Kategorie: Beziehungsroman | Familie/Freundschaft | Jugendroman
Worum dreht sich die Handlung?: Lukas hat sich den Sommer anders vorgestellt – Schwimmen, vielleicht Annika, das Mächen seiner Träume auf ein Date einladen (wenn er sich je trauen sollte) und mit seinem besten Kumpel abhängen. Beste Voraussetzungen sind eigentlich gegeben, denn seine Mutter ist für ein paar Tage verreist. Aber dann findet er einen Brief, der nicht für seine Augen bestimmt war und plötzlich scheint das Geheimnis um seinen verstorbenen Vater, von dem keiner Reden will, zum Greifen nahe zu sein. Doch bald schon merkt Lukas, dass die Wahrheit für ihn nicht einfach zu ertragen sein wird. Trotzdem will er sie wissen…
Große Themen im Hintergrund: Toleranz, Vergebung, Gute Beziehungsführung
Teilbewertung (Legende *= hat mich nicht überzeugt, **= ausbaufähig, ***=solide/gut zu lesen, ****= sehr gut/klare Empfehlung, *****= exzellent/schwer zu erreichen):
- Handlung **°
Die Handlung ist realistisch, trotz einiger ungewöhnlicher Zufälle. Manchmal kann man Dinge schon ein bisschen vorher kommen sehen. Man möchte wissen, wie die Geschichte um Lukas und seine Familie weitergeht, aber es ist kein Buch, das auf Spannung ausgerichtet ist. Hauptsächlich geht es um die Konflikte der Charaktere (Lebendiger wie Toter in Gegenwart und Vergangenheit), um Verarbeitung und das über Bord werfen von Voreingenommenheit sowie das Brechen eines festkristallisierten Schweigens. Am Ende gehen alle Charaktere reifer aus der Geschichte hervor. Irgendwie hat mir manchmal das Ungewöhnliche etwas gefehlt, es gibt viel Drama um eigentlich recht wenig, wobei das vielleicht auch nur meine persönliche Sichtweise ist und in der Situation vielleicht mehr dramawürdigkeit erlangen würde. Am Ende ist trotz allem nicht sehr viel passiert, manche Handlungsstränge verlaufen sehr schnell im Sand.
- Aufbau ***
Der Aufbau ist linear und ausgewogen. Das spielen mit Motiven ist nicht sehr ausgebaut, aber vorhanden. Manchmal geht es an einigen Stellen zu schnell, aufgebaute Spannung kann sich nicht entfalten, andere lassen sich viel Zeit. Eher ruhig, fließt das Buch zwar vor sich hin, hat aber auch keine unnötigen Längen.
- Charakterzeichnung **°
Die Charaktere handeln authentisch, wenn auch nicht immer realistisch. Positiv aufgefallen ist, dass der Prozess der Akzeptanz von Dingen, die man eigentlich nicht wahr haben will, gut und ausführlich (wenn auch manchmal sehr beschleunigt) geschildert wird. Nebencharaktere bleiben oft etwas blass und Hauptcharaktere scheinen sich manchmal im Klischee zu verfangen, um dann aber doch wieder daraus auszubrechen. Gerade der Hauptcharakter muss sich mehrfach seinen Vorstellungen von der Vergangenheit, der Welt und seiner eigenen Selbstwertlandschaft stellen und sie verändern. Dieser innere Konflikt ist charakterauthentisch und daher gut geschildert, auch wenn vielen die Identifikationsfläche nicht ganz gegeben sein dürfte. Manchmal werden diese Dinge jedoch auch etwas kurz gehalten oder erledigen sich unrealistisch schnell.
- Sprache und Stil **°
Mit dem Stil sollte der Hauptcharakter noch greifbarer gemacht werden. Es wird viel mit Ellipsen, Ein-Wort-Sätzen und Wiederholungen gearbeitet, um einen konstanten inneren Gedankenfluss darzustellen. Dies soll die Authentizität erhöhen, wirkt aber manchmal etwas aufgesetzt. Auch finde ich es, vor allem am Anfang, recht anstrengend, vor allem da sehr stark mit diesem Mittel gearbeitet wird. Die Schilderungen an sich sind aber lebendig und von einer gewissen Wärme, was das wieder wettmacht.
- Zielgruppe(n)
Junge Erwachsene, die kein allzu schweres, aber trotzdem wichtige Themen behandelndes Buch mit Happy End suchen. Man findet hier nicht das große Psychogramm, aber doch eine nette Innenschau. Der Schreibstil ist was für mutige – bestimmt liegt er dem ein- oder anderen besser als mir.
- Fazit **°
Die Botschaft um offene Kommunikation, Toleranz und Vergebung sowie den Erwerb von Unvoreingenommenheit gegenüber Einzelpersonen auch nach einem schwierigen Start gefällt mir gut, allerdings wird teils viel Drama und in meinem Augen eher undramatische Dinge (und andersherum) gemacht. Die ruhige, positive Grundart zu erzählen tut dem Buch gut. Der Stil ist ein Experiment, das meistens gutgeht, aber auch manchmal etwas unangenehm wird. Charakterinteraktionen sind schön, wenn auch manchmal etwas klischiert. Das Buch war angenehm zu lesen, am Ende hatte ich aber das Gefühl, dass es irgendwie „weniger“ Inhalt war als erwartet.














