Viet Thanh Nguyen

 3.8 Sterne bei 27 Bewertungen
Autor von Der Sympathisant, The Sympathizer und weiteren Büchern.
Viet Thanh Nguyen

Lebenslauf von Viet Thanh Nguyen

Renommierter Bestsellerautor aus den USA: Viet Thanh Nguyen wurde 1971 in Buôn Ma Thuột in Südvietnam geboren. Beim Fall von Saigon 1975 floh seine Familie mit ihm in die USA und kam dort in einem von vier Flüchtlingscamps für vietnamesische Flüchtlinge unter. Von dort zogen sie nach Harrisburg in Pennsylvania und nach drei Jahren weiter nach San José in Kalifornien, wo Nguyen die Schule besuchte und seine Eltern einen vietnamesischen Lebensmittelladen eröffneten. Er studierte anschließend Englisch und Ethnic Studies an der University of California, Berkeley, wo er auch in Anglistik promovierte. Seit 2007 schreibt er nebenbei Kurzgeschichten. 2016 erhielt sein erster Roman "Der Sympathizer" den Pulitzer-Preis und weitere Auszeichnungen. "Die Geflüchteten" verspricht dem Erfolg seines ersten Romanes in nichts nachzustehen. Heute unterrichtet er an der University of Southern California in Los Angeles.

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Die Geflüchteten
Neu erschienen am 08.10.2018 als Hardcover bei Blessing.

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Viet Thanh NguyenDer Sympathisant
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Der Sympathisant
Der Sympathisant
 (24)
Erschienen am 14.08.2017
Viet Thanh NguyenDie Geflüchteten
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Die Geflüchteten
Die Geflüchteten
 (0)
Erschienen am 08.10.2018
Viet Thanh NguyenThe Sympathizer
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The Sympathizer
The Sympathizer
 (3)
Erschienen am 21.04.2016

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Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Der Sympathisant" von Viet Thanh Nguyen

Vietnamkrieg aus asiatischer Sichtweise
Gwhynwhyfarvor 8 Monaten

Der erste Satz: »Ich bin ein Spion, ein Schläfer, ein Maulwurf, ein Mann mit zwei Gesichtern.«

Vietnamkrieg (1955-1975), ein Bild aus meiner Kindheit und Jugend, Literatur und Filme in meiner Jugendzeit, immer aus der Sicht des weißen Amerikas. Und hier haben wir das erste Buch aus der Sicht eines Vietnamesen. Der Icherzähler bleibt namenlos. Seine Mutter ist Vietnamesin, sein Vater war irgendein Franzose, eine Sache, die ihn hier wie dort nie dazugehören lässt. Die letzten Tage vor dem Fall von Saigon lassen den Roman beginnen. Der General und eine Auswahl von Menschen dürfen fliehen, der CIA und die US-Soldaten machen sich vom Acker, auf der Flucht vor dem Vietcong. Die NLF, die »Nationale Front für die Befreiung Südvietnams«, schwenkt längst die blauroten Fahnen. Der Icherzähler gehört zum engen Stab des Generals, aber er ist gleichzeitig ein Spion des Vietcongs, erfährt der Leser. An jeder Ecke betteln Menschen, mit auf die Flucht genommen zu werden, Straßen und Flughafen sind überfüllt mit Flüchtlingen, ein Luftangriff auf die Air-Base lässt viele Menschen sterben und in letzter Minute kann der General starten, sich mit seiner kleinen Truppe retten. Der Krieg ist vorbei. Circa fünf Millionen Vietnamesen sind tot.

»Viele von ihnen hatten einst Artillerieeinheiten und Infanteriebataillone befehligt, doch heute war das Furchteinflößenste an ihnen ihr Stolz, ihr Mundgeruch und ihre Wagenschlüssel, sofern sie im Besitz eines Autos waren. … Am erfolgreichsten war ein General, der für den Einsatz seiner Elitesoldaten bei der Ernte von Zimt berüchtigt gewesen war, auf dessen Vertrieb er das Monopol besessen hatte. Dieser Gewürzhändler führte nun das Kommando über eine Pizzeria.«

Angekommen in den USA, Los Angeles, sind diese ehemals Mächtigen plötzlich ein Niemand, Flüchtlinge. Der Erzähler, ehemals ein Student in den USA, stellt fest, damals war er Gast, ein Student unter Gleichen auf Augenhöhe, heute ist er der Unerwünschte, der Flüchtling. Nicht weiß, nicht gelb, ohne Kontur. Seine Aufgabe ist es, die Gruppe um den General herum zu überwachen, die sich nun auf die Konterrevolution vorbereitet, die Aktivitäten an die neue Führung von Vietnam zu melden. Gefährlich sind sie in ihrer Starre nicht, müssen sich auf den Lebensunterhalt konzentrieren. Der General selbst macht einen Schnapsladen auf, in dem sich die alten Kameraden treffen, «in quietschenden Pennyloafern aus der Schnäppchenabteilung und in Billigkhakis mit Bügelfalte», nun ohne Uniform und Abzeichen, ohne Zukunft, sie sich schön zu saufen.

»Dass ich Halbasiate war, spielte gar keine Rolle, denn wenn es um die Herkunft ging, galt in Amerika nur ganz oder gar nicht. Du warst entweder weiß oder nicht weiß.«

Der Sympathisant muss sogar töten, damit seine Tarnung nicht auffliegt. Und dieser Mann hat tatsächlich ein historisches Vorbild, der reale Spion Pham Xuan An, der heute unerkannt an einem versteckten Ort in den USA lebt.
Der Icherzähler schlägt sich durch, resümiert über den Krieg, amüsiert sich über die amerikanischen Sitten, weiße Überheblichkeit und gleichzeitig über seine primitiven Mitflüchtlinge. Er liebt die Frauen, hat aber Angst sich zu binden und er ist dem Alkohol gut zugetan. In Hollywood sucht man einen vietnamesischen Berater, wegen der Authentizität von Drehbüchern. Der Erzähler erhält den Job.

»Ich war so naiv zu glauben, den Organismus Hollywood von seinem Ziel abbringen zu können, nämlich der Lobotomisierung und Ausbeutung des Kinopublikums auf der ganzen Welt. Der zusätzliche Nutzen Hollywoods war Geschichtsschreibung nach dem Prinzip des Tagebaus. Die Realität blieb zusammen mit den Toten unter der Oberfläche, das staunende Publikum bekam nur die winzigen, funkelnden Diamanten. Hollywood erschuf nicht nur Monster, es war selbst ein Monster.«

»Apocalypse Now«, »Platoon«, »Full Metal Jacket« unser westliches Wissen über den Vietnamkrieg, voller ideologischer Klischees. Damit räumt der Autor Nguyen auf. Sein Erzähler fährt mit nach Indonesien, dem Drehort, um am Set zu beraten, sei es im Script oder an der Kulisse.
Wer ist dieser Erzähler? Ein Niemand, ein Schatten, einer, der unsichtbar sein muss, ein Doppelleben zu führen, nichts und niemand kann ihm etwas anhaben, er steckt alles weg, jede Beleidigung, jeden Toten. «Abgesehen von meinem Gewissen war meine Leber mein am übelsten missbrauchtes Körperorgan.» Doch seine Haut wird brüchig, immer wieder tritt seine Verletzlichkeit hervor, Kapitalismus contra Kommunismus. Viet Thanh Nguyen ist zynisch, kritisch, historisch, er stellt zwei Welten gegeneinander, rechnet mit beiden ab, zeigt beide Sichten, betreibt Medienschelte, besonders am Beispiel Hollywood. Migration, die Entwurzelung, weil man nie ankommt, nicht ankommen darf.

Das Buch überwältigt, es ist wichtig, historisch, sehr lesenswert, steckt voller Information und ist gespickt mit ironischen Anspielungen. Immer noch aktuell das Thema Flucht und Entwurzelung. Aber ganz ehrlich, ich hatte nach dem Hype etwas anderes erwartet. Der Anfang war spannend, doch die Mitte kroch zäh dahin, manchmal erschien es mir, der Sachbuchcharakter hat Vorrang vor der Geschichte. Man muss beim Lesen Geduld mitbringen. Ich habe das Buch oft beiseitegelegt: nachdenken, resümieren, verarbeiten. Am Ende erfahren wir wo und warum der Sympathisant seine Geschichte schreibt, wieder ein hochspannender Teil. »Der Sympathisant« von Viet Thanh Nguyen wurde 2016 mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet. Nguyen selbst, damals vier Jahre alt, ist mit Vater, Mutter und seinem zehnjährigen Bruder durch das chaotische Saigon geirrt, zuerst zum Flughafen, dann zur Botschaft, zum Schluss zum Hafen, wo sie das Glück hatten, fliehen zu können. Er sagt über sich selbst:

«I was born in Vietnam but made in America.» 

