Victor Witte Hier bin ich

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Inhaltsangabe zu „Hier bin ich“ von Victor Witte

Leo ist Abiturient und weiß, worauf es im Leben ankommt. Das Boss-Sakko sitzt, der Bizeps ist definiert. Er weiß, auf welchem Parkplatz an der Schule er seinen Wagen abstellen muss, um seine Position in der Rangordnung der Clique zu behaupten, er weiß, mit welchem Mädchen er sich sehen lassen kann. Und er weiß auch, welche Gras-Sorte man auf Koks raucht, um nicht zu kollabieren. Ihm gehört die Welt. Er will nach ganz oben. Wie seine Freunde auch. Gemeinsam und gegeneinander kämpfen sie um die Pole Position und um Perfektion. Als bei einer Jachtparty alte Rechnungen beglichen werden, wird aus dem Spiel um Macht und Prestige bitterer Ernst. „Subtiler, präziser und kälter als Victor Witte hat in den letzten Jahren wohl niemand das Lebensgefühl einer wohlstandsverwahrlosten, emotional depravierten und moralisch komplett freidrehenden Jugend eingefangen. Wäre Bret Easton Ellis in den Nuller Jahren in der Berliner Peripherie aufgewachsen, er hätte dieses Buch geschrieben.“ Thomas Klupp „Victor Wittes Roman atmet den Zeitgeist einer ganz neuartigen Generation zwanghaft selbstreflektierter, aber völlig von sich entfremdeter Teenager. Ein Buch wie der erste Orgasmus beim Masturbieren in der Pubertät und das beklemmende Gefühl danach.“ Lars Eidinger „Ein beeindruckendes Debüt.“ Tom Schilling

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  • Der Vergleich mit Bret Easton Ellis ...

    Hier bin ich

    JennAnson

    28. March 2015 um 13:17

    ... ist etwas hoch gegriffen. Gut unterhalten hat mich die Lektüre trotzdem.

  • Leere „Körper-Hüllen“ bis zur Schmerzgrenze

    Hier bin ich

    michael_lehmann-pape

    25. March 2015 um 12:32

    Leere „Körper-Hüllen“ bis zur Schmerzgrenze „Mein I-Phone vibriert und ich denke, dass ich jetzt-----die richtige Mischung aus Seriosität und Sportlichkeit finden muss“. Natürlich erinnert das Denken der Protagonisten, die innere Haltung, die durchgehend und ständig präsenten Themen der „Äußerlichkeit“ (allen voran des Ich-Erzählers Leo) und ihr Lebensstil sehr, sehr stark an Brett Easton Ellis „American Psycho“. Dieses rein Äußerliche, diese ständigen Beschreibungen von Marken, Kleidung, Accessoires, die Wichtigkeit der richtigen Aussprache („Ak-cessoires“), diese Hingab an die eigene Frisur, die erst zu einem bestimmen Zeitpunkt der „Trocknung“ mit den Finger gerichtet werden darf, um den „Look“ nicht zu zerstören“. Ein brachialer Fetischismus des „Scheins“ statt des „Seins“. „Ich finde es wichtig, ein Oberteil für jede Station dabei zu haben, weil der Auftritt am Anfang den Verlauf der Party entscheidend beeinflusst“. Und dahinter eine schmerzhafte, kaum zu ertragende Leere aber in wirklich allem, was ein humanes Miteinander ausmachen könnte, was eine innere Entwicklung in sich tragen könnte, das ist ähnlich wie bei Ellis und auch hier in diesem Buch prägnant getroffen. Wobei Witte durchaus eigene Wege geht, eigene Schwerunkt in seinem harten, teils brutal offenem Blick auf diese „Möchtegern-Jugend“ setzt. Ja, es geht nur um den Schein. Nur um die perfekt definierten Muskel und die Verachtung all jenen gegenüber, die „nur pumpen“. Es geht ständig um ein „klarmachen“ von jungen Frauen (interessanterweise sehr in der Fantasie, denn so richtig faktisch klargemacht wird wenig). „Ich werde Bulgari Soir auflegen, das mit seinem diskret maskulinen Duft meinen Look bespielt“. Kein Mensch, ein Look. Kein Leben, eine Bühne. Keine echten Handlungen mit Spuren und Folgen im Leben, sondern nur ein „Bespielen“. Eine Hohlheit, die den Leser fassungslos vor all den „Nicht-Ereignissen“ stehen lässt. Wenn es dann doch einmal darauf ankommt, wenn ein Hund angefahren wird, dann aber schnell weg, dann bricht all dieses athletische, männliche Getue in sich zusammen. Das sind die eigentlich ernüchternden und harten Szenen im Buch, dieses totale Versagen vor dem „echten Leben“, dieser Mangel an Empathie, diese Unfähigkeit, irgendetwas wirklich zu tun statt nur drüber zu reden, reden, reden. Diese beiden Seiten stellt Witte in hartem und einander ausleuchtendem Kontrast gegeneinander. In sehr flüssiger Sprache, die einen das Buch „weg lesen“ lässt, legt er den Finger auf die Wunde jener jungen Leute, die zwar Bestnoten im Abitur anstreben, aber für sich selbst keinen echten Weg damit verbinden. In eleganten Hüllen, im ständig unausgesprochenen Wettstreit gegeneinander (da werden schon mal eindeutige Videos verteilt), im ständigen „sich Herrichten“ in und für eine Welt, die in dieser Form gar nicht existiert, aber im Inneren kleingeistig und geizig. Und in all dem lässt Witte eine spürbare Frustration ganz unten im Inneren der Personen mitschwingen. Eine Wut, eine Aggression, einen möglichen Hass, der genauso durch nichts wirklich begründet sich einen verschlungenen Weg sucht, wie diese angeberischen Haltungen einer nur vermeintlichen und selbsternannten Elite. Und die sich am Ende des Buches in überraschender Art Bahn brechen wird. Die doch dem gesamten Duktus der Geschichte dann folgt, einfach selbst zu nichts in der Lage zu sein. Wobei es genauso erschreckend im Übrigen ist, dass all jene super-coolen Leute im Buch nicht einmal über irgendeine Form von echter Idee für das eigene Leben oder gar über politische Themen ein Wort verlieren würden. Nein, das Schlimmste, was je passieren könnte, wäre, wenn die anderen die Schweißflecken sehen könnten, die unter dem Jackett in der Hitze der Party entstanden sind. Mehr als eine gepflegte Hülle ist man nicht und selbst diese eigenen Körper steht man noch völlig entfremdet gegenüber. Antiseptisch, austauschbar, leer bis auf eine unausgesprochene und träge Wut aufeinander, da kann es einem nur Angst und Bange werden vor jener Zukunft, in der diese äußern Hüllen die Welt verantwortlich gestalten werden. Eine intensive und empfehlenswerte Lektüre.

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