Victor Chu Vaterliebe

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Inhaltsangabe zu „Vaterliebe“ von Victor Chu

Der Vater ist – nach der Mutter – nur die zweitwichtigste Bindungsperson des Kindes. Warum ist das so? Warum ist uns Vaterliebe nicht so selbstverständlich wie Mutterliebe? Warum haben wir eher ein Gefühl von Ferne als von Nähe, wenn wir an den Vater denken?

Das Vatersein kann den Gipfel in der Entwicklung eines Mannes darstellen. Wie beim Erklimmen eines Berges braucht es Entschlossenheit, Geduld und Durchhaltevermögen. Vater zu sein haben viele Männer nicht am Vorbild ihrer eigenen Väter lernen können, weil diese fehlten oder geistig abwesend waren. Es muss dann mühsam, durch Versuch und Irrtum, erlernt werden. Wenn Victor Chu heute – nach 30 Jahren als Vater – zurückschaut, so fragt er sich: Was würde ich heute als alter Vater dem jungen von damals sagen? Welche Hoffnungen haben sich bestätigt, welche sich als Illusion erwiesen? Wovor würde ich ihn warnen? Was würde ich genauso machen, was anders?

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  • Ein umfassender Blick auf eine lange Zeit vernachlässigte „Lebens-Wichtigkeit“

    Vaterliebe

    michael_lehmann-pape

    15. August 2016 um 11:50

    Ein umfassender Blick auf eine lange Zeit vernachlässigte „Lebens-Wichtigkeit“„Erziehung = Sache der Mütter“. Das galt über Jahrhunderte, Jahrtausende lang. Doch selbst zu den Zeiten, als Väter sich am stärksten distanzierten und Väter als ferne, unnahbare Autoritätspersonen in den Augen der Kindern ihre Bahn zogen, „da draußen“ in der geheimnisvollen Welt der Arbeit, der Geschäfte, des Berufes, zu allen Zeiten hatten und haben Väter eine ebenso zentrale und wichtige Rolle in der Prägung ihrer Kinder, wie Mütter.Die Frage ist nur, ob Väter diese Rolle für sich annehmen und gestalten.Victor Chu hat sich in diesem vorliegenden Werk in umfassender Form mit „dem Vater“, konkreter noch der „Vaterliebe“ beschäftigt. Wohl kaum ein anderes Buch zum Thema biete eine solche Breite der Betrachtung, die in wichtige Klarheiten einmünden.Beginnend damit, wie Kinder das Leben auch der Väter verändern, wie die eigene Kindheit wieder in den Blick tritt, wie aus einer geraden Linie des Lebens eine Spirale wird, und einem Vater eine neue, der eigenen Kindheit gegenüber komplementäre Rolle zuweist.Komplexe innere Vorgänge der Erfahrung nun (statt nur des verstandesgemäßen Wissens), wie das Leben sich fortschreibt, wie man kommt, vorwärtsgeht und dann zurückbleibt, um das eigene Kind dann nach vorne eilen zu sehen. Wie bei einer Rakete (sehr treffend gelingt es Chu immer wieder, griffige Bilder für seine Aussagen zu finden) geht es um Schubkraft. Die „von hinten“ zu spüren ist und die nach vorne dann sich weitervermittelt.Eine Kraft, die letztlich auch entscheidet, ob man Kinder bekommt oder nicht. Und dabei ist eben jene „Vaterliebe“ gerade für Männer ein entscheidendes Kriterium. Und das ist weit mehr, als die Stellung des Vaters bis in die Gegenwart hinein als für das Kind „notwendiges Übel“, als „Nebenrolle im Familiengefüge“. Dem stellt Chu sich energisch gegenüber, führt vom grundlegenden Verständnis der Rolle von Vätern (im Kern für die Zeit seit dem ersten Weltkrieg) in die „ideelle Möglichkeit“ und die emotionale Breite der Vaterschaft, die sich in der Gegenwart abbildet, möglich ist und sich als Wunsch auch immer breiter artikuliert. Wobei er im Stil in bester Weise persönliche Erfahrungen und griffige Fallbeispiele einfließen lässt, denen er jeweils einen theoretischen Unterbau zur Seite stellt.Intensiv und interessant ist so zu lesen, wie das aggressive, autoritäre und strenge Verhalten der „Kriegsväter“ in deren Lebenslauf und Lebenserfahrungen begründet ist, aber auch, welche Folgen diese innere Haltung und Entwicklung der Kriegsgenerationen nach sich zog.Das Vater sein mehr ist, als materielle Versorgung zu sichern, erläutert Chu im Folgenden überzeugend. Als Vorbild, als „Hinweiser“ auf den Beruf, als „Stütze“ für Söhne und Töchter, als Entwickler und Ermöglicher, aber auch als eine Art intrensischer Antreiber. Wie sich die Arbeitshaltung des Vaters auf die Laufbahn der Kinder, die allgemeine Haltung zum Leben und zu Herausforderungen in der Weitergabe auch von Erwartungen manifestiert, das ist alles im Einzelnen vielleicht nicht unbekannt, ergibt aber gerade in dieser kongenialen und einfühlsamen Zusammenschau ein überaus klares und überzeugendes Bild.Ein Bild, das den Leer auch emotional trifft (vor allem, wenn er Vater ist, aber auch im Blick auf den eigenen Vater“.„Odyssee und Heimkehr es verlorenen Vaters – oder: Wie können Väter zu ihren Kindern zurückfinden“, dieses „Refathering“, so nüchtern sich Chu auch ausdrücken mag, lässt den Leser nicht unberührt sondern berührt tief existenzielle Beziehungen und Momente des eigenen Lebens.„Obwohl mein Vater nun schon zwanzig Jahre tot ist, entwickelt sich unsere Beziehung immer weiter“. Und das ist kein Paradox, vollendet man die Lektüre des Buches in ihrer umfassenden Breite. Denn nicht nur gewinnt ein Mann, wenn er Vater wird, klare und konkrete Chancen der Entfaltung (die Chu strukturiert aufzählt und erläutert), sondern Vaterschaft endet eben nie (solange das Kind lebt und solange das Kind an eigene Kinder weitergibt, was an „Schubkraft“ gesetzt wurde).Eine überzeugende, nüchtern-klar verfasste und dennoch berührende Anleitung und Motivation zum (bewussten) Vatersein als „Kraft zur Identität“ gerade, aber nicht nur, für die eigenen Söhne.

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