Der Klappentext zu „Hetzjagd“ klang ganz interessant, allerdings hatte ich bereits mit dem Anfang meine Probleme; die ersten fünf Seiten bestanden nämlich fast ausschließlich aus Ausführungen darüber, was für ein toller Hengst Kristines Verlobter Daniel war: Sein Aussehen sei makellos und er lege wert auf teure, hochwertige Produkte, ohne gleichwohl arrogant zu sein oder damit zu prahlen – verflucht, sogar sein Glied wurde als perfekt geformt beschrieben!
Kristine nervte mich als Protagonistin des Öfteren, insbesondere die ständige Wiederholung ihrer Ängste um Daniel und ihre Tochter Abby sowie ihr mysteriöses Kindheitstrauma mit dem „Kohlemann“ (welches im Übrigen komplett aus dem Buch gestrichen hätte werden können, ohne allzu viel einzubüßen, anstatt am Höhepunkt der Geschichte plötzlich in die Vergangenheit abzutauchen). Zudem tat sie die ihr von dem obskuren Fremden namens Malthus aufgetragenen, teilweise ziemlich grausamen Dinge unglaubwürdig schnell, fast widerspruchslos.
(SPOILER) Dass Daniel in sein eigenes Verschwinden selbst involviert war, (SPOILER ENDE) vermutete ich recht schnell, was sich nach zweihundert Seiten schließlich auch bestätigte. Die restlichen hundertfünfzig Seiten waren leider ein unnötig in die Länge gestrecktes Finale, bei dem es Kristine etliche Male beinahe gelang, zu fliehen, nur um doch wieder überwältigt zu werden. (SPOILER) So tauchte Daniel natürlich auch ganz am Ende noch einmal auf, als man eigentlich dachte, er sei endlich tot, um Abby und Kristine mit einem Motorboot über den See zu jagen, während über ihnen das Unabhängigkeitstags-Feuerwerk den Himmel zum Erstrahlen brachte. (SPOILER ENDE)
Positiv waren für mich einzig die (recht kurze) „Hetzjagd“ am Anfang mit dem Stopp bei der Achterbahn oder der Motelbar sowie die letzten fünfzig Seiten, auf denen noch einmal etwas mehr Spannung aufkam.
Fazit: Insgesamt kann ich keine Leseempfehlung für „Hetzjagd“ aussprechen. Der Roman war weder sonderlich spannend noch überraschend oder gar innovativ. Es gibt definitiv bessere Werke, in denen die Protagonisten von einem Unbekannten zu verschiedenen Orten geschickt werden.
Noch eine kleine Anmerkung: In „Hetzjagd“ ist das Wort „rau“ durchgängig nach alter Rechtschreibung mit einem H geschrieben – auf Seite 21 steht „der rauhe Beton“, auf Seite 47 „rauhe, stille Schreie“, auf Seite 100 „Er klingt rauh“, auf Seite 117 „so rauh wie die rissige Erde darunter“, auf Seite 196 „dessen Stimme ebenso rauh ist wie meine“, auf Seite 235 „rauh wie die Rinde von einem Baum“, auf seite 312 „Imogenes rauhes Krächzen“, auf Seite 321 „das rauhe Holz“ und auf Seite 338 „mit rauhen Wellen“.













