Verena Boos Blutorangen

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Inhaltsangabe zu „Blutorangen“ von Verena Boos

Für die junge Spanierin Maite ist der Studienaufenthalt in München vor allem eine Chance, ihrem konservativen Elternhaus zu entfliehen. Ihre Heimat Valencia, berühmt für den Handel mit makellosen, in Seidenpapier eingewickelten Orangen, wird ihr allmählich fremd. Sie verliebt sich in Carlos, der aus einer deutsch-spanischen Familie stammt, und befreundet sich mit dem alten Emigranten Antonio, der Orangenpapiere sammelt und von nie gehörten Ereignissen berichtet. Eine Frage steigt in ihr auf, die ein langes Schweigen bricht: Wie gelangte ihr Vater in eine deutsche Wehrmachtsuniform? Und was verbirgt Antonio, auch wenn er Maite am Küchentisch von seiner Flucht aus Spanien erzählt? Bei der Öffnung eines Massengrabes aus der Franco-Zeit treten schließlich die Schicksale ihrer Familie und der ihres Mannes ans Tageslicht.

Ein Familiendrama in modernem Erzählstil bringt eine Aufarbeitung der Francozeit ans Licht!

— sommerlese
sommerlese

Über die vielen Sprünge im Buch bin ich gestolpert.

— Mariposa93
Mariposa93

Eine großartige, individuelle Familiengeschichte, die geschichtlich und emotional viel zu bieten hat. Und sprachlich so toll!

— Ronne
Ronne

“Blutorangen” ist ein mit großem Einfühlungsvermögen erzählter Familienroman .

— Annette69
Annette69

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    Blutorangen
    gaby2707

    gaby2707

    17. March 2017 um 17:39

    Maria Teresa Molins, genannt Maite, hat es geschafft. Sie hat sich gegen ihren strengen Vater durchgesetzt, verlässt ihre Heimatstadt Valencia und studiert nun in München. Hier lernt sie Carlos kennen, einen spanischstämmigen jungen Mann und verliebt sich in ihn. Bei seinem Großvater Antonio, der sich in München eine neue Existenz aufgebaut hat, stößt sie auf ein Foto eines jungen Mannes in deutscher Uniform. Eine solche Uniform trägt ihr Vater auf einem Foto, dass sie zufällig einmal bei sich zuhause gesehen hat. Nun stellt sie Fragen und beginnt nachzuforschen. Alte Wunden reißen auf und ein totgeschwiegenes Kapitel ihrer Vorfahren kommt immer mehr ans Licht. Dies ist kein Roman, den man mal schnell zwischendurch liest. Durch die drei Zeitzonen, durch die er mich führt, brauche ich meine ganze Aufmerksamkeit um dem äußerst interessanten Geschehen folgen zu können. Spannung baut sich auf und hält mich gefangen, nachdem ich die Familienzugehörigkeiten verinnerlicht hatte, bis ich die letzte Seite erreicht und zusammen mit Maite ihr Leben bzw. ihre Vergangenheit und die ihrer Familie aufgearbeitet habe. In einer eindrucksvollen, berührenden, bildhaften und sehr lebendigen, hier und da aber auch abgehackten Sprache, was meinen Lesefluss manchmal aus dem Tritt gebracht hat, nimmt mich Verena Boos mit in die Aera Francos und dem spanischen Bürgerkrieg. Mir war bis jetzt nicht bekannt, dass spanische Männer auch im deutschen Krieg gegen Russland dabei waren. Für mich war es sehr interessant zu lesen, wie sich der Bogen der Geschichte von Spanien, wo er schließlich auch wieder endet, über Frankreich nach Deutschland, weiter nach Russland zieht. Die Personen finde ich gut beschrieben. Vor allem Maites Vater Francisco und Carlos Opa Antonio, dessen Schicksal mich tief berührt hat, kann ich mir sehr gut vorstellen. Bei der Vielzahl an Personen hätte ich mir hier zu Beginn der Geschichte einen Stammbaum gewünscht, an dem man die Zugehörigkeiten immer mal wieder nachsehen kann. Dieses Buch und diese Geschichte wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.

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  • Die Vergangenheit

    Blutorangen
    Pelikanchen

    Pelikanchen

    11. March 2017 um 00:08

    Maite, die ihr spanisches Elternhaus, allen voran ihren dominanten und sehr strengen Vater einfach entfliehen möchte. Dann verliebt sie sich in Carlos und bald ist dessen Familie zu einer Ersatzfamilie geworden, allen voraus Carlos spanischen Großvater Antonio.Durch Antonios Vergangenheit, kommt sie der Geschichte ihres Vaters immer näher, der in der Guardia Civil für viel Schrecken sorgte. Antonio flüchtet nach dem Bürgerkrieg über die Pyrenäen nach Frankreich und geriet dann versehentlich in einen Transport nach Deutschland.So weit, so gut und ich habe mich auf ein spannendes Buch gefreut das mit einem Bürgerkrieg in Spanien beginnt und die Geschichte der Nazizeit aus spanischer Sicht mir etwas näher bringt. Doch ich muss gestehen, die ersten 50-60 Seiten in diesem Buch wenn ich nicht lesen hätte müssen, wäre es einfacher gewesen in die Geschichte rein zu kommen. Handlungen die ich nicht verstand, sprachlich so geschrieben das ich nicht viel damit anfangen konnte. Wirre Gedanken die ich nicht zuordnen konnte und viel zu viele Personen die ich nicht zuordnen konnte. Wenn ich nicht schon in ein paar Rezensionen gelesen hätte, das es besser wird, hätte ich das Buch noch vor Seite 50 abgebrochen.Irgendwann wird es dann wirklich besser und ich habe langsam mitbekommen was uns Verena Boos erzählen wollte. Der Schreibstil bleibt dennoch gewöhnungsbedürftig und die Geschichte konnte mich nicht so fesseln, das ich wirklich in die Geschichte versunken bin. Die Handlungen spielen auf so vielen verschiedenen Zeitebenen aus ständig anderer Sicht, das ich dennoch Verena Boos zugestehen muss, das sie alles sehr stimmig erzählt hat und die Fäden geschickt miteinander verbinden konnte.Das Buch ist schwer zu lesen und man muss sich sehr Konzentrieren um den Inhalt zu verstehen. Aufschlussreich war es auf jeden Fall und Geschichtlich war es für mich interessant.

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  • Aufarbeitung von Schuld

    Blutorangen
    sommerlese

    sommerlese

    05. March 2017 um 17:38

    Für ihren Debütroman "Blutorangen" erhielt die Autorin "Verena Boos" mehrfach Preise, u.a. den Mara-Cassens-Preis für das beste Debüt. Der Roman erschien 2015 erstmals im Aufbau Verlag, die neue Ausgabe liegt als Taschenbuch vor.   Die junge Spanierin Maite kommt aus Valencia und beginnt in München ein Studium, damit kann sie ihrem konservativen Elternhaus, besonders ihrem herrischen Vater entfliehen. Sie verliebt sich in den spanischstämmigen Carlos und erfährt von seinem Großvater Antonio dessen Erlebnisse als Verfolgter unter dem Regime von Franco. Auf einem Foto erkennt sie ihren eigenen Vater in einer deutschen Uniform. Sie steht vor einem unbekannten und in ihrem Elternhaus totgeschwiegenen Kapitel ihrer Vorfahren.  "1939. Selbst die Erde schweigt. Schweigend nimmt sie sieben Körper auf, die liegen, wie sie fielen, übereinandergetürmt im Krater einer Explosion, eingehegt von dämmenden Lehmschichten, bedeckt nur von Nachtluft." Zitat S. 83In diesem Buch geht es um die geschichtliche Aufarbeitung der Zeit des spanischen Bürgerkrieges und des nachfolgenden faschistischen Franco-Regimes. Durch das zufällige Kennenlernen von Maite und Carlos treffen hier in der Enkelgeneration Täter- und Opferfamilien aufeinander. Man bekommt hier Einblicke in die noch heute nicht aufgeklärte Diktatur unter Franco, der Hunderttausende Menschen zum Opfer fielen. Es geht um Verbrechen und Schuld, die auch heute noch nach Generationen Menschen spürbar belastet und nicht gesühnt wurde. "Erst das Schweigen machte den Franquismus zum perfekten Verbrechen. Und die Realitätsverweigerung ihres Vaters ist eine Frage der Macht, ... Der Pakt des Schweigens auf ihrer eigenen Hochzeit." Zitat S. 221 Dieser Roman zeigt parallel zwei Familien, erklärt aus deren Erlebnissen die Zeit unter Franco und deckt Verbrechen auf, die noch heute totgeschwiegen werden. Verena Boos Roman ist eine intensive Recherche dieser Zeitspanne vorausgegangen, das merkt man deutlich. Doch ihre Zeitsprünge, die auch zwischen Orten und Personenperspektiven hin und her springen, machen es dem Leser nicht leicht, dieses Knäuel von Vorkommnissen und Andeutungen zu entwirren. Erst allmählich bekommen die Zusammenhänge ein eindeutigeres Bild und es wird verständlich, worauf dieser Roman hinausläuft. Diese Zeit von Beginn des spanischen Bürgerkrieges an war mir bis auf einige Schlagwörter und allgemeine Informationen nicht so speziell bewusst. Zum besseren Verständnis wäre ein dem Roman vorangestellter geschichtlicher Hintergrund durchaus hilfreich gewesen.  "Massengräber, das klang nach Balkan oder Afrika, doch Franco ließ die Leute systematisch erschießen, Lehrer wie sie selbst, renitente Geister wie Maite." Zitat Seite 339Auch wenn ich das Familiendrama sehr spannend, die Liebesgeschichte recht ausführlich und die geschichtliche Thematik sehr interessant finde, ihr nach einigen anfänglichen Schwierigkeiten auch gut folgen kann, so hat mich doch der moderne Schreibstil der Autorin eher abgeschreckt und meinen Lesefluss unterbrochen. Verena Boos schreibt wie mit einer Kunstsprache. Sie benutzt viele Fragen und gekünstelt wirkende abgehackte Sätze. Dann wieder benutzt sie lange Sätze, in denen sich Nebensätze und Worthülsen wie Perlen auf einer Schnur aneinanderreihen. Beispiel:"Seine Isabelita. Bei ihr löste er das nicht mit einem Schuss, er hat sie den Roten einfach weggeheiratet, jung und unverdorben, bevor man sie beschmutzen konnte, Isabel, Schönste von allen." Zitat S. 356 Wie so häufig, finden Literaturkritiker die höchsten Lobpreisungen über diese Sprache. Ich bin nicht völlig überzeugt und finde auch die vielen Nebenschauplätze zu intensiv beschrieben. Mich lenkt das vom eigentlichen Ziel ab, dem Herausfinden des Geheimnisses um Franciscos Schuld. Besonders Antonios Schicksal hat mich sehr berührt.Und die Verknüpfung zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart ist der Autorin inhaltlich gut gelungen. Hier zeigt sich wie traurige Kapitel der Geschichte nie vergessen werden können. Bei diesem Roman kann man viel über die historischen Vorgänge in Spanien ab 1936 erfahren. Man muss sie nur durch die vielen Zeit- und Perspektivsprünge richtig einordnen können.

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  • Der Pakt des Schweigens

    Blutorangen
    Buecherschmaus

    Buecherschmaus

    Wie geht man mit der eigenen Vergangenheit um, besonders wenn sie dunkle Flecken aufweist? Wie geht man mit eigener Schuld um? Wie begegnet man den Menschen, denen man Unrecht getan hat? Ein schwieriges Thema.Schicksalhafte Dimensionen erreicht es, wenn ganze Staaten, ganze Völker davon betroffen sind. Wie lange der Prozess der Aufarbeitung oder gar Versöhnung dauert, sieht man immer wieder. Südafrika, Kambodscha, Ruanda oder, näher, der Balkan, sind nur einige Beispiele dafür.Eine offene, ehrliche Auseinandersetzung scheint uns dabei das Wichtigste. Wie schwer dies ist, selbst für eine unserer westlichen Demokratien, sieht man am Beispiel Spaniens.1936 bis 1939 tobte ein grausamer Bürgerkrieg zwischen den Anhängern der Spanischen Republik und faschistischen Putschisten. Letztere gewannen, nicht zuletzt auch durch deutsche Unterstützung (Legion Condor, Luftangriff auf Gernika; man kennt die Stichworte). Die Diktatur unter Francisco Franco dauerte bis zu seinem Tod im Jahr 1975 an. Über die Opferzahlen herrscht bis heute keine Einigkeit. Von 200000 bis 800000 ist die Rede. Opfer nicht nur der Kampfhandlungen, sondern auch der während der franquistischen Diktatur durchgeführten „Säuberungen“ unter Kommunisten, Gewerkschaftlern, Sozialisten, Anarchisten und kritischen Akademikern. Ungezählt sind die „Verschwundenen“, deren Leichname nie gefunden wurden, über deren Schicksale seither geschwiegen wurde. Denn anders als in Deutschland gab es in Spanien nie einen radikalen Systembruch, sondern nach Francos Tod begann die Transición, eine Phase des Übergangs, die 1977 im „Pakt des Schweigens“ gipfelte, einem von der Politik verordneten Schweigegebot, und einer Amnestie für Verbrechen während der Franco-Zeit.Seit einigen Jahren regt sich in der nunmehr dritten und vierten Generation der Widerstand. Genauer gesagt seit dem Jahr 2000, in dem durch den „Verein zur Wiedererlangung der historischen Erinnerung“ (Asociación para la Recuperación de la Memoria Histórica, ARMH) die erste Öffnung eines Massengrabes von Opfern der Falangisten und deren Exhumierung erfolgte.Angehörige wollten es nicht länger hinnehmen, dass diese Opfer weiterhin unerkannt in Straßengräben, vor Friedhöfen oder auf Feldern verscharrt bleiben, während den ermordeten Franco-Anhängern im „Tal der Gefallenen“ ein monumentales Mausoleum errichtet wurde und noch heute auf Staatskosten unterhalten wird. Seitdem sind durch die ARMH zahlreiche Exhumierungen durchgeführt worden, zunächst mit staatlicher Unterstützung, seit Amtsantritt der konservativen Regierung Rajoy wurden diese aber wieder gestrichen. Das bürgerliche Lager protestierte bereits 2007 gegen das überfällige Ley de Memoria Histórica (Gesetz des historischen Andenkens), das die Opfer auf beiden Seiten anerkennt, das Franco-Regime offiziell verurteilt und den Opfern Hilfe zusagt. Es würden alte Wunden aufgerissen, die besser verschlossen blieben. Wie einflussreich dieses Lager immer noch ist, zeigte sich 2012 an der Suspendierung des spanischen Ermittlungsrichters Baltasar Garzón, der Ermittlungen zu Menschenrechtsverbrechen während der Diktatur und wegen des Verschwindenlassens von über 114 000 Personen eingeleitet hatte und die Öffnung der Massengräber aus jener Zeit erwirken wollte. Der Riss geht in Spanien quer durch die Bevölkerung. Lebten doch auch damals und seither Opfer- und Täterfamilien buchstäblich Tür an Tür.Diese lange Einführung sei mir verziehen, denn Verena Boos packt die geschilderten Umstände perfekt recherchiert in ihren Roman „Blutorangen“, der eine Opfer- und eine Täterfamilie durch die Enkelgeneration zusammentreffen lässt. Es ist die junge Maite, die ihrem Elternhaus und vor allem dem despotischen Vater entfliehen möchte und zum Studium nach München zieht. Es ist die Zeit um 1989/90, sie trifft den spanischstämmigen jungen Carlos, die Beiden werden ein Paar. Eher zufällig entdeckt sie ein Foto, das sie auf die Spur der unrühmlichen Vergangenheit ihres Vaters bringt: Im zweiten Weltkrieg Mitglied der spanischen „Blauen Division“, die auf Seiten Hitlerdeutschlands in Russland kämpfte, danach strammes Mitglied der gefürchteten Guardia Civil. Carlos Großvater hingegen war ein Verfolgter des franquistischen Regimes, entkam seiner Deportation in ein deutsches Konzentrationslager nur mit viel Glück und blieb fortan in Deutschland. Über die Orangen aus Valencia sind beide Familien verbunden: die eine als großbürgerliche Orangenproduzenten, die andere durch Carlos Obststand in der Münchner Großmarkthalle.Verena Boos erzählt diese Familiengeschichten nahe an der Zeitgeschichte, mit vielen Sprüngen in der Raum-, Zeit-, und Personenebene. Der Roman ist aber derart gut konstruiert, dass dies kein Problem darstellt, sondern ein vielschichtiges, eindrückliches Bild ergibt. Auch atmosphärisch ist die Geschichte äußerst gelungen. Sie berührt ohne jemals kitschig zu werden, klärt auf ohne jemals belehrend zu sein. Und dafür, dass Verena Boos ein solch interessantes, wenngleich in Deutschland weniger bekanntes Thema wählt, das nicht nur für das heutige Spanien von enormer Bedeutung ist, sondern generell Fragen dazu stellt, wie mit der Vergangenheit umzugehen ist, Schweigen oder Offenheit, gebührt ihr Anerkennung. Auch wenn in diesem Zusammenhang der Liebesgeschichte zwischen Maite und Carlos ein wenig zu viel Raum gegeben wird, ist „Blutorangen“ ein Buch, dass überzeugt und nachhaltig berührt.

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    • 3
  • Gute Story mit Stolpersteinen

    Blutorangen
    Mariposa93

    Mariposa93

    15. June 2016 um 19:19

    Maite nutzt ihre Chance und geht zum Studieren weg aus ihrer Heimat in Spanien nach München. Doch was sie dort erfährt ist mehr als sie gedacht hatte. Nicht das sie sich neu findet, sondern, dass Sie in der Vergangenheit ihrer Familie und in der Geschichte der Menschheit während dem zweiten Weltkrieg herumgräbt.Verena Boss verbindet die persönliche Geschichte von zwei Familien mit den Geschehnissen des zweiten Weltkrieges. Dabei erzählt sie zum einen harte Fakten und zum anderen persönliche Berichte des Erlebten. Maites Vater und ihr Schwiegeropa erzählen was sie erlebt haben.Die erzählte Geschichte ist sehr ergreifend, spannend und hat eine historische Verknüpfung. Mir persönlich viel es gerade zu Beginn schwer der Geschichte zu folgen. Verena Boss wechselt nicht nur die Perspektive, sondern auch die Zeit. So erfährt man die Geschichte man direkt bei Erlebten und mal aus Erzählungen.Das Buch spielt in der Vergangenheit von Maites Vater, in der Gegenwart von Maites Vater, in der Gegenwart von Maites Mutter, in der Vergangenheit von Maites Schwiegeropa, in der Gegenwart von Maites Schwiegeropa, in Maites Gegenwart und in Maites Vergangenheit, die Zeit, als sie nach München zum Studieren geht. Die verschiedenen Perspektiven und Zeiten verwirren zum Teil. Zwar wird zu Beginn des Kapitels immer beschrieben bei wem und wann wir uns gerade befinden, dennoch baut sich so nur langsam ein Fluss in der Geschichte auf. Auch schwierig ist es, dass immer wieder innerhalb der Kapitel kurze Rückblicke auf die Vergangenheit gegeben werden.Wer sich von den Schwierigkeiten nicht abschrecken lässt, erfährt mit diesem Buch einiges über den zweiten Weltkrieg, was vielleicht nicht jedem so bekannt war. Und zusätzlich bekommt man noch ein bisschen Familiendrama geliefert.

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  • Interessante Geschichte, Schreib- und Erzählstil gewöhnungsbedürftig

    Blutorangen
    Flamingo

    Flamingo

    31. December 2015 um 21:15

    Ich bin anfänglich nur schwer in das Buch reingekommen. Nach den ersten 60 Seiten habe ich erstmal für über ein halbes Jahr pausiert, dann aber noch mal einen Anlauf gewagt und den Rest dann aber zügig durch gehabt. Danach habe ich die ersten Seiten noch mal gelesen. Der Sinn eines Romans kann es aber nicht seit, dass man den Anfang erst am Ende versteht.  Da war m.E. der Anspruch der Autorin zu hoch, es ~fühlte sich nach gewollt und nicht gekonnt an. Und das ist auch der eine fehlende Stern zur Perfektion. Die Autorin will zu viel, will zu hochtrabend sein und schreibt phasenweise zu verquirlt und kümmert sich dabei eigentlich gar nicht mehr um den Leser (z.B. teilweise verwirrende Namensgebung und Namenswechsel der Charaktere), sie nimmt den Leser nicht immer mit, verliert sich in pseudo-kunstvolle Andeutungen. Ich habe mir am Anfang mit einem kleinen Stammbaum geholfen, bis ich reinkam.  Die Geschichte an sich ist interessant und interessant - wenn auch zeitweise langatmig - erzählt. Der Schluss ist etwas abrupt, als ob der Autorin dann doch irgendwann die Luft ausgegangen ist. Für ein rundes Erzählen wäre ein Epilog nicht schlecht gewesen.  Vier Sterne für die interessante Geschichte, einen Stern Abzug für zu "artsy fartsy" Schreibstil.  P.S.: Es heißt bocadillo de jamón (nicht con...s. S. 35) lol

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  • Täter und Opfer des Franquinismus

