Victor Hugo Der letzte Tag eines Verurteilten

(76)

Lovelybooks Bewertung

  • 64 Bibliotheken
  • 2 Follower
  • 1 Leser
  • 8 Rezensionen
(31)
(29)
(13)
(3)
(0)

Inhaltsangabe zu „Der letzte Tag eines Verurteilten“ von Victor Hugo

1828 kam Victor Hugo über den Platz der Guillotine, als dort die letzten Vorbereitungen für eine Hinrichtung getroffen wurden. Der Scharfrichter veranstaltete eine Art Generalprobe. Am anderen Morgen setzte sich Victor Hugo an seinen Schreibtisch und begann die Niederschrift seines Buches ›Der letzte Tag eines Verurteilten‹. 1829 erschien das dramatische Plädoyer gegen die Todesstrafe. Ein dramatischeres wurde in der Tat wohl niemals geschrieben. Daß Hugo sich in das Leid der anderen versenken konnte, ist die große Quelle seiner Kraft und seiner Wirkung. Daß wir neben dem Verstand und dem Gefühl des Dichters das Herz des großen Menschen spüren, das sichert dieser spannenden, packenden und ergreifenden Erzählung ihren mitreißenden Erfolg.

Vor so langer Zeit geschrieben, stellt Hugos Plädoyer gegen die Todesstrafe alle heutigen Bücher darüber in den Schatten!

— Hazel93
Hazel93

Hochgelobt und mich nicht überzeugt.

— Jeami
Jeami

Stöbern in Klassiker

Der Steppenwolf

Der Spiegel, der die 'Fratze' der Wahrheit zeigt, wird von den Dummen gehasst.

Hofmann-J

Die schönsten Märchen

Ich liebe es. Kindheitserinnerungen wurden wieder wach.

Sasi1990

Der alte Mann und das Meer

Großartige Erzählung eines großen Dichters!

de_schwob

Das Fräulein von Scuderi

Man mag es, oder nicht. E. T. A. Hoffmann hat jedoch den ersten Kriminalroman geschrieben, in welchem eine Frau die Hauptrolle spielt.

AnneEstermann

Effi Briest

Ein Roman über ein trauriges Frauenschicksal im 19. Jhrd

FraeuleinHuetchen

Stolz und Vorurteil

Egal wie oft ich dieses Buch in die Hand nehme: es ist und bleibt eines der besten Werke von Jane Austen!

Janine1212

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Niemand verdient die Todesstrafe

    Der letzte Tag eines Verurteilten
    Hazel93

    Hazel93

    Trotz der nur 118 Seiten hat diese kleine Geschichte es geschafft, mich zutiefst zu bewegen. Als Leser wird man in die Hoffnungslosigkeit des Verurteilten hineingesogen, weiß genau, dass es keinen Ausweg gibt und hofft doch bis zur letzten Seite mit ihm auf einen. Hugos großer Verdienst besteht darin, dass er die Vorgeschichte des Verurteilten vollkommen unbeachtet lässt. Was hat er für ein Verbrechen begangen? War es geplant oder aus Leidenschaft? Ist er vielleicht doch unschuldig? All diese Fragen, die ich mir zu Beginn gestellt habe, bleiben unbeantwortet. Zunächst war ich enttäuscht darüber, doch dann wurde mir bewusst, wie wichtig es ist, dass Victor Hugo diese Fragen unbeantwortet lässt! Wie oft wird mit dem Argument gegen die Todesstrafe argumentiert, dass es doch auch einen Unschuldigen treffen könnte? Dass es dann nicht mehr rückgängig zu machen sei? Oder, dass er es aus einer plötzlichen Kurzschlussreaktion heraus getan hat und es jetzt zutiefst bereut? Aber implizieren solcherlei Argumente nicht zugleich, dass jemand, der schuldig ist und es nicht bereut, die Todesstrafe verdient? Ich würde behaupten, ja! Und genau an diesem Punkt unterscheidet sich "Der letzte Tag eines Veruteilten" von jedem anderen Buch, dass ich bisher über die Todesstrafe gelesen habe. Meistens handelt es sich dabei um jemanden, der zu Unrecht im Gefändgins sitzt und bis zur letzten Sekunde versucht zu beweisen, dass er unschuldig ist, um nicht getötet zu werden. Hugo geht es einzig, um die unfassbare Grausamkeit und Unmenschlichkeit der Todesstrafe, die KEIN Mensch erleiden darf! Indem er die letzten Tage des Verurteilen beschreibt, wird dem Leser bewusst, wie schrecklich dieses "Warten" auf den Tod ist, dieses verzweifelte bisschen Hoffnung, dass der Verurteilte bis zur letzten Sekunde in sich trägt. Daran ist nichts heldenhaftes, wie es uns Hollywood-Filme oft zeigen wollen. Es gibt keine großen letzten Worte oder eine zutiefst reuevolle Rede, in der die Opfer des begangenen Verbrechens um Verzeihung angefleht werden. Das Warten auf den Tod hat nichts heroisches an sich, es nimmt dem Verurteilten die letzte Würde und er kann nur noch daran denken, wie er doch noch sein Leben retten kann. Victor Hugo gelingt es mit diesem Buch herauszustellen, wie unnötig und menschenverachtend die Todesstrafe ist, Sie nimmt einem Menschen die letzte Würde und hat noch nicht mal erreicht, dass der Verurteilte seine Tat bereut. Eine großartige Geschichte, die für mich das beste Plädoyer gegen die Todesstrafe ist, dass ich bisher gelesen habe!

    Mehr
    • 3
    Hazel93

    Hazel93

    30. January 2016 um 14:45
  • Ein paar Agumente gegen die Todesstrafe

    Der letzte Tag eines Verurteilten
    Cinderella11k

    Cinderella11k

    24. August 2015 um 19:53

    Vor so langer Zeit geschrieben und immer noch sehr aktuell.

  • Plädoyer gegen die Todesstrafe?

    Der letzte Tag eines Verurteilten
    Jeami

    Jeami

    21. May 2013 um 15:00

    „Ein Plädoyer gegen die Todesstrafe“ von Victor Hugo - hochgelobt und deshalb von mir gekauft und voller Erwartung gelesen. Es handelt sich hier um einen zum Todeverurteilten Mann, der wohl einen Mord begangen hat ("er hat Blut vergossen"). Sein Leben wird nicht näher beschrieben, das macht es schwierig mit ihm mitzufühlen. Seine letzten, sein letzter Tag, bevor er unter die Guillotine kommt, seine Ängste, seine Gefühle. Keine Äußerung über sein Opfer (lediglich Seite 93 / wünscht er zu bereuen), das hat es für mich sehr schwierig gemacht dieser Person nicht mit Wiederwillen zu begegnen. Lediglich der Abschnitt auf Seite 97: Ach, und was ist dann dieser Todeskampf von sechs Wochen und dieses Todesröcheln eines ganzen Tages? Was sind die Ängste dieses unwiederbringlichen Tages, der so langsam und so schnell abläuft? Was ist diese Leiter von Qualen, derer oberste Sprosse das Schafott ist? hat mich berührt. Ich kann die Meinungen der Vorrezensionisten nicht teilen.

    Mehr
  • Rezension zu "Der letzte Tag eines Verurteilten" von Victor Hugo

    Der letzte Tag eines Verurteilten
    MaryBlue

    MaryBlue

    20. September 2011 um 14:05

    Ein wahnsinnig gutes Buch über und gegen den Wahnsinn Todesstrafe - einfach ein Muss für jeden!

  • Rezension zu "Der letzte Tag eines Verurteilten" von Victor Hugo

    Der letzte Tag eines Verurteilten
    Phie

    Phie

    04. July 2011 um 06:11

    Klappentext: Hugos Erzählung, die Tagebuchaufzeichnungen eines Verurteilten über die letzten Wochen seines Lebens bis zum Schafott, ist eine leidenschaftliches Plädoyer gegen die Todesstrafe. "Ich kenne kein ehrenvolleres, kein edlere Ziel als dieses, die Abschaffung der Todesstrafe", beerkt er in einer drei Jahre nach Erstpublikation geschriebenen Einleitung. Historisch bezieht sich Hugo auf eine Reihe von Hinrichtungen, die "niemals auf grausamerer Weise geschahen" als nach der Julirevolution von 1830. Mit seiner Erzählung, die schon vor mehr als 175 Jahren für Aufruhr sorgte, tritt er "vor alle Gerichtshöfe, vor alle Richter, vor alle Geschworenen der Welt", damals wie heute, mit einem bewegenden Schrei nach Humanität, der "Die Unverletzlichkeit des menschlichen Lebens" rigoros einfordert. Meinung: Sicherlich mag das Erzählte so schon etwas älter sein und so schon lange nicht mehr praktiziert werden, aber dennoch ist das Thema real. Traurig genug für unsere zivilisierte Gesellschaft, dass sowas notwendig ist. Besonders gefallen hat mit die Einleitung, welche als diese doch überraschend lang ist, sodass mir die eigentlichen Tagebucheinträge fast schon zu kurz kamen. Gerne hätte ich mehr gelesen, auch was die Emotionen angeht, aber vielleicht ist es ja auch so leer in einen Todeshäftling. Man wird es wohl nie wirklich erfahren. Sprachlich ist es großartig geschrieben, selbst wenn manche Passagen anfangs nicht gleich zu durchschauen sind. Für jeden der sich für die Todesstrafe interessiert ist dieses kleine Büchlein zu empfehlen.

    Mehr
  • Rezension zu "Der letzte Tag eines Verurteilten" von Victor Hugo

    Der letzte Tag eines Verurteilten
    Gilfaen

    Gilfaen

    21. February 2011 um 18:58

    „Ein Plädoyer gegen die Todesstrafe“ - so lässt sich dieses sehr schmale Werk von Victor Hugo, erschienen 1829, lesen. Der Verurteilte, dessen Lebensgeschichte nur rudimentär erzählt wird, beschreibt nicht nur die Zustände und den Umgang mit der Todesstrafe in Frankreich am Anfang des 19.Jahrhunderts, er bittet, er fleht um sein Leben, würde sogar die Zwangsarbeit auf der Galeere vorziehen. „Ich will nur leben!“, schreibt er. Argumente für und wider der Todesstrafe werden nicht direkt geschildert – erkennbar, geradezu schlagend sind die dafür beschriebenen Szenen. Die Angst, die Hilflosigkeit, die Traurigkeit bei der Verabschiedung der Familie, die stoische, abgestumpfte, leidenschaftslose Haltung des Priesters; der Mob, der auf Rache sinnt, der Mob, der vor Freude schreit, wenn der Kopf fällt. Sehr eindringliche Bilder sind es, die vom Verurteilten nicht reflektiert werden. Er schildert diese nur, schnörkellos und direkt seine Emotionen und Gedanken, was dieses Buch unverzichtbar für mich macht. Es wird an die Menschlichkeit appelliert ohne den Leser direkt anzusprechen – und das macht dieses Buch nicht nur zum Lesevergnügen, sondern setzt auch an einen Gedanken an, nämlich das kein Mensch das Recht hat über einen anderen zu richten. Es macht nachdenklich. Es macht einen fassungslos.

    Mehr
  • Rezension zu "Der letzte Tag eines Verurteilten" von Victor Hugo

    Der letzte Tag eines Verurteilten
    Sokrates

    Sokrates

    05. October 2010 um 21:01

    Die "letzten Tage" sind ein Plädoyer für die Abschaffung der Todesstrafe; insbesondere in Zeiten des Schafotts zu Zeiten Hugo's. In guter, wenn auch noch nicht ausgereifter Form gelingt es Hugo die inneren Zustände des Todeskandidaten zu beschreiben. Seine Sprache ist fesselnd, wenn sie auch noch nicht die Klarheit und Originalität eines späteren Hugo (vgl. Miserablés) aufweist. Dennoch gelingt es Hugo, den Leser zu begeistern. Die Tragik der Handlung wird - so ging es mir - erst nach Beendigung des Buches klar und deutlich; während man liest bleibt es die bloße Erklärung von Zuständen und inneren Eindrücken. Eine Zustandsbeschreibung. Seine wirkliche Wirkung entfaltet das Buch auf den Leser erst dann, wenn er nach Beendigung der knappen 120 Seiten das Buch zur Seite legt und nachdenkt, reflektiert. Der Roman ist eigentlich weniger eine laute, denn eine stille - leise - Anklage gegen die Todesstrafe, insbesondere ihren Vollzug vor Publikum. Noch heute erleben wir die Begeisterung des "Mobs" in den USA. Der Vollzug erscheint als Spektakulum für die Massen; weniger mit belehrendem denn mit unterhaltendem Charakter. Bereits dies kritisiert Hugo an den Massenexekutionen in Paris, bei denen das Publikum in Scharen herbei strömte. Gleichzeitig zeigt er die Morbidität und die Sinnlehre des Systems: einerseits die akribischen und emotional abgerückten - vielleicht auch nur ehrgeizigen - Juristen, die sich an die Verurteilung des Verbrechers machen; andererseits die Geschworenen, die einzig müde sind und deshalb kein wirkliches Interesse für die Verhandlung und Urteilsverkündung des Angeklagten aufbringen. Sein Anwalt meint mit dem Antrag, statt der Todesstrafe den lebenslangen Arbeitsdienst als mildere Strafe vorzuschlagen und dem Betroffenen einen Gefallen zu erweisen. Ist das Urteil endlich verkündet, so erscheint es fast sinnlos und wie eine bloße Formalität, das Urteil auf Formfehler hin anzufechten und für den Verurteilen vielleicht doch eine Verringerung der Strafe zu erwirken. Alles in Allem ein Roman, der einerseits den Leser sehr anspricht, ihn traurig stimmt; andererseits von einem Fatalismus der Betroffenen kündet. Im Übrigen stellt sich einmal mehr die Frage, welchen Zweck eine Todesstrafe überhaupt hat: befriedigt sie die Gesellschaft in ihrer Schaulust (= aufgebrachter Mob), soll sie erzieherisch wirken (= was bereits widerlegt ist) oder soll sie Ordnung in die Gesellschaft bringen (= was ebenfalls nichts brachte). Einen wirklichen Nutzen hat die Todesstrafe nicht; das zeigen die unterschiedlichen Beteiligten und ihre Verhaltensweisen: Für den einen ist es eine bloße Routine (= Beamter/Jurist), für den anderen eine Sache, mit der er sein Geld verdient (= Gefängnisgeistlicher), für andere wiederum blanke Unterhaltung (= Zuschauer). Insgesamt: Prädikat besonders wertvoll !!

    Mehr
  • Rezension zu "Der letzte Tag eines Verurteilten" von Victor Hugo

    Der letzte Tag eines Verurteilten
    HeikeG

    HeikeG

    12. August 2008 um 12:46

    Schenkt mir das Leben! Victor Hugos empathisches Plädoyer gegen die Todesstrafe, geschrieben als fiktives Tagebuch, beurteilte Dostojewskij, der selbst wegen der Teilnahme an Treffen des Petraschewskij-Kreises (einer dem utopischen Sozialismus anhängenden Gruppe) zum Tode verurteilt- allerdings kurz vor Vollstreckung des Urteils begnadigt und für vier Jahre zur Zwangsarbeit nach Sibirien geschickt wurde-, als einen der besten Romane der Literaturgeschichte. Hugo habe, inspiriert allein durch den Anblick des Schafotts in seiner Jugend, diese Situation trefflicher und menschlicher zu schildern vermocht, als er selbst jemals in der Lage gewesen wäre, dies zu tun. Auch noch heute ist "Der letzte Tag eines Verurteilten" kein bisschen verstaubt. "Das Gewölbe der kommenden Gesellschaft wird nicht zusammenstürzen, auch wenn es diesen scheußlichen Schlussstein nicht hat.", schrieb Victor Hugo am 15. März 1832, drei Jahre nach Erscheinen seines kleinen Büchleins. "Ihr werdet die vollständige Umformung des Strafgesetzes erleben. Ihren Krankenhäusern werden eure Zuchthäuser weichen müssen. Dann wird Freiheit und Gesundheit sich ähnlich werden. Man wird Balsam und Öl anwenden, wo jetzt Feuer und Eisen gebraucht wird. Mit Liebe wird man das Übel behandeln, das man einst mit Wut anfasste. Das wird einfach und erhaben sein." In vielen Ländern, so auch in Deutschland, ist seine Vorsehung wahr geworden. Galgen oder Guillotinen an zentralen Plätzen und öffentliche Hinrichtungen sind seit einigen Jahren von unserem Breitengrad verschwunden. Das Kapitel der Todesstrafe ist hierzulande endgültig zugeschlagen. Gab es in der Bundesrepublik Deutschland bereits im Jahre 1949 die letzte Hinrichtung mit dem Fallbeil im Gefängnis von Moabit (Berthold Wehmeyer - wegen Mordes und Vergewaltigung), so fielen am 26. Juni 1981 in der Hinrichtungsstätte im Gefängnis in der Alfred-Kästner-Straße in Leipzig, die voraussichtlich letzten Schüsse gegen den 39-jährigen Stasi-Hauptmann Dr. Werner Teske, dem vorgeworfen wurde, dass er sich mit Akten in den Westen absetzen wollte (Spionagetatbestand). Protokoll eines Menschen im Todeskampf "Mein Körper liegt in Eisen, in einem Gefängnis, mein Geist ist gelähmt und gekettet von einem Gedanken. Es ist ein grauenhafter, blutiger, unversöhnlicher Gedanke. Ich habe nur noch eine Vorstellung, eine Überzeugung und eine Gewissheit: zum Tode verurteilt!" Vor fünf Wochen wurde der Ich-Erzähler, ein namensloser Mann, dessen Tatbestand nie erwähnt wird, zum Tode verurteilt. In einer Art Tagebuch schreibt er - in seiner Zelle dem unmenschlichen Ende seines jungen Lebens harrend - seine Beobachtungen, Gedanken, Gefühle und Empfindungen während dieser Zeit auf. Waren die Hoffnungen während der Gerichtsverhandlung noch groß und nahm er bewusst die Schönheit des Lebens wahr ("Auf dem Kai hörte ich Blumenmädchen lachen, ich sah auch in einer Mauerspalte eine kleine gelbe Pflanze im Licht, mit der der Wind spielte."), so verdüstern sich seine Gedanken unter den unmenschlichen Bedingungen in seiner Todeszelle und dem näher rückenden Termin seiner Hinrichtung zusehends: "In diesem Protokoll eines Menschen im Todeskampf, in dem Fortschreiten meiner Qualen, in dieser Sezierung des Geistes eines Verurteilten wird mehr als eine Warnung sein für die, welche verurteilen. Vielleicht wird dieses Buch ihnen die Hand weniger leicht machen, wenn wieder einmal der Kopf eines denkenden Wesens, der Kopf eines Menschen auf die von ihnen so genannte Waage der Gerechtigkeit geworfen wird. (...) Haben sie sich irgendwie bei dem Gedanken aufgehalten, dass in dem Menschen, den sie schlachten lassen, ein Verstand wohnt, der auf das Leben gezählt hat, eine Seele, die nicht auf den Tod vorbereitet ist? Nein." Gerechtigkeit vs. Wiedervergeltung Ein ständiges Schwanken zwischen Verzweiflung und Hoffnung begleitet ihn die letzten Wochen - eine unvorstellbare seelische Marter, die sich nahezu erschreckend auf den Leser überträgt. Beinahe körperlich leidet man mit dieser verzweifelten "Kreatur". "Der letzte Tag eines Verurteilten" ist ein Buch - mit einzigartigem und poetischem Duktus -, das die Sicht auf das Leben verändert und - angesichts eines besonders grausamen "modernen" Täters - den allzu leichtfertig ausgesprochenen Satz - "Den sollte man abschlachten!" - überdenken lässt. Victor Hugo schrieb auf Grund seines Erfolges dereinst an einem Freund: "Ich habe nachgedacht über diejenigen, die leiden. Das ist mein ganzer Ruhmestitel." Sehr weise Worte! Ins Deutsche übertragen wurde das Werk von dem großem Übersetzer, Lyriker und Dramatiker Alfred Wolfenstein. Er bemerkt in seinem Nachwort: "Die Todesstrafe ist das sichtbarste Zeichen der barbarischen Anschauung, die in der Strafe Vergeltung sieht. Nach Kant bezweckt die Strafe durchaus nicht, den Verbrecher zu bessern, sondern an ihm Gerechtigkeit, das heißt - Wiedervergeltung, zu üben." Fazit: Ein eindringliches Werk als Anklage gegen die Todesstrafe, das leider noch nichts an seiner Aktualität verloren hat, sind heutzutage Steinigung, Giftspritze oder elektrischer Stuhl keineswegs schaurige Geschichten aus der Vergangenheit. Der grausame Grundsatz "Leben für Leben" offenbart ein zutiefst unmenschliches und erniedrigendes "Strafmaß". Kein Mensch darf durch die Hand eines anderen Menschen oder eines Staates zu sterben - egal wie schwer seine Schuld ist - da hierbei Gewalt mittels Unterdrückung und Rache "gesühnt" wird und Gnade, Verzeihung und Rehabilitation aus dem Rechtssystem beseitigt werden.

    Mehr