„Strahlen“ von Verena Stauffer ist ein Buch, das sich nicht sofort greifbar macht – und genau darin liegt gleichzeitig seine Stärke und seine Herausforderung. Schon beim Lesen habe ich gemerkt, dass es kein klassischer Text ist, der mich sanft an die Hand nimmt. Stattdessen fordert er Aufmerksamkeit, Offenheit und die Bereitschaft, sich auf eine eher ungewöhnliche sprachliche und gedankliche Reise einzulassen.
Ich habe mich beim Lesen immer wieder dabei ertappt, innezuhalten. Nicht, weil es unbedingt leicht zugänglich ist, sondern weil viele Passagen nachwirken. Es ist kein Buch, das man einfach „durchliest“. Es passiert eher zwischen den Zeilen – manchmal leise, manchmal auch irritierend.
Der Schreibstil ist eigenwillig, fast fragmentarisch. Gedanken wirken stellenweise wie lose verbunden, fast wie Momentaufnahmen von Wahrnehmung und Gefühl. Das hat etwas Faszinierendes, weil es Raum für eigene Interpretationen lässt. Gleichzeitig hat es mich aber auch herausgefordert – manchmal sogar ein wenig verloren zurückgelassen. Es gab Momente, in denen ich mir mehr Klarheit oder eine stärkere Führung gewünscht hätte.
Emotional war das Lesen für mich ein Auf und Ab. Es gab einzelne Sätze, die mich wirklich berührt haben – die sich festgesetzt haben und noch nachklingen. Aber es gab auch viele Stellen, bei denen ich keinen Zugang gefunden habe. Dadurch blieb das Gefühl insgesamt etwas distanziert, obwohl ich gemerkt habe, dass in dem Text viel Tiefe steckt.
Was ich besonders spannend finde: Dieses Buch wirkt nicht laut. Es drängt sich nicht auf. Es ist eher still – und genau deshalb entfaltet es seine Wirkung vielleicht erst mit Zeit. Es ist kein Buch für jeden Moment, sondern eher für Phasen, in denen man bereit ist, sich selbst ein Stück weit zu begegnen, ohne sofort Antworten zu bekommen.
Für mich persönlich bleibt „Strahlen“ ein Buch, das ich nicht vollständig greifen konnte – aber vielleicht ist genau das seine Intention. Es lädt nicht dazu ein, alles zu verstehen, sondern eher dazu, etwas zu fühlen oder zumindest zu versuchen, sich darauf einzulassen.
Ein sprachlich besonderes und anspruchsvolles Buch, das Raum für eigene Gedanken lässt. Für mich teilweise schwer zugänglich, aber mit einzelnen sehr berührenden Momenten.