    Blutorangen
    Ginevra

    Ginevra

    05. May 2015 um 16:57

    Die junge spanische Studentin Maite lebt in München – weit weg von ihrem konservativen Elternhaus und dem strengen, unnahbaren Vater. Ihre große Liebe ist Carlos, ein junger Deutsch-Spanier, den sie auf einer Berghütte kennenlernt. Sein Großvater Antonio ist Maite sofort sympathisch – doch er erzählt von düsteren Erlebnissen aus den Zeiten des Zweiten Weltkriegs und des darauf folgenden faschistischen Franco-Regimes in Spanien. Mehrfach musste er fliehen, da er als überzeugter Sozialist zu den Staatsfeinden zählte. In München entflieht er im letzten Moment einem Gefangenentransport ins Konzentrationslager Dachau. Nach dem Krieg gelingt es ihm, in München als Großhändler Fuß zu fassen – doch die Erinnerungen quälen ihn weiter. Maites Interesse begeistert Antonio. Eines Tages erinnert sich Maite an ein merkwürdiges Foto ihres Vaters in einer Uniform – und sie stösst durch Antonios Schilderungen auf ein Familiengeheimnis… Verena Boos, geb. 1977, studierte Anglistik und Deutsche Literatur, sie gewann bereits mehrere Preise für ihre Kurzgeschichten, darunter den renommierten Bachmann- Preis. Mich hat ihr Roman „Blutorangen“ vom Thema her sehr interessiert, da ich noch nicht viel über die spanische Franco-Diktatur wusste. Vom Sprachstil her finde ich das Buch fast durchgehend sehr schön und emotional berührend geschrieben. Die Autorin verwebt mehrere zeitliche und örtliche Ebenen miteinander, was einige Kritiker sehr loben. Mich persönlich hat beim Lesen eher gestört, dass von Beginn an mehrere Zeit- und Ortsprünge stattfinden und mehrere Personen parallel vorgestellt werden, noch dazu in verschiedenen Lebensphasen. Teilweise mussten sie auch im Laufe ihres Lebens den Namen ändern, was die Sache nicht gerade erleichtert. Trotz Notizen und Zeichnen eines Familienbaums kam ich erst gegen Mitte des Buches hin hinter die familiären Beziehungen. Das lenkte mich persönlich vom Inhalt leider immer wieder ab – wobei der Inhalt in diesem Fall das Wichtigere sein sollte, wie ich finde.  Fazit: ich habe den gesamten Zusammenhang erst durch zweimaliges Lesen einiger Passagen richtig verstanden, aber ich habe auch sehr viel aus diesem Buch gelernt, und fand besonders Antonios Schicksal sehr bewegend. Von mir gibt es 4 von 5 Lese-Sternen!

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  • Kann man seiner Familie entfliehen?

    Blutorangen
    Annette69

    Annette69

    27. April 2015 um 17:12

    Die Studentin Maite würde am Anfang des Romans ihr spanisches, stockkonservatives Elternhaus, vor allem den strengen und dominanten Vater, am liebsten ganz weit hinter sich lassen. Als sie sich in Carlos verliebt und seinen spanischen Großvater Antonio kennenlernt, findet sie auch eine Ersatzfamilie. Doch die Geschichte ihres Vaters holt sie mit voller Wucht wieder ein und wird sie auf Jahre nicht mehr loslassen. Plötzlich steht sie "zwischen den Fronten". Während Maites Vater ein strammes Mitglied der Guardia Civil ist, flüchtete Antonio nach dem Bürgerkrieg über die Pyränaen zuerst nach Frankreich, wurde dort nach der Besetzung interniert, geriet in einen Transport nach Deutschland und entkam nur knapp dem Tod. Maites Vater ist viel zu jung, um für Antonios Schicksal Verantwortung zu tragen, denkt Maite. Dann entdeckt sie bei Carlos bayerischem Teil der Familie ein Foto von Onkel Karl in Wehrmachtsuniform... Die Opposition zum Vater bekommt plötzlich eine politische Dimension. Eine der stärksten Szenen spielt für mich an Weihnachten im Haus Munoz, als Maite nach ihren ersten Monaten in München die offene Konfrontation mit ihrem Vater sucht. Der Roman endet dennoch versöhnlich. Und der Schluss hält noch eine Wendung parat, die Maite einen Schlüssel liefert, woher ihr jahrelanges Unbehagen gegen das Elternhaus rührte (soll jetzt aber nicht verraten werden). Die Handlung spielt auf mehreren Zeitebenen und ist haarklein durchgeplant. Das Figurenensemble ist breit und sehr stimmig. Jede Episode greift wie ein Zahnrad in die andere. Die geschilderten Ereignisse sind aufschlussreich und bieten zeitgeschichtlich Interessierten viele Details. Der Text entwickelt aber kein „Eigenleben“, bei dem ich „alles stehen und liegen gelassen“ hätte, um in die Lektüre abzutauchen. Fazit: Ein sehr klug geschriebenes, aber eher kühles Buch.

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