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kingofmusic

vor 2 Monaten

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„Ich habe immer Angst davor, dass etwas geschieht, weil es vorbei ist, sobald es geschehen ist.“ (S. 73)

Ein ähnliches Gefühl kam bei mir auf, als ich gestern Abend das Buch „Von Verwandlungen“ von Victoria Hohmann zugeklappt hatte und zuvor aus der „Virtual Reality“ der Abschlussgeschichte „Avatare“ aufgetaucht bin.


Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele talentierte Autorinnen und Autoren es gibt, die keine Mainstream-Literatur schreiben, sondern sich von der breiten Masse der gähnend langweiligen und sich stets wiederholenden Kitsch-/Pseudo-SM-/Vampir-/Fantasy-/Romantasy-Veröffentlichungsflut abheben, die aber genau deswegen kaum eine Chance auf dem deutschen Buchmarkt haben, da sie keine millionenschweren Werbeetats von etablierten Verlagen im Rücken haben. (Dieser Absatz ist ein klein wenig meine Ergänzung zur o. genannten Geschichte „Avatare“, in der die Autorin eben jene Verlagsvermarktungskritik geschickt einbaut *g*).

Umso schöner ist es, wenn man dann trotzdem auf Independent-Autoren trifft, die einen (so viel sei als Fazit schon mal vorausgeschickt) mit ihren Geschichten direkt und ohne Umwege ins Herz treffen, weil sie zumeist Geschichten aus dem Leben schreiben, die dem Leser jenen Spiegel vorhalten, der ihn zum Nachdenken über sich, das Leben, die „Realität“ (was ist eigentlich Realität? Gibt es eigentlich die „eine“ Realität?) und über die allgemeine Lage der Welt bringt.

Wenn diese Geschichten, in denen es um die verschiedensten Arten von Verwandlungen (sowohl im physischen als auch im geistlichen und auch im körperlichen Sinn) geht, mit solch einer sprachlichen Eleganz geschrieben sind, dass der unbedarfte Leser vielleicht erst einmal im wahrsten Sinne des Wortes vor eine „Wall of words“ gestoßen wird und dann beim unweigerlich notwendigen (im Sinne von „Was ist hier gerade mit Worten und Sprache passiert?“) Reread einer oder mehreren Geschichten anfängt, Feinheiten zu finden, die einem beim ersten Lesen nicht aufgefallen sind und man dann gar nicht mehr genug bekommen kann, dann weiß man, dass hier etwas ganz Großes entstanden ist.

Hinzu kommt, dass man der Autorin ihre Vorliebe für Franz Kafka anmerkt, da sie ebenso wie er mit Worten jongliert und so Gefühle erzeugt, wie es nur jemand kann, der – nun ja, es halt kann *g*. Ich hatte beim Lesen der sieben Geschichten von „Von Verwandlungen“ oft das Gefühl, als ob hier die weibliche Reinkarnation von Franz Kafka zu mir spricht, was mich dazu verleitet, dieses Buch zu meinem bisherigen Jahreshighlight zu küren. Außerdem darf mich das Buch in meinen Sommerurlaub an die Nordsee begleiten, wo dann insbesondere die Geschichte „Undine“ ihren ganz speziellen Reiz entfalten dürfte.

Ganz großartiges Werk und ich danke der Autorin für das Rezensionsexemplar und die Widmung im Buch.

Autor: Victoria Hohmann
Buch: Von Verwandlungen: Erzählungen

Kopf-Kino

vor 2 Monaten

Bei der Erwähnung Franz Kafkas wurde ich sogleich hellhörig: Das Buch klingt mehr als vielversprechend! Danke für deine Rezension, die sogleich meine Neugierde wecken konnte. 'Von Verwandlungen' landet auf jeden Fall auf meine Merkliste. Gruß & Herzchen

MrsFraser

vor 2 Monaten

Danke für die interessante Rezi. Buch wird vorgemerkt!

Naibenak

vor 2 Monaten

Tolle, extremstst neugierig machende Rezi!!! Herzchen wiedermal verdient *lol*. Danke dir!!!

felicityofbooks

vor 1 Monat

Eine sehr interssante und zutreffende Rezi. Ich kann dir nur zustimmen!

gst

vor 4 Wochen

Du machst mich neugierig!

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