Vigdis Hjorth Ein norwegisches Haus

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Inhaltsangabe zu „Ein norwegisches Haus“ von Vigdis Hjorth

Alma liebt ihr bescheidenes Häuschen inmitten der idyllischen norwegischen Landschaft, die ungeputzten Fenster, die Kiefernholzdielen, die leeren Weinflaschen im Waschkeller und den Safe, der sich nicht öffnen lässt. Zu ärgerlich, dass sie die Einliegerwohnung, die direkt an ihr Schlafzimmer grenzt, untervermieten muss, denn von ihrer Gage als Künstlerin allein kann sie nicht leben. Als ein polnisches Pärchen einzieht, das sich bei ihr mehr und mehr zu Hause fühlt, stößt Alma an ihre Grenzen. Voller Abneigung und Misstrauen belauert sie die Fremden in ihren eigenen vier Wänden. Ein norwegisches Haus erzählt die Geschichte einer liebenswerten Misanthropin, die den Weg zurück zu den Menschen sucht, in eine Gemeinschaft, die in ihrem Gutmenschentum und ihrer Oberflächlichkeit aber ebenso ohnmächtig und handlungsunfähig ist wie Alma selbst. Vigdis Hjorth zeichnet das Bild einer Gesellschaft, wie es sie überall auf der Welt gibt: Ein bisschen Alma ist eben in jedem von uns.

Inhalt und Sprache sind sehr eindringlich. Aber Alma ist unglaublich anstrengend, trübsinnig und unsympathisch.

— kalligraphin

In Alma findet man den Griesgram, der in jedem von uns steckt. Teilweise fast beängstigend, teilweise aber auch etwas langatmig.

