Ich war Diener im Hause Hobbs

von Verena Rossbacher 
3,9 Sterne bei30 Bewertungen
Ich war Diener im Hause Hobbs
Bestellen bei:

Neue Kurzmeinungen

Positiv (23):
Claddys avatar

Unterhaltsam, niveauvoll und wunderbar erzählt! Ach ja: Und beileibe keine einfache Geschichte!

Kritisch (3):
Buchgespensts avatar

Es war einfach gar nicht mein Buch. Es fehlten mir Charaktere zum mitleben, eine Geschichte, die fessselt - und nichts hat das ausgeglichen.

Alle 30 Bewertungen lesen

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "Ich war Diener im Hause Hobbs"

'Es war ein schlampiger Tag. Dies ist eine einfache Geschichte.'
Ein Skandal und ein überraschender Todesfall in den besten Kreisen der Zürcher Gesellschaft zwingen einen jungen Diener, die Bruchstücke der Geschichte neu zusammenzusetzen. Doch seine Erinnerung ist unzuverlässig – und so ist nichts, wie es zunächst scheint in diesem vertrackt unheimlichen und betörend leichtfüßigen Roman. Es war Christian, der Diener der Anwaltsfamilie Hobbs, der den Toten im Gartenpavillon neben der blutbespritzten Chaiselongue fand. Jahre später blickt er zurück und versucht zu verstehen, wie es zu der Katastrophe hat kommen können. Erinnerungen an seine Jugend im österreichischen Feldkirch drängen sich scheinbar zufällig in seine Rekonstruktion: Vier genialisch provinzielle Jungs rezitieren am sommerlichen See in sagenhaften Anzügen Zweig und Hesse, haben ihre ganz eigene Theorie zu gelockten Frauen und das gute Gefühl, dies alles wäre erst der Anfang. Christian erzählt vom Auseinanderdriften der verschworenen Freunde, von seiner Anfangszeit als Diener in Zürich, als die Wohlstandsidylle der Familie Hobbs noch intakt scheint, von verwirrenden nächtlichen Zimmerbesuchen und von dem fatalen Moment, als die einnehmende Hausherrin Christians alten Freunden begegnet und alles in Schieflage gerät. Und während er die Untiefen der eigenen Schuld auslotet, kommt er einem großen Geheimnis auf die Spur. Der dritte Roman von Verena Roßbacher ist ein literarisches Ereignis – voller psychologischer Brillanz, umwerfender Poesie und treffsicherem Humor.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783462048261
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:384 Seiten
Verlag:Kiepenheuer & Witsch
Erscheinungsdatum:16.08.2018

Videos zum Buch

Rezensionen und Bewertungen

Neu
3,9 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne8
  • 4 Sterne15
  • 3 Sterne4
  • 2 Sterne3
  • 1 Stern0
  • Sortieren:
    frenx1s avatar
    frenx1vor 7 Tagen
    Nicht stimmig erzählt

    „Ich war eine Schlaftablette, die nicht richtig wirkte, zufrieden und unbedarft segelte ich durch eine glatte See, ich kannte keine Stürme, keine Unwetter, kein Bermudadreieck der Emotionen, ich war ein simples Gemüt.“

    So beurteilt sich Christian Kauffmann zum Ende des Buches hin. Kauffmann hat den Beruf des Butlers erlernt. Bei der Familie Hobbs arbeitet er einige Jahre als Diener, bis es zu einem Todesfall kommt, der ihn völlig aus der Bahn wirft.

    Es hätte spannend sein können, darüber zu lesen, wie dieser anachronistische Beruf in unserer Zeit in einer Familie mit Leben gefüllt wird. Doch in der Tat ist es so, dass Christian Kauffmann so gar keine interessante Persönlichkeit hat. Es hätte spannend sein können, über die Familie Hobbs, wo Ehemann und Ehefrau unterschiedlicher nicht sein könnten, zu lesen. Doch in der Tat ist es so, dass diese charakterlichen  Gegensätze nachdem sie einmal beschrieben wurden, später kaum noch eine Rolle spielen. Es hätte spannend sein können zu lesen, wie Christian es schließlich gelingt, die Umstände des mysteriösen Todesfalls zu lösen. Doch in der Tat ist es so, dass das Buch mit einer großen Menge an Belanglosigkeiten gefüllt ist und zum Ende hin die Auflösung derart unwahrscheinlich und an den Haaren herbeigezogen ist, dass es keine Freude ist, das Buch zu lesen.

    Der Trick des Buches ist, dass es rückblickend erzählt wird – Christian Kauffmann schreibt nachdem er alles herausgefunden hat, seine Geschichte auf. Damit ist das Buch mit Anspielungen gespickt, die man beim zweiten Lesen erkennt – beim zweiten Lesen, da man auf Kleinigkeiten so nicht unbedingt achtet und da Namen oft erwähnt werden, bevor sie überhaupt eingeführt wurden. Man könnte dieses Erzählen als Clou sehen, für mich ist es allerdings einfach nur leserunfreundlich.

    Nein, das Buch ist definitiv nichts für mich. Ich finde es trotz mancher guter Passage so gar nicht gelungen. Nicht nur, dass am Schluss sich erweist, dass alles völlig konstruiert ist, auch die Figur des Christian Kauffmann ist für mich keine stimmige Figur. Ein Diener, der eine Abneigung gegen seine Heimatstadt Feldkirch hat, dann aber stinksauer ist, wenn er von seinen früheren Freunden, zu denen er nur lose Kontakt hält, nicht alles erfährt, was geschieht. Dann trennt er sich von seinem Lebenspartner, einfach so, vermutlich weil der vor ihm richtig kombiniert hat und früher wusste, was Sache in dem Todesfall ist. Ein Diener, der sauer ist, wenn alte Freunde ihn zurechtweisen, aber zugleich überhaupt keinen Wert auf ihr Ergehen oder gar auf ihre Meinung legt. Ein treuer Diener, der anfängt, seine Arbeitgeber zu bespitzeln.

    Hinzu kommt, dass der Roman völlig willkürlich hin- und herschwingt zwischen zwei Welten – der des Dieners und der der Hobbs, die dann auch noch so absonderlich verknüpft werden müssen, dass es einem die Schuhe auszieht. Dass Christian Kauffmann seinen Bericht über das Geschehene schreibt, weil er sich schuldig fühlt, geht am Ende völlig unter.

    Fazit: „Ich war Diener im Hause Hobbs“ ist ein Buch, das zwar gute Seiten hat (etwa wenn das Wesen eines Butlers beschrieben wird), aber insgesamt in keiner Weise stimmig erzählt ist.

    Kommentieren0
    2
    Teilen
    Milagros avatar
    Milagrovor 9 Tagen
    Kurzmeinung: Detailliert, nicht weitschweifig, ganz wunderbar erzählt.
    Die Hobbs

    Schon beim Lesen der beiden ersten Sätze "Es war ein schlampiger Tag. Dies ist eine einfache Geschichte." , spürte ich, dass wir gut zueinander passen, diese Geschichte und ich.

     Christian, der Diener der Familie  Hobbs berichtet sachlich, er habe den Toten im Gartenpavillon neben der blutbespritzten Chaiselongue gefunden. Jahre später blickt er zurück, nimmt den Leser mit nach Zürich und in seine kleinstädtische Heimat und versucht zu verstehen, wie es zu dieser Katastrophe kommen konnte. Dass es sich nicht um eine tragische Geschichte im 19. Jahrhundert handelt, habe ich erst nach einigen Momenten erkannt, zu abgehoben erschienen mir die Umstände.
    Die Sprache ist gespickt mit unterschwelligem Humor, manche Sätze liest man doppelt, ungläubig nach dem ersten Lesen. Der Bericht des Dieners erscheint zunächst weitschweifig, die einzelnen Bruchstücke ergeben schließlich aber ein Ganzes. Bis dahin genießt man eine interessante, amüsante und vielschichtige Familiengeschichte und erkennt die Demontage.

    Kommentare: 1
    36
    Teilen
    histerikers avatar
    histerikervor 14 Tagen
    Durchhalten!

    Inhalt:
    Christian schreibt seine Erinnerungen an seine Zeit als Butler in der Züricher Familie Hobbs auf.

    Bewertung:
    Der Anfang des Buches war für mich sehr zäh. Es kommen ganz viele Personen vor, man ist sich zeitlich nicht sicher, man erfährt viel über Christians Freunde, weiß aber nicht, was es soll. Man will vorankommen in der Geschichte, es passiert aber aktuell sehr wenig. Und da heißt es einfach durchhalten! Das Buch nimmt ab ca. 1/3 an Fahrt auf und die letzten Seiten sind einfach der Hammer! Alles macht plötzlich Sinn und die Anspielungen tauchen wieder auf... Wie ein guter Krimi, wo man lange auf die Auflösung wartet, aber dann haut sie einen um und alles ergibt Sinn. Und das gefiel mir an dem Buch sehr, dieses mitraten und dann doch nicht alles gesehen zu haben.
    Was noch positiv ist, dass Christian nicht der alles-sehender Detektiv ist, man kann sich mit ihn identifizieren, weil er gerade nicht alles sieht und einen so die Möglichkeit lässt, mitzuraten.
    Sprachlich war das Buch auch sehr gelungen, viele Sätze sind zwar verschachtelt, aber man gewöhnt sich dran und die Bilder die oft beim Lesen entstehen, will man nicht missen.
    Eine Empfehlung von mir!

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    Vivian_Neumanns avatar
    Vivian_Neumannvor 15 Tagen
    Kurzmeinung: Eine witzige und sprachgewaltige Erzählung, mit traurigem Hintergrund, eines recht versnobbte Butlers.
    philosophisch, psychologisch, witzig und versnobbt, aber auch verworren

    Inhalt: Christian Kaufmann schreibt seine Gedanken zu der Zeit, in der er Diener bei den Hobbs in der Schweiz war, nieder. Damals hatte er gerade seine Ausbildung als Diener beendet und wollte in der Welt weit rumkommen. Aus den geplanten 1-2 Jahren, die er höchstens bei den Hobbs bleiben wollte, wurden mehr als 10 Jahre. Geendet hat diese Zeit mit einem mysteriösen, hier gleich zu Beginn erwähnten, Todesfall und einen empörenden Skandal. Noch heute rätselt er, wie es dazu kommen konnte. War er blind für die Ereignisse um ihn herum, oder verstand er nur nicht die Menschen, die ihn umgaben? Diese Aufzeichnungen sollen ihm helfen das Unerkannte zu erkennen.

    Wertung: Die zu Beginn gestellte Frage, wie es denn zu dem Mordfall kam, findet nicht wirklich ihre Antwort. Das Thema zieht sich versteckt durch das ganze Buch. Andere Dinge werden hier vorrangig abgehandelt. Familienverhältnisse und Talente, bzw. Hobbies werden ausführlich vorgestellt, Ereignisse aus seiner Jugendzeit aufgeführt und der Freundeskreis genauestens erkundet. All das gehört allerdings zu den Eigenarten von Krischi, wie er liebevoll von Freunden genannt wird, als nicht als Kritik zu verwenden. Seine oft langsame und verworrene Denkweise kann der Leser hautnah miterleben und wird nicht abgeneigt sein hin und wieder den Kopf zu schütteln. Dennoch ist es amüsant, wie er sich in seinen Beschreibungen und Erklärungen vergeht. Der Schreibstil ist auch dem eines versnobten Butlers angepasst und unterstreicht die lustige Seite des Buches hiermit.

    Zum Ende hin erhöhen sich die Spannung und auch das Tempo. Hier ist der Leser in Erwartung der Aufklärung. Aber viele Abzweige in Nebenhandlungen machen es einem sehr schwer wirklich folgen zu können. Letztendlich bleiben einige Fragen offen und auch nach Beendigung des Buches gibt es noch lange Grund über das Gelesene nachzudenken.

    Fazit: Es war schon recht anstrengend, den Aufzeichnungen des Butlers zu folgen. Ein einfaches Weglesen war nicht möglich. Es ist doch eines der anspruchsvolleren Bücher, bei dem man auch nachdenken, hinterfragen und genauer lesen sollte. Ich persönlich werde es mir noch einmal zu Gemüte ziehen, da ich immer noch das Gefühl habe einiges nicht verstanden zu haben. Vielleicht ist es aber auch Absicht, da ja der Butler letztendlich wohl auch die Frage nach dem Warum nicht beantworten kann.

    Kommentieren0
    4
    Teilen
    SABOs avatar
    SABOvor 18 Tagen
    Der Zürcher Skandal

    Verena Rossbacher - Ich war Diener im Hause Hobbs

    "Es war Christian, der Diener der Zürcher Anwaltsfamilie Hobbs, der den Toten im Gartenpavillon neben der blutbespritzten Chaiselongue fand. Jahre später blickt er zurück und versucht zu verstehen, wie es zu der Katastrophe kommen konnte."

    Zürich, ein Skandal
    Die Familie Hobbs sucht über eine Agentur einen Butler, das Ehepaar und ihre Kinder bewohnen eine feudale Villa, der Hobbsche Zwillingsbruder bewohnt den Pavillion.

    Niemand sieht ihn - er sieht alles. Aus einem toten Winkel heraus beobachtet er seine Arbeitgeber, die Anwaltsfamilie Hobbs aus Zürich. Er verfolgt jedes noch so kleine Geschehen seiner Herrschaft. Diese gibt sich aber auch nicht sonderlich viel Mühe diskret zu sein. Gibt es einen Disput, so wird Christian Teil des Mobiliars, das er gerade befeudelt. Er lebt diesen Mikrokosmos.

    In seiner Eigenschaft als Butler entwickelt er eine Art funktionelle Neugier. Die Profession, eines Dieners, der Schränke und Schubladen mit seinen Blicken und weißbehandschuhten Händen liebkost. Jedes Seidenhöschen wird an seinen Platz gerückt, die zarten Stoffe nach Farbe und Saison sortiert. Da ist es auch fast normal, dass er die Temperaturkurve seiner Herrin kontrolliert und sie mit ihrem Schokoladenbestand vergleicht. Hat er alles richtig berechnet, ist Nachwuchs unterwegs, doch der Terminkalender von Herrn Hobbs schließt die Möglichkeit aus.

    Es sei denn..
    Könnte es sein, dass Frau Hobbs dem Atelier im Pavillon einen "Besuch" abstatttete, während ihr Mann auf Geschäftsreisen war? Irgendwann kommt der Tag, an dem er früher als abgesprochen nach Hause kommt..

    Wieder zurück in seiner Heimat Feldkirch, schreibt Christian eine Biografie der Katastrophe, die blutbespritzte Chaiselongue, die sich für immer in seine Netzhaut gebrannt hat, rekonstruiert er die Jahre, die untennbar mit seiner Jugend verbunden sind. Erinnerungen an eine unbeschwerte Zeit, Sommer, See, Hesse und Gespräche über Frauen und ihre Locken. Christian schwelgt in trockener Fantasie und wünscht, das sich damals die Grenze vom Beruflichen zum Privaten nie vermischt hätte. Butler zu sein bedeutet Distanz und diese zerbrach..

    Zuerst bekommt man gar nicht mit, dass es eine Erzählung ist, die gerade niedergeschrieben wird. Nach und nach öffnen sich die "Türen" der Erkenntnis.
    Nichts, was gesagt wird, wird "fallengelassen", zufällig erscheinende Ereignisse, ergeben einen Sinn. Die Erzählung kreist den Kern der Geschichte ein.
    Wie ein sorgsam gewebtes Spinnennetz, führt ein Faden zum anderen, keiner darf fehlen. Es braucht ein paar Kapitel, bis es "Klick" macht - ebenso viele, wie beabsichtigt, man wird herangeführt. Der geduldige Leser wird mit einer spannenden Geschichte belohnt, die keineswegs "schlampig" oder "einfach" ist.
    Akribisch wird man in diesem Gesellschaftsgemälde mit Generationseffekt wie in einem Labyrinth festgehalten.
    Eine Besonderheit, man verliert die Zeit in diesem Roman, kann sie nicht einschätzen. man dnkt es liegt 100 Jahre zurück, bis dann die Beatles, Pilates und die Spitzhacken Manolo Blahniks erwähnt werden. Das alles und noch viel mehr verbindet sich zu einem kafkaesken Kleindrama.

    Verena Rossbacher hat ein Händchen für absurde Literatur, ein Roman, der "komische Sachen" mit seinen Lesern veranstaltet. "Ich war Diener im Hause Hobbs" eröffnet eine neue Nische. Ein tolles Buch aus dem Kiepenheuer&Witsch-Verlag.
    Gute und empfehlenswerte Unterhaltung!

    "Ein Butler ist die feierliche Zeremonie eines Einzelnen."
    Unbekanntes Zitat

    Kommentieren0
    22
    Teilen
    Orests avatar
    Orestvor 20 Tagen
    Kurzmeinung: Ein Roman der den Leser allein durch seine Formulierungen zu fesseln vermag.
    L’art pour l’art

    Eine einfache Geschichte nennt der Butler Christian das, was er auf den folgenden 380 Seiten vor dem Leser ausbreitet. Nach ein paar Seiten wird dem Leser klar, dass Christian nicht nur im alltäglichen Leben, sondern auch als auktorialer Erzähler ein Tiefstapler ist.

    Christian beschreibt relativ chronologisch, wie er als Butler bei der Familie Hobbs anheuert und anschließend den fulminanten Niedergang der Familie miterlebt, der auch ihn nicht ganz unberührt lässt.

    Neben dieser Haupthandlung eröffnet er dann einige Nebenschauplätze, die sich hauptsächlich um seine Kindheit in Feldkirch drehen und schon wird die Geschichte komplizierter. Der Leser versucht die Abschweifungen zunächst als willkürlich und irrelevant abzutun, bis er feststellt, dass sie sich auf brillante Art und Weise mit der eigentlichen Handlung, um das Hause Hobbs, verflechten.  

    Was dieses Buch aber letztlich so überaus lesenswert macht ist weniger die Handlung, als  vielmehr die Sprache, derer sich die Autorin bedient. Bis der Leser die eben erwähnte brillante Verflechtung bemerkt, sind nämlich schon fast zwei Drittel des Buches vorbei.

    Zuvor profitiert der Leser davon die Welt durch die Augen Christians zu beobachten. Christian ist ein ausgezeichneter Beobachter und so werden innerhalb der Handlung unter anderem die angenehmen Seiten des Butlerdaseins, die Schwierigkeiten, die die Pubertät für heranwachsende Männer mit sich bringt oder der Schritt in das Erwachsenenleben nach dem Schulabschluss beleuchtet.

    Christian bemüht keine ausgelutschten Phrasen für die Betrachtung dieser recht alltäglichen Vorgänge. Alles wird aus einem neuen Blickwinkel und häufig mit einem Augenzwinkern betrachtet. Der ein oder andere Leser wird sich in den Figuren und Situationen dieses Romans wiedererkennen.

    Außerdem wird jede Beobachtung sprachlich veredelt. Bissige, lustige und einfach gelungene Formulierungen fesseln den Leser noch wesentlich mehr als die Handlung, die gegen Ende immer mehr an Fahrt aufnimmt.

    Jedem, der sich für schöne Sprache begeistern kann, möchte ich diesen Roman unbedingt empfehlen.

    Kommentieren0
    2
    Teilen
    bookgirls avatar
    bookgirlvor 20 Tagen
    Anspruchsvoller Roman über Betrug und Täuschung

    Inhalt

    Christian ist Butler bei der wohlhabenden Züricher Anwaltsfamilie Hobbs. Er ist auch derjenige der den Toten im Gartenpavillon findet und Jahre später zurückblickt, um zu verstehen, wie es dazu kommen konnte. Von Zweifeln geplagt, ob er etwas hätte erahnen können geht er in seinen Erinnerungen zurück in die Vergangenheit. In dieser spielt auch seine Jugendzeit in dem österreichischen Feldkirch, die er mit seinen besten Freunden verbrachte, eine wichtige Rolle. Je länger er Begebenheiten und Momente Revue passieren lässt, umso mehr kommt er einem Geheimnis auf die Spur.

    Meine Meinung

    „Ich war Diener im Hause Hobbs“ ist ein Roman über Betrug und Täuschung. Im Fokus des Geschehens steht Christian, der in einer wohlhabenden Schweizer Familie als Butler tätig ist. Wer nun aber erwartet, dass es eine Downtown Abbey-mäßige Geschichte ist, in der ausschließlich das Leben inmitten der Familie beleuchtet wird, der dürfte sich über die Handlung wundern. Denn Verena Roßbacher führt uns in die Vergangenheit von Krischi zurück. In seine Jugend, die auf den ersten Blick rein gar nichts mit seinem jetzigen Leben zu tun hat. Und wie so mancher Leser, habe auch ich mich gefragt, wieso sie das tut und dann auch noch in epischer Breite. Mit ihr erfahren wir, wie unterschiedlich Christian und seine Freunde sind. Wie sie aufgewachsen sind und welchen weiteren Weg im Leben sie gewählt haben. Zu gerne würde er diesen privaten Teil privat belassen, aber Frau Hobbs hat andere Pläne und dringt bei einem gemeinsamen Besuch in Feldkirch in seine Welt ein, in der sie auch seine Freunde kennenlernt. Eine Bekanntschaft, die schreckliche Folgen hat …

    Verena Roßbacher lullt den Leser in ihrem Buch zunächst in die heile Welt der Familie Hobbs ein. Vater, Mutter, Kinder und der Zwillingsbruder leben harmonisch zusammen. Jedes Jahr werden zu besonderen Anlässen Fotos der Familie an Freunde, Familie und gute Bekannte geschickt, die dies zusätzlich unter Beweis stellen. Doch bei genauerem Hinsehen, erkennt Christian schnell, dass das Bild hinter den Familienportraits nicht ganz so perfekt ist. Dennoch bleibt er länger in dem Haushalt, als er eigentlich geplant hat. Er fühlt sich wohl und beachtet daher nicht, was er in der Butlerschule gelernt hat – nach spätestens 3 Jahren den Arbeitgeber zu wechseln. Eine fatale Entscheidung, wie sich erweist …

    Mir hat das Buch einerseits unglaublich gut gefallen, andererseits hat es jedoch auch viele Passagen aufgewiesen, die zäh waren und sich in die Länge zogen. Trotzdem hat die Autorin es geschafft, dass ich jedes ihrer Worte gelesen habe und es mir unmöglich war die Zeilen auf die Schnelle zu überfliegen, was ich so manches Mal versucht war zu tun. Nein, so habe ich Christians Ausführungen „gelauscht“, versucht seinen Gedankengängen zu folgen und habe mir Fragen zu der Geschichte gestellt, die erst zum Ende hin beantwortet wurden. Lange habe ich mich gefragt, ob die Handlung realistisch ist. Kann das Leben wirklich Menschen auf genau diese Weise zusammenbringen? Kann es wirklich zu diesen folgenschweren Ereignissen kommen? Ich weiß es immer noch nicht so genau, aber eins kann ich für mich beantworten: das Leben ist manchmal sehr viel einfallsreicher, als der Mensch es für möglich hält.

    Fazit

    „Ich war Dinner im Hause Hobbs“ ist ein intelligent geschriebener Roman über Betrug und Täuschung. Nicht ganz einfach zu lesen, da er einige (teils zähe) Längen aufweist, aber wer der Geschichte die Chance gibt wird mit einer ungewöhnlich erzählten Handlung belohnt.

    Kommentieren0
    3
    Teilen
    C
    CathyCassidyvor 24 Tagen
    Kurzmeinung: Eine ungewöhnliche Situation, ein toller Schreibstil, eine überraschende Autorin - was will man mehr?
    Eine gar nicht einfache Geschichte

    Im Großen und Ganzen fand ich es ein tolles Buch. Warum? Es war unterhaltsam, lehrreich und ein wahrer Augenschmauss. Der Schreibstil, die Satzkonstruktion und vor allem der Humor der Autorin sind wahsinnig schön, ich habe mit großem Genuss gelesen - außerdem muss hier auch der Aufbau des Buches erwähnt werden, auch wenn ich mich erst an ihn gewöhnen musste da es keine erkennbare Chronologie gibt. 

     Aber das hat sich für mich im Nachhinein auch als große Kunst herausgestellt, denn all die Teile fügten sich zusammen im ein oder anderen Aspekt - ist es die Charakterisierung einer bestimmten Figur, die Entwicklung einer bestimmten Sache oder auch nur die lokale Verbindung. Es erfordert Anstrengung und Konzentration hier mitzukommen, aber es lohnt sich diese aufzubringen.
    Dann die Figuren. Es ist eine merkwürdige Balance, die Verena Rossbacher hier schafft; einerseits bringt sie uns die Charaktere in der kleinsten Einzelheit näher, zerlegt sie vor unseren Füssen, andererseits bleiben sie merkwürdig blass, man hat das Gefühl sie nicht richtig greifen zu können, und obwohl man so viel Zeit mit ihnen verbringt bleiben sie stets ein wenig fremd. 
    Ob das nun schlecht ist oder gut, ich finde, es beweist ein weiteres mal die Kunst der Autorin.
    Die Handlung nimmt wohl erst in der zweiten Hälfte des Romans so richtig Schwung auf. Wo vorher noch lediglich Erinnerungen an frühere Begebenheiten standen, kommt nun richtig Schwung rein - dabei bleibt die Autorin weiterhin im Schreiben diffus, verwirrend und andeutend. Mehrmals musste ich Stellen zweimal lesen, weil sie mich entweder so überrascht haben dass ich meinen Augen nicht trauen konnte oder weil die Satzkonstruktionen so abenteuerlich waren. 
    Ich muss zugeben, dass ich das Ende ein wenig an den Haaren herbeigezogen empfunden habe, aber das war nicht weiter schlimm. Es ging im Großen und Ganzen am Ende auch gar nicht mehr um die anfängliche Begebenheit. Das hat mich alles etwas überrascht, aber vom Lesegenuss hat es mich nicht abgehalten.
    Insgesamt gebe ich für dieses Buch eine klare Leseempfehlung!

    Kommentare: 1
    3
    Teilen
    Federfees avatar
    Federfeevor 24 Tagen
    Kurzmeinung: Ein lesens- und empfehlenswerter Roman für die, die beim Lesen gerne innehalten und mitdenken, am Ende vielleicht etwas zu verwirrend
    Anspruchsvoll, voller kluger Gedanken, in poetischer Sprache

    4,5 von 5 Sternen

    Es ist eines der Bücher, die man eigentlich zweimal lesen muss, nicht nur, um Neues zu entdecken, sondern auch, weil man dann einiges anfangs Rätselhafte besser verstehen würde.

    Es waren einmal vier Freunde aus Feldkirch, einem kleinen österreichischen Ort, die nach dem Abitur (der Matura) ganz unterschiedliche Lebenswege einschlugen. Einer von ihnen, Christian, auch Krischi genannt, ist der Erzähler dieser außergewöhnlichen Geschichte, die dem Leser einiges abverlangt, die ihn aber gleichzeitig mit einer außergewöhnlich schönen Sprache lockt und begeistert.

    Es ist eine einfache Geschichte, sagt der Erzähler mehrfach. Aber das ist sie ganz und gar nicht, sondern sie erschließt sich dem Leser erst nach und nach und sie erfordert viel Aufmerksamkeit, um die zarten Hinweise und kleinen Puzzleteilchen, die überall 'versteckt' sind, nicht zu überlesen. Es ist also ein Buch zum Innehalten und zum Mit- und Nachdenken.

    Christian hat sich entschieden, Butler zu werden. Diener nennt er sich selbst manchmal, was recht altmodisch klingt. Das passt zu seiner Lebenseinstellung; er hat es am liebsten ruhig und ohne Überraschungen.

    Aber genau das Gegenteil passiert, etwas, was sein Leben durcheinanderbringt und an seinen Überzeugungen rüttelt. Wer aber jetzt eine spannende Geschichte erwartet, liegt falsch. Christian beschreibt sein Butler-Leben in der Familie Hobbs, in der es durchaus leger und locker zugeht, vielleicht zu locker, aber er schweift immer ab, was er auch selber zugibt:

    "Kaum fange ich an, etwas zu erzählen, einen sauberen, schlichten Sachverhalt darzulegen, verzettle ich mich heillos in diesem ganzen unsortierten Wust an Gedanken und Erinnerungen, Fetzen und einzelnen Sätzen." (67)

    Das aber macht auch in gewisser Weise den Reiz der Geschichte aus, die den Leser zwingt, sich aus den Einzelteilen ein stimmiges Bild zusammenzusetzen.

    Das Ganze ist in eine sprachlich hervorragende Form gegossen, oft auch mit boshaftem Humor durchsetzt und mit ungewöhnlichen Metaphern geschmückt:
    Das Jackett lungerte 'wie eine fläzende, grau gemusterte Katze' auf dem großen Sessel (11), 'der fette und irgendwie spöttische Rosenduft …' (11)

    Dieser Roman wäre ein Anwärter für 5 Sterne gewesen, wenn ich nicht das Ende ein wenig zu wirr und zu verschachtelt gefunden hätte. Dennoch ein lesens- und empfehlenswerter Roman für die, die beim Lesen gerne innehalten und mitdenken.

    Kommentieren0
    12
    Teilen
    simone_richters avatar
    simone_richtervor 24 Tagen
    Kurzmeinung: Eine verzwickt komponierte Familiengeschichte von deren Butler erzählt, sprachlich gewandt, mit Humor und reich an Verwirrung.
    Die Undurchsichtigkeit einer Familiengeschichte – sprachlich gewandt und mit doppelbödigem Humor

    Ein junger Butler, der erzählt, wie er dazu gekommen ist und warum sich sein Dienstherr eines Tages umbringt. So wird die Geschichte gekonnt, die aus Christians - dem Butlers Sicht – erzählt und Jahre später zusammengesetzt aus den Puzzleteilen der Vergangenheit.

    Das ist für mich eine gelungene Romankonstruktion, die am Anfang aber auch ihre langwierigen Episoden hat. Es werden Erinnerungen an Christians Jugend im österreichischen Feldkirch mit den drei Freunden dieser Zeit verwoben, mit dem Auseinandergehen der Freunde und dem Familienporträt seiner Dienstfamilie, der Anwaltsfamilie Hobbs. Man weiß zum Anfang, der Butler hat eine Schuld, diese wird aber erst zum Schluss gelüftet und man kommt Stück für Stück einer Tragödie auf die Spur. Der Humor kommt aber dabei nicht zu kurz, welcher zweideutig ist und die Sprache ist psychologisch ausgefeilt und verlangt einiges an Konzentration. Denn dabei wird vieles abgedeckt: ein Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Kultur-Zusammenprall, ein Bruderkrieg und ein Kunstfälscherskandal. Das ist berauschend und komplex diffizil und nichts ist, wie es scheint. Dabei ist der Butler, Christian, schwach und altmodisch konservativ, möchte nichts Privates preisgeben und scheitert damit doch bei Frau Hobbs, die locker und oberflächlich ist. Er verstickt sich in Trug, um seinen Dienstherren alles recht zu machen, bis hin zu Ausstellungsbesuchen und einem Opern-Abo. Doch schlussendlich bricht er alle Kontakte ab und steht allein da. Ein kraftloser Erzähler, der erstmal sich selbst mögen müsste, um auf andere zuzugehen. Ein Verwirrspiel, dass zum Schluss rasant Fahrt aufnimmt und sich halbwegs alle Enden zu Einem Knoten verstärken. Mich hat es begeistert, wie Verena Rossbacher diese Stricke konstruiert hat, um es später so richtig krachen zu lassen, ohne das man im Vorfeld auch nur eine Ahnung davon hatte.

    Kommentare: 2
    58
    Teilen

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu
    abas avatar

    "Ein Augenblick, der, einer zarten Blase gleich, zu schweben schien, durch die Dunkelheit und durch die Jahre, die vergangenen und die kommenden."

    Magisch, aber auch manchmal trügerisch. Das sind Erinnerungen. Ein Geräusch, ein Duft – das allein reicht, um eine ganze Erinnerungsmaschinerie in Gang zu setzen.
    Als Christian versucht, die Erinnerungen aus seiner Jugend in seinem Kopf zu sortieren, macht er eine verblüffende Entdeckung. Mit "Ich war Diener im Hause Hobbs" gelingt der Österreicherin Verena Roßbacher einen formidablen Roman mit einer verzwickten Handlung, die immer wieder für Überraschungen sorgt und den ihr garantiert nicht aus der Hand legen wollt.

    "Ich war Diener im Hause Hobbs", der neue Roman von Verena Roßbacher, ist unser neuer Titel im  LovelyBooks Literatursalon.

    Wenn ihr zusammen mit uns in die besten Kreise der Zürcher Gesellschaft eintauchen wollt, solltet ihr bei dieser Leserunde unbedingt mitmachen!

    In unserem  LovelyBooks Literatursalon erwarten euch weitere literarische Neuerscheinungen und spannende Spezialaufgaben!

    Zum Inhalt
    Es war Christian, der Diener der Zürcher Anwaltsfamilie Hobbs, der den Toten im Gartenpavillon neben der blutbespritzten Chaiselongue fand. Jahre später blickt er zurück und versucht zu verstehen, wie es zu der Katastrophe kommen konnte. Erinnerungen an seine Jugend im österreichischen Feldkirch drängen sich scheinbar zufällig in die Rekonstruktion: Vier genialisch provinzielle Jungs rezitieren am sommerlichen See in sagenhaften Anzügen Zweig und Hesse, haben ihre ganz eigene Theorie zu Frauen mit Locken und das gute Gefühl, dies alles wäre erst der Anfang. Christian erzählt vom Auseinanderdriften der Freunde, von seinen ersten Jahren im Hobbs’schen Haushalt, von verwirrenden nächtlichen Zimmer-besuchen, liebevoll inszenierten Familienporträts und dem fatalen Moment, als die einnehmende Hausherrin seinen alten Freunden begegnet. Und während er die Untiefen der eigenen Schuld auslotet, kommt er einem großen Geheimnis auf die Spur.

    Lust auf eine Leseprobe?

    Zur Autorin
    Verena Roßbacher, geboren 1979 in Bludenz/Vorarlberg, aufgewachsen in Österreich und der Schweiz, studierte einige Semester Philosophie, Germanistik und Theologie in Zürich, dann am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. "Ich war Diener im Hause Hobbs" ist nach ihrem Debüt "Verlangen nach Drachen" (2009) und "Schwätzen und Schlachten" (2014) ihr dritter Roman bei Kiepenheuer & Witsch.

    Möchtet ihr wissen, wer der Tote im Gartenpavillon war und wie Christian mit Hilfe seiner Erinnerungen die Vergangenheit neu zusammensetzt? Zusammen mit Kiepenheuer & Witsch verlosen wir 30 Exemplare von "Ich war Diener im Hause Hobbs" unter allen, die Lust haben, sich über diesen spannenden Roman im Rahmen einer Leserunde auszutauschen und im Anschluss eine Rezension zu schreiben.
    Möchtet ihr dabei sein? Dann bewerbt euch* über den blauen "Jetzt bewerben"- Button bis zum 29.08. und antwortet auf folgende Frage:

    Ist euch etwas in letzter Zeit passiert, an das ihr euch für immer erinnern möchtet?
    Erzählt uns davon!

    Ich freue mich auf eure Antworten und wünsche euch viel Glück

    Ihr seid noch kein Literatursalon-Mitglied? Ihr könnt jederzeit eintreten. Alle Infos dazu findet ihr hier und in unserer Literatursalon-Plauderecke.

    * Bitte beachtet vor eurer Bewerbung unsere Richtlinien für Buchverlosungen und Leserunden.
    Zur Leserunde

    Vorfreude! So freuen sich unsere Leser auf das Buch

    TochterAlices avatar
    TochterAlicevor 2 Monaten
    Ich freue mich auf das Buch, da es ein ganz besonderes, verwegenes und aberwitziges Leseabenteuer zu werden verspricht. Ich bin gespannt, was Christian so alles anstellt!
    Kommentieren
    -Leselust-s avatar
    -Leselust-vor 4 Monaten
    Der Klappentext macht mich sehr neugierig auf diese Geschichte.
    Kommentieren
    orfe1975s avatar
    orfe1975vor 4 Monaten
    Humor und Spannung liebe ich.
    Kommentieren

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks