Verena Mermer die stimme über den dächern

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Inhaltsangabe zu „die stimme über den dächern“ von Verena Mermer

Baku, Aserbaidschan, im Frühling 2011: Die Stadt ist in Aufruhr, Proteste gegen das autoritäre Regime werden laut. Mittendrin Ali und Nino, Frida und Che, zwei junge Paare, die nicht nur gegen Unterdrückung protestieren, sondern auch für ihre Liebe kämpfen, um Freiheit und Selbstbestimmung, um Glück und um ein Leben, das ganz ihnen gehört. Doch Verena Mermer erzählt nicht nur von den politischen Kämpfen und dem Alltag in einer der letzten Diktaturen an den Grenzen Europas. Ihr wunderbares Romandebüt treibt auch ein berückendes Verwirrspiel mit seinen Figuren, mit Zeiten und Orten, mit den Mythen der Revolution und der Liebe und lockt uns in das Labyrinth poetischer Erfindung.

artifiziell, anspruchsvoll, aktuell - doch leider überhaupt nicht meins!

— leselea
leselea

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    die stimme über den dächern
    leselea

    leselea

    15. September 2016 um 15:34

    Alle Rezensionen beruhen auf den subjektiven Empfindungen ihrer Verfasser. Deswegen kann ein und dasselbe Buch von einem Leser in den Himmel gehoben werden, von einem anderen Leser dagegen als größte Enttäuschung des Jahres bewertet werden. Letztlich muss sich jeder Leser ein eigenes Bild von jedem literarischen Werk, das ihn interessiert machen, und sollte sich nicht zu sehr auf die Besprechungen anderer verlassen – das gilt auch und besonders für die folgenden Worte zu die stimme über den dächern von Verena Mermer. Denn dieses Werk kann man trotz meiner 2-Sterne-Bewertung durchaus loben: Es ist künstlerisch, es ist innovativ, es spielt mit literarischen Motiven sowie mit fiktiven und historischen Persönlichkeiten, es ist aktuell, es ist politisch, es ist exotisch. Und doch ist es leider überhaupt nicht meins! Woran lag es, dass dieses Buch so völlig an mir vorbeiging? Zunächst einmal fehlte es mir an einer „richtigen Geschichte“. Laut Klappentext erzählt das Buch von Ali und Nino, Frida und Che, zwei jungen Paaren aus Aserbaidschan, und ihrem Alltag in der boomenden Hauptstadt Baku, der im Frühling 2011 in Aufruhr gerät, als sich die vier an den Protesten gegen das autoritäre Regime beteiligen. Doch Verena Memer offeriert keine zusammenhängende Story, die auf einen Höhepunkt und ein Ende hinarbeitet, sondern reiht vielmehr einzelne Bilder aneinander. Bilder, die zwar durchaus stark die Diskrepanz zwischen Reichtum in der Hauptstadt und Armut an der Peripherie, das konservative Frauenbild des Landes, die Homophobie der Mehrheitsgesellschaft, die stasiähnliche Überwachung der Bürger vermitteln; die jedoch nicht mehr als Fragmente, als Ausschnitte sind, die lediglich eine Ahnung von dem Dargestellten erzeugen, statt ein Vertiefen, ein Abtauchen zu ermöglichen. Zweitens war mir die Aufmachung des gesamten Romans zu artifiziell und manieriert. Der komplette Text ist, mit Ausnahme bestimmter zentraler Wörter, durchgehend kleingeschrieben. Die wörtliche Rede wird nicht durch Anführungszeichen, sondern durch Kursivierung kenntlich gemacht. Der Satzspiegel nimmt nur circa 2/3 der Seite ein und lässt links einen breiten Raum, in dem bei Bedarf in Klammern der Name der sprechenden Person notiert wird. Der Roman kommt somit mehr wie ein langes Gedicht oder wie ein Theaterstück daher; beides regt mich persönlich nicht zu einer flüssigen Lektüre an. Die Sprache ist dabei durchaus gekonnt, es gibt viele schöne eingenwillige Sätze und Metapher, die aber teilweise zu hochgeschraubt werden. Gleichzeitig gab es immer wieder Einschübe, die sich meinem Verständnis total entzogen und deren Formulierungen mir „falsch“ vorkamen. Zuletzt konnte ich mit den surrealistischen Momenten des Romans nicht anfangen. Zwar schätze ich Bücher, die mit literarischen Vorlagen oder historischen Persönlichkeiten spielen und die ihre Fiktionalität deutlich herausstellen, indem sie irrationalen und magischen Momenten einen Raum geben, dieses Mal konnte diese Intention bei mir jedoch nicht verfangen. Das lag vermutlich daran, dass sich mir die eigentliche Erzählung schon so sehr entzogen hatte, dass es mir zu viel Mühe machte, zwischen den Zeilen zu lesen. Ich bin nicht zufrieden mit der Rezension, weil sie dem Buch nicht gerecht wird. Insgesamt ist die stimme über den dächern sicherlich ein anspruchsvolles Buch – für mich vermutlich zu anspruchsvoll, wie ich während der Lektüre feststellen musste. Leider konnte ich aus dem Gelesenen für mich nichts mitnehmen, sondern es blieb nur das schale Gefühl, diesen ambitionierten Romans einfach nicht richtig erfassen zu können.

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