Vicki Baum Cahuchu - Strom der Tränen

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Inhaltsangabe zu „Cahuchu - Strom der Tränen“ von Vicki Baum

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  • Kautschukgewinnung - eine wahre Herausforderung für die Menschen

    Cahuchu - Strom der Tränen
    gst

    gst

    29. June 2013 um 14:02

    "'Im Winter 1932-33 war es am schlimmsten. Es gab so viele Bankkrachs, daß es für die Leute in West Hill mulmig wurde. Eine Fabrik nach der anderen machte zu, große wie kleine. Schulen wurden geschlossen, weil man die Lehrer nicht mehr bezahlen konnte, und die Kinder liefen einem überall zwischen Beinen herum und waren die reinste Landplage für den Nachtarbeiter, der am Tag seinen Schlaf haben wollte, und die Frauen sagten, laß sie bloß herumtoben, dann frieren sie wenigstens nicht. Und da steht dann eines Tages in der Zeitung, die Summit Rubber hat fast drei Millionen Reingewinn gemacht. Das ging natürlich über die Hutschnur, und wir hätten gern etwas unternommen, aber wir wußten nicht, was.'" (Seite 278) Dieser Ausschnitt beleuchtet nur eine kleine Episode der Gummiproduktion. Mir war bis zur dieser Lektüre überhaupt nicht bewusst, wie viele Menschen darunter gelitten haben, wie viele Menschen an der Kautschukgewinnung und -verarbeitung gestorben sind. Auch wenn der Roman aus fiktiven Geschichten besteht, beruht er doch auf Tatsachen. Er behandelt in 15 Kapiteln, die fast wie Kurzgeschichten nebeneinander stehen, eine Zeitspanne zwischen 1745 (als das Kautschuk aus den Wäldern Brasiliens in die Hände profitsüchtiger Industrieller gelangte) und 1942 (als fleißig an der Entwicklung von Kunstkautschuk gearbeitet wurde). Vicki Baum erzählt die Geschichte des Kautschuk anhand von Menschenschicksalen und beobachtete dabei so gut, dass es mir als Leserin des öfteren die Tränen in die Augen trieb und ich wütend auf die Ungerechtigkeiten dieser Welt schimpfte. Sehr deutlich tritt hier die menschenfeindliche Entwicklung nach 'immer mehr' und 'immer schneller' zu Tage. Obwohl der Roman schon vor siebzig Jahren erschienen ist, lassen sich manche Verhaltensweisen auf heute übertragen. Denn die Ausbeutung der Menschen findet auch in der modernen Zeit noch statt. Der Stil des Romans ist für den heutigen Leser allerdings gewöhnungsbedürftig. Vor allem die kleine Schrift und die manchmal etwas langatmige, verschnörkelte Schreibweise erfordert einen Leser mit einem gewissen Durchhaltevermögen. Doch wer es schafft, sich darauf einzulassen, wird in eine andere Epoche eintauchen und dabei bemerken, dass auch früher schon das Geld die Welt regierte. Er wird viel über die Wirtschaftskrise um 1930 erfahren und Teile des Zweiten Weltkrieges miterleben. Die gebürtige Österreicherin Vicki Baum (*1888 in Wien) arbeitete in jungen Jahren als Musikerin in Deutschland und begann mit 26 nebenbei zu schreiben. Nach der Veröffentlichung von sechs Werken wurde sie 1926 im Berliner Ullstein Verlag eingestellt. Erfolg hatte sie durch die Aktualität der behandelten Probleme und die präzisen Milieuschilderungen. Da sie Jüdin war, wurden ihre Bücher 1933 öffentlich verbrannt. Baum erwarb 1938 die amerikanische Staatsbürgerschaft und schrieb bis zu ihrem Tod (1960 in Los Angeles) in englischer Sprache. 

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