Medizin trumpft. Die 600 Seiten sind aber leider auch mit vielen unnötigen Szenen gefüllt, das Ende ist dann leider nichtssagend und unbefriedigend. Mir kommt es so vor als hätte der Autorin am Ende eine zündende Idee oder Aussage gefehlt. Da ich aber einiges über die damalige Zeit insbesondere was die Medizin angeht, gelernt habe, vergebe ich gute 3 Sterne!

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