Victoria Wolff

 4 Sterne bei 24 Bewertungen
Autor von Das weiße Abendkleid, Die Welt ist blau und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Victoria Wolff

Das weiße Abendkleid

Das weiße Abendkleid

 (17)
Erschienen am 04.08.2008
Die Welt ist blau

Die Welt ist blau

 (4)
Erschienen am 01.06.2017
Die Welt ist blau

Die Welt ist blau

 (3)
Erschienen am 01.03.2010
Das weiße Abendkleid

Das weiße Abendkleid

 (0)
Erschienen am 01.09.2018

Neue Rezensionen zu Victoria Wolff

Neu

Rezension zu "Die Welt ist blau" von Victoria Wolff

Unbeschwertheit als Lebenselixier
aus-erlesenvor 8 Monaten

Verkehrte Welt. Ursula wartet am Bahnhof. Nicht auf den Zug. Auf ihren Peter. Der ist wieder mal zu spät. Zu sehr in seine Arbeit vertieft. Der Bahnhof ist Treffpunkt, Abfahrtsort, Startschuss in eine unbeschwerte Zeit. Wohin es gehen soll, steht noch nicht fest. Die Welt steht ihnen offen. Egal, welche Farbe sie hat. Nur braun sollte sie nicht sein. Davon gibt es im Juli 1933 schon zu viel.
Die Liebe ist noch frisch. Sie turteln, sie necken sich, starten quietschvergnügt in ihren Urlaub. Ein kurzer Abstecher zu einer ehemaligen Schulkameradin lässt beide noch mehr schmunzeln. Peter fühlt sich von Ursula ein wenig veralbert ob der skurrilen Mausi. 
Dann wird’s konkret. Südschweiz, da wollen sie hin. Ins Tessin nach Ascona. Fast schon bella italia. So soll es sein. Der Himmel und der Lago Maggiore stehen im ständigen Wettstreit, wer denn nun das schönste Blau hervorzaubern kann. Ein Blau, dass Peter und Ursula sofort blau werden lässt. Keine Atemnot, vielmehr Verrücktheiten, Ausgelassensein. Die beiden flirten, untereinander und mit anderen. Was Ursula nicht behagt, Peter noch weniger. Das Ausgelassensein schlägt um. Auch das Wetter. Vorbei das Blau. Grau regiert. Von Politik wollten sie von Anfang an nicht reden. Das vermiest nur die Stimmung. Doch die Leichtigkeit, die beide so provokant zelebrierten, die sie sich so sehnlichst wünschten, muss hart erkämpft werden. Will er sich aussprechen, bremst sie ihn charmant aus. Er solle sich besinnen, vielleicht fällt ihm ein anderes Thema ein. Zu guter Letzt sind sich Ursula und Peter aber nah genug, um all die Missstimmung der vergangenen Tage der Vergangenheit generös zu überlassen. Sie schließen den Vertrag von Bignasco. Kindlich verträumt schwören sie darin Offenheit, Einsicht, Freundschaft, ein bisschen Nietzsche und das die Welt Blau sein müsste. Was so flapsig daher gesagt wurde, hat im Kontext der Zeit einen mehr als ernsten Unterton.
Victoria Wolff wurde unter dem Naziregime schnell mit Arbeitsverbot belegt. Ihr Exil im Tessin erlaubte es ihr trotzdem schriftstellerisch tätig zu sein. Die Unbeschwertheit dieses Romans zieht jeden mit. Die Anspielungen auf das, was in ihrer Heimat Deutschland zur gleichen Zeit geschieht, ist offensichtlich und so wunderbar schonungslos, die naiven Liebeleien verzücken, so dass man von Seite Eins an nur noch schmunzelt. 
Ein unbeschwertes Buch, das in keiner Weise Reisegepäck beschwert.

Kommentieren0
1
Teilen

Rezension zu "Das weiße Abendkleid" von Victoria Wolff

Rezension zu "Das weiße Abendkleid" von Victoria Wolff
Textravaganzenvor 8 Jahren

Vier Frauen im Paris der 1930er Jahre, die unterschiedlicher nicht sein können: Die junge und unerfahrene Sonja ist Mannequin in einem edlen Modehaus, bestreitet diesen Beruf jedoch nur aus Geldnot. Anne ist erfolgreiche Filmschauspielerin, bereist, erfahren und eigenständig. Ihre Schwester Maria führt jedoch ein recht unglamouröses Leben in einer konventionellen Ehe. Und ihre neue Haushaltshilfe Ilka ist zwar jung, aber heimat- und irgendwie auch identitätslos. So verschieden die Frauen sein mögen, empfindet jede von ihnen eine ähnliche Unerfülltheit. Maria beschreibt dieses Zustand wie folgt: „Sie war eine Maschine gewesen, keine aus schwerem Metall, eine Maschine, die sich drehte, Lärm machte, Strom verbrauchte und doch nichts produzierte.“ (194) Doch das soll sich ändern.
Aufgrund zufälliger Verwicklungen haben diese vier Frauen nämlich das Vergnügen, einen Abend lang „ja joie tremblante“ (dt. die zitternde Freude) tragen zu dürfen. Durch diesen wunderbaren Traum in Weiß betrachten die Frauen sich in einem neuen Licht. Beschwingt von diesem Gefühl und durch die Macht des Zufalls ereignet sich für jede von ihnen eine schicksalhafte Begegnung, die ihr Denken und Leben grundlegend verändert. Das Kleid markiert sozusagen den Scheitelpunkt, der ihr Dasein in ein ‚vorher’ und ‚nachher’ einteilt. Aus ‚wollen’ wird ‚werden’, aus ‚nein’ wird ‚ja’.
Das weiße Abendkleid spielt zu einer Zeit des Umbruchs, der vor den Lebensentwürfen der vier Protagonisten keinen Halt macht. Trotz vieler Turbulenzen und Hindernissen verkörpern diese pure Lebensbejahung.
Anbei bemerkt ist die Ausgabe, die 2006 im AvivA Verlag erschien, gespickt mit Fotografien des historischen Paris und bietet außerdem ein ausführliches Nachwort von Anke Heimberg.

Kommentieren0
13
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 42 Bibliotheken

auf 5 Wunschlisten

von 1 Lesern aktuell gelesen

von 1 Lesern gefolgt

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks