Verena Kantrowitsch

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Lebenslauf von Verena Kantrowitsch

Verena Kantrowitsch, geboren 1979 in Münster, hat Psychologie an der Universität Osnabrück studiert. Sie arbeitet als Diplom-Psychologin im öffentlichen Dienst und ist nebenberuflich in der Beratung, im Coaching, als Dozentin im Gesundheitsbereich und als Kommunikationstrainerin tätig. Kantrowitsch ist begeisterte Impro-Theaterspielerin und lebt in Osnabrück. »Ich kann fliegen!« ist ihr erstes Buch.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Verena Kantrowitsch

Cover des Buches Ich kann fliegen! (ISBN: 9783866486003)

Ich kann fliegen!

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Erschienen am 04.02.2020

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Rezension zu "Ich kann fliegen!" von Verena Kantrowitsch

Flugangst: woher sie rührt, wofür sie steht und wie wir sie überwinden
HansDurrervor einem Jahr

Verena Kantrowitsch, geboren 1979 in Münster, hat Psychologie an der Universität Osnabrück studiert und ihre Flugangst – obwohl sie zu den wirklich schweren Fällen, den quasi genetisch verankerten, gehörte – überwunden. Doch nicht nur davon handelt dieses Buch, vielmehr ist es eine differenzierte, grundsätzliche und witzige Auseinandersetzung mit der Angst. Und besser als die Kombination differenziert, grundsätzlich und witzig geht eigentlich nicht. Jedenfalls für mich.

Differenziert meint zuallererst: Nicht Schwarz/Weiss. Also nicht Kopf versus Gefühl. Oder Wissen versus Intuition. Das Bauchgefühl hat seine Berechtigung (vor allem bei denen, die schon einiges wissen), doch im Cockpit (hoffentlich) nichts zu suchen. Oder würden sie etwa im Ernst ein Flugzeug besteigen, das von Donald J. Trump pilotiert wird?

Grundsätzlich meint zum Beispiel: Angst hat auch ihr Gutes, wir würden ohne sie nicht lange überleben. „Statt also darauf zu hoffen, sie loszuwerden, wäre es aussichtsreicher, sie als gegeben zu akzeptieren. Wenn sie da ist, ist sie da – das kann uns missfallen, ist aber eine Tatsache.“ Nur eben: Angst kann auch in die Irre führen. Was dagegen hilft, ist Aufklärung, innere Aufklärung. Und die geschieht, indem wir „den Kopf systematisch mit Wissen und dann den Bauch mit Erfahrung füttern.“

Und apropos witzig, hier ein Beispiel: „Der durchschnittliche Mallorca-Urlauber kommt sein ganzes Leben sicher auf der Insel an? Schön für ihn. Aber was hat das mit mir zu tun?“ Und gerade noch eins: „Vorurteile erweitern den Horizont – vorausgesetzt, sie werden kritisch reflektiert.“

Klar doch: Wir sind alle ganz besonders, jeder und jede ein Spezialfall. Was ja auch stimmt, nur trifft das auf alle anderen auch zu. Was Verena Kantrowitsch vorschlägt, ist ein Realitätstest. Lasst nicht die Gefühle, sondern die Fakten regieren. Nicht Halb-Wissen, Fakten. Denn: „Frisch erworbenes Faktenwissen aus Psychologie, Medizin und Physik erschafft neue neuronale Wege im Gehirn – und lässt die Irrwege der Angst verkümmern.“

Zu einem hilfreichen Faktenwissen gehören auch ein paar naturwissenschaftliche Erkenntnisse. Dazu gehört etwa: „Aufgrund zwingender Naturgesetze fliegt ein Flugzeug von siebzig Tonnen Gewicht Tausende von Meilen.“ Doch weshalb haben wir soviel Mühe, das zu glauben? Weil unsere Hirnstrukturen aus einer Zeit stammen, in der das Fliegen noch nicht gängig war. „Man kann es nicht genug wiederholen: Mit Rückschritten in die innere Steinzeit (oder auch nur ins innere Mittelalter) müssen wir generell jederzeit rechnen. Einige Hundert Jahre Aufklärung sind eben relativ wenig verglichen mit rund zwei Millionen Jahren Menschheitsgeschichte.“ Anders gesagt: Unser Gehirn ist hinter der technischen Entwicklung zurückgeblieben, der Aberglaube diktiert unser Leben mehr, als uns bewusst ist.

Das drückt sich unter anderem auch darin aus, dass wir oft Zusammenhänge und Kausalitäten herstellen, wo gar keine sind. Weil wir die Kontrolle haben wollen. Verena Kantrowitsch spricht von magischem Denken und sagt auch deutlich, wofür es steht: „Magisches Denken ist Verschleierung von Angst.“ Sie kennen das womöglich: Wenn sie mitten in einer Sommernacht aufwachen und den Baum vor dem Haus für einen Bären halten. Nur eben: Was vor Urzeiten durchaus Realität hat sein können, ist es heute nicht mehr. Leider hat das unser Gehirnautomat nicht mitgekriegt – es gilt ihn umzutrainieren.

Ich will fliegen! liefert höchst nützliche Aufklärung und erläutert unter anderem, dass ein gesunder Mensch weder vor Angst verrückt werden, noch sterben kann. Vor allem aber dies: „… die Angst ist nicht unendlich. Früher oder später sinkt die Angstkurve ab.“ Zudem: „Angstkurven werden flacher durch wiederholte Konfrontation.“ Wie die Buddhisten so treffend sagen: was kommt, geht auch wieder – sofern wir uns nicht daran klammern.

Erfreulich an diesem Buch sind auch die Ausführungen zu psychologischen Debatten wie etwa der Unterscheidung von intrinsischer (innere) und extrinsischer (äussere) Motivation. „Intrinsische und extrinsische Motivation kann auch nebeneinander existieren – oder sich überschneiden. Das ist sogar meistens der Fall.“ Ich würde noch wesentlich weiter gehen: Wer ernsthaft glaubt, solche Unterscheidungen treffen zu können, hält sich offenbar für gottähnlich, ist also nicht ganz bei Trost. Das gilt nicht nur für Psychologen, sondern für alle. Denn: „Gut möglich, dass Psychologen selbst einen Knacks haben. So wie alle anderen auch.“

Ich kann fliegen! ist ein überzeugendes Plädoyer fürs genaue, nüchterne Hingucken, das die Konfrontation mit der Realität erlaubt, dem besten Mittel gegen den Würgegriff der Angst.

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