Victor Glass

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Victor GlassSchüssler und die verschwundenen Mädchen
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Schüssler und die verschwundenen Mädchen
Schüssler und die verschwundenen Mädchen
 (2)
Erschienen am 01.04.2018

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Sigismunds avatar

Rezension zu "Schüssler und die verschwundenen Mädchen" von Victor Glass

Historisch, unterhaltsam, informativ
Sigismundvor 7 Monaten

Eine unterhaltsame, zugleich historisch interessante Lektüre ist der in Augsburg und Umgebung angesiedelte Kriminalroman „Schüssler und die verschwundenen Mädchen“ von Viktor Glass (68), im April beim Pendragon-Verlag erschienen. Doch liefert der seit 15 Jahren in Augsburg lebende Autor, Verfasser mehrerer historisch-biografischer Romane, mit diesem Krimi ein auch über die regionalen Grenzen hinaus gültiges Bild des gesellschaftlichen Umbruchs am Ende des 19. Jahrhunderts. Zwanzig Jahre nach Gründung des Deutschen Reichs und der Eingliederung des bayerischen Königreiches müssen sich die Einwohner der alten Fuggerstadt auf eine neue Gesetzgebung, eine neue Währung und manche andere unliebsame Veränderung einstellen. Die Stadt wird gerade zum Zentrum der Textilindustrie und des Maschinenbaus. Der technische Fortschritt wirkt sich nachteilig auf die Arbeiterschaft aus. Wo früher Handarbeit verlangt war, ersetzen jetzt Maschinen den Menschen. Viele verlieren ihren Arbeitsplatz, allen voran weibliches Hauspersonal und Arbeiterinnen. Nicht wenige wählen in dieser aussichtslosen Situation den Freitod oder verschwinden spurlos. Auch der Soldat Augustin Hipp vermisst seine junge Verlobte Luise Habenicht und sucht Hilfe bei Privatermittler Ludwig Schüssler. Dieser macht sich, unterstützt von der resoluten Haushälterin Caroline Geiger, auf die Suche nach der Vermissten. Da auch andere Mädchen unauffindbar sind, kommt bald der Verdacht des organisierten Mädchenhandels auf. Auch die Tat eines Serienmörders ist nicht auszuschließen, als Schüssler in einer alten Keltenschanze auf menschliche Knochen stößt. Zum Glück gelingt es Schüssler aber, nach spannender Ermittlungsarbeit auch diesen Fall erfolgreich abzuschließen und nicht nur Hipp und seine Verlobten glücklich zu machen. Das Buch ist wahrlich kein reißerischer Thriller, sondern eher eine zeitgetreue Millieu-Studie. Eingebettet in die Krimi-Handlung erfährt man vieles über die Zeit der Jahrhundertwende, über den gesellschaftlichen Umbruch. Doch obwohl Fachwissen bei historischen Romanen notwendig ist, kann sich zu viel davon als Mangel erweisen, wenn Autor Viktor Glass meint, alles in nur einem kurzen Roman unterbringen zu müssen. Sogar nach Aufklärung des Falles füllt der Autor noch zwei weitere Kapitel mit historischen Fakten. „Schüssler und die verschwundenen Mädchen“ ist ein locker, stellenweise auch seicht geschriebener Krimi, allerdings mit sorgsam aufbereitetem geschichtlichen Hintergrund. Das Buch ist eine unterhaltsame, entspannende, aber auch informative Lektüre zum Feierabend - nicht nur, aber vor allem für Kenner Augsburgs und seines regionalen Umfeldes.

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Schurkenblogs avatar

Rezension zu "Schüssler und die verschwundenen Mädchen" von Victor Glass

Eine lebendige Zeitreise ins ausgehende 19. Jahrhundert
Schurkenblogvor 7 Monaten

1890. Ludwig Schüssler, Privatermittler in Augsburg, sucht nach Luise. Schnell stellt sich heraus, das auch andere junge Mädchen verschwunden sind, nachdem sie sich von einem Maler anrüchig malen haben lassen. Schüssler vermutet einen Menschenhandel dahinter ...


Ein Krimi, der im ausgehenden 19. Jahrhundert stattfindet
und doch schnell zur Nebensache wird. Denn viel eindrucksvoller ist die Milieuschilderung von Viktor Glass. Hufe klappern über Kopfsteinpflaster, eisenbereifte Kutschenräder klirren, Melonenhüte und Gehröcke werden getragen, Männer schlafen in langen Nachthemden und Nachtmützen.
Eine Reise für den Leser beginnt, die allerdings neben all den ungewöhnlichen Beschreibungen, gerade für weibliche Leser eine Herausforderung ist. Denn Augsburg um 1890 ist alles andere als frauenfreundlich. Ein industrieller Umbruch findet statt. In den Fabriken werden Arbeiter durch Maschinen ersetzt, was vor allem die Frauenarbeitslosigkeit in die Höhe treibt. Selbstmorde stehen an der Tagesordnung. In dieses Setting pflanzt Glass den Krimi, der dadurch an Glaubwürdigkeit gewinnt. Verzweifelte Frauen lassen sich anrüchig malen, um so wenigstens den nächsten Monat überleben zu können. Durch die Not der Frau können sich Männer an ihren Körper ergötzen. In einer Zeit, in der allerdings die Ehre einer Frau ohnehin einen bodenlosen Stellenwert hat, heißt das für die Frau auch: Sie kann sich nie mehr in der Stadt sehen lassen.
Das liest sich dann verdammt ungerecht. 

Viktor Glass lässt das ausgehende 19. Jahrhundert noch einmal lebendig werden. Seine Milieuschilderung ist so stark in die Handlung integriert, dass man diese Geschichte sehr emotional liest. Dazu fädelt er einen Krimi ein, der mit dem Ausgang überraschen und so manchen Leser auch schockieren kann.
Wer eine lebendige Zeitreise, eingerahmt in einer Krimihandlung, erleben will, muss Viktor Glass lesen.

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