Es ist schon einige Jahre her, dass ich dieses Buch, , gelesen habe. Da es mir kürzlich wieder in die Hände fiel, dachte ich, ich teile meine Gedanken dazu. Wenn ich mich richtig erinnere, war es damals eine anspruchsvolle Lektüre. Es eignet sich nicht unbedingt für entspannte Strandlektüre oder ähnliches. Dennoch hat mich die Geschichte tief beeindruckt. Vielleicht finde ich ja die Zeit, es noch einmal zu lesen. Aus der Erinnerung heraus kann ich es nur wärmstens empfehlen.
Victor Hugo

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Neue Rezensionen zu Victor Hugo
1344 Seiten in 5 Teilen machen es gar nicht so einfach, den Inhalt aussagekräftig zusammenzufassen. Der Fokus liegt auf Jean Valjean, der nach 19 Jahren Haft nach Frankreich zurückkehrt, um unter einer neuen Identität sein Unrecht wieder gut zu machen. Besonders die kranke Fantine und deren kleine Tochter Cosette liegen ihm am Herzen, sodass er alles daran setzt, deren Leben zu retten. Die Kapitel um Fantine haben mich besonders getroffen. Um Geld zu verdienen, gibt sie ihr Kind in die Obhut von Menschen, die die monatlichen Zahlungen selbst verprassen, das Kind m1sshandeln und Fantine in den Ruin treiben, immer mehr verlangen, bis sie ihre Haare verkauft, als Pr0stituierte auf der Straße landet, jede Münze für ihre geliebte Tochter zweimal umdreht und letztlich daran zugrunde geht.
Wie Jean dann nach dem Mädchen sucht, es befreit und alles für ihre Zukunft gibt, zwar sie retten kann, aber nicht sich selbst, ist unfassbar tragisch.
Die Verfilmungen sind hierbei mMn auch wahnsinnig gut gelungen, auch die neuste mit Anne Hathaway. Man verdrückt so viele Tränen um die drei.
Das Original stammt von 1862 und entsprechend anspruchsvoll liest es sich auch. Der Stil ist stellenweise schon schwieriger, d.h. man muss konzentriert lesen und der Text lädt ein, über die einzelnen Abschnitte nachzudenken.
Auf der anderen Seite gibt es recht viele gedankliche Ausschweifungen, wodurch ich immer mal wieder den roten Faden verloren habe.
Politisch-historisch spannend fand ich die Themen rund um Napoleon, den Rückblick zu 1815 zur Schlacht bei Waterloo, und dann 1832 den Pariser Juniaufstand, wo Arbeitende und Studierende um ihre Rechte kämpfen, Barrikaden bauten, aber vom restlichen Volk nicht unterstützt wurden, sodass es nach nur einem Tag 800 T0te gab. Sprich, der Roman endet mit dem Erhalt der sozialen Ungerechtigkeiten, was jede einzelne der Figuren wahnsinnig gut ausgearbeitet widerspiegelt.
Es ist ein historischer Roman, in dem man wirklich etwas lernen kann, gebettet in ein Drama, das mir wieder und wieder das Herz gebrochen hat. Es ist auf jeden Fall ein anspruchsvoller Klassiker, aber ich finde es einfach so beeindruckend, im 19. Jhdt einen derart detaillierten, authentischen Roman von weit über 1000 Seiten zu verfassen.
„Die Elenden“ von Victor Hugo ist ein gewaltiges und wortgewaltiges Werk. Dank des von Gert Westphal gesprochenen Hörbuchs kommt diese Wortgewalt ganz besonders beeindruckend zum Tragen.
Ich bin mir nicht sicher, ob mich das Lesen des Romans genauso gefesselt hätte. Denn Hugo begibt sich neben der Kernhandlung in der ungekürzten Version gern regelmäßig auf Nebenwege. Das sind ausschweifende Ausflüge in die Philosophie, in die Historie, in detaillierte Beschreibungen von Schlachten oder auch beispielsweise der Beschaffenheiten und Entwicklungen der Pariser Kanalisation.
Im Zusammenwirken mit der eigentlichen Geschichte um den ehemaligen Sträfling Jean Valjean auf seinem abwechslungsreichen und beschwerlichen Weg zum geläuterten und um höchste Moral ringenden Humanisten ergibt das natürlich alles einen tieferen Sinn. Aber besonders die Art, wie Westphal den Text sprachlich ausformt, ist ein zusätzlicher Gewinn, weil er die Worte mit Lust, Leidenschaft und einfühlsamer Akzentuierung erfüllt.
Natürlich wirkt dieser wuchtige Klassiker in seiner Struktur und Sprache nicht mehr zeitgemäß. In seinen Inhalten ist er es allerdings auf zeitlose Weise. Und mir hat es großes Vergnügen bereitet, der opulenten Sprache und der Formulierungskunst Hugos bis in den tiefsten Detailreichtum zu folgen. In diesem Zusammenhang ist es auch bemerkenswert, wie gefühlsbetont und feinsinnig die Sprache seinerzeit noch verwendet wurde, ohne Scheu im Gebrauch von Ausdrücken, die heute eher leicht kitschig anmuten, bei Hugo aber stimmig zusammenwirkt und schöne Bilder erzeugt. Es ist ein wesentlicher Aspekt, den Geist dieser damaligen Zeit spürbar werden zu lassen.
Die Geschichte selbst beschäftigt sich auf faszinierend kraftvolle Weise mit klassischen Themen wie Schuld und Sühne, Liebe und Hass, Gut und Böse, Leben und Tod und vieles mehr. Und all die Figuren, die Hugo (er)schafft, die sich aus unterschiedlichen Schicksalen und mit unterschiedlichen Charakteren, Grundsätzen, Interessen, Eigenschaften und Eigenarten aufeinander zu bewegen. Oft in einer schicksalsträchtigen Unvermeidlichkeit, die Hugo meisterlich und sehr geschickt komponiert. Immer wieder gelingt es ihm, über einen zunächst abrupt wirkenden vermeintlichen Bruch eine neue Wendung über eine neue Figur einzuführen, die sich dann mit anderen bereits bekannten Figuren und Geschichten auf eine elegant nebensächliche Weise zu verbinden beginnt. Dabei ist es bewundernswert, wie diese Einzelteile sich oft aus einer erstaunlichen Ferne auf ungeahnte Weise finden. Das offenbart die geheimnisvollen und unvorhersehbaren Wege des Schicksals, ohne dass es an irgendeiner Stelle ausdrücklich betont werden muss. Hugo schreibt als schaue man dem Schicksal unmittelbar bei seinem Wirken zu.
Das hat immer wieder Freude macht, diesen „Twists“, wie man heute gern sagt, zu folgen und sich davon überraschen und begeistern zu lassen, über die eigenen wachsenden Erkenntnisse und Einsichten entsprechender Zusammenhänge.
Die Figur des Jean Valjean ist natürlich der prägendste und spannendste Charakter, der im Lauf der Handlung nicht nur eine vielschichtige aber irgendwie auch unerschütterliche Entwicklung nimmt, sondern auch das Leben und Schicksal von vielen anderen Menschen, denen er begegnet oder die ihm begegnen, beeinflusst, berührt, wandelt, erhellt oder auch mal verdunkelt.
Um diese zentrale, starke, oft grüblerische und bis zum Ende immer auch etwas geheimnisvoll und nicht gänzlich durchschaubare Hauptperson gruppiert Hugo viele fein gezeichnete Charaktere, nimmt sich ausgiebig Zeit für sie, für ihre Entwicklung und die Art und Weise, wie er sie in die Handlung einführt, um die Handlung dann durch sie und mit ihnen auf fantasievollen Wegen fortzuführen. Alle Figuren wirken dabei äußerst lebendig und facettenreich. Man spürt, wie wichtig sie dem Autor sind und wie wichtig es ihm ist, sie auch für die Leserinnen und Leser wichtig und lebendig werden zu lassen. Besonders eindrucksvoll für mich waren dabei natürlich neben Jean Valjean Inspektor Javert, der am Ende am Verlust der eigenen moralischen Maßstäbe zerbricht. Der listenrieche und hinterhältige Oberschurke Thénardier. Seine im Strudel der eigenen Gefühle über sich hinauswachsende Tochter Eponine (eine ganz besonders starke und eindrucksvolle Nebenfigur!). Oder die herzergreifende Geschichte von Cosette, die aus dem schrecklichen und erbärmlichen Aschenputtel-Dasein durch Jean Valjean nicht nur erlöst wird, sondern ihm im weiteren Verlauf auch ihr ganzes Lebensglück verdanken wird. Die Erfüllung der großen Liebe, gesellschaftlicher Aufstieg und Wohlstand. Die Elende, die ihr Elend besonders weit hinter sich lässt.
Eigentliche ließe sich die Reihe der erwähnenswerten Charaktere noch mit vielen Namen fortsetzen. Aber letztendlich wird jeder für sich entscheiden, welche Figur ihm am Ende besonders rührt und bewegt. An Möglichkeiten mangelt es in diesem Roman nicht.
„Die Elenden“ ist ein Meisterwerk der Literartur mit immer wieder neuen Entwicklungen, das beim Hören oder Lesen höchste Konzentration verlangt, um den Überblick bei den einzelnen Personen und den verschlungenen Handlungssträngen zu behalten.
Aber letztendlich ist es Hugos Fähigkeit als Autor zu verdanken, dass dieser Überblick nie wirklich in Gefahr gerät, weil alle Figuren ausdrucksvoll beschrieben sind, die Handlung immer interessant und unterhaltsam bleibt und Hugos Formulierungen und Beschreibungen durchweg anspruchsvoll und ansprechend unterhalten.
Gert Westphal aber hat dieses Werk für mich auf eine ganz intensive Weise veredelt. Und nach beinahe 60 Stunden relativ kontinuierlichem Hörgenuss erfüllte mich am Ende tatsächlich etwas wie Wehmut bei der Erkenntnis, mich nun nach Hugo und Westphal zwei neuen Stimmen zuwenden zu müssen. Autor, Roman, Figuren, Westphals Stimme und ich als Hörer, wir waren über lange Zeit an vielen Abenden eine literarische Einheit geworden. Da passte wirklich alles zusammen!
Gespräche aus der Community
Kleine Leserunde zu "Der Glöckner von Notre-Dame", keine Verlosung und kein Versand, Start 01.März
Das überzeugt mich nicht ganz, aber so halbwegs, besonders dass Jehann eine Schelmenhafte Figur ist.
Die Leserunde startet wie immer am 1.9. - macht Euch vorher schon mal in der Plauderecke warm ;)
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Zusätzliche Informationen
Victor Hugo wurde am 25. Februar 1802 in Besançon (Frankreich) geboren.
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