Bei Sohn leiben wird Epilepsie fast gestellt nach drei Jahren sollen sie den Arzt wieder auf suchen. 3 Jahre später ist der Arzt in Rente und lebt in Marseille, sie fahren hin. Dort Erfahren sie das 2 tage Wach müssen. Der Vater macht mit. Sie erkunden Marseille und lernen sich dabei besser kennen. Gut zu lesen.
Verena von Koskull
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
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Drei Uhr morgens
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Antonio leidet seit seiner frühen Kindheit an einer Epilepsie. Nicht im Stande sich äußern zu können und mit dem Gefühl, die Welt bräche über ihn herein verliert er manchmal das Bewusstsein und bereitet seinen Eltern damit große Sorgen. Doch er hat Glück, denn seine Epilepsie ist eine leichtere Art und nachdem er als Jugendlicher über drei Jahre hinweg keine Anfälle mehr hatte, soll jetzt ein letzter Test prüfen ob er überhaupt noch zu solchen neigt. 48 Stunden soll er wach bleiben und somit sein Gehirn reizen an die Grenzen zu gehen. Begleitet bei diesem Versuch wird er von seinem Vater, bei dem er nach der Trennung der Eltern teilweise aufgewachsen ist. Sie durchstreifen zusammen Marseille, betreiben Sightseeing, gehen in eine Jazzbar, lernen auf einer Party neue Leute kennen und Antonio erlebt sogar sein erstes intimes Erlebnis mit einer Frau. Während dieser Zeit wird Antonio klar, dass er bisher gar nicht so viel über seinen Vater wusste wie er bisher geglaubt hat. Sie führen zum ersten Mal tiefgründige Gespräche, sprechen offen auch über unbequeme Themen, über Bücher, Gedichte, die Vergangenheit. Er erfährt viel über seinen Vater und fühlt sich ihm das erste mal richtig nahe. Diese 48 Stunden markieren eine neue Ebene ihrer Vater Sohn Beziehung und ihre gemeinsamen Erlebnisse werden sie immer in Erinnerung bewahren📖
Ein sehr angenehm ruhiges, zugleich auch tiefgründiges und bewegendes Buch. Durch ein paar Kapitel am Anfang erfuhr man Antonios Vorgeschichte, wie er mit seinen epileptischen Anfällen aufwuchs und wie ihm die ärztlich verschriebenen Vorsichtsmaßnahmen beinahe die Lebenslust nahmen. Die Eltern, zwar getrennt, zogen beide an einem Strang um für ihren Sohn die bestmögliche Behandlung zu ermöglichen. Auch wenn aus heutiger Sicht die Art der Überprüfung der Krankheit merkwürdig erscheint, war es interessant zu sehen wie Vater und Sohn gemeinsam die 48 Stunden durchstanden. Gleichzeitig hatte man auch Bedenken, was wäre, wenn Antonio z.B. irgendwo während der Bootsfahrt auf dem Meer doch einen schlimmen Anfall bekäme.
Die anfängliche Beklommenheit offen miteinander zu reden und auch Fragen zu stellen war nachvollziehbar und man konnte das Unbehagen spüren. Es war schön zu lesen, wie sich ihre Beziehung im Laufe der Geschichte veränderte. Wie Antonio seinen Vater bisher eher nur von der konventionellen und einsilbigen Seite her kannte und jetzt erst seine spontane und aufgeschlossene Seite kennenlernte. Und auch er selbst sich traute sich seinem Vater zu öffnen und ihn näher an sich, sein Leben und seine Gefühle heranzulassen. Für Antonio fühlte es sich an als wären sie Freunde geworden, was für ihn zwar seltsam, aber schön klang. Sie nahmen sich beide unabhängig voneinander vor, diese Verbundenheit nicht wieder zu verlieren, aufrechtzuerhalten und die Erinnerung an das Erlebte nicht zu vergessen.