— Code-between-lines

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    Ein norwegisches Haus

    Code-between-lines

    Zum Inhalt: Alma, alleinstehend mit erwachsenen Kindern, die bereits aus dem Haus sind, liebt ihr abgeschiedenes Leben in ihrem im Wald versteckten Häuschen. Hier kann sie, wenn sie mal wieder voll in ihrer Arbeit als Textilkünstlerin versinkt, die Nächte durchmachen, den Tag verschlafen, die Fenster erst wieder putzen, wenn die kreative Phase vorbei ist, und sich von der Welt abschotten. Alles könnte perfekt sein, wenn Alma nicht darauf angewiesen wäre, die kleine Einliegerwohnung im Haus zu vermieten, um eine regelmäßige Einnahmequelle zu haben. „Sie wollte nichts mit ihrem Mieter zu tun haben, wollte ihn nicht sehen müssen, wollte seine Existenz vergessen, wenn nur das Geld jeden Monat auf dem Konto war.“ Alma vermietet an eine polnische Familie, und als diese dort Wurzeln schlägt, ein Kind bekommt und großzieht, ist Alma zwar froh, eine gewisse Konstanz beim Vermieten zu haben, aber mehr und mehr beginnt sie auch, sich an den Fremden zu reiben. Da Alma von zu Hause aus arbeitet, entgeht ihr nicht viel aus dem Leben der fremden Familie – obwohl sie von der häuslichen Gewalt, die sich dort abgespielt haben muss, weswegen „die Polnische“ bald allein mit der Tochter in der kleinen Einliegerwohnung lebt, dann doch nichts mitbekommen hat. Aus der anfänglichen Fremdheit und dem gegenseitigen Beobachten werden nach und nach grunsätzliches Mißtrauen und gegenseitiges Belauern. Vorurteile und Vorwürfe bezüglich der Erledigung der anfallenden Pflichten rund ums Haus verpesten die Stimmung und führen dazu, dass das Zusammenleben unter einem Dach für beide Seiten immer mehr zur Belastung wird. Eigene Meinung: Gut gefallen hat mir an Vigdis Hjorths Erzählung die gelungene Beschriebung einer ungewöhnlichen Protagonistin: Alma ist eine miesepetrige Frau, die sich, nachdem die Kinder aus dem Haus sind, in ihrem abgeschiedenen Häuschen verkrochen hat und das Leben eines Einsiedlers führt. Dieses entspricht ihrem Naturell, denn insgesamt steht sie anderen Menschen recht skeptisch gegenüber, passt sich nicht gern an, fühlt sich schnell gehört, ist sich selbst genug und daher am liebsten allein. Auch der immer mal wieder in die Handlung eingebundene Liebhaber (der konsequent auch nur als „der Liebhaber“ bezeichnet wird) , scheint mehr „Mittel zum Zweck“ zu sein, wenn nicht sogar eigentlich eher unbequem – verlangt er doch von Alma ein „gesellschaftskonformes Leben“ mit einem geregelten Tagesablauf, Unternehmungen mit anderen Paaren und will sie häufiger sehen, als sie bereit ist, ihre Abgeschiedenheit aufzugeben. Alma ist ein klassischer Misanthrop, und doch wurde sie mir beim Lesen nicht unsympathisch, sondern manchmal habe ich sie um ihre Ruhe und die Konsequenz, mit der sie ihr Leben ausschließlich nach ihren eigenen Wünschen gestaltet, beneidet. Und die gelungene und schlüssige Beschreibung der Hauptfigur machte mich sehr neugierig auf den naturgemäß entstehenden Konflikt, wenn die Einsamkeits-liebende Alma durch ihre Lebensumstände (irgendwo muss das Geld ja herkommen) dazu gezwungen wird, mit Fremden gemeinsam unter einem Dach zu leben. Wie dieser interessant angelegte Konflikt dann jedoch „abgearbeitet“ wird, hat mich nach und nach immer mehr enttäuscht. Die Handlung ist von sehr vielen Wiederholungen geprägt, bleibt vorhersehbar, plätschert die meiste Zeit still vor sich hin und hört ebenso unspektakulär und ohne großen Schlusspunkt auf. Es wiederholen sich die immer gleichen Themen wie in einer Dauerschleife: der in Almas Augen viel zu hohe Stromverbrauch der polnischen Mieterin (läuft sie doch tatsächlich im Winter in Unterhemd durch ihre Wohnung, während Alma pflichtschuldig mehrere Lagen wollene Wäsche übereinander trägt, um Heizkosten zu sparen), der dominante Briefkasten der Fremden, der ärgerlicherweise viel größer ist als Almas eigener, das an der falschen Stelle geparkte Auto (schließlich soll doch hier im Frühling Gras eingesät werden) und die ungeklärte Frage, wer eigentlich für das Beiseite-Räumen des Schnees verantwortlich ist. „Sie gingen nicht spazieren, saßen nicht draußen, fuhren ab und zu mit dem Auto irgendwohin, waren aber bald wieder in der Wohnung, saßen dort drinnen und verbrauchten Strom, das dachte Alma.“ Während zwar auf diese Weise die sich im Kreis drehende Beschäftigung mit der gegenseitigen Asympathie zwischen Alma und ihrer Mieterin gut verdeutlicht wird, musste ich mich doch aufgrund der ständigen inhaltlichen Wiederholungen in Kombination mit Hjorths von langen, verschachtelten Sätzen geprägtem Schreibstil, durch manche Abschnitte ganz schön hindurch kämpfen. Alma und ihre Mieter verbringen auf diese Weise mehrere Jahre unter dem gemeinsamen Dach, und es ist vermutlich kein Zufall, dass die langen dunklen norwegischen Wintermonate von der Autorin so in den Vordergrund gestellt werden (Frühling und Sommer scheinen immer nur so vorüber zu huschen), denn auf diese Weise wird die Enge, das gemeinsame „Eingesperrtsein“ in dem kleinen eingeschneiten Häuschen im Wald, noch viel deutlicher. „Das Schöne an Dichte und Übersicht waren Beobachtung, Hilfe, aber das Schwierige war, dass man nicht entkommen und sich verstecken konnte, dass die anderen alles im Auge behielten.“ Zum Ende hin zog für mich der Lesefluss wieder etwas an, das Mietverhältnis soll schließlich aufgelöst werden und alles steuert auf einen offenen Konflikt zu. Das Buch endet dann jedoch ohne großen Schlusspunkt, läuft eigentlich einfach so aus, so dass ich relativ unbewegt die letzte Seite zugeschlagen habe. Schade. Ein interessant angelegtes Thema, aber es fehlte mir definitiv der „letzte Biss“.

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