Vicente Alfonso Die Tränen von San Lorenzo

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Inhaltsangabe zu „Die Tränen von San Lorenzo“ von Vicente Alfonso

Torréon, die Stadt in Mexiko, ist im Ausnahmezustand. In einer Bar geschieht ein Mord und der Verdacht fällt auf die Ayala-Zwillinge. Auf beide, denn Remo von Rómulo zu unterscheiden, ist schwierig. Was keiner ahnt: Zwilling zu sein, ist eine Qual. Vor allem, wenn sie identisch scheinen, aber höchst unterschiedlich sind.

Rómulo verschwindet und Remo begibt sich in therapeutische Behandlung. Er wirkt verschlossen, doch die bohrenden Fragen des Analytikers bringen ihn zum Reden. Blufft er nur, um sich reinzuwaschen, wie alle Welt glaubt? Warum ist der Bruder, Rómulo, verschwunden, und wer steckt hinter dem Mord an ihrer Mutter? Warum ist ihr Grab leer? Der Therapeut glaubt an Remo und geht auf Spurensuche.

Zeitgleich untersucht ein Journalist das Verschwinden der geheimnisvollen, heiligen Niña – hat sie etwas mit den Brüdern zu tun? Und dann ist da noch ein hoher Politiker, der in der Angelegenheit gerne ein Wörtchen mitreden möchte.

Dieser virtuose Kriminalroman erzählt seine Geschichte wie ein Puzzlespiel. Die Suche nach der Wahrheit ist verzwickt. Irgendwo verbirgt sie sich, und sie hat bekanntlich viele Gesichter. Erst recht in einem Land, das mit dem Tod auf vertrautem Fuße steht.

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  • Das Los der Zwillinge

    Die Tränen von San Lorenzo

    Gwhynwhyfar

    20. July 2017 um 14:02

    Der erste Satz: »Die Wirklichkeit ist einzigartig, ihre Lesarten sind unbegrenzt.«Die Einwohner der Stadt Torréon in Mexiko stehen Kopf, im Rausch eines Fußballspiels. Währenddessen wird ein Mann in der Bar »Zum letzten Schluck« ermordet. Der Kopf von Farid Sabag steckt in einer Plastiktüte, die Handgelenke an ein Rohr gefesselt, liegt der Körper im eigenen Blut und Urin. Der Mörder von steht fest: einer von den Ayala-Zwillingen war es. Nur welcher von beiden hat den Mann umgebracht? Die eineiigen Zwillinge Remo von Rómulo sind eigentlich nicht zu unterscheiden. Für die beiden Männer ist diese Gleichmacherei allerdings eine Last, denn genauso ähnlich wie sie sich sehen, genauso unterschiedlich ist ihre Persönlichkeit. Letztendlich sind sie kämpfende Konkurrenten. Remo begibt sich während der polizeilichen Ermittlung zurück in seine therapeutische Behandlung. Zunächst fast stumm, bricht es in der Therapiestunde aus ihm heraus. Erzählt er eine wilde Geschichte oder will er seinen Kopf aus der Schlinge ziehen? Warum ist der Bruder verschwunden, wo versteckt sich Rómulo? Warum ist das Grab der verstorbenen Mutter der bei-den leer, wurde auch sie von den Zwillingen ermordet? Sie hatte sich mit ihrem Vater zerstritten, einem rücksichtslosen Großgrundbesitzer. Zur Strafe hatte sie sich kommunistischen Guerilleros angeschlossen, mit ihnen gegen die Rechtlosigkeit gekämpft. Die Zwillinge waren ohne die Mutter aufgewachsen, bei ihrem Vater verblieben, einem blitzgescheiten Richter, der die Jungen in ein katholisches Internat abschob, wo sie viel Blödsinn lernten, von Missbrauch ist die Rede, von einem Brand.Der Psychiater ist der Erzähler der Geschichte, ist gewillt Remo zu glauben, aber er will die Sache wissenschaftlich überprüfen. Er berichtet von der Vergangenheit, zu diesem Zeitpunkt ist sein Patient Remo bereits verstorbenen. Er wühlt in Polizeiberichten, Gerichtsakten und Therapieprotokollen. Was ist die Wahrheit? Taugen Erinnerungen etwas, oder verbiegen sie sich im Laufe der Zeit zu lügen? Was ist Lüge, was menschliche Interpretation von Geschehnissen?Die Zwillinge waren vor langer Zeit beim Großen Zauberer Padilla als Assistenten eingestellt. Auch hier tut sich ein Geheimnis auf. Der Journalist Pepe Zamora, ein trockener Alkoholiker, sucht nach Magda, genannt La Niña, eine Heilige, die Kranke gesunden lässt, Wunder voll-bringen kann. Er will eine Story über sie schreiben. Gibt es Wunder? Dass amerikanisch-mexikanische Grenzregime wird zum Thema.Der Roman ist als Kriminalroman ausgewiesen. Diese Einordnung ist meiner Meinung nach falsch, denn der Stoff ist ein ziemlich umfangreich mit verschiedenen Erzählsträngen und es geht letztendlich nicht um die Aufklärung der Tat. Die gibt es am Ende auch nicht geboten. Der typische Krimileser wird sich wahrscheinlich auch langweilen. Ich habe das Buch dreimal angefangen, wieder weggelegt, dann noch mal neu angefangen. Kleinste Puzzlestücke auf verschiedenen Zeitebenen setzen sich langsam zu einem Komplex zusammen. Wer beim Lesen nicht aufpasst, verliert den Faden. Ich würde den Roman nicht jedem Leser empfehlen. Kein leichter Stoff, eine komplizierte sprunghafte Dramaturgie, nichts, was man zur Entspannung überfliegt. Ein interessantes Buch über Zwillinge, deren Debakel der Verwechselbarkeit, ein Buch über Mexiko, über die Wahrheit, Religion und vieles mehr. Ein Krimi ist es sicher nicht.

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