Den Schreibstil empfand ich als sehr flüssig und angenehm, die Kapitel mit je immer etwa zehn Seiten gut einteilbar. Das Cover erschien mir zugegeben ein wenig unscheinbar. Mir wäre es selbst in der Buchhandlung so wohl nicht wirklich aufgefallen und ich hätte dann diese schöne Geschichte verpasst, was schade gewesen wäre. Aber zum Glück war es ja ein Geschenk und so ist sie mir nicht entgangen. Die Taschenbuchausgabe fällt da schon etwas ins Auge.
Insgesamt kann ich dieses Büchlein, das mir ein paar schöne und auch berührende Lesestunden beschert hat, sehr empfehlen. (4+/5)⭐️😊
Der Anfang: «Ich bin jetzt fünfzig, genauso alt wie mein Vater damals. Deshalb dachte ich, über diese zwei Tage und Nächte zu schreiben.»
Bei Antoino wird mit circa sieben Jahren erstmals eine leichte Form der Epilepsie diagnostiziert. Später muss er Medikamente nehmen, ist zwar symptomfrei, darf aber kein Fußball spielen usw. Der Spezialist, ein Professor aus Marseille, ist der Meinung, das alles könne ich in der Jugend «herauswachsen». Als der nun junge Mann 18 Jahre alt ist, fährt er mit seinen Vater nach Marseille zu einer neurologischen Untersuchung. Antoino scheint geheilt. Um das zu beweisen, muss er sich einem Stresstest unterziehen. Der Aufenthalt in Marseille wird verlängert: Zwei Tage und zwei Nächte muss er ohne Schlaf verbringen, alle alten Vorsichtsmaßnahmen und Tabletten sind nicht mehr nötig. Kohlensäurehaltige Getränke und Alkohol ist erlaubt.
«Obwohl sie meist nicht den Mut haben, es offen zuzugeben, glauben viele Mathematiker gern, alles lasse sich auf Zeichen und Formeln reduzieren. Mehr oder weniger bewusst glaube ich das auch: Das Universum hat eine mathematische Struktur, man muss ihr nur auf die Spur kommen.»
Antoino Vater, Mathematikprofessor, hatte früh die Familie verlassen, immer ein freundschaftliches Verhältnis zur Mutter beibehalten. Der Junge war hin und wieder bei ihm am Wochenende. Doch letztendlich sind sie sich fremd. Zwei Tage und zwei Nächte müssen sie sich nun in der fremden Stadt die Zeit totschlagen, ohne zu schlafen. Sie kommen sich näher, auch Marseille, einer Stadt mit vielen Facetten. Es wird für die beiden immer schwieriger, den Wachzustand aufrechtzuerhalten, Erschöpfung macht sich breit. Feine Dialoge zwischen Vater und Sohn schwingen durch den Roman, lassen sie sich gegenseitig entdecken. Marseille, 1983, der Vater setzt sich während einer Jam Session in einer Jazzbar ans Klavier – ein völlig anderer Vater, als der, den Antoino kennt – Jazz eine unbekannte Musikrichtung für den jungen Mann. Kneipen, Restaurants, Strandleben, eine Party in einem verruchten Stadtteil – ein intensives Miteinander. Ein eindrucksvoller Roman für ruhige Stunden zum Genießen.
«Wer hätte gedacht, dass Marseille so schöne Ecken hat. Und das mitten in der Stadt›, sagte mein Vater nach einer halben Stunde Fahrt und betrachtete die weißen und ockerfarbenen Klippen, die schwindelerregend steil ins Meer abfielen.»
Gianrico Carofiglio ist 1961 in Bari geboren, war viele Jahre Antimafia-Staatsanwalt in Bari, 2007 Berater des italienischen Parlaments im Bereich organisierte Kriminalität, 2008–2013 Senator. Autor zahlreicher preisgekrönter Krimis, die in 24 Sprachen übersetzt wurden.
https://literaturblog-sabine-ibing.blogspot.com/p/drei-uhr-morgens-von-gianrico.html
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