Veronika Rusch

 4,4 Sterne bei 141 Bewertungen
Autor*in von Die Bahnhofsmission, Die Bahnhofsmission und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Veronika Rusch studierte Rechtswissenschaften und Italienisch in Passau und Rom und arbeitete als Anwältin in Verona und München. Heute lebt sie als Schriftstellerin mit ihrer Familie in ihrem Heimatort in Oberbayern. Neben Romanen schreibt sie Theaterstücke für Erwachsene und Kinder. Für ihre Kurzgeschichte HOCHWASSER erhielt sie 2009 den zweiten Preis im AGATHA-CHRISTI-KRIMIWETTBEWERB.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Veronika Rusch

Cover des Buches Die Bahnhofsmission (ISBN: 9783404188895)

Die Bahnhofsmission

(41)
Erschienen am 31.03.2023
Cover des Buches Die Bahnhofsmission (ISBN: 9783757700058)

Die Bahnhofsmission

(23)
Erschienen am 31.05.2024
Cover des Buches Der Tod ist ein Tänzer (ISBN: 9783492062411)

Der Tod ist ein Tänzer

(20)
Erschienen am 01.04.2021
Cover des Buches Die Dunkelheit der Welt (ISBN: 9783492062435)

Die Dunkelheit der Welt

(8)
Erschienen am 02.12.2021
Cover des Buches Die Spur der Grausamkeit (ISBN: 9783492062428)

Die Spur der Grausamkeit

(7)
Erschienen am 31.05.2021
Cover des Buches Seelengift (ISBN: B009GFF53M)

Seelengift

(5)
Erschienen am 01.01.2011

Neue Rezensionen zu Veronika Rusch

Cover des Buches Die Bahnhofsmission (ISBN: 9783757700058)
Hopeandlives avatar

Rezension zu "Die Bahnhofsmission" von Veronika Rusch

Hopeandlive
Wahre Freundschaft überdauert schwere Zeiten

Wir befinden uns im April 1945 in Berlin. Die letzten Kriegstage sind zugange und für die Menschen in Berlin wird es dunkler und dunkler. Tage und Nächte müssen sie in den Schutzbunkern verharren, während sich die alliierten Mächte durch die Straßen Berlins kämpfen. Besonders für Frauen, Kinder und die Alten und Kranken sind diese Tage am schlimmsten und am gefährlichsten und dann gibt es auch noch die, die an den Endsieg glauben und die sich für völlig unschuldig halten. 

Alice Hardtleben befindet sich mit ihren Nachbarn in einem solchen Bunker und harrt mit ihren Nachbarn der Dinge die da kommen. Alice hat im Krieg an der Front als Hilfskrankenschwester gearbeitet, nachdem die Nazis ihre geliebte Bahnhofsmission geschlossen und verboten haben aufgrund ihrer abstrusen Ideologie. Sie hat ihren Traum als unabhängig lebende Frau verwirklicht, hat studiert und promoviert, was Anfang des 20. Jahrhunderts für Frauen immer noch nicht selbstverständlich war, doch was nützt es nun, da ganz Berlin und das deutsche Reich in Schutt und Asche versinken. Ihr alter Idealismus lebt immer noch in ihrem Herzen und sie ist fest entschlossen, ihre Menschlichkeit und ihr Engagement für die Schwachen und Kranken, schlicht für jeden Menschen sich zu bewahren, egal wie dunkel und unmenschlich die Zeit geworden ist. 

Daher beschließt sie auch, den Schlesischen Bahnhof aufzusuchen und die Bahnhofsmission wieder aufzubauen, denn täglich kommen völlig überfüllte Züge mit flüchtenden und ausgemergelten Menschen an, die Hilfe brauchen. Mit ihrer gerade Art beschließt sie die Widerstände zu überwinden und findet überraschend Gunst bei einem russischen Oberst, der sich ebenfalls bemüht in diesem Kriegsgrauen und den anarchisch anmutenden Zuständen in Berlin nachdem der Krieg beendet wurde, sich seine Menschlichkeit zu bewahren. Auch Martha, eine alte Mitstreiterin von damals trifft sie bei dem nun zuständigen Pfarrer der Bahnhofsmission, der nach einiger Überredungskunst auch sehr bemüht ist, seine Unterstützung anzubieten und zu beweisen, dass er ja auch eine wahrer Menschenfreund ist, der noch nie ein Parteibuch gesehen hat. Ebenso begegnen wir Greta, die ein ehemaliger Schützling der Bahnhofsmission war und in der Vergangenheit viele falsche Entscheidungen getroffen hat, deren harte Konsequenzen sie nun bewältigen muss. Doch die Aussicht, die Bahnhofsmission wieder aufzubauen, mobilisiert in den Frauen Kräfte, die sich der Leser nach diesen schweren Jahren kaum vorstellen kann. 

Weiter begegnen wir einer dritten Freundin und Mitstreiterin aus der Bahnhofsmission, Natalie. Sie ist damals auf mysteriöse Art und Weise verschwunden und Alice hat das Verschwinden der Freundin niemals verwunden. Es hat eine tiefe Verletzung in ihrem Herzen hinterlassen. Natalie hat über 30 Jahre in den USA gelebt, wohlhabend verheiratet und nun endlich kann sie wieder in ihre alte Heimat reisen. Sie kommt aus einem ganz bestimmten Grund, den sie jedoch nicht verraten möchte, schon gar nicht ihrer eigensinnigen und willensstarken Tochter Claire, die ihre Mutter ungefragt auf diese Reise begleitet. Die Begegnung zwischen Alice und Natalie ist auf eine ganz besondere Art und Weise beschrieben und auch die Begegnung von Claire mit der Stadt der Nazis und den Menschen, die dort leben und die es wert sind einmal näher betrachtet und kennengelernt zu werden.

Das Aufbauen der Bahnhofsmission bringt die Frauen und die Menschen allgemein wieder näher zusammen. Es zeigt sich, wie gut es tut anderen Menschen zu helfen, auch wenn es in dieser zerstörten Stadt weniger als ein Tropfen auf den heißen Stein wirkt. Es gibt allen wieder einen Sinn im Leben, wo doch für viele alles sinnlos geworden ist. Jedoch erleben wir auch, dass sorgsam gehütete Geheimnisse ans Licht kommen und das nicht jeder der ist, der er zu sein vorgibt. Denn auch der kompetente Arzt, der sich den mutigen Frauen anbietet zu helfen und für viele wie ein Engel des Lichts wirkt ist doch in Wahrheit eher der Dunkelheit verbunden....

Veronika Rusch hat einen ganz wunderbaren zweiten Teil der Geschichte der Bahnhofsmission geschrieben und es geschafft, den Leser mit hinein in diese gefährlichen und hoffnungslosen Tage mit hinein zunehmen im April 1945. Gerade für Frauen war auch diese Zeit ganz besonders schwer und gefährlich und es war dennoch so schön zu lesen, wie mutig sich Menschen für andere Menschen einsetzen und sich ihre Werte nicht nehmen lassen, wie wahre Freundschaft dennoch überdauern kann, auch wenn erhebliche Verletzungen da sind und wie jeder in der Hoffnungslosigkeit ein Licht sein kann, wenn er sich nur dazu entscheidet.

Absolut lesenswert!

Cover des Buches Die Bahnhofsmission (ISBN: 9783404188895)
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Rezension zu "Die Bahnhofsmission" von Veronika Rusch

mamenu
Wie wichtig Mitgefühl und Zusammenhalt sind

Meine Meinung

Die Bahnhofsmission: Aller Tage Hoffnung hat mich von der ersten Seite an tief berührt und bis zum Ende nicht mehr losgelassen. Der Roman entführt ins Berlin des Jahres 1908, eine Zeit, in der viele Menschen voller Hoffnung in die Großstadt strömten – und dort oft mit Armut, Einsamkeit und Ausweglosigkeit konfrontiert wurden. Gerade der Schauplatz der Bahnhofsmission am Schlesischen Bahnhof verleiht der Geschichte eine besondere Intensität, denn hier treffen Verzweiflung und Hoffnung unmittelbar aufeinander.

Besonders beeindruckt haben mich die beiden Hauptfiguren Natalie und Alice. Natalie ist mittellos, mutig und lebensnah, eine Frau, die anpackt, ohne lange zu überlegen. Alice dagegen stammt aus gutem, großbürgerlichem Hause, fühlt sich jedoch in der Rolle der gehüteten Tochter gefangen und sehnt sich nach einem selbst bestimmten Leben. Obwohl die beiden Frauen aus völlig unterschiedlichen Welten kommen, verbindet sie ihr großes Herz und der Wunsch, anderen zu helfen. Gerade diese Gegensätze machen ihre Freundschaft so glaubwürdig und berührend.

Ich habe Natalie sofort ins Herz geschlossen. Ihre zupackende Art, ihre Ehrlichkeit und ihr Mut sorgen dafür, dass die Menschen ihr vertrauen. Gleichzeitig zeigt der Roman sehr einfühlsam, wie schwer und manchmal auch gefährlich es ist, Gutes zu tun. Denn nicht jeder sieht das wohltätige Engagement der Bahnhofsmission gern. Nach und nach wird deutlich, dass dunkle Gestalten ihre skrupellosen Geschäfte bedroht sehen – und das verleiht der Geschichte eine spannende, teilweise beklemmende Atmosphäre.

Was mich besonders bewegt hat, war, wie nah mir die Schicksale der Menschen gegangen sind. Viele Szenen haben mich nachdenklich gemacht, einige haben mich richtig mitfühlen lassen, und bei manchen Momenten habe ich ehrlich mit Natalie und Alice gelitten. Die Autorin schafft es, das Leid, aber auch die kleinen Lichtblicke so lebendig zu schildern, dass man das Gefühl hat, mitten im Geschehen zu sein.

Für mich ist dieser Roman weit mehr als nur eine historische Geschichte. Es ist ein Buch über Menschlichkeit, Mut, Freundschaft und Hoffnung – über Frauen, die sich nicht mit den Grenzen ihrer Zeit abfinden wollen. Die Mischung aus Emotion, Spannung und historischem Hintergrund ist sehr gelungen.

Ich habe das Buch mit einem warmen, aber auch nachdenklichen Gefühl beendet und freue mich jetzt schon sehr auf den zweiten Band. Dies ist eine Geschichte, die im Herzen bleibt und zeigt, wie wichtig Mitgefühl und Zusammenhalt sind – damals wie heute.

Cover des Buches Die Bahnhofsmission (ISBN: 9783757700058)
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Rezension zu "Die Bahnhofsmission" von Veronika Rusch

mabuerele
Eine starke Frau

„...Die Welt draußen hatte aufgehört zu existieren. Es gab nur noch diese vier grob verputzten Wände, gestampfte Erde unter den Füßen, eine niedrige Decke aus Holzbalken...“


Mit diesen Zeilen beginnt ein berührender historischen Roman. Wir schreiben die letzten Tage des Aprils im Jahre 1945 in Berlin, als sich völlig unterschiedliche Menschen in einem Luftschutzbunker zusammenfinden. Zu ihnen gehört Alice, die während des Krieges als Hilfskrankenschwester in einem Lazarett gearbeitet hat. Sie ist es auch, die den verletzten russischen Soldaten, den sie vor der Tür finden, in den Raum holt und behandelt. Das sollte sich für alle als Glück erweisen.

Der Schriftstil lässt sich flott lesen. Er bringt die Verhältnisse der Zeit gekonnt auf den Punkt und sorgt für eine hohe innere Spannung.

Alice hatte kurz vor dem Ersten Weltkrieg in der Bahnhofsmission im Schlesischen Bahnhof gearbeitet. Bei einem Besuch des Bahnhofs beschließt sie, die Mission wieder neu aufzubauen. Der zuständige Pfarrer winkt ab. Seine Haushälterin aber sieht das anders und bietet sich sofort als Mitarbeiterin an. Auf der russischen Kommandantur allerdings findet Alice bei Oberst Wolkow Verständnis. Er stellt die nötigen Mittel zur Verfügung.

Am Bahnhof wird die Not der Zeit deutlich. Mit den Zügen kommen Flüchtlinge aus dem Osten, Fremdarbeitern und ehemalige Insassen von Konzentrationslagern, aber auch zurückkehrende Soldaten. Augehungert, verdreckt und verlaust sind die meisten. Aus den Wagen werden Tote getragen.

Ein Arzt bietet sich an, in der Mission zu helfen. Dann aber reagiert eine Frau auf seine Hilfe eigenartig. Ist er nicht der, für den er sich ausgibt? Als es einen zweiten Fall gibt, wird Alice misstrauisch.

Dabei hat Alice noch ganz andere Probleme. In ihrer Wohnung wurde eine Familie aus dem Osten einquartiert. Die Großmutter kommt mit den Zeitverhältnissen überhaupt nicht zurecht.


„...Wir waren nicht auf Almosen angewiesen und mussten nicht in fremden Stuben und fremden Betten schlafen. . Wir führten ein gutes Leben, bis die Russen kamen….“


Deutlich wird, wie stark der alte Geist noch in den Köpfen schwelt, obwohl jeder so tut, als wäre nichts gewesen.

Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen. Es malt ein Bild der Menschlichkeit in schwieriger Zeit. Es verschweigt aber auch nicht die Schattenseiten.

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