„Gewissenhaftigkeit, das ist ein langes Wort. Ich schleife es hinter mir her, während es gegen jede verdammte Straßenlaterne knallt und schmerzende Geräusche verursacht.“
Dieser Satz aus der Erzählung „Trauerarbeit“ ist nur ein Beispiel für Bilder der Autorin, die ebenso wie ihre Geschichten in mir nachhallen. Sie sind wie einzigartige Perlen an einer Kette, scheinbar zufällig eingeflochten bringen sie die Gesamtheit zum Funkeln. Ich möchte wissen, wie es weiter geht, mit Mo und Huck, Agda oder Elli. Diese Suchenden, melancholische Wesen mit einem gewissen Eigensinn und äußerst feinen Nerven. Sie wirken wie gefangen in ihrer Welt, aus der sie auszubrechen trachten. Sie tun es auch gelegentlich. Doch bringt es sie weiter? Verbunden mit Menschen, zu denen Sprechblasen in ihrem Kopf entstehen, die den Mund nicht erreichen. Vergeblich warten sie auf den „richtigen“ Zeitpunkt, den alles entscheidenden Satz auszusprechen. Und bleiben auf ihm sitzen. Als stünden sie hinter einer milchigen Wand, zart die Hand ausstreckend. Die Autorin schreibt über vielschichtige Charaktere jenseits des Mainstream, mit einem Sinn für die Herausforderungen des Seins, an denen sie leiden, aber nicht zerbrechen. Sie stellen sich, kreuzen zart die Klingen, kämpfen und stehen auf. Denn Leben ist ständige Veränderung. Aufgeben keine Option. Sensibel lässt Verena Kaster ihre Figuren in dieser Welt neue Wege anlegen, wie sie „trotzdem“ weiterleben. Sie lotet aus, welche Reaktion zu welchem Charakter passt. Hadert mit ihnen, lässt sie nicht vom Haken, leidet mit. Als Leserin gerate ich in ihren Bann. Eine Autorenstimme, die viel zu früh verstummt ist. Ich hätte gerne mehr gelesen.
„Er sah sie an, ernst und schattig. Eine unüberbrückbare Distanz, eine Zeitdehnung ins Unermessliche, eine Abgrenzung, die schmerzte, lag in seinem Blick und zwischen ihnen.“

