Vicki Baum

 4 Sterne bei 164 Bewertungen
Autorin von Menschen im Hotel, Vor Rehen wird gewarnt und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Vicki Baum

Vicki Baum (Hedwig Baum): † 29. August 1960 in Hollywood, Los Angeles Musikerin (Harfenistin) und Schriftstellerin

Alle Bücher von Vicki Baum

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Cover des Buches Menschen im Hotel9783462308938

Menschen im Hotel

 (83)
Erschienen am 11.01.2018
Cover des Buches Vor Rehen wird gewarnt9783716027844

Vor Rehen wird gewarnt

 (20)
Erschienen am 21.02.2020
Cover des Buches Pariser Platz 139783932338502

Pariser Platz 13

 (17)
Erschienen am 08.03.2012
Cover des Buches Liebe und Tod auf Bali9783462308945

Liebe und Tod auf Bali

 (12)
Erschienen am 11.01.2018
Cover des Buches Hotel Shanghai9783462308952

Hotel Shanghai

 (7)
Erschienen am 11.01.2018
Cover des Buches Flut und Flamme.B00207PUIS

Flut und Flamme.

 (4)
Erschienen am 01.01.1985
Cover des Buches Verpfändetes LebenB002O4HXEG

Verpfändetes Leben

 (3)
Erschienen am 01.01.1970
Cover des Buches Cahuchu - Strom der Tränen9783763201181

Cahuchu - Strom der Tränen

 (2)
Erschienen am 01.01.1975

Neue Rezensionen zu Vicki Baum

Neu

Rezension zu "Vor Rehen wird gewarnt" von Vicki Baum

Von Rehen und Menschen
SternchenBlauvor 25 Tagen

Den Namen Vicky Baum hatte ich immer mal wieder gelesen, wenn es um tolle Autorinnen ging, die leider ungerechtfertigter Weise vergessen wurde. Also stand sie auf meiner Leseliste, aber wie das immer so geht, habe ich dann viel zu lange doch nicht geschafft etwas von ihr zu lesen. Zum Glück kam dann die Wiederauflage von „Vor Rehen wird gewarnt“ und ich bin echt froh, dass ich diese Bildungslücke endlich auffüllen konnte.

Obwohl Baums „Vor Rehen wird gewarnt“ bereits 1951 veröffentlicht wurde, schreibt sie so modern und auf den Punkt, dass sie (bis auf ein paar Ausnahmen) den Roman genauso gut hätte gestern schreiben können. (Rein formal funktioniert das, weil sie auch einen Großteil ihrer Geschichte eine Generation vor der Geschichte ansiedelt.)

Ich habe lange gegrübelt, was ich zum Buch schreiben soll. Außer Titel und Klappentext wusste ich VOR meiner Lektüre nur, dass Baum hier keine sehr angenehme Protagonistin erzählt. Und für mich hat dieses Nichtwissen super gepasst, weil ich mich so komplett auf die Geschichte einlassen konnte. Daher will ich Euch nun einfach so von diesem tollen Roman vorschwärmen.

Als bei den Fernsehserien immer mehr ambivalente, gebrochene Protagonisten aufgekommen sind, fiel mir irgendwann deutlich auf, dass das immer Männer sind: Die Toni Sopranos oder Walter Whites dürfen dieses ganze Klaviatur von Bösartigkeiten ausspielen und uns dabei trotzdem irgendwie ans Herz wachsen. Bei Frauenprotagonistinnen gibt es da ein Defizit, auch in der Literatur. Nicht, dass es keine bösen Frauenfiguren gäbe, aber diese Mischung aus Nähe und Abscheu fehlt. (Darum freue ich mich auch so auf „Meine Schwester, die Serienmörderin“). Wir brauchen aber einfach mehr Diversity und komplexe Frauenfiguren, die auch ihre dunklen Seiten zeigen dürfen, ist ein Baustein davon. Vicky Baum hat das bereits vor über 70 Jahren erfüllt. Obwohl sich Protagonistin Ann Ambros selbst nie als bösartig empfinden würde. Aber Schurken sind ja immer Heldinnen in ihrer eigenen Geschichte! Und Baum dreht auch nicht einfach die Rollen um, dass „Angelina“ einfach wie ein Mann agieren würde. Sie ist eine einzigartige, schillernde Persönlichkeit – der ich allerdings nicht im echten Leben über den Weg laufen möchte. 

Baum ist absolut stilsicher in Sprache, vor allem die Beschreibungen sind wundervoll:

„Auch Joy hatte die Augen geschlossen, um das Bild der Stadt, die jenseits der Bay hinter ihnen zurückblieb, besser festzuhalten: Die vielen sich überkreuzenden Bilder von San Francisco bei Sonnenuntergang. Zuweilen, wenn ein harter Wind den Nebel in grauen Fetzen dahinjagte und ein metallisches Licht auf den Wohnhäusern der Hügelkämme und den zackigen Wolkenkratzern der Geschäftsviertel lag, verwandelte sich die Stadt in etwas Trotzig-Dunkels, El Greco Toledo. Manchmal wieder war sie in zart angedeuteter japanischer Holzschnitt, Inseln und Küsten und Berge, hintereinander aufgeschichtet in immer dünneren Konturen, im leuchtenden Dunst verschwimmend.“

Umweltbeschreibungen und Innenleben gehen bei ihr Hand in Hand. Die Schilderung von San Francisco hat mich an „Manhattan Transfer“ von John Dos Passos erinnert. Aber was ich bei ihm bei meiner Lektüre vor gut 20 Jahren als zu überladen und manieriert empfand, hat bei Baum genau das richtige Maß. Ich tauche ein in die Stadt und in die Protagonistin und beides hat Licht und Schatten und ich genieße beides.

Ja, es gab auch einige Schwächen. Im Mittelteil hätte es für mich ein wenig flotter gehen können, es gibt an ein, zwei Stellen Zuschreibungen für das weibliche Geschlecht, die ich nicht mehr ganz zeitgemäß finde, aber hier ist der Roman dann halt doch einfach 70 Jahre alt. Und „Vor Rehen wird gewarnt“ spielt in einer komplett weißen Welt, was aber die Schicht der Figuren widerspiegelt. Baum flicht einige Ressentiments gegenüber Juden ein, mit feiner Selbstirionie, war sie doch selbst Jüdin.

„Vor Rehen wird gewarnt“ ist ein Beispiel mehr, welche tolle Künstlerin Europa durch die Nazigräuel verloren ging. Baum hat nach ihrer Emigration aus Deutschland 1932 nur noch auf Englisch geschrieben. 

Habe ich schon geschrieben, dass ich „Vor Rehen wird gewarnt“ mit Begeisterung gelesen habe? Und dazu hat mich noch das Ende richtig überrascht. Begeisterte 5 von 5 Sternen.

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Rezension zu "Vor Rehen wird gewarnt" von Vicki Baum

Wunderbar
Milagrovor einem Monat

Ich habe vor einigen Jahren auf Empfehlung einer Freundin 'Menschen im Hotel' von Vicki Baum gelesen und war begeistert, weshalb ich mich gleich für diese Leserunde beworben habe. Das Buch ist mit ca 400 Seiten genau richtig für eine gemütliche Lesereise in die jüngere Vergangenheit. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Ann, eine ältere, offensichtlich vornehme Dame, die sich auf eine Zugreise begibt. Der Leser hat eine zerbrechliche, nette Dame vor Augen und stößt sich sofort an deren forschen und forderndem Auftreten. Dass hier viele Menschen manipuliert werden und der Schein trügen kann, erkennt der Leser recht bald, jedoch durchaus mit Genuss. Die Autorin beschreibt genau, nimmt den Leser mit in die Vergangenheit der Protagonisten, ohne dass es langweilige Momente gibt. Es ist immer interessant, den Gang der Geschichte zu sehen, aber auch die Geschichte hinter dieser Geschichte zu erfahren. Man fliegt dabei durch die Seiten, stets überrascht, was sich vor dem inneren Auge ausbreitet. Die Geschichte ist leicht und flüssig geschrieben, bleibt aber nicht oberflächlich. Alle Protagonisten haben Tiefe, stets hat man das Gefühl, diese Personen aus eigenem Erleben zu kennen. Baum beweist dabei immer wieder Menschenkenntnis und Lebenserfahrung. Es macht einfach Spaß, dieses Buch zu lesen. 

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Rezension zu "Vor Rehen wird gewarnt" von Vicki Baum

Irgendwas braucht sie immer
TochterAlicevor einem Monat

Ann Ambros ist eine Frau, der nicht auskommt ohne ihre Mitmenschen. Irgendetwas braucht sie immer von ihnen: ihre blanke Zuwendung ist ihr zu wenig. Ihr Umfeld muss schon sein gesamtes Leben auf sie abstellen bzw. nach ihr richten - dann ist es ihr gerade so recht.

Wobei sie liebenswert rüberkommt  - und vor allem schutzbedürftig! Dabei ist sie eine Ränkeschmiedin erster Güte - was Vicky Baum stilistisch auf ihre ganz eigene und besondere Art rüberbringt!

Ein Roman über einen Menschen, den man besser nicht in sein Leben lässt - schon ein wenig in die Jahre gekommen, aber in seiner Eloquenz, seinem Wortwitz durchaus zeitlos gültig. Auch wenn ich der guten Ann Ambros doch immer wieder überdrüssig wurde und ein Päuschen einlegen musste.

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Gespräche aus der Community

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Cover des Buches Vor Rehen wird gewarntundefined

Wir möchten eine aufregende literarische Wiederentdeckung mit euch teilen und laden ein zur Leserunde zu Vicki Baums Roman »Vor Rehen wird gewarnt«.

Wir vergeben für diese Leserunde insgesamt 15 Rezensionsexemplare in Print.

Willkommen Bücherfreundinnen und –freunde,

 

wir laden euch herzlich zu einer neuen Leserunde ein. Diesmal haben wir euch einen großartigen Klassiker mitgebracht: »Vor Rehen wird gewarnt« von Vicki Baum. Der Roman wurde erstmals 1951 veröffentlicht und geriet dann in Vergessenheit. Wir finden, es ist höchste Zeit, diesen Text und die sensationelle Erzählerin Vicki Baum wiederzuentdecken. 

Wir suchen für diesen Roman 15 begeisterte Leserinnen und Leser mit ausreichend Zeit für die Leserunde (ab KW 9). Ihr könnt euch dafür bis 19. Februar 2020 bewerben. Schreibt uns gerne warum ihr »Vor Rehen wird gewarnt« mitlesen möchtet.

 

» Vor Rehen wird gewarnt.« Diesen Satz, den er einmal in einem Wildpark gelesen hat, kann Rechtsanwalt Watts nur jedem entgegnen, der von der zarten und aufopferungsvollen Ann Ambros spricht. Denn so rehäugig Ann auch durchs Leben geht, so rücksichtslos nimmt sie sich, was sie will. Sie verführt den Mann ihrer Schwester, treibt nicht nur San Francisco, sondern auch Wien zur Verzweiflung, sorgt dafür, dass sie stets das Beste bekommt und dass man ihr noch dankbar ist, wenn man ihr das letzte Hemd schenken darf. Vicki Baum erzählt von einer Frau, der man nicht in die Quere kommen will – und deren Bann man sich doch bis zur letzten Seite nicht entziehen kann.

 

Wir freuen uns darauf, unsere Begeisterung für diese Entdeckung mit euch zu teilen!

 

Die Autorin

Vicki Baum, geboren 1888 in Wien, zählt zu den größten Erzählerinnen der deutschen Literaturgeschichte. Im Berlin der Zwanzigerjahre war sie ein Medienstar – und reflektierte den Rummel doch immer ironisch. Ihr Roman ›Menschen im Hotel‹ wurde mit Greta Garbo in der Hauptrolle verfilmt. In Deutschland wurden Baums Bücher von den Nazis verbrannt und als »jüdische Asphaltliteratur« verfemt, weshalb sie 1931 nach Hollywood auswanderte. Im Exil schrieb Vicki Baum nur noch auf Englisch; nach Deutschland oder Österreich kehrte sie nie zurück. Mit ›Vor Rehen wird gewarnt‹ liegt ihr bester und lange Zeit vergessener Roman endlich wieder vor – und präsentiert Vicki Baum in neuem Licht als literarische Meistererzählerin.

215 BeiträgeVerlosung beendet
Letzter Beitrag von  SternchenBlauvor 25 Tagen

Zusätzliche Informationen

Vicki Baum wurde am 24. Januar 1888 in Wien (Österreich) geboren.

Community-Statistik

in 306 Bibliotheken

auf 45 Wunschlisten

von 11 Lesern aktuell gelesen

von 3 Lesern gefolgt

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