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Buecherschmauss avatar

Rezension zu "Der Sympathisant" von Viet Thanh Nguyen

Doppelagent
Buecherschmausvor 9 Monaten

Nahezu jeder kennt die Eröffnungsszene des amerikanischen Films „Apocalypse now“. Wenn nicht den Film, so doch zumindest das eindrückliche musikalische Intro „The end“ von den Doors. Rotorblätter schrappen, Helikopter vor Dschungellandschaft, Düsternis.
Nahezu jeder weiß etwas über den Vietnamkrieg, der doch in Vietnam selbst „Amerikanischer Krieg“ genannt wird. Es gibt unendlich viel Material über diese mörderische Auseinandersetzung, das Netz quillt über von Fotos, Videos, Berichten, Analysen. Aber gleich auf welcher Seite des Konfliktes deren Urheber stehen, auf der amerikanisch-westlichen oder der kommunistischen des Vietcongs, immer ist es vor allem die US-amerikanische Perspektive, die bestimmt. Es sind die Traumata der GIs, die politischen Auseinandersetzungen im Westen, die dramatischen Evakuierungen, die abenteuerlichen Kriegsreporter, die im Mittelpunkt stehen. Die Vietnamesen selbst kommen meist lediglich lediglich als Opfer vor, als Leichen auf der Erde, als hilflos und verzweifelt Fliehende. Charakteristisch dafür ist das weltberühmte Foto des „Napalm-Mädchens“ Phan Thị Kim Phúc.
Trotzdem die Amerikaner diesen Krieg militärisch verloren haben und geschätzt bis zu sechs Millionen tote Vietnamesen 50.000 gefallenen US Soldaten gegenüberstehen, besitzen die Verlierer weitgehend die Deutungshoheit über das Geschehen
„Das war der erste Krieg, dessen Geschichte die Verlierer und nicht die Sieger schreiben würden.“
So auch die Bilanz des Erzählers in Viet Thanh Nguyens Roman „Der Sympathisant“. Das Hauptmittel zur Wahrung dieser Deutungshoheit sieht er in eben jenem Hollywood, das Filme wie „Apocalypse now“ zu von Millionen Menschen konsumierten Geschichten macht. Aber auch Romane wie „Der stille Amerikaner“ von Graham Greene, Dokumentarfilme und Zeitungsartikel stammen überwiegend aus westlicher Feder.
„Dieses amerikanische Narrativ“ zu verändern, erklärt Viet Thanh Nguyen im Interview als erklärtes Ziel seines Romans. Schon im Vorfeld erschien sein Essayband „Nothing ever dies: Vietnam and the memory of war“ zu diesem Thema.
In „Der Sympathisant“ haben wir es mit einem Erzähler zu tun, der in seiner Zelle irgendwo in Vietnam sitzt und für den Kommandanten des kommunistischen Umerziehungslagers einen Rechenschaftsbericht schreibt. Das macht ihn von Beginn an zum unzuverlässigen Erzähler, denn natürlich hängt von dem, was und wie er es erzählt sein zukünftiges Schicksal oder sogar sein Leben ab. Also, inwieweit kann man den Aufzeichnungen trauen?
Der namenlose Mann ist aber noch in anderer Hinsicht wenig vertrauenswürdig. Erfahren wir doch schon im ersten Satz, dass er ein Doppelagent ist und war, ein berufsmäßiger Lügner sozusagen.
„Ich bin ein Spion, ein Schläfer, ein Maulwurf, ein Mann mit zwei Gesichtern.“
Diese zwei Gesichter bestimmen sein ganzes Leben. Als unehelicher Sohn eines französischen Priesters und dessen jungen vietnamesischen Hausmädchens, wird er von klein auf als Bastard beschimpft und gemieden. Eine zerrissene Persönlichkeit, aufgewachsen in streng katholischem Haus, nach dem Untergang der französischen Kolonialherren 1954 in den Süden Vietnams geflüchtet, sympathisiert er selbst stark mit dem Kommunismus und Atheismus. Gleichzeitig lebt er aber den westlichen Lebensstil, der sich zunehmend in Vietnam engagierenden Amerikaner - es gilt, ein weiteres kommunistisches Bollwerk in Südostasien zu verhindern.
Der Erzähler wird zum Adjutanten eines hohen südvietnamesischen Generals, erhält eine geheimdienstliche Ausbildung und wird damit tief in die amerikanischen Operationen hineingezogen. Gleichzeitig arbeitet er für die Kommunisten und versorgt sie mit geheimen Informationen. Diese Zerrissenheit wird auch noch einmal deutlich in dem Freundestrio, Erzähler, Man und Bon. Man arbeitet im kommunistischen Untergrund und ist des Erzählers Verbindungsmann, während Bon pro-amerikanisch denkt. Blutsbrüder seit der Schulzeit, sind die Freunde doch so gespalten wie ihr ganzes Land.
1975 zeichnete sich die endgültige Niederlage der US-amerikanischen Streitkräfte ab. Der Widerstand im Heimatland gegen diesen barbarischen Krieg wurde zu groß, Präsident Nixon war bereits 1974 zurückgetreten, Niederlage reihte sich an Niederlage. Dennoch warteten die Amerikaner um Panik in der Zivilbevölkerung zu vermeiden sehr lange ab und begannen erst Ende April, als die nordvietnamesischen Truppen vor Saigon standen, mit großflächigen Evakuierungen. Im Roman wird das sehr eindrücklich geschildert. „White Christmas“ ertönte im US-Sender als Starsignal dafür. Hunderttausende Menschen stürmten nun in Todesangst die US-Botschaft und hofften darauf, ausgeflogen zu werden. Amerikaner, Westeuropäer, aber auch deren Verbündete unter der einheimischen Bevölkerung. Bei weitem nicht alle konnten gerettet werden. Als am 28. April der Flughafen Saigons durch Bombardierungen weitgehend zerstört wurde, blieben nur noch Hubschrauber zur Rettung. Die Szenen rund um diese Evakuierungen gehören zum spannendsten und eindrücklichsten des Romans.
Durch seine guten Beziehungen gelang dem Erzähler die Flucht und er konnte auch seinen Freund Bon retten. Zunächst gelangten sie nach Guam, danach nach Kalifornien, wo sich eine große vietnamesische Community ansiedelte. Sehr anschaulich erzählt der Autor von den Anpassungsschwierigkeiten, der Verbitterung darüber, das Heimatland verloren zu haben, den geheimen Operationen der Veteranen. Der namenlose Erzähler bleibt auch hier Doppelagent und berichtet über einen Mittelsmann in Frankreich an die Kommunisten. Zwar steckt er zuweilen in einem Gewissenskonflikt, besonders weil er auch Gegner liquidieren muss, aber insgesamt kommt er mit seiner Existenz ganz gut zurecht und wer weiß, wieviel seiner Reue auch der Tatsache geschuldet ist, dass das, was wir lesen, ja ein Bekenntnisbericht im Umerziehungslager ist. Irgendwann schließt er sich einer militärischen Operation an, die ihn wieder in sein Heimatland führt – und die scheitert. Als Ergebnis sitzt er nun hier im Umerziehungslager ein.
Es ist viel, was Viet Thanh Nguyen in seinen Debütroman packt: Krieg, Politik, Geschichte, Abhandlungen über Ideologie, Identität und Moral. Dazu noch Kritik an der amerikazentrierten Sichtweise auf den Vietnamkrieg und eine sehr gelungene Parodie und Filmkritik auf „Apocalypse now“ (der Erzähler arbeitet zeitweise als Berater für den Film „Das Dorf“, der stark an diesen angelehnt ist). Das macht „Der Sympathisant“ zu einem Spionagethriller, einem historischen Roman, einem Kriegsroman, einem politischen Roman und einer Einwanderergeschichte gleichzeitg.
Zu viel auf einmal?
Ich finde, nicht. Man lernt viel beim „Sympathisanten“. Er ist zudem noch spannend, unterhaltsam und mit einer gehörigen Portion Spott und satirischem Witz ausgestattet. Lediglich der Erzähler selbst kommt dem Leser nicht wirklich nah, was aber an seiner Rolle als unzuverlässiger Erzähler liegt. Sympathisch ist er nicht, ein Trinker, ein Zyniker und reichlich zwielichtig. Das ermöglicht aber nicht nur verschiedenste Blickwinkel auf das Geschehen, sondern fordert den Leser ständig zum Hinterfragen des Berichteten auf. Eine anregende Art des Erzählens. Mir hat sie gut gefallen.
Und da stehe ich nicht alleine. Der Debütroman war ein großer Erfolg in den USA, erhielt 2016 den Pulitzerpreis. Auch eine vietnamesische Übersetzung ist in Arbeit, ob sie es zur Veröffentlichung schafft, ist noch offen.

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walli007s avatar

Rezension zu "Der Sympathisant" von Viet Thanh Nguyen

Ich, ein Schläfer
walli007vor einem Jahr

So ungefähr beginnt der Berichterstatter seine Geschichte. Im Jahr 1975 ist er der Adjutant des Generals. Süd-Vietnam ist im Krieg. Der Schutz, den die Amerikaner bieten sollten, ist brüchig. Der General entschließt sich mit seiner Familie zur Flucht und sein getreuer Helfer darf mit. Nicht bekannt ist allerdings, dass es sich bei eben diesem Helfer um einen kommunistischen Spion handelt. Doch ausgestattet mit den notwendigen Mitteln zur Kontaktaufnahme, ergreift dieser die einmalige Gelegenheit, die den General auch in den USA auszuforschen. In einer dramatischen Aktion, die nicht für alle glücklich endet, werden der General und einige seiner Vertrauten aus dem umkämpften Land ausgeflogen.




Dieser Bericht des Spions hat es wirklich in sich. Wie ist das Innenleben eines Menschen, der seine kommunistisch geprägten Werte verbergen muss. Wie schafft er es, in dieser exponierten Stellung nicht aufzufallen. Musste er keine Sicherheitsüberprüfungen durchlaufen, wie kann er sein wahres ich verbergen. Oder ist er etwa dabei, sein wahres ich zu vergessen. Wird seine westliche Umgebung bestimmend für sein Wesen. Kann er seinen Aufgaben als Spion überhaupt noch gerecht werden. Und wie schnell kann eine hingeworfene Bemerkung ungeahnte Gefahren hervorrufen. Doch ebenso wie in Asien ist er auch in Amerika der Bastard, der mit einem westlichen Vater und einer asiatischen Mutter.




Nicht in einem Rutsch zu lesen ist dieser Roman. Manchmal ausgesprochen mitreißend, manchmal etwas befremdlich. Doch häufig das Gedankenkarussell in Bewegung setzend, wie kann ein Mensch durchs Leben kommen, der zwei Seelen in seiner Brust tragen muss, der nach außen so tun muss, als sei er dem kapitalistischen Westen zugeneigt, während er diesem doch nur Verachtung entgegen bringen kann. Je weiter man liest und erkennt, wieso gewisse Formulierungen und Formatierungen gewählt werden, desto häufiger bedarf es einer Pause, um das Gelesene einordnen und gedanklich und gefühlsmäßig auf ein Level zu bringen, das das Gelesene erträglich werden lässt. Es ist schon harter Tobak, den der Autor bietet. Und die Befürchtung, dass der Autor sich relativ nah an wahre Begebenheiten gehalten haben könnte, macht es nicht einfacher. Wenn man selbst eher unbelastet aufgewachsen ist, fällt es schwer die Erlebnisse des Spions einzuordnen, sie verarbeiten zu können, sie zu verstehen. Da möchten einzelne Passagen wirklich genauestens gelesen werden, da blättert man noch einmal zurück, um jede Nuance mitzubekommen. 




Es bleibt zurück, eine nachdenkliche Leserin, die nie eine solche Erziehung und Formung genießen möchte, wie der Autor sie seinem Sympathisanten angedeihen ließ. Ein Hoch auf die freiheitlich demokratische Grundordnung und die Möglichkeit, das Spionieren grundsätzlich anderen zu überlassen.


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Viet Thanh Nguyen wurde am 01. Januar 1971 in Buôn Ma Thuột (Vietnam) geboren.